RIM-2 Terrier

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Terrier am Heck der USS Boston
Start einer Terrier vom Flugzeugträger USS America, 1965

 

RIM-2 Terrier ist die Bezeichnung der ersten US-amerikanischen seegestützten Boden-Luft-Rakete mittlerer Reichweite. Die Terrier hatte einen Startschub von 2.300 kgf, eine Startmasse von 1.392 kg, einen Durchmesser von 0,34 m, eine Länge von 8,08 m und einer Flossenspannweite von 1,59 m. Die Reichweite betrug rund 32 Kilometer. Sie bestand aus einer Startstufe und einer Zweitstufe, welche die Lenksysteme und den Sprengkopf enthielt. Erstmals wurde sie ab 1955 auf den Baltimore-Umbauten USS Boston (CAG-1) und USS Canberra (CAG-2) verwendet.

Spätere Varianten der Terrier wurden unter dem Namen RIM-67 Standard Missile produziert.

 

Modifikationen

 

Die Startstufe von ausgemusterten Terrier und Standard-Raketen wurde auch als Basis für verschiedene Höhenforschungsraketen verwendet. Hierfür wurde die Terrier mit diversen Oberstufen, wie der Asp, der Tomahawk oder der Orion, ausgestattet.

MGM-1 Matador

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MGM-1 Matador

MATADOR.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Marschflugkörper
Hersteller: Glenn L. Martin Company
Entwicklung: 1949
Indienststellung: 1954
Technische Daten
Länge: 12,10 m
Durchmesser: 1.200 mm
Gefechtsgewicht: 5.400 kg
Spannweite: 8.700 mm
Antrieb:
Erste Stufe:
Zweite Stufe:

Feststoffbooster
Allison J33-A-37 Turbojet
mit 20 kN Schub
Geschwindigkeit: Mach 0,9
Reichweite: 1.050 km
Ausstattung
Zielortung: INS plus Funkkommandolenkung
Gefechtskopf: W5 Nukleargefechtskopf 40 kt
Waffenplattformen: Verbunkerte Stellung
 

 

Die MGM-1 Matador war der erste US-amerikanische militärische Marschflugkörper. Sie wurde ab 1949 entwickelt und trug einen nuklearen Sprengkopf. Die Waffe war während des Kalten Krieges auch in Westdeutschland stationiert. Vorläufer der Matador als selbständig fliegender Marschflugkörper war die deutsche Konstruktion Fieseler Fi 103 (V1) aus dem Jahr 1943.

 

Entwicklung und Technik

Der erste Start einer Matador mit der Typenbezeichnung XSSM-A-1 fand im Januar 1947 auf der White Sands Missile Range statt, ab 1951 wurden die Tests auf der Patrick Air Force Base in Florida weitergeführt. 1953 war die erste Matador-Batterie des US-Militärs einsatzbereit. Sie war mit nuklearen Gefechtsköpfen W5 bestückt, die eine vergleichsweise geringe Sprengkraft von 40 kT TNT besaßen.

Der Flugkörper wurde via Funkfernsteuerung gelenkt und mit einem Netzwerk von Radarstationen am Boden verfolgt. Die Funkverbindung setzte eine direkte Luftlinie voraus, daher war die Reichweite auf 400 km begrenzt. Sie war zudem durch mögliche gegnerische Störmaßnahmen gefährdet.

1954 begann daher die US Air Force mit der Entwicklung der YTM-61C-Version, die das Shanicle-Steuersystem (Short Range Navigation Vehicle) verwendete. Es bestand aus einer Reihe bodengestützter Mikrowellen-(Radar-)Sender, die ein Funknetz zur Darstellung von Entfernung und Azimuth generierten, auf dessen Basis die Matador navigierte. Damit konnte die nutzbare Reichweite auf maximal 1.000 km ausgedehnt werden.

Die letzten Matador wurden 1962 außer Dienst gestellt, nachdem 1.200 Stück hergestellt worden waren.

Neben Japan und Südkorea wurden die Marschflugkörper auch in Westdeutschland stationiert: In Rheinland-Pfalz wurden verbunkerte Silos bei Idenheim und Rittersdorf gebaut, aus denen die Flugkörper unter Führung der 701st (ab 1958 der 38th) Tactical Missile Wing hätten gestartet werden können. Identische Anlagen gab es auf der japanischen Inselgruppe Okinawa.

Nike Ajax

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MIM-3 Nike Ajax

Nike ajax 32.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Boden-Luft-Lenkwaffensystem
Hersteller: Western Electric, Bell, Douglas
Entwicklung: ab 1945
Indienststellung: 1951 (ungelenkt: 1946)
Stückpreis: 20.000 USD (1958)
Technische Daten
Länge: 10,61 m
Durchmesser: 1. Stufe: 0,42 m
2. Stufe: 0,30 m
Gefechtsgewicht: 1.110 kg mit Booster
Spannweite: 1. Stufe: 1,62 m
2. Stufe: 1,37 m
Antrieb:
Erste Stufe:
Zweite Stufe:

Hercules M5E1 Feststoffbooster
Bell Flüssigkeits-Raketentriebwerk
Geschwindigkeit: Mach 2,3
Reichweite: 48 km
Ausstattung
Zielortung: radargeführte Kommandolenkung
Gefechtskopf: 136-kg-Splittergefechtskopf
in drei getrennten Ladungen
Zünder: Funkkommando
Waffenplattformen: ortsfeste Raketenstellung

 

Die MIM-3 Nike Ajax ist eine Flugabwehrrakete, die im Rahmen des US-amerikanischen „Nike“-Programms entwickelt wurde. Sie war die weltweit erste gelenkte Überschall-Flugabwehrrakete, die zum operativen Einsatz kam, wurde aber ab 1958 kontinuierlich durch ihren Nachfolger MIM-14 Nike Hercules ersetzt.

 

Geschichte

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges erkannte die US Army angesichts der zunehmenden Einsatzhöhen und -reichweiten von Bombern, der absehbaren Einführung leistungsfähiger Strahlflugzeuge und nach Berichten über den Stand der deutschen Raketenforschung die Notwendigkeit einer Flugabwehrrakete. Das Projekt wurde zunächst als „major caliber anti-aircraft rocket torpedo“ bezeichnet. Daraufhin beauftragte die US-Army im Februar 1945 die Unternehmen Western Electric und Bell Telephone Laboratories, die bereits Erfahrungen mit der Entwicklung von Radar- und Waffenkontrollsystemen hatten, mit einer Machbarkeitsstudie über ein Luftabwehr-Raketensystem. Nachdem diese Studie positiv ausfiel und die Rahmenbedingungen festlegte, wurde Mitte 1945 die Entwicklung unter der Bezeichnung „XSAM-G-7“ beschlossen und Western Electric als Hauptvertragspartner ausgewählt. Als Subunternehmen wurden Bell Labs (verantwortlich für Radarsystem und Computer), das Picatinny Arsenal (Gefechtskopf), Aerojet Engineering (Feststoff- und Flüssigkeitstriebwerk) und die Douglas Aircraft Company (Flugkörper) einbezogen. Der ursprüngliche Entwurf sah dabei für den Flugkörper die kreisförmige Anbringung von acht Feststoffboostern am Heck der Rakete vor.

Der erste Bodentest der Rakete erfolgte im September 1946 auf dem „White Sands Proving Ground“ in New Mexico. Der erste (noch ungelenkte) Start wurde eine Woche später durchgeführt, wobei die Rakete Kameras und Messgeräte anstelle eines Gefechtskopfes trug. Im Jahr 1947 wurden die Testflüge weitergeführt, während gleichzeitig Experimente zur Zielverfolgung mittels eines Monopuls-Radars erfolgten. Allerdings kam es durch Probleme mit der Zuverlässigkeit der Booster zu erheblichen Verzögerungen im Zeitplan, so dass 1948 beschlossen wurde, die ursprüngliche Konfiguration zu verwerfen und stattdessen den vom Allegheny Ballistics Laboratory entwickelten einteiligen Booster des „RIM-2 Terrier“-Raketenprogramms der US-Navy anzupassen. Nachdem die Probleme gelöst waren und das Projekt rasche Fortschritte machte, wurde im Januar 1949 mit Western Electric, den Bell Laboratories und Douglas Aircraft ein Vertrag über die Produktion von 1.000 der nun „SAM-A-7“ genannten „Nike Ajax“-Raketen und 60 Bodeninstallationen abgeschlossen. Im Februar 1951 gelang der erste Abschuss einer „QB-17“-Drohne auf dem Versuchsgelände von White Sands, woraufhin der Aufbau einer Lehrbatterie durch das Army Anti-Aircraft Command (ARAACOM) erfolgte und die Ausbildung von Bedienungsmannschaften begann.

Im März 1954 wurde die erste reguläre „Nike Ajax“-Einheit in Fort Meade, Maryland, aufgestellt. Im Laufe der nächsten vier Jahre wurden rund 200 Batterien um Großstädte und strategische Ziele in den nördlichen USA aufgebaut. Allerdings begann dort schon 1958 der Ersatz durch die „MIM-14 Nike Hercules“ mit höherer Reichweite, während die "Nike Ajax" nun bei im Ausland stationierten US-Truppen eingesetzt wurde. In den USA wurde die letzte "Nike Ajax"-Batterie im Jahr 1963 deaktiviert. Insgesamt wurden 13.714 Raketen hergestellt.

Im Rahmen der Einführung eines einheitlichen Kennzeichnungssystems nach AFI 16-401(I)[1] wurde die Typbezeichnung im Jahr 1963 von "SAM-A-7" in "MIM-3" geändert.

Technik

Flugkörper

Die Grundform des eigentlichen Flugkörpers ist ein Zylinder mit ogivaler Spitze und konisch zulaufendem Heck. Am Bugbereich des Rumpfes befinden sich vier Deltaflossen, die als Ruder komplett bewegt werden, sowie im hinteren Drittel des Rumpfes vier weitere starre Deltaflossen, deren Hinterkante als Ruder ausgeführt ist. Beginnend vom Bug ist der Flugkörper in folgende Sektionen unterteilt:

„Nike Ajax“ mit Booster im Schnitt
  • Gefechtskopf 1 (5,5 kg)
  • Stromversorgung, Hydraulik, Rudermaschinen, Antennen und Bordelektronik
  • Gefechtskopf 2 (81 kg)
  • Oxidator-Tank
  • Brennstofftank
  • Druckluftspeicher
  • Gefechtskopf 3 (55 kg)
  • Brennkammer und Düse des Marschtriebwerkes


Antrieb
Als Starttriebwerk kam mit dem M5E1 ein vom Booster der RIM-2 Terrier abgeleitetes einteiliges Feststofftriebwerk zum Einsatz, das von der Hercules Powder Company als Subauftragnehmer gefertigt wurde. Das Triebwerk lieferte für 2,5 Sekunden einen Schub von 246 kN und wurde nach dem Brennschluss abgeworfen.

