Die Schajetet 13 (he. שייטת 13, deutsch: Flottille 13) ist eine Kampfschwimmereinheit der Israelischen Marine für litorale und asymmetrische Kriegführung. Sie gilt neben der Sajeret Matkal des Heeresnachrichtendienstes Aman und der Jechidat Schaldag der Israelischen Luftstreitkräfte als eine der drei besten Kommandoeinheiten der Israelischen Streitkräfte. Die Schajetet 13 existiert seit 1949 und hat ihr Hauptquartier in Atlit südlich von Haifa.

Geschichte

Aufstellung und die ersten Jahre

Die Schajetet 13 hat ihre Wurzeln in der Ha’Chulya, einer Sondergruppe des Palyam für Sabotageaktionen gegen die britische Mandatsregierung. Mit der Staatsgründung Israels wurde der Palyam aufgelöst und in die Israelische Marine übernommen, dabei wurden zwei Sondereinheiten installiert: Die Unterwassersabotage unter der Leitung von Yossale Dror, und die Sprengboote unter der Leitung von Yohai Ben-Nun, dem späteren sechsten Kommandeur der israelischen Marine. Zum 1. Januar 1950 wurden die beiden Sondereinheiten zusammengelegt und daraus die Schajetet 13 gegründet.[1] In den ersten Jahren wurde die Notwendigkeit und die Existenz einer eigenen maritimen Spezialeinheit innerhalb des israelischen Militärs kritisch gesehen, was dazu führte, dass ihr anfangs nur ein geringes Budget zur Verfügung stand. 1960 wurde die Existenz der Shayetet 13 erstmals vom Verteidigungsministerium offiziell bekanntgegeben, was es den Soldaten ermöglichte, nun auch öffentlich das Abzeichen ihrer Einheit (die Fledermausflügel) zu tragen, anstatt das der allgemeinen Marine

 

Sechs-Tage-Krieg

Der Ausbruch des Sechstagekrieges 1967 traf die Einheit relativ unvorbereitet und in einem eher mittelmäßigen Ausbildungsstand. Das hatte zur Folge, dass eine ganze Reihe von Operationen scheiterte, am spektakulärsten am 6. Mai 1967, als sechs Soldaten der Schajetet 13 durch ägyptische Streitkräfte während einer Verdeckten Operation in ägyptisch kontrolliertem Gebiet gefangen genommen wurden. Erst sechs Monate später, im Januar 1968, wurden die Soldaten wieder freigelassen

 

Abnutzungskrieg

1969, während des so genannten Abnutzungskrieges, erlitt die Einheit eine weitere schwere Niederlage, als bei einem Einsatz sechs Soldaten getötet und zehn schwer verletzt wurden. Dies führte zu einem Umdenken und einer Neuausrichtung des taktischen Einsatzkonzeptes und des Ausbildungsschwerpunktes. Ab 1970 wurde nun der Fokus auf ein klassisches Einsatzprofil maritimer Kommandoeinheiten gelegt, auf das Anlanden und die Infiltration von See her zu Land. Von da an war die Schajetet 13 verantwortlich für den maritimen Transport anderer Spezialeinheiten zu ihren Einsatzorten und das Aufklären und Beseitigen von Unterwassersicherungseinrichtungen, wie Sperren und Seeminen, griff selbst aber nicht mehr in das Kampfgeschehen an Land ein.

Operation Frühling der Jugend

Am 9. April 1973, fünf Monate vor dem Jom-Kippur-Krieg, stellte die Schajetet 13 die maritime Komponente bei der Operation Frühling der Jugend, der erfolgreichen nächtlichen Infiltration eines Teams der Sajeret Matkal von See her nach Beirut, welches, unterstützt durch Mossad-Agenten vor Ort, die Verantwortlichen für das Olympia-Attentat der Terrorgruppe Schwarzer September überfiel und tötete. Anschließend gelang auch die Exfiltration ohne eigene Verluste. Zwar konnten alle Zielpersonen getötet werden, aber etliche unbeteiligte Zivilisten und libanesische Sicherheitskräfte kamen bei dem Gefecht zu Tode

 

Erster Libanonkrieg

Ab den 1980er Jahren nahmen die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern immer mehr zu und Israel marschierte am 6. Juni 1982 in den Libanon ein (Libanonkrieg 1982) und rückte bis Beirut vor, was dann schließlich 1987 in der Ersten Intifada eskalierte. In der Zeit bis dahin, hatte sich die Schajetet 13 in etlichen erfolgreichen Operationen sowohl auf israelischen Gebiet als auch auf libanesischen, eine exzellente Einsatzstatistik erarbeitet, bei der sie keine Verluste erlitten hatte. Typische Einsatzmuster waren das erfolgreiche Verhindern der maritimen Infiltration der Hisbollah, die Lokalisierung und das Ausheben etlicher ihrer Führungzenteren und das Verminen ihrer bevorzugten Routen nach Israel [3]. Am 8. September 1997 erlitt die Einheit ihre bis dahin größte Niederlage, als sie bei einem eigenen Überfall von einem heftigen Gegenangriff der Hisbollah überrascht wurde und 11 Soldaten verlor, einschließlich des Kommandeurs der Gruppe