Als Marschtriebwerk diente ein von den Bell Laboratories entwickeltes Flüssigkeitstriebwerk, das mit inhibierter Salpetersäure (IRFNA) als Oxidator und JP-4 als Brennstoff arbeitete und dabei für die Zeit von 21 Sekunden einen Schub von 12 kN lieferte. Die Zündung des Triebwerkes erfolgte hypergolisch, indem beim Start zusätzlich 1,1-Dimethylhydrazin (UDMH) eingespritzt wurde. Die Brennschlussgeschwindigkeit erreichte in Abhängigkeit von der Flugbahn bis zu Mach 2,3.

Steuerung

Die Steuerbefehle an die Rakete wurden vom Feuerleitsystem auf das Signal des Raketenverfolgungsradars aufmoduliert und über die (analoge) Bordelektronik in Stellbefehle für die Ruder umgesetzt. Die Flossen am Bug dienten dabei als Höhen- und Seitenruder, die Ruderflächen der heckseitigen Flossen als Querruder zur Rollstabilisierung. Die Betätigung der Ruder erfolgte hydraulisch, als Energiespeicher diente Druckluft mit 138 bar.

Gefechtskopf

Die „Nike Ajax“ verwendete einen konventionellen Splitter-Gefechtskopf, bestehend aus „Composition B“ umgeben von zwei Lagen 6 mm großer Würfel aus gehärtetem Stahl. Der Gefechtskopf der Rakete wurde dabei in drei getrennte Segmente unterteilt, um ein gleichmäßiges Streuverhalten der Splitter zu erzielen: Im Bug befindet sich ein 5,5 kg schwerer Teil, ein weiterer mit 81 kg in der Mitte des Rumpfes und ein 55 kg schwerer Teil im Heck. Die Zündung des Gefechtskopfes konnte auf drei Arten erfolgen:

1. automatisch mittels Funkkommando vom Feuerleitcomputer,
2. manuell mittels Funkkommando vom Batterieführer, und
3. automatisch zwei Sekunden nach Abreißen des Lenksignales (zur Selbstzerstörung).

Bodeninstallation

Bedingt durch Umfang und Zahl der notwendigen Systemkomponenten wurde die „Nike Ajax“ ausschließlich aus teilmobilen bzw. vor allem stationären Stellungen heraus eingesetzt. Eine reguläre Nike-Ajax-Batterie ließ sich in drei Bereiche unterteilen:

1. Batterie- und Feuerleitung (battery control) mit Kommunikations- und Kommandozentrum, Feuerleitkomplex, den Radarinstallationen sowie den dazugehörigen Steuerungs- und Energieversorgungssystemen.

2. Starteinrichtungen (launching area) mit typischerweise neun oder zwölf Startrampen (drei Gruppen zu je drei oder vier Rampen) und den dazugehörigen Steuerungs- und Energieversorgungssystemen. Diese wurde auf der Seite der Batterie angelegt, die in Richtung der zu erwartenden Ziele lag, da die Raketen fast senkrecht starteten und die nach dem Brennschluss zum Erdboden zurückfallenden Booster nicht die eigene Stellung treffen durften. Außerdem war ein Mindestabstand zwischen dem Raketenverfolgungsradar und der startenden Rakete notwendig, um eine sichere Erfassung zu gewährleisten.

3. Montage- und Wartungseinrichtungen (assembly and service area) zur Montage, Lagerung, Betankung und Wartung der Flugkörper.

Die Bodeneinrichtungen wurden in der Anfangszeit in Form von Containern und/oder Baracken oberirdisch angelegt. Man ging aber schnell dazu über, Teile der Installation (wie z.B. die Raketenmagazine) in unterirdische Bunker zu verlegen.

Ablauf der Zielbekämpfung

Zur Zielaufklärung diente ein LOPAR (low-power aquisition radar) genanntes, im S-Band arbeitendes Rundblickradar mit 230 km Reichweite, das der Batterie erste Daten über Richtung und Entfernung des Zieles lieferte und eine IFF-Abfrage ausführte. Die Zieldaten wurden an ein im X-Band arbeitendes Zielverfolgungs- (TTR: target-tracking radar) und ein Entfernungsmessradar (TRR: target range radar) übergeben, die das Ziel nun begleiteten und kontinuierlich dessen Koordinaten in Form von Azimut, Elevation und Entfernung bestimmten. Daraus berechnete der analoge Feuerleitcomputer der Batterie den Kurs des Zieles und legte einen Abfangpunkt fest. Nach dem Start des Flugkörpers wurde dieser von einem ebenfalls im X-Band arbeitenden Verfolgungsradar (MTR: missile tracking radar) erfasst, das die aktuellen Koordinaten der Rakete zum Leitrechner übermittelte. Der Feuerleitcomputer berechnete nun kontinuierlich einen Abfangkurs und übermittelte über das MTR die Lenkkommandos an den Flugkörper. Stimmten die Koordinaten von Ziel und Rakete überein, so wurde mittels Funkkommando die Detonation des Gefechtskopfes ausgelöst.

Ein entscheidender Nachteil dieser Leitmethode lag allerdings darin, dass das ganze System aus Leitrechner und drei Radargeräten nur jeweils ein Ziel gleichzeitig verfolgen und bekämpfen konnte, womit der Einsatz beispielsweise gegen Bomberverbände erschwert wurde und die Batterie selbst Ziel eines Angriffes werden konnte.

AIM-4 Falcon

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AIM-4 Falcon

Falcon AIM.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Luft-Luft-Lenkflugkörper
Hersteller: Hughes Aerospace Group
Entwicklung: 1946
Technische Daten
Länge: 2,02 m
Durchmesser: 163 mm
Gefechtsgewicht: 61 kg
Spannweite: 508 mm
Antrieb: Feststofftriebwerk Thiokol M58
Geschwindigkeit: Mach 3,0
Reichweite: 9,7 km
Ausstattung
Zielortung: halbaktive Radarzielsuche oder passiv Infrarot
Gefechtskopf: 3,4-kg-Splittergefechtskopf
Waffenplattformen: Jagdflugzeuge

Hughes AIM-4 Falcon ist ein Infrarot- oder radargelenkte Luft-Luft-Lenkflugkörper der Firma Hughes Aerospace Group.

Entwicklung

F-89H mit AIM-4 Falcon

 

Die Entwicklung bei der Hughes Aerospace Group begann im Jahr 1946 unter der Projektbezeichnung Dragonfly. Die AIM-4 wurde zur Bekämpfung von Bomberflugzeugen konzipiert. Der erste Teststart wurde 1949 durchgeführt. Die Lenkwaffen waren so konzipiert, dass sie sowohl von den Tragflächen, wie aus den Waffenschächten der Jagdflugzeuge eingesetzt werden konnten. Die Firma Hughes lieferte sowohl die Lenkwaffen wie auch die Radaranlagen und Feuerleitausrüstung für die Flugzeuge. Die Serienfertigung erfolgte im Werk in Tucson ab 1954. Die ersten Exemplare wurden 1956 an die U.S. Air Force ausgeliefert. Die AIM-4 war der erste Luft-Luft-Lenkflugkörper der US-Streitkräfte.

Die Lenkflugkörper trugen zu beginn der Entwicklung die Bezeichnung AAM-A-2. Im Jahr 1955 wurde die Bezeichnung in GAR-1, Bzw. GAR-2/ -3 / -4 geändert. Die Bezeichnung AIM-4 Falcon wurde im Jahr 1965 eingeführt.

Exporte gingen nach Kanada, Finnland, Schweden (lokale Bezeichnung Rb-28) in die Schweiz (lokale Bezeichnung HM-58) und in den Iran.

Die AIM-4 bildete die Grundlage für einer ganzen Familie von Luft-Luft-Lenkwaffen, zu der die AIM-26 Falcon, die AIM-47 Falcon und die AIM-54 Phoenix gehören.

Einsatz

Ab Mai 1967 setzten F-4D Phantom II der U.S. Air Force AIM-4D im Vietnamkrieg ein. Die F-4D konnten zwei AIM-4 und zwei AIM-9 Sidewinder tragen, die von der U.S. Navy entwickelt worden war. Es stellte sich heraus, dass die AIM-4 für den Luftkampf ungeeignet war. Grundproblem war, dass der Infrarotsuchkopf nicht während der gesamten Flugzeit gekühlt werden konnte, da der Kühlmittelvorrat begrenzt war. Sollte der Flugkörper abgefeuert werden, dauerte es etwa fünf Sekunden, bis der Suchkopf gekühlt war – was im Luftkampf eine Ewigkeit bedeutete. Wenn das Ziel nicht mehr aufgefasst werden konnte und der Suchkopf mehrmals gekühlt wurde, war irgendwann das Kühlmittel aufgebraucht. Ebenfalls ungünstig war das Fehlen eines Annäherungszünders, da so das Ziel direkt getroffen werden musste. Mit der AIM-4 konnten etwa fünf vietnamesische Flugzeuge abgeschossen werden, sie wurde aber 1969 zugunsten der Sidewinder zurückgezogen. Die letzten Falcon wurden aber erst mit der Außerdienststellung der F-106 Delta Dart Ende der 1980er-Jahre ausgemustert.

 

Varianten

AIM-4A and AIM-4G missile line drawings.jpg
  • AIM-4: Erste Serienversion mit halbaktivem Radarsuchkopf ab 1956; 4.080 Stück produziert.
  • AIM-4A: Mit größeren Tragflächen war diese Version wendiger als die AIM-4. Mit verbessertem halbaktivem Radarsuchkopf. Von dieser Version wurden 12.100 Stück produziert.
  • AIM-4B: Version ab 1956 mit Infrarot-Suchkopf. Insgesamt 16.000 Stück hergestellt.
  • AIM-4C: Version mit verbessertem Infrarot-Suchkopf. Rund 13.000 Stück hergestellt.
  • AIM-4D: Komplett überarbeitete Version ab 1963. Entwickelt zur Bekämpfung von wendigen Jagdflugzeugen. Mit verbessertem Infrarot-Suchkopf und neuem Triebwerk der späteren AIM-4G. 4.000 Stück wurden neu hergestellt und weitere 6.000 AIM-4A und-4C wurden auf diesen Standard umgerüstet.
  • AIM-4E: Version ab 1958. Speziell für die F-106A entwickelt. Mit neuem Flugkörperrumpf. Mit verbessertem Suchkopf und Raketenmotor sowie neuem Sprengkopf. 300 Stück wurden hergestellt, bevor die Produktion der späteren AIM-4F begann.
  • AIM-4F: Version mit verbesserter Elektronik und Suchkopf sowie größerem Triebwerk. Mit großem 13-kg-Gefechtskopf. Bis 1975 wurden 19.000 Stück produziert.
  • AIM-4G: Version der AIM-4F mit Infrarot-Suchkopf; 2.700 Stück produziert.
  • XAIM-4H: Prototyp mit halbaktivem Laser-Zielsucher; Entwicklung 1971 eingestellt.
  • HM-58 bei Bofors und Saab in Lizenz hergestellte AIM-4C für die J-35 Draken. Sie wurden auch als Jaktrobot Robotsystem 28 (RB-28) bezeichnet. Es wurden 3.000 Exemplare gebaut.
  • HM-58S bei Bofors und Saab in Lizenz hergestellte AIM-4C für die Schweizer Mirage IIIS.
  • RB-28 siehe HM-58

Einsatzflugzeuge

Eine F-106 feuert 1984 eine AIM-4 ab

MGM-5 Corporal

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MGM-5 Corporal

MGM-5 Corporal 02.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Kurzstreckenrakete
Heimische Bezeichnung: SSM-A-17, M2
NATO-Bezeichnung: MGM-5 Corporal
Herkunftsland: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller: JPL und Firestone
Entwicklung: 1947
Indienststellung: 1955
Einsatzzeit: 1955–1964
Technische Daten
Länge: 13,80 m
Durchmesser: 760 mm
Gefechtsgewicht: 5.000 kg
Spannweite: 2.100 mm
Antrieb: Feststoff-Raketentriebwerk
Geschwindigkeit: 3.500 km/h
Reichweite: 130 km
Ausstattung
Lenkung: Inertiales Navigationssystem
Gefechtskopf: W7-Nukleargefechtskopf mit 20 kt
Zünder: Programmierter Zünder

 

Die MGM-5 Corporal-Rakete war eine militärische Kurzstreckenrakete aus US-amerikanischer Produktion. Sie war die erste Boden-Boden-Rakete der USA, die mit einem nuklearen Sprengkopf ausgerüstet werden konnte. Mit diesem oder einem alternativen konventionellen Sprengkopf sollte die Waffe Ziele in bis zu 140 km Entfernung bekämpfen.

Entwicklung

Die Rakete wurde von der United States Army in Zusammenarbeit mit der Firestone Tire & Rubber Company, der Douglas Aircraft Company, Gilfillan Brothers Inc. und dem Jet Propulsion Laboratory zu Beginn des Kalten Krieges entwickelt. Die Entwicklung fand zunächst auf dem Testgelände der White Sands Missile Range in New Mexico statt. Die amerikanischen Techniker stützten sich zum einen auf die Erfahrung und Expertise aus dem deutschen V2-Programm. Zum anderen konnte auf eigene Erfahrungen aus den Tests mit den Raketen vom Typ Private und WAC Corporal zurückgegriffen werden. Drei einsatzfähige Versionen der Corporal-Rakete wurden entwickelt: Type I, II und III.

  • Type I – Die erste serienmäßige Version der Corporal, die ab 1955 eingesetzt wurde.
  • Type II – Die Frequenz des Radars von Type II konnte im Gegensatz zu dem von Type I verändert werden[1], darüber hinaus wurden verschiedene kleinere Verbesserungen an der Rakete und den Startvorrichtungen vorgenommen. Versionen der Type II mit von Gilfillan Brothers Inc. verbessertem Lenksystem erhielten die Bezeichnung IIA und IIB.
  • Type III – Die Unterschiede zwischen Type II und III lagen vor allem im nochmals veränderten Lenksystem, das beim Type III vollautomatisch funktionierte, während beim Type II noch währendes des Fluges mehrere Arbeitsschritte durch das Personal am Boden durchgeführt werden mussten. Auch war der Betankungsvorgang bei der späteren Version schneller und sicherer möglich.[2]

Schon der Type III wurde als shelf-item entwickelt, das heißt, die Entwicklung wurde abgeschlossen, aber die Pläne „ins Regal gestellt“. Die Produktion sollte nur begonnen werden, wenn eine dringende Notwendigkeit dafür entstehen sollte. Stattdessen konzentrierte man nun die Bemühungen auf die MGM-29 Sergeant.

Einsatzprofil

Die Corporal sollte als taktische Kernwaffe im Fall eines Krieges in Europa eingesetzt werden. Das erste Artilleriebataillon mit Corporal-Raketen wurde 1955 aufgestellt. Insgesamt wurden zwölf amerikanische Bataillone mit Corporals ausgestattet; sechs davon waren in Europa stationiert. Die Corporal blieb im Einsatz, bis das Waffensystem 1964 von der Feststoffrakete MGM-29 Sergeant abgelöst wurde.

Obwohl sie die vorderste Linie der atomaren Verteidigung bilden sollte, war die Corporal berüchtigt für ihre geringe Zuverlässigkeit und Treffgenauigkeit.[3] Die Flüssigkeitsrakete verwendete Salpetersäure und Hydrazin als Treibstoff, was eine komplizierte und zeitraubende Vorbereitung des Startes voraussetzte, denn die Rakete wurde erst unmittelbar vor dem Abfeuern mit den gefährlichen Stoffen betankt. Dadurch war die Fähigkeit zur schnellen Reaktion in Frage gestellt. Die Steuerung übernahm ein verbessertes Radarsystem aus dem Zweiten Weltkrieg. Bis 1955 lag ihre Treffgenauigkeit bei weniger als 50 Prozent und konnte auch später nur leicht verbessert werden.

1954 wurde das Waffensystem an das Vereinigte Königreich verkauft. Teststarts durch britische und deutsche Corporal-Bataillone fanden 1959 auf der schottischen Insel South Uist statt, wo zwischen 1957 und 1958 ein Testgelände der Royal Artillery eingerichtet worden war. Die britischen Tests von 1959 ergaben eine Trefferquote von nur 46 Prozent

SSM-N-8A Regulus

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SSM-N-8A Regulus

USS Los Angeles (CA135) Regulus h97391.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Marschflugkörper
Hersteller: Vought
Indienststellung: 1955
Technische Daten
Länge: 9,80 m
Durchmesser: 1.435 mm
Gefechtsgewicht: 4.670 kg + 790 kg Startkrakete
Antrieb:
Erste Stufe:
Strahltriebwerk Allison J33-A-18A (20 kN)
2 Feststoffraketen Aerojet General (je 146 kN)
Geschwindigkeit: 960 km/h
Reichweite: 925 km
Ausstattung
Gefechtskopf: W5-Nuklearsprengkopf mit 40 kt oder W27-Nuklearsprengkopf mit 2,0 Mt
Waffenplattformen: Kriegsschiff

 

Die SSM-N-8A Regulus war ein nuklear bewaffneter Marschflugkörper des US-amerikanischen Herstellers Vought, der von 1955 bis 1964 von der United States Navy eingesetzt wurde.

Entwicklung

Der in den späten 1950er- und frühen 1960er-Jahren stationierte Flugkörper war der erste in Dienst gestellte seegestützte Marschflugkörper und basierte auf den Entwürfen der deutschen V1. Das Regulus-Projekt begann bereits 1943, jedoch ohne nennenswerte Fortschritte. Bis 1947 führten die Planungen lediglich zu einer genauen Spezifikation der Leistungsdaten. Parallel dazu gab es das Projekt des Marschflugkörpers SSM-N-6 Rigel, das 1943 begann und 1953 eingestellt wurde. In dieser Zeit standen die Projekte der United States Navy in Konkurrenz zu dem Marschflugkörper Matador der US Army. Schließlich kam es 1951 zum Erstflug eines Regulus-Marschflugkörpers und 1953 zum ersten Start von einem U-Boot aus, vom Deck der aufgetauchten USS Tunny. Ein Flugkörperstart unter Wasser war zu dieser Zeit nicht möglich.

Start einer Regulus I von der USS Tunny

 

Einsatz

Zwei U-Boote der Grayback-Klasse gingen ab 1958 mit Regulus auf Patrouille, ab 1960 auch das Atom-U-Boot USS Halibut (SSGN-587). Ab 1964 gingen U-Boot-gestützte Polaris-Raketen in Dienst und lösten damit die Regulus ab. Neben der Stationierung auf U-Booten wurde auch die Stationierung auf Überwasserschiffen untersucht und in kleinem Rahmen durchgeführt. So fuhren ab 1955/56 vier Kreuzer der Baltimore-Klasse mit Regulus-Flugkörpern.

Bei einem als Missile Mail bezeichneten Start am 8. Juni 1959 wurden durch einen Regulus-Flugkörper Postbehälter mit Briefen transportiert.

AIM-7 Sparrow

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AIM-7 Sparrow

AIM-7 Sparrow at Eglin AFB 1988.JPEG

Allgemeine Angaben
Typ: Luft-Luft-Lenkwaffe
Hersteller: Hughes/Raytheon
Entwicklung: 1952
Indienststellung: 1956
Technische Daten
Länge: 4,66 m
Durchmesser: 203 mm
Gefechtsgewicht: 231 kg
Spannweite: 1020 mm
Antrieb: Rocketdyne Mk58
Geschwindigkeit: Mach 4
Reichweite: 70 km
Ausstattung
Zielortung: halbaktive Radarzielsuche
Gefechtskopf: 40 kg WDU-27/B
Waffenplattformen: Jagdflugzeuge

 

Die AIM-7 Sparrow ist eine überschallschnelle, radargesteuerte Luft-Luft-Rakete mittlerer Reichweite. Sie wurde in den 1950er-Jahren von den US-Unternehmen Hughes und General Dynamics (heute Raytheon) entwickelt. Auf Schiffen wird die RIM-7 Sea Sparrow eingesetzt.

 

Entwicklung

AIM-7A (Sparrow I) an einer Douglas F3D Mitte der 1950er-Jahre

Bereits 1947 vergab die US Navy einen Auftrag an das Unternehmen Sperry Corporation, in dem ein radargeführtes Lenksystem für die ungelenkte 12,7-cm-Rakete HVAR (High Velocity Aerial Rocket) gefordert wurde. Die ursprüngliche Bezeichnung lautete „KAS-1“, ab September 1947 „AAM-2“ und schließlich ab 1948 „AAM-N-2“. Der Durchmesser von 12,7 cm erwies sich während der Entwicklung schnell als zu klein, so dass ein 20,3-cm-Flugkörper entwickelt wurde. Der erste Tragtest des Prototyps fand 1948 statt. Da man technisches Neuland betrat, verlief die weitere Entwicklung nur langsam und in kleinen Schritten. Der erste erfolgreiche Abschuss eines Testzieles erfolgte im Dezember 1952. Die Einführung begann im Jahre 1956.

Technik

Die Lenkung der Sparrow basiert auf dem Prinzip der semi-aktiven Radarführung. Hierbei besitzt die Rakete nur einen Signalempfänger, der selbst keine Radarsignale aussendet, sondern nur empfangen kann. Dies macht eine so genannte „Beleuchtung“ des Zieles durch das Bordradar des Trägerflugzeuges nötig, was bedeutet, dass das Bordradar ununterbrochen Radarsignale in Richtung des Zieles aussendet (CW-Betriebsmodi). Der Suchkopf der Sparrow nutzt anschließend die reflektierte Radarenergie, um zum Ziel zu gelangen. Die Vorteile dieses Systems liegen in der kostengünstigen Produktion und der einfach zu integrierenden Technik. Nachteilig sind jedoch hohe Störanfälligkeit, begrenzte Reichweite und die Notwendigkeit der ununterbrochenen Zielbeleuchtung, wodurch das abfeuernde Trägerflugzeug selbst gefährlich lange entdeckbar wird.