 

Zweite Intifada

Während der Zweiten Intifada wurde erstmals wieder Soldaten der Schajetet 13 auch ohne maritimen Bezug in reinen Landoperationen eingesetzt, vornehmlich in Antiterroroperationen im Westjordanland und Gaza-Streifen. Dabei führten sie in zahllosen Einsätzen gezielte Tötungen von Hamas-Führern durch oder aber entführten diese. Gleichzeitig bekämpften sie auf dieselbe Weise die Gruppierungen Islamischer Dschihad und al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden, welche maßgeblich für die Förderung und den Einsatz von Selbstmordattentätern verantwortlich zeichneten. Dennoch waren sie trotz dieser Einsatzdichte auch auf ihrem angestammten Sektor weiter tätig und es gelang ihnen unter anderem, die Aufbringung der Frachter Karine A[6] und Santorini[7], welche große Mengen geschmuggelter Waffen für die palästinensischen Kämpfer an Bord hatten. Die Kaperung der Karine A (Operation Noah's Ark) wurde möglich durch einen Hinweis der CIA und war die diffizilste Operation dieser Art, die die Schajetet 13 je ausführen musste, die sie aber erfolgreich abschloss. In den Jahren 2002 und 2003 gewann der Kommandeur der Schajetet 13 auf Grund der zahlreichen und erfolgreichen Antiterror-Operationen jeweils den Chief-of-Staff-Award (Preis der Stabschefs

 

Zweiter Libanonkrieg

Während des Zweiten Libanonkrieges unternahm die Einheit unter anderem 2006 den Angriff auf die südlibanesische Stadt Tyros

 

Kontroversen

In den letzten Jahren erkrankten auffällig viele Veteranen der Schajetet 13 an Krebs, wahrscheinlich verursacht durch Verunreinigungen des Kischon-Flusses, der in die Bucht von Haifa mündet. Eine Untersuchungskommission wurde eingesetzt, um die Vorwürfe zu prüfen und kam zu dem Ergebnis, dass es keine statistischen Beweise gäbe, dass das Tauchen in dem Fluss krebsauslösend sei. Dennoch gewährte der israelische Verteidigungsminister Schaul Mofas den Familien der Betroffenen Entschädigungen

 

Aufbringung des Schiffs Klos-C im Roten Meer

Am 5. März 2014 hat die Einheit in einer Geheimoperation das unter panamaischer Flagge fahrende Schiff Klos-C im Roten Meer vor der eritreischen Küste aufgebracht und die Ladung beschlagnahmt. Nach israelischen Angaben befanden sich an Bord des aus dem Iran über Irak kommenden Frachtschiffs neben Zement moderne Boden-Boden-Raketen des syrischen Typs M-302 mit einer Reichweite von rund 160 km, die für den Gazastreifen bestimmt waren.

 

Auftrag

Die Schajetet 13 ist als Marine-, Luftlande- und Bodenstreiteinheit einsetzbar. Ihr Einsatzspektrum umfasst Aufklärung und die Abwehr feindlicher Aufklärung, direkte Kampfeinsätze, Asymmetrische Kriegführung, Terrorismusbekämpfung und Geiselbefreiung sowie Befreiungs- und Rettungsoperationen.

Asymmetrische Kriegführung umfasst zahlreiche verdeckte Operationen in gegnerisch kontrolliertem oder politisch schwierigem Umfeld, unter anderem Guerilla-Kriegführung gegen wichtige Ziele hinter gegnerischen Linien, Psychologische Kriegführung und Sabotage. Dabei ist die Schajetet 13 vor allem auf maritime und küstennahe Umgebung ausgelegt, auf die unerkannte Bewegung zum Einsatzziel durch das Wasser, überfallartige Operationen und den schnellen Rückzug auf dem Wasserweg. Dies soll ihnen den Zugriff auf Objekte ermöglichen, die für größere Verbände nicht oder nur nach schweren Kämpfen erreichbar sind.

Da die Schajetet 13 meist nur in kleinen Teams operiert, haben sie eine geringe Feuerkraft, und können, wenn sie von größeren Einheiten entdeckt werden, leicht aufgerieben werden. Deshalb ist es wichtig, dass sie während des Einsatzes unentdeckt bleiben und ihre Rückzugsroute gesichert ist.