Zukunft

Als größte Schwächen der Sparrow galten lange Zeit die schlechte Flugleistung, die geringe Abschusswahrscheinlichkeit und die taktischen Nachteile der semi-aktiven Radarsteuerung. Dieser taktische Nachteil beruht auf der Notwendigkeit der Zielbeleuchtung mit dem Bordradar der Trägerplattform. So musste der Pilot nach dem Start der Lenkwaffe weiterhin auf das Ziel zufliegen, anstatt zu wenden und sich in Sicherheit zu bringen. Daher wurde die Sparrow, zumindest in US-Beständen, völlig durch die AIM-120 AMRAAM ersetzt. Diese verfügt über einen aktiven Radarsuchkopf, so dass sie nach dem Fire-and-Forget-Prinzip arbeiten kann. Des Weiteren ist sie der Sparrow in allen Leistungsparametern deutlich überlegen, was sie durch diverse Abschüsse unter Beweis gestellt hat.

Varianten

Vier AIM-7A unter den Tragflächen einer F3D (F-10) Skyknight
AIM-7E vor einer F-4C der Hawaii Air National Guard, 1980 (unten)
AIM-7F einer F-4G des 37th TFW, 1988 (am hinteren Rumpfsegment)
Eine AIM-7M wird montiert

 

Die Benennung der Sparrow wurde vor 1963 standardmäßig in der Form „AAM-N-X“ vorgenommen, wobei X für die jeweilige Modellnummer stand. Allerdings wurde im Jahre 1963 eine Reform des Bezeichnungssystems beschlossen, so dass auch die frühen Sparrow-Versionen als AIM-7 bezeichnet wurden.

  • AIM-7A: Die Urvariante, die 1956 als Bewaffnung der Jagdflugzeuge F3H Demon und F7U Cutlass eingeführt wurde. Aufgrund der unausgereiften Technik nahm man diese Version schon einige Jahre später aus dem Dienst. Ursprünglich wurde die Rakete als „AAM-N-2 Sparrow I“ bezeichnet.
  • AIM-7B: Diese Variante sollte auf dem Jagdflugzeugen F5D Skylancer zum Einsatz kommen. Gegenüber der AIM-7A-Variante wurde ein aktiver Radarsuchkopf angedacht. Im Jahre 1956 gab die US Navy die Entwicklung auf, so dass als künftige Trägerplattform die kanadische CF-105 Arrow Abfangjäger eingeplant wurde. Das Programm wurde jedoch im September 1958 endgültig abgebrochen. Diese Version ist auch unter dem Namen „AAM-N-3 Sparrow II“ bekannt.
  • AIM-7C: Hierbei handelt es sich um die eigentliche Basisvariante der modernen Sparrow-Raketenfamilie. Die Rakete wurde im August 1958 eingeführt, insgesamt etwa 2000 Lenkwaffen produziert. Die ursprüngliche Bezeichnung lautet „AAM-N-6 Sparrow III“.
  • AIM-7D: Die D-Variante stellt eine Weiterentwicklung des C-Designs dar. Verwendet wurden ein Raketenmotor auf Flüssigtreibstoffbasis sowie ein neuer Suchkopf, der mit höheren Zielgeschwindigkeiten und stärkerer Radarstörung umgehen konnte. Sie wurde auf der neuen F-4 Phantom II eingeführt. Es wurden etwa 7500 Lenkwaffen produziert.
  • AIM-7E: Im Jahre 1963 wurde die Produktion auf diese Version umgestellt. Es kam wieder ein Raketenmotor des Herstellers Rocketdyne auf Feststoffbasis zum Einsatz, der die Flugleistungen der Rakete erheblich verbesserte. Die Produktion beläuft sich auf etwa 25.000 Exemplare.
    • AIM-7E-2: Aufgrund der schlechten Leistungen während des Vietnamkrieges wurde diese Rakete als Dogfight-Variante eingeführt. Sie hatte eine geringere Mindestreichweite, eine verbesserte Aerodynamik und einen verbesserten Näherungszünder.
    • AIM-7E-3: Diese Version umfasst weitere Verbesserungen im Bereich des Nährungszünders und der Zuverlässigkeit.
    • AIM-7E-4: Um die Leistung in Verbindung mit dem AN/AWG-9 der F-14 Tomcat zu verbessern wurde diese Variante eingeführt.
  • AIM-7F: Im Januar 1972 begann Raytheon mit einer Weiterentwicklung der Sparrow. Zur Anwendung kam nun ein Dual-Schub-Raketenmotor. Bei diesem wird während der ersten Sekunden des Fluges („Boost“ genannt) ein Raketengemisch verwendet, das auf starke Beschleunigungen ausgelegt ist. Während des Marschfluges kommt anschließen ein Gemisch zum Einsatz, das auf eine lange Flugdauer ausgelegt ist. Hierdurch konnte die Reichweite erheblich gesteigert werden. Auch der Suchkopf wurde modernisiert. Dieser war nun zu modernen Doppler-Impuls-Radaren kompatibel und soweit verkleinert worden, dass man einen größeren Gefechtskopf einbauen konnte.
  • AIM-7G: Diese Variante war für den Einsatz auf dem Jagdbomber F-111D Aardvark konzipiert und besaß einen neuen Suchkopf. Eine Serienproduktion fand nie statt.
  • AIM-7M: Hierbei handelt es sich um die nächste Sparrow-Generation. Hauptmerkmal war der neue Monopuls-Radarsucher, der über „look-down/shoot-down“-Fähigkeiten verfügte. Des Weiteren wurden die ECCM-Kapazitäten verbessert und ein digitaler Prozessor mit programmierbarem EPROM eingeführt. Der neue Autopilot ermöglichte eine optimierte Flugbahn, so dass eine Radarbeleuchtung des Zieles nur noch in der Endphase nötig war. Die Produktion begann 1982.
  • AIM-7N: Diese Variante sollte die Leistung in Kombination mit den Luftüberlegenheitsjägern vom Typ F-15 Eagle steigern, allerdings wurde sie nie in großen Stückzahlen gefertigt.
  • AIM-7P: Diese neue Variante ist in zwei Blocks unterteilt worden:
    • AIM-7P Block I: Bei dieser Version wurde die Leistung im Tiefflug und der Näherungszünder verbessert.
    • AIM-7P Block II: Hierbei wurden die Computerkomponenten modernisiert, die nun über mehr Speicherbandbreite, ein EPROM und einen neuen Näherungszünder verfügten. Auch die Software erfuhr ein umfangreiches Update, so dass die Leistung gegenüber tieffliegenden Zielen in Verbindung mit dem neuen Zielsystem erheblich gesteigert wurde. Die ECCM-Kapazitäten wurden ebenfalls ausgebaut. Die Stückkosten belaufen sich auf etwa 165.000 USD.
  • AIM-7Q: Über diese Version liegen keine gesicherten Daten vor. Es wird jedoch vermutet, dass ein zusätzlicher Infrarot-Suchkopf integriert werden sollte.
  • AIM-7R: Diese Variante war als finale Sparrow-Version geplant. Sie sollte einen zusätzlichen IR-Suchkopf erhalten, um die Abschusswahrscheinlichkeit massiv zu steigern. Allerdings wurde die Entwicklung 1996 aufgrund zu hoher Kosten eingestellt.

Sea Sparrow

 

Als die US Navy nach einem Luftverteidigungssystem für ihre Schiffe suchte, rückte die Sparrow in den Fokus, da sie bereits erprobt war und den Anforderungen der Marine entsprach. So wurde auf Basis der AIM-7E die RIM-7 Sea Sparrow konstruiert. Die Lenkwaffen unterscheiden sich meist nur unwesentlich voneinander, so dass bei jeder neuen Sparrow-Variante auch eine neue Sea-Sparrow-Version gefertigt wurde. Wie bei der Sparrow wurde die Rakete jedoch größtenteils von neueren Systemen abgelöst; im Falle der Sea Sparrow von der RIM-162 ESSM.

Einsatz

Eine F-15C Eagle feuert eine Sparrow ab

 

Die Sparrow kam zum ersten Mal während des Vietnamkrieges zum Einsatz, hauptsächlich die AIM-7D und AIM-7E. Der erste Abschuss erfolgte am 7. Juni 1965, als Navy-Maschinen des Typs F-4B Phantom zwei MiG-17 mit der Sparrow abschossen. Im Allgemeinen war die anfängliche Gefechtsleistung jedoch unbefriedigend. Hauptgrund war die fehlende Möglichkeit, ein Radarziel auf große Entfernung als Feind oder Freund zu identifizieren. Die Piloten mussten daher zur Identifizierung nahe an den Radarkontakt heranfliegen, so dass die überlegene Reichweite der Sparrow nicht genutzt werden konnte. Dieses Problem wurde durch die hohe Minimalreichweite, die 1,5 km betrug, und die schlechte Wendigkeit verschärft, was die Rakete somit für den Nahkampf nahezu unbrauchbar machte. Durch diese erheblichen Limitierungen erreichte die Sparrow eine Abschusswahrscheinlichkeit („kill probability“) von lediglich 10 %, was bedeutete, dass nur jede zehnte abgefeuerte Rakete ihr Ziel zerstören konnte. Auch die Einführung der neuen E-2- und E-3-Variante brachten keine entscheidenden Verbesserungen. Während des gesamten Krieges wurden 50 Abschüsse mit der Sparrow erzielt. Die Aufbereitung der Gefechtsergebnisse nach dem Krieg zeigte auch, dass die Piloten oft sehr ineffizient mit ihren BVR-Waffen umgingen. Daher wurde die United States Navy Fighter Weapons School ins Leben gerufen, besser bekannt als „Top Gun“, um den Umgang der Piloten mit diesen Lenkwaffen zu verbessern.

Der israelischen Luftwaffe gelang es, mindestens eine Mach 2,5 schnelle MiG-25 mit einer Sparrow abzuschießen. Der letzte große Einsatz der Sparrow fand während des Zweiten Golfkrieges im Jahr 1991 statt. Es wurden insgesamt 24 Abschüsse mit ihr erzielt, wobei die Abschusswahrscheinlichkeit der eingesetzten AIM-7M aber immer noch verbesserungswürdige 40 % betrug.

Einsatzflugzeuge

AIM-7
BAe Skyflash

Technische Daten

System AIM-7A AIM-7B AIM-7C AIM-7E AIM-7F AIM-7M/P
Länge 3,74 m 3,85 m 4,66 m 4,66 m 4,66 m 4,66 m
Spannweite 94 cm 102 cm 102 cm 102 cm 102 cm 102 cm
Durchmesser 20,3 cm 20,3 cm 20,3 cm 20,3 cm 20,3 cm 20,3 cm
Startgewicht 143 kg 176 kg 172 kg 197 kg 231 kg 231 kg
Antrieb Aerojet 1.8KS7800 Aerojet 1.8KS7800 Aerojet 1.8KS7800 Rocketdyne Mk52 Rocketdyne Mk58 Rocketdyne Mk58
Geschwindigkeit Mach 2,5 Mach 2,5 Mach 4 Mach 4 Mach 4 Mach 4
Reichweite 10 km 7 km 11 km 30 km 70 km 70 km
Gefechtskopf 20 kg 20 kg 30 kg Mk38 30 kg Mk38 39 kg Mk71 40 kg WDU-27/B

 

Vergleichbare Systeme

RIM-7 Sea Sparrow

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RIM-7 Sea Sparrow

Start einer RIM-7P an Bord der USS Abraham Lincoln
Start einer RIM-7P an Bord der USS Abraham Lincoln

Allgemeine Angaben
Typ: Flugabwehrrakete
NATO-Bezeichnung: RIM-7M Sea Sparrow
Herkunftsland: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller: Raytheon
Entwicklung: 1965
Indienststellung: 1967
Einsatzzeit: im Dienst
Stückpreis: 165.400 US-Dollar
Technische Daten
Länge: 3,98 m
Durchmesser: 203 mm
Gefechtsgewicht: 228 kg
Spannweite: 1.020 mm
Antrieb: Feststoff-Raketentriebwerk Hercules MK 58
Geschwindigkeit: Mach 3,6–4,0
Reichweite: 20–26 km
Dienstgipfelhöhe: 15.240 m
Ausstattung
Lenkung: Inertiales Navigationssystem
Zielortung: halbaktive Radarzielsuche (SARH)
Gefechtskopf: 40-kg-Splittersprengkopf WDU-27/B
Zünder: Radar-Annäherungzünder, Aufschlagzünder
Waffenplattformen: Schiffe

 

Die RIM-7 Sea Sparrow (auch NATO Sea Sparrow Missile System (NSSM)) ist ein schiffgestütztes, radargesteuertes Flugabwehrsystem mittlerer Reichweite, das auf der luftgestützten AIM-7 Sparrow basiert. Hergestellt wird sie von dem US-Konzern Raytheon.

Entwicklung

Eine RIM-7 Sea Sparrow beim Start

 

In den frühen 1960er-Jahren begann die US Navy mit der Entwicklung eines Flugabwehrsystems für den Einsatz auf Schiffen, wobei ein besonderes Augenmerk auf die Bekämpfung von Anti-Schiff-Raketen gelegt wurde. Es wurde BPDMS (Basic Point Defense Missile System) genannt und sollte als Standard-Selbstverteidigungssystem auf Schiffen eingesetzt werden. Anfänglich sollte dies durch eine Modifikation des vorhandenen MIM-46 Mauler-Systems realisiert werden. Da dessen Entwicklung aber 1965 eingestellt wurde, entschied man sich, eine modifizierte AIM-7E-Lenkwaffe als Basis zu verwenden. Die daraus entstandene RIM-7E5 Sea-Sparrow-Rakete war in fast jedem Bereich mit der luftgestützten Version identisch. Der 1967 eingeführte Flugkörper wurde von einem Starter des Typs Mk 25 abgefeuert.

Technik

An Bord der USS John F. Kennedy werden RIM-7-Raketen in einen Mk-29-Starter geladen

 

Die Sea Sparrow ist weitestgehend mit der luftgestützten AIM-7 Sparrow identisch. Ein besonderes Merkmal ist jedoch die Lenkung mit zwei parallel arbeitenden CW-Feuerleitradaren. Das erste Radar mit einem kleinen Öffnungswinkel dient wie bei der Sparrow dazu, das Ziel zu beleuchten und so einen präzisen Zielanflug zu gewährleisten. Das zusätzliche zweite Radar besitzt hingegen einen relativ großen Öffnungswinkel und dient zum Herausfiltern der Clutter, die durch die Meeresoberfläche entstehen. Diese Technik wurde eingeführt, um die effektive Bekämpfung von tieffliegenden Zielen wie etwa Anti-Schiff-Raketen zu ermöglichen. Diese Technik konnte jedoch erst mit der RIM-7F Block I voll genutzt werden.

Des Weiteren verfügt die Sea Sparrow auch über einen Boden-Boden-Modus, der die Bekämpfung von Oberflächenzielen ermöglicht. Dies ist typisch für schiffgestützte Boden-Luft-Lenkwaffen aus US-Produktion. So wurde ein solcher Modus auch für die Standard-Missile-Luftabwehrrakete eingeführt. Aufgrund des relativ kleinen Gefechtskopfes von 40 kg können lediglich kleinere Schiffe effektiv bekämpft werden. So wurden in Übungen schon Schlauchboote mithilfe der Sea Sparrow versenkt.

Zukunft

Die Sea Sparrow war die erste US-Luftabwehrrakete, welche speziell zur Bekämpfung von Anti-Schiff-Raketen konzipiert wurde. Diese haben sich jedoch maßgeblich weiterentwickelt, besonders im Bereich Wendigkeit und Geschwindigkeit. Ein Beispiel hierfür ist die SS-N-22 Sunburn, welche im Endanflug starke Manöver mit hoher Geschwindigkeit durchführt. Da schon die luftgestützte Sparrow mit solchen Zielen Probleme hatte ist davon auszugehen, dass die Sea Sparrow gegenüber einer solchen Rakete keine hohe Trefferwahrscheinlichkeit erzielen würde. Auch die Mindesteinsatzhöhe der Sea Sparrow von 6 Metern limitiert den Einsatz gegen moderne Raketen, die meist nur 2 bis 5 Meter über dem Wasser fliegen. Aufgrund dieser Defizite wurde eine neue Lenkwaffe entwickelt, welche auch fortschrittliche Anti-Schiff-Raketen effektiv bekämpfen kann: Die RIM-162 Evolved Sea Sparrow Missile, auch ESSM genannt. Sie ist eine grundlegende Weiterentwicklung der Sea Sparrow, von der nur noch einige Teile des Lenksystems übernommen wurden. Im Nahbereich wird die Sea Sparrow seit den 1990er-Jahren durch das RIM-116-RAM-System ergänzt.

Trotz der Nachteile des Systems befindet sich die Sea Sparrow noch auf vielen Schiffen im Einsatz, hauptsächlich aus Kostengründen. Die ESSM kann nämlich auch in Verbindung mit dem Mk-29-Starter genutzt werden, so dass bei einer Umrüstung keine umfassenden Umbauten im Bereich der Starter vorgenommen werden müssen. Allerdings müssen die Radar- und Lenksysteme an die ESSM angepasst werden, was teilweise zu erheblichen Mehrkosten führen kann.

Varianten

Start einer RIM-7H von der USS Hewitt, 1983
Eine RIM-7P trifft ein Übungsziel (Schlauchboot)
  • RIM-7E5: Urversion, die sich nur unwesentlich von der AIM-7E unterscheidet.
  • RIM-7F: Eine weiter fortgeschrittene Version, die aber kaum produziert wurde, da man sich auf die Entwicklung einer schiffgestützten Variante der AIM-7M konzentrierte.
    • RIM-7F Block I: Tests zeigten, dass die Sea Sparrow Probleme bei der Bekämpfung tieffliegender Anti-Schiff-Raketen hatte, die inzwischen die größte Bedrohung für die US-amerikanische Flotte darstellten. Daher wurde diese Variante geschaffen, die auf eine zusätzliche Radarführung im Tiefflugbereich und einen verbesserten Näherungszünder zurückgreifen konnte. Dadurch konnten nun auch Ziele unter 15 Metern Flughöhe bekämpft werden.
    • RIM-7F Block II: Bei dieser Version wurden die ECCM-Kapazitäten ausgebaut. Sie umfasst allerdings nicht die Verbesserungen, die bei den Block-I-Raketen eingeführt wurden.
  • RIM-7H: Diese Variante wurde mit modifizierten Tragflächen ausgestattet, damit sie in den kleineren Mk-29-Starter passte. Sonst weist sie aber die Eigenschaften einer RIM-7E5 auf und ist weniger leistungsfähig als die RIM-7F.
  • RIM-7M: Durch weitere Anpassungen konnte die Sea Sparrow nun mit dem typischen 8-fach-Starter Mk 29 abgefeuert werden. Technisch war sie praktisch identisch mit der AIM-7M und vereint die Fähigkeiten der RIM-7F Block I und Block II.
  • RIM-7P: Diese neue Variante ist wie die luftgestützte AIM-7P in zwei Blocks unterteilt worden, wobei beide Untervarianten über einen zusätzlichen Datenlink zur verbesserten Lenkung während des Marschfluges ausgestattet wurden:
    • RIM-7P Block I: Bei dieser Version wurde die Leistung im Tiefflug und der Näherungszünder verbessert. Durch das „Jet Vane Control“-System kann die Rakete nun auch aus VLS-Startern Mk 41 gestartet werden.
    • RIM-7P Block II: Hierbei wurden die Computerkomponenten modernisiert, die nun über mehr Speicherbandbreite und ein EPROM und einen neuen Näherungszünder verfügten. Auch die Software erfuhr ein umfangreiches Update, so dass die Leistung gegenüber tieffliegenden Zielen in Verbindung mit dem neuen Zielsystem erheblich gesteigert wurde. Auch die ECCM-Kapazitäten wurden ausgebaut.
  • RIM-7R: Dies sollte die seegestützte Entsprechung der AIM-7R werden, die mit einem zusätzlichen Infrarot-Suchkopf aus der AIM-9 Sidewinder ausgestattet werden sollte. Das Programm wurde aber genau wie die luftgestützte Version aus Kostengründen abgebrochen.
  • RIM-7T: Hierbei handelt es sich um die inoffizielle Bezeichnung für die nächste Sea-Sparrow-Generation, der RIM-162 ESSM.