Organisation

Die Schajetet 13 besteht aus einem verstärkten Bataillon, welches sich aus drei Einsatzkompanien und einigen Unterstützungseinheiten für Ausbildung, Planung, Versorgung zusammensetzt. Die genaue Struktur ist geheim. Die drei Einsatzkompanien sind jeweils auf ein bestimmtes Missionsprofil spezialisiert.

Kommando-Kompanie

Sie ist spezialisiert auf Überfälle und Infiltration von See zu Land und maritime Antiterrorkampf und Geiselbefreiung.

Kampftaucher-Kompanie

Sie ist spezialisiert auf alle Arten des Unterwasserkampfes, wie Unterwasseraufklärung von möglichen Landeabschnitten und deren Sicherung, Minenlegen und Entschärfen am Meeresgrund, aber auch für das Anbringen von Haftminen an Schiffsrümpfe und Hafenanlagen sowie maritime nachrichtendienstliche Aufklärung.

Überwasser-Kompanie

Sie steuert die schnellen Angriffsboote vom Typ Zodiak und auch alle anderen Überwasserfahrzeuge, von denen aus die beiden anderen Kompanien operieren, und sind auf das Absetzen von Einsatzkräften an Land spezialisiert.

Rekrutierung und Ausbildung

Die Ausbildung dauert ca. 20 Monate und ist wegen ihres maritimen Aspektes, der zu den üblichen Kommandofähigkeiten, den die Schajetet 13 mit vergleichbaren Einheiten der anderen Teilstreitkräfte gemein hat, hinzukommt, äußerst strapaziös. Das Ausbildungsprogramm unterteilt sich in fünf unterschiedliche Phasen:

Phase 1

Phase 1 dauert sechs Monate, findet in einer normalen Infanterieeinheit des Heeres statt und beinhaltet neben der Grundausbildung eine weiterführendes Training der infanteristischen Gefechtsführung.

Phase 2

In Phase 2, erfolgt die dreiwöchige Sprungausbildung an der Fallschirmsprungschule der 35. Fallschirmjäger-Brigade des Heeres.

Phase 3

Phase 3 ist die so genannte Vorbereitungsphase und dauert drei Monate. Sie umfasst alle Aspekte der fortgeschrittenen infanteristischen Gefechtsführung, Waffentraining und die Grundelemente der maritimen Kriegführung, wie das Steuern kleinerer Boote, Langstreckenschwimmen sowie Gewaltmärsche und Sprengtechniken.

Phase 4

In Phase 4 durchläuft der Rekrut die Ausbildung zum Kampftaucher. Dieser Kurs dauert vier Wochen. In ihm werden die Grundelemente des Kampftauchens erlernt, wie der Umgang mit Kälte, Strömungen, das Tauchen und Orientieren in dreckigem bis undurchsichtigem Wasser, wie es in Hafenbecken zu finden ist, und der Umgang mit tauchspezifischen Risikosituationen, wie Druck und Tiefe.

Phase 5

Die Phase 5, auch Weihe- oder Widmungsphase genannt, dauert fast ein ganzes Jahr. In diesem letzten Ausbildungsabschnitt wird der Rekrut mit fortgeschritten Tauchtechniken vertraut gemacht, wie zum Beispiel der Umgang mit Kreislauftauchgeräten, mit Unterwassersabotage und -sprengtechniken, dem Anbringen von Minen und deren Entschärfen, Infiltrations- und Exfiltrationstechniken via Luft, Boden und See. Ferner beinhaltet Phase 5 auch einen dreiwöchigen Kurs an der IDF Counter Terror Warfare School, der Schule für militärische Terrorismusbekämpfung, wo der Rekrut alle Aspekte der Geiselbefreiung und des Antiterrorkampfes verinnerlicht. Danach durchläuft er Kurse in Entertechniken und der Gefechtsführung in beengten Raum auf Schiffen, Bohrinseln und in küstentypischen Gebäuden. In dieser Abschlussphase, in der alle vorangegangenen Fertigkeiten nicht nur in Kombination wiederholt und vertieft werden, entscheidet sich, je nach den gezeigten Leistungen, aber auch nach den persönlichen Wünschen der Rekruten, welcher Kompanie er am Ende zugeteilt wird.

Ausrüstung

TAR-21-Sturmgewehr

Die Einheit verwendet die Selbstladepistolen Glock 17 und Glock 19, Sturmgewehre des Typs Tavor TAR-21, Maschinenpistolen des Typs Micro Uzi und Micro Para Uzi, Scharfschützenwaffen der Typen IMI Galatz, Mauser 86SR, M24 und Steyr SSG 69 und Vorderschaftrepetierflinten der Typen Remington 870 und Mossberg 500.