Plattformen

Zerstörer: Spruance-Klasse, Arleigh-Burke-Klasse, Murasame-Klasse, Hatsuyuki-Klasse, Asagiri-Klasse, Shirane-Klasse, Okpo-Klasse

Fregatten: Wielingen-Klasse, Tromp-Klasse, Kortenaer-Klasse, Oslo-Klasse, Knox-Klasse, Anzac-Klasse, Halifax-Klasse, Brandenburg-Klasse, Bremen-Klasse, Karel-Doorman-Klasse

Versorgungsschiffe: Supply-Klasse, Wichita-Klasse, Sacramento-Klasse

Flugzeug- / Hubschrauberträger: Forrestal-Klasse, Iwo-Jima-Klasse, Tarawa-Klasse, Wasp-Klasse, Nimitz-Klasse, USS Enterprise, Kitty-Hawk-Klasse

Vergleichbare Systeme

RIM-8 Talos

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RIM-8 Talos

RIM-8 Talos launched.JPEG

Allgemeine Angaben
Typ: Boden-Luft-Lenkwaffensystem
Hersteller: Bendix Corporation
Entwicklung: 1945
Indienststellung: 1958
Technische Daten
Länge: 11,58 m
Durchmesser: 710 mm
Gefechtsgewicht: 3.538 kg
Spannweite: 2.900 mm
Antrieb:
Erste Stufe:
Zweite Stufe:

Booster
Staustrahltriebwerk
Geschwindigkeit: Mach 2,5
Reichweite: 185 km, Einsatzhöhe 24.000 m
Ausstattung
Zielortung: halbaktive Radarzielsuche (SARH)
Gefechtskopf: 136 kg-Splittergefechtskopf oder W30 Nuklearsprengkopf 5 kT
Zünder: Näherungs- und Aufschlagzünder

 

Die RIM-8 Talos war eine seegestützte Langstrecken-Boden-Luft-Rakete der United States Navy und eine der ersten Luftabwehrraketen, mit denen die amerikanischen Schiffe ausgestattet wurden. Die Rakete war 11,58 m lang, wog 3.538 kg und hatte eine Reichweite von bis zu 160 km. Die Talos wurde von 1963 bis Ende der 1970er-Jahre eingesetzt.

Beschreibung

Die ersten Tests mit der neuen, aus dem Bumblebee-Projekt entwickelten Rakete begannen 1959, noch unter der Bezeichnung SAM-N-6. Die halbaktiv radargelenkte Waffe wurde 1963 bei der US Navy eingeführt, es gab mehrere Varianten mit konventionellem und nuklearem Sprengkopf sowie Boden-Boden-Ausführungen zum Einsatz gegen Radarstationen.

Aufgrund ihrer Größe konnte die Waffe nur von wenigen Schiffen verwendet werden. Der Start erfolgte von einem Mk. 12-Doppelarmstarter, das Magazin fasste 46 Raketen.

Während des Vietnamkriegs wurden drei MiGs von den Talos der Long Beach und der Chicago abgeschossen. Die Long Beach ausgenommen, deren Mk-12-Starter Anfang der 1980er-Jahre gegen Armored Box Launcher ausgetauscht wurde, wurden die Schiffe, welche die Talos einsetzten, spätestens 1980 ausgemustert.

Weiterverwendung

MQM-8-Vandal-Zielflugkörper in Point Mugu
Start eines MQM-8-Vandal-Zielflugkörpers in Point Mugu

Die Startstufe der abgerüsteten Talos-Raketen findet aufgrund ihrer hohen Schubkraft als Startstufe bei verschiedenen Höhenforschungsraketen wie der Talos Aries und der Black Brant XI und XII Verwendung. Weitere Talos-Flugkörper wurden zur Zieldarstellung modifiziert und werden unter der Bezeichnung MQM-8 Vandal verwendet. Dies unterscheiden sich äußerlich nicht von den ursprünglichen Talos-Lenkwaffen. MQM-8-Zielflugkörper werden von Point Mugu zur Simulation von überschallschnellen Cruise Missiles zum Test von Abwehrsystemen gestartet.

Einsatz

AIM-9 Sidewinder

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AIM-9 Sidewinder

Aim 9.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Luft-Luft-Lenkwaffe
Hersteller: Raytheon (u. a.)
Entwicklung: 1952
Indienststellung: 1956
Stückpreis: AIM-9X: 262.000 USD
Technische Daten
Länge: 2,85 m
Durchmesser: 127 mm
Gefechtsgewicht: 85 kg
Spannweite: 630 mm
Antrieb: Feststoff-Raketenmotor
Geschwindigkeit: Mach 2,5
Reichweite: 17,7 km
Ausstattung
Zielortung: Infrarot
Gefechtskopf: 9,4 kg
Waffenplattformen: Jagdflugzeuge

 

Die AIM-9 Sidewinder (AIM steht hierbei für Air Intercept Missile) ist eine wärmesuchende Kurzstrecken-Luft-Luft-Lenkwaffe für den Einsatz durch Kampfflugzeuge und Kampfhubschrauber aus US-amerikanischer Produktion. Im Laufe der inzwischen 50-jährigen Geschichte wurden mit der Sidewinder mehr Flugzeuge abgeschossen als mit jedem anderen Flugkörper. Eine modifizierte Version wurde auch im bodengestützten MIM-72 Chaparral eingesetzt.

Die Sidewinder hat einen hochexplosiven Sprengkopf und ein infrarotbasiertes wärmesuchendes Lenksystem. Ihre weiteren Bestandteile sind ein optischer Zieldetektor, das Leitwerk und der Raketenmotor. Das Lenksystem leitet den Flugkörper direkt in die heißen Triebwerke des Gegners (oder was der Flugkörper dafür hält). Eine Infrarot-Einheit kostet weniger als jedes andere Lenksystem und ist eingeschränkt allwettertauglich. Der Infrarotsucher gibt dem Flugkörper auch echte Fire-and-Forget-Fähigkeiten. Nach dem Start benötigt der Flugkörper keine Unterstützung seitens der abfeuernden Plattform mehr und lenkt sich selbständig ins Ziel.

Der Name des Flugkörpers leitet sich von der Seitenwinder-Klapperschlange ab, die zu den Grubenottern gehört und ihre Beute durch Infrarot-Sinnesorgane findet.

Geschichte

Die AIM-9 wurde ab den späten 1940er-Jahren von der US Navy von einem Entwicklungsteam auf der Naval Ordnance Test Station der US-Marine in China Lake, Kalifornien, unter der Leitung von William B. McLean entwickelt.[1] Sie verwendete einige neue Techniken, die sie einfacher und verlässlicher als ihr Gegenstück bei der Air Force, die AIM-4 Falcon, machten. Nachdem die Falcon im Vietnamkrieg unbefriedigende Leistungen erzielte, ersetzte die Air Force sie durch Sidewinders.

Die „Heat-Homing Rocket“ der U.S. Navy 1952

 

Die Firma Philco (später Ford Aerospace) erhielt 1951 den Auftrag zur Entwicklung einer Rakete auf Basis der Erkenntnisse des Navy-Teams. Ein Prototyp der Sidewinder, die AIM-9A, wurde zum ersten Mal am 11. September 1953 erfolgreich abgefeuert, wobei eine umgebaute F6F-5K als Ziel diente. Die erste Produktionsversion AIM-9B wurde ab Frühjahr 1956 als AAM-N-7 an die Navy bzw. als GAR-8 an die Air Force ausgeliefert. Die ersten Serienversionen wurden anfangs als Sidewinder I oder IA, später als AIM-9A oder AIM-9B bezeichnet. Da sie seitdem ständig weiter verbessert wurde, führte dies zu einer Vielzahl verschiedener Versionen, was zusätzlich noch durch den Umstand verstärkt wurde, dass in den 1960er- und 70er-Jahren die US Navy und die US-amerikanische Luftwaffe die Fortentwicklung der Sidewinder getrennt voneinander betrieben. Die Gründe dafür lagen vor allem in der traditionellen Rivalität dieser beiden Teilstreitkräfte, aber auch in den unterschiedlichen Anforderungsprofilen in dieser Zeit. So nahm in der Einsatzdoktrin der US-Marineflieger der Luftkampf gegen feindliche Jäger und Jagdbomber einen wesentlich höheren Stellenwert ein als bei der Luftwaffe, die ihre Hauptpriorität vornehmlich auf die Bekämpfung verhältnismäßig behäbiger Bomber in großen Flughöhen legte. Die ersten Modelle erreichten nur eine Reichweite von etwa 4 km, konnten nur von hinten auf ein Flugzeug abgefeuert werden und ließen sich noch recht leicht von Wolken, Reflexionen, der Sonne und ähnlichen Einflüssen ablenken.

Insgesamt wurden bisher im Laufe ihrer Einsatzzeit etwa 160.000 Stück gebaut, die von etwa vierzig Staaten eingesetzt wurden.

Der Bambini-Code der schweizerischen Luftwaffe für den Sidewinder lautet Siwa.

Versionen

AIM-9B
 
AIM-9B
Erste Serienversion mit ungekühltem 70-Hz-Bleisulfid-(PbS)-Detektor-Suchkopf mit 4° Blickfeld und rotierendem Spiegel, 25° Schielwinkel und einer Zielverfolgungsrate von 11°/s. Gasgenerator zur Energieversorgung für die 20 s Flugzeit und einer Gasflasche zur Kühlung der elektrischen Bauteile. Sprengkopf mit Splitterwirkung, der von einem passivem Infrarot-Annäherungszünder ausgelöst wird. Passiv bedeutet, dass der Zünder durch die vom Triebwerk des Zielobjektes ausgehende (Infrarot-)Wärmestrahlung ausgelöst wird und dieser nicht – wie bei aktiven Verfahren – selbst eine elektromagnetische Welle aussendet und deren Reflexionen auswertet.
AIM-9C
Version mit halbaktivem Radarsuchkopf, verbessertem Raketenmotor Rocketdyne MK36 mit 60 s Brenndauer (und damit größerer Reichweite), größeren Steuerflächen und stärkeren Aktuatoren. Nur für kurze Zeit von der US-Marine an der Vought F-8C Crusader verwendet. Restbestände umgebaut zur AGM-122 Sidearm.
Mit AIM-9D bewaffnete F-4B der U.S. Navy im Vietnamkrieg
AIM-9D
Version mit stickstoffgekühltem 125-Hz-Suchkopf mit verkleinertem 2,5°-Blickfeld, 27°-Schielwinkel und auf 12°/s erhöhter Zielverfolgungsrate. Erhöhte Reichweite und Wendigkeit dank ogiovalem Nasenprofil für geringeren Luftwiderstand, schubstärkerem Raketenmotor mit längerer Brenndauer, größeren Steuerflächen, stärkeren Aktuatoren und neuem Gasgenerator für bis zu 60 s gesteuerter Flugzeit. Weiterhin Installation eines verbesserten Gefechtskopfs mit neuem Annäherungszünder. Marinevariante.
AIM-9E
Verbesserte AIM-9B mit Peltier-gekühltem 100-Hz-Suchkopf mit auf 16,5°/s erhöhter Zielverfolgungsrate in einer verlängerten konischen Nase. Luftwaffenvariante. Wird von den japanischen Luftstreitkräften als AAM-1 geführt.
AIM-9F
Auch als AIM-9B F.G.W.2 bezeichnet. Verbesserte Variante der AIM-9B, mit neuem CO2-gekühltem Suchkopf mit einer Zielverfolgungsrate von 16°/s, bei der an Stelle der Röhrentechnik eine zuverlässigere Festkörperelektronik verwendet wurde. Diese Variante wurde von der Bodenseewerk Gerätetechnik GmbH für die deutsche Luftwaffe entwickelt und gebaut. Ein Einsatz in den amerikanischen Streitkräften erfolgte nicht.
AIM-9G
Verbesserte Version der AIM-9D mit neuen Zielerfassungsmodi (SEAM, Sidewinder Extended Acquisition Mode). Diese erlauben es, dem Suchkopf mittels des Bordradars ein Ziel zuzuweisen oder aber den Suchkopf in einem speziellen Raster den Bereich vor der Startplattform abtasten zu lassen. Weiterhin konnte eine Zielzuweisung auch über ein Helmvisier vorgenommen werden. Diese Option wurde aber nur in Verbindung mit der F-4N und F-4S Phantom II genutzt und nach der Einführung der McDonnell Douglas F/A-18 bis zur Einführung der Variante AIM-9X nicht mehr verfolgt. Marinevariante.
AIM-9H
Erneute Verbesserung der G-Version mit einer neuen Steuerelektronik, die statt störungsanfälligen Elektronenröhren zuverlässigere Halbleiterbauelemente verwendete. Erhöhung der Zielverfolgungsrate auf 20°/s und stärkere Aktuatoren. Marinevariante.
AIM-9J/N
Weiterentwicklung der AIM-9E ab Anfang der 1970er-Jahre, bei der die Elektronik teilweise von Elektronenröhren auf Halbleiterbauelemente umgestellt wurde. Installation eines neuen Gasgenerators für bis zu 40 s gesteuerter Flugzeit und neuer Steuerflächen mit charakteristischen eckigen Doppeldelta-Canards zu Erhöhung der Wendigkeit. Die Variante AIM-9N, zunächst auch als AIM-9J-1 bezeichnet, weist gegenüber der Basisvariante eine überarbeitete Elektronik aus und war vorwiegend für den Export bestimmt. Luftwaffenvariante.
AIM-9L und -9M
AIM-9L
Stark verbesserte Variante der Sidewinder auf der Basis der AIM-9H, die ab 1977 in Serie produziert wurde. Einsatz eines FM-modulierten argongekühlten Indiumantimonid-Suchkopfs, der erstmals auch die Erfassung von Zielen auch aus der frontalen Hemisphäre erlaubte, während vorige Sidewinderversionen nur von hinten auf ein Ziel abgefeuert werden konnten. Überarbeitete Steuerflächen in Form von spitz zulaufenden Doppel-Canards. Verwendung eines überarbeiteten Gefechtskopfes mit aktivem Laser-Annäherungszünder. Einsatz sowohl bei Luftwaffe als auch Marine und Beendigung der nach Teilstreitkräften getrennten Entwicklungslinien der Sidewinder. Die AIM-9L/i ist eine von Bodenseewerk Gerätetechnik in Lizenz produzierte Subvariante mit verbesserter Unterdrückung von IR-Gegenmaßnahmen. Sie wurde auch in Japan hergestellt.
AIM-9M
Überarbeitete AIM-9L mit raucharmem Raketenmotor MK36 Mod.11, überarbeiteter Elektronik und besserer Unterdrückung von IR-Gegenmaßnahmen (IRCM). Verschiedene Subvarianten mit einsatz- und nutzerspezifischen Modifikationen.
AIM-9P der Hawaii Air National Guard 1980
AIM-9P
Verbesserte Variante AIM-9J/N mit verschiedenen Subvarianten. P-1: Einsatz des aktiven Laser-Annäherungszünders der AIM-9L. P-2: Verwendung eines raucharmen Raketenmotors. P-3: Kombination der beiden vorigen Varianten. P-4: Verwendung eines All-Aspect-Suchkopfs ähnlich dem der AIM-9L. P-5: Verbesserung der P-4 mit erhöhter Unempfindlichkeit gegenüber IR-Störmaßnahmen. Die AIM-9P war ursprünglich als leistungsreduzierte Exportvariante zur Ergänzung der AIM-9L konzipiert worden, wurde jedoch auf Grund ihrer vergleichsweise geringeren Kosten und der Möglichkeit, bereits vorhandene AIM-9J/N aufzurüsten auch von der US-Luftwaffe in größeren Stückzahlen geordert.
AIM-9R
Variante der Sidewinder mit abbildendem IR-Suchkopf. Entwicklung Ende der 1980er-Jahre aus Kostengründen eingestellt.
AIM-9S
Exportvariante der AIM-9M.

Die Sidewinder ist der von den NATO-Staaten und einigen amerikanischen Verbündeten am meisten genutzte Luft-Luft-Flugkörper; bislang wurden 110.000 Stück für 28 Staaten produziert. Er ist einer der ältesten, kostengünstigsten und erfolgreichsten Flugkörper im US-Waffeninventar.

Es existiert auch eine Trainingsversion, die ATM-9L. Diese besitzt keine Ruderflossen und keinen Raketenmotor. Sie wird nicht abgefeuert, sondern dient den Zielsystemen des Flugzeugs und dem Piloten als Übungsobjekt zur Erfassung von Zielen, da der Suchkopf voll funktionsfähig ist.

Modell AIM-9X

AIM-9X einer F/A-18E 2008
Frontalansicht einer AIM-9X

 

Nachdem infolge der Beendigung des Kalten Kriegs und der deutschen Wiedervereinigung westliche Streitkräfte in den Besitz ex-sowjetischer Waffensysteme gekommen waren, wurde festgestellt, dass der modernste Nahkampf-Luft-Luft-Flugkörper des Ostblocks, die Wympel R-73/A-11 Archer den damaligen westlichen Gegenstücken in nahezu allen relevanten Parametern weit überlegen war. Dies war für die NATO-Streitkräfte überraschend, war man doch bis dato davon ausgegangen, dass sowjetische Raketensysteme weniger weit entwickelt waren und man auch in der Zukunft bestenfalls mit Lenkwaffen in der Leistungsklasse der AIM-9L/M rechnen müsse. Daher wurde entschieden, eine neue Luft-Luft-Rakete zu entwickeln, um zur russischen Entwicklung aufzuschließen.

Ursprünglich wurde daran gedacht, als Ersatz für die Sidewinder die britische AIM-132 ASRAAM zu beschaffen, doch fortwährende Verzögerungen durch Streitigkeiten über die konzeptionelle Auslegung des Flugkörpers zwischen Großbritannien und dem damaligen ASRAAM-Projektpartner Deutschland führten zu einer Beendigung dieser Pläne seitens der USA. Stattdessen wurde 1994 ein eigenes Programm für den neuen Kurzstrecken-Luft-Luft-Flugkörper AIM-9X begonnen.

Die AIM-9X wird zwar weiterhin der AIM-9-Serie zugeordnet, ist jedoch eine komplette Neuentwicklung, die lediglich auf einige Komponenten ihrer Vorgänger zurückgreift. So wurden bewährte Bauteile wie der raucharme Raketenmotor und der Sprengkopf von der AIM-9M übernommen. Neu ist der Raketenkörper, der wesentlich luftwiderstandsärmer als der früherer Versionen ist und nun über die Heckflossen und nicht mehr über die vorderen Canards gesteuert wird. In Verbindung mit einer ebenfalls neuen Schubvektorsteuerung wird so eine deutlich bessere Manövrierfähigkeit erzielt.

Ein wesentlicher Fortschritt gegenüber den bisherigen AIM-9-Modellen ist der abbildende IR-Suchkopf, dessen Herzstück ein Bildsensor als Focal-Plane-Array mit 128×128 Elementen ist. Dieser besitzt eine größere maximale Erfassungsreichweite als die Suchköpfe früherer Sidewinder und kann durch eine Auswertung des IR-Bildes das eigentliche Ziel zuverlässig von Störmaßnahmen unterscheiden. Hinzu kommt, dass eine Erfassung von Zielen bis zu 90° abseits der Flugrichtung möglich ist, während ältere Modelle der AIM-9-Serie diesbezüglich auf 27,5° beschränkt sind. Die Rakete verwendet zur Steuerung nun einen Digitalrechner, dessen Mikroprozessor wesentlich komplexere Daten und Algorithmen verarbeiten kann.

Die Kommunikation zwischen dem Flugkörper und dem Feuerleitrechner der Plattform wird nun erstmals digital abgewickelt. Neuere Flugzeuge beherrschen diesen Modus bereits seit einigen Jahren; für Plattformen, bei denen sich eine Umrüstung nicht mehr lohnt (F-14, AV-8B und AH-1 Cobra), hat die Rakete einen analogen Kompatibilitätsmodus, in dem sie sich wie eine AIM-9M verhält und sich gegenüber dem Feuerleitrechner auch so identifiziert.

Die Serienfertigung des Flugkörpers ist Ende 2002 angelaufen, die ersten einsatzbereiten Muster wurden bei der Operation Iraqi Freedom 2003 gesehen. Ob sie dort zum Einsatz gekommen ist, wird derzeit noch geheim gehalten.

Ab Dezember 2007 erhielt die Schweiz die ersten AIM-9X für ihre Kampfflugzeuge vom Typ F/A-18 Hornet als Ersatz für das Vorgängermodell AIM-9P.

Inzwischen wurden über 4500 Lenkwaffen zu einem Stückpreis von etwa 320.000 US-Dollar ausgeliefert. Allein die US Air Force und die US Navy planen die Anschaffung von insgesamt 10.142 Raketen, womit sich das Budget auf ungefähr drei Milliarden US-Dollar beläuft. Im Juli 2011 geht die weiterentwickelte Block-II-Version bei Raytheon in Produktion

 

Modell AA-2 Atoll

Eine besondere Sidewinder-Variante ist die sowjetische R-3/AA-2 Atoll, die in ihrer ersten Version eine exakte Kopie der US-amerikanischen AIM-9B darstellte. Wie die Sowjetarmee an eine Sidewinder gelangte, ist bis heute nicht restlos geklärt. Spätestens ab 1967 stand den sowjetischen Truppen eine Sidewinder zur Verfügung, die der Krefelder Architekt Manfred Ramminger mit Hilfe seines Fahrers und des Starfighter-Piloten Wolf-Diethard Knoppe am 22. Oktober 1967 auf dem westdeutschen Fliegerhorst Neuburg entwendet hatte. Die Rakete wurde später – in unverdächtige Teile zerlegt – über den Flughafen Düsseldorf nach Moskau geschafft. Das Trio wurde ein Jahr später verhaftet. Für wahrscheinlich wird allerdings auch gehalten, dass die Sowjets bereits ab 1958 über eine Sidewinder verfügten, die bei einem Luftkampf zwischen einer nationalchinesischen F-86 Sabre und einer MiG-17 der Volksrepublik China am 24. September 1958 über der Straße von Formosa ungezündet im Rumpf der MiG steckengeblieben war und über China in die Sowjetunion kam. Gegenüber den bisherigen komplexen sowjetischen Eigenentwicklungen war die Sidewinder sehr einfach aufgebaut. Seit ihrem ersten Einsatz über Vietnam wurden auch Verbesserungen an den sowjetischen Eigenentwicklungen vorgenommen, die durch ihre geringen Beschaffungskosten vor allem für den Export in Dritte-Welt-Staaten interessant wurden.

Einsatz

Eine AIM-9L zerstört 1974 eine QF-4B-Zieldrohne

 

Der erste Einsatz der AIM-9 erfolgte während der Zweiten Quemoy-Krise. Am 24. September 1958 feuerte eine taiwanesische F-86 Sabre eine Sidewinder auf eine MiG-15 der Volksrepublik China ab.

Während des Vietnamkrieges erzielte die AIM-9 anfänglich eine Trefferquote von 65 %. Diese sank bis zum Ende des Krieges auf 15 %.[3]

Während des Falklandkrieges feuerten britische Harrier 26 AIM-9L auf argentinische Luftziele und erzielten 19 Treffer. Dies entspricht einer Trefferquote von 73 %.[3]

Während des Zweiten Golfkrieges wurden mit 48 abgefeuerten AIM-9M elf Treffer erzielt. Dies entspricht einer Trefferquote von 23 %.

 

Technik

Aufbau

Der Flugkörper besteht aus vier Hauptsektionen: Zielerfassung, Lenkung, Gefechtskopf und Raketenmotor. Diese sind hauptsächlich in einer Aluminiumröhre von 12,7 cm Durchmesser untergebracht.

Vorderer Teil einer AIM-9L

 

Die Guidance and Control Unit (GCU) enthält den größten Teil der Elektronik und Mechanik des Flugkörpers. An der Spitze der Rakete sitzt hinter einem Glasdom der IR-Suchkopf mit der rotierenden Spindel, dem Spiegel und fünf Bleisulfid- bzw. ab der Variante AIM-9L Indiumantimonid-Fotowiderständen bzw. einem Focal-Plane-Array bei der AIM-9X. Dahinter liegt die Elektronik, die Daten sammelt, Signale interpretiert und Steuersignale erzeugt. Von der GCU führt eine elektrische Verbindung zur Startschiene des Flugzeugs. Die Elektronik wird mit Hilfe einer Argon-Flasche oder flüssigem Stickstoff (AIM-9X) gekühlt. Am hinteren Ende der GCU sorgt ein Gasgenerator oder eine thermische Batterie (AIM-9X) für elektrische Energie. Dahinter folgt der Zünder mit acht IR-Emittern und Detektoren, die den Gefechtskopf in der Nähe des Ziels zur Detonation bringen. Versionen vor der AIM-9L besaßen zusätzlich noch einen Magnetzünder. Da im Militärflugzeugbau zunehmend abgeschirmte Verkabelungen und nichtmagnetische Metalle Verwendung finden, wäre der Magnetzünder heute relativ nutzlos.

Die neuesten Modelle der AIM-9 besitzen einen Gefechtskopf mit kugelförmiger Splitterwirkung. Er besteht aus spiralförmig gewundenem Federstahl und ist mit 6 kg Tritonal gefüllt.

Die Antriebssektion mit dem Feststoff-Raketenmotor enthält auch drei Anschlussstücke, die den Flugkörper mit der Startschiene verbinden. Über elektrische Kontakte in der Schiene wird der Motor gezündet und der Gefechtskopf vorgeschärft. Bei allen älteren Modellen dienen die Heckflossen nur der aerodynamischen Stabilisierung, während mit den vorderen Flügeln gesteuert wird. Bei der AIM-9X ist dies erstmals umgekehrt. Deshalb wurde es notwendig, entlang des gesamten Flugkörpers Kabelstränge zu installieren.

Funktion des Infrarot-Zielsystems

Geometrie der Zielerfassung

 

Der Hauptvorteil der Sidewinder war ihr einfaches, aber wirksames Ziel-Lenk-System, das eine Kombination aus Mechanik und Analogcomputer einsetzt, da Digitalrechner mit ausreichender Leistung und Kompaktheit zur Entwicklungszeit nicht verfügbar waren. Dies änderte sich erst Mitte der 1990er-Jahre durch die AIM-9X.

Im Zweiten Weltkrieg hatten die Deutschen bereits mit Infrarot-Lenksystemen in einer großen als Enzian bezeichneten Rakete experimentiert; das Kriegsende verhinderte jedoch eine Weiterentwicklung. Die Enzian besaß einen IR-Detektor, der in einem kleinen beweglichen Teleskop montiert war, und benutzte eine Metallfahne vor dem Spiegel, um feststellen zu können, auf welcher Seite des Zentrums sich das Ziel befand, um lenken zu können. Wenn die Rakete sich kontinuierlich in die jeweils gegenwärtige Richtung des Teleskops bewegte, lenkte sie sich auf einem so genannten Schleppkurs ins Ziel.

Die Sidewinder verbesserte dieses auf mehrere Arten: Zuerst wurde der starre Spiegel durch einen um einen Schaft rotierenden ersetzt. Anstatt das Ziel im Spiegel zu fixieren, würde der IR-Sensor das Ziel als eine Serie kurzer Blitze sehen. Wenn bekannt war, wo auf dem sich drehenden Spiegel der Blitz war, ergab sich die radiale Richtung zum Ziel, im Bild w1. Zusätzlich konnte das System den Abweichungswinkel, w2, zum Ziel auf eine clevere Weise feststellen. Wenn sich das Ziel seitlich aus dem Sichtfeld bewegte, war der Blitz auf Grund der höheren Bewegungsgeschwindigkeit an der Außenseite des Spiegels kürzer.

Diese Art von Signal verbesserte das Zielverfolgungssystem: Anstatt den Flugkörper einfach auf die momentane Position des Ziels zu lenken – was ineffizient ist, da dieses sich meist schnell weiter bewegt – „merkte“ sich das Lenksystem der Sidewinder die Richtung und Dauer jedes Blitzes. Sie versuchte dann, die Bewegungsänderungen des Ziels im Spiegel auszunullen, anstatt den Unterschied zwischen dem Winkel des Detektors und dem des Flugkörpers bei Null zu halten. Wenn das Ziel im Sucher stillstand, war der Flugkörper genau auf dem kürzesten Weg zum Ziel, dieser Kurs wird auch Abfangkurs genannt.

Das ganze System war allerdings davon abhängig, dass der Flugkörper nicht um die Längsachse rotierte, da in diesem Fall das von der Rotationsgeschwindigkeit des Spiegels abhängige Timing nicht mehr korrekt sein würde. Die Korrektur dieser Rotation würde normalerweise einen Lagesensor erfordern, um dann entsprechend gegenzusteuern. Stattdessen fanden die Sidewinder-Ingenieure eine einfachere Lösung: Am hinteren Teil des Flugkörpers wurden kleine Steuerflächen mit drehenden Scheiben (Zahnräder) auf der Oberfläche angebracht (englisch: „rollerons“).[1] Luftfluss über die Scheiben ließ sie schneller drehen; wenn der Flugkörper zu rollen begann, drückte die in diesem Fall auf die Scheiben wirkende gyroskopische Kraft die Steuerflächen in den Luftfluss und unterband die Rollbewegung. Das Sidewinder-Team ersetzte also ein komplexes Kontrollsystem durch vier kleine Stücke Metall.

Die Zielerfassung mit der Sidewinder kann auf mehrere Arten erfolgen: Zum Einen kann die Rakete selbständig den Himmel vor ihrem schwenkbaren Suchkopf absuchen; hat sie eine Wärmequelle erfasst, signalisiert sie dies dem Piloten per Audiosignal (ein hohes Pfeifen in Abhängigkeit von der Qualität der Zielerfassung). Zum Zweiten gibt es den Nachführungsmodus, bei dem der Pilot ein Ziel mit seinem Bordradar aufschaltet. Das Radar teilt dann dem Flugkörper den Winkel zum Ziel mit, dieser schwenkt seinen Suchkopf dorthin und erfasst das Ziel. Die neue AIM-9X beherrscht noch einen dritten Modus, der allerdings gegenwärtig noch nicht benutzt wird; hierbei ist der Pilotenhelm mit einem Sensor gekoppelt, der dem Flugkörper die momentane Blickrichtung des Piloten meldet. Um einen Flugkörper abzufeuern, muss der Pilot also nur das Ziel anschauen und abdrücken. Dies ist vor allem im extremen Nahkampf, wenn die Entfernung zum Radareinsatz bereits zu gering ist, oder bei Helikoptern nützlich.

Technische Daten

Typ[1] Lenkung Länge
in m
Startmasse
in kg
Vmax
in Mach
Reichweite
in km
Bemerkungen
AIM-9B Infrarot 2,83 70,4 2 4,8 ab 1956
AIM-9C halbaktives Radar 2,87 84 2 17,7
AIM-9D Infrarot 2,87 88,5 2 17,7
AIM-9J Infrarot 3,07 78 2 14,5 ab Anfang der 1970er Jahre
AIM-9L Infrarot 2,85 85,3 2 17,7 ab 1977
AIM-9M Infrarot 2,85 86 2,5 17,7 ab 1982
AIM-9P Infrarot 3,07 78 2,5 17,7
AIM-9X Infrarot 2,90 85,5 2,7 16 ab 2002
MAA-1 Infrarot 2,72 86 2 16 brasilianische Version
PL-2 Infrarot 2,88 70 2 7,8
PL-5B Infrarot 2,89 85 2 16
Shafrir 2 Infrarot 2,47 93 2,5 5 israelische Eigenentwicklung auf Basis der Sidewinder
AAM-1 Infrarot 2,60 70 2 7 japanische Version
Kukri V3 Infrarot 2,94 73,4 2,5 6 südafrikanische Version
Tien Chien 1 Infrarot 2,87 90 2 15 taiwanesische Version
R-3S Infrarot 2,84 75,3 2 7 ab 1960
R-3R halbaktives Radar 3,42 82,4 2 8
R-13M Infrarot 2,87 88,2 2,5 13 mit Stabmantelgefechtskopf

Details zur AIM-9X

  • Hersteller: Raytheon; Ford Aerospace; Loral; Diehl Defence;
  • Antrieb: Thiokol Hercules und Bermite MK 36 Mod 11; einstufiger Feststoff-Raketenmotor
  • Durchmesser: 12,7 cm
  • Spannweite: 44 cm
  • Geschwindigkeit: Mach 2,7 bis (je nach Modelltyp) zu 4,7 Mach
  • Sprengkopf: HE-Fragment; 10,5 kg
  • Auslieferung: ab 2002

Bomarc

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Bomarc

BOMARC.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Flugabwehrrakete
Heimische Bezeichnung: XF-99, XM-99A
NATO-Bezeichnung: CIM-10 Bomarc
Herkunftsland: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller: Boeing
Entwicklung: 1949
Indienststellung: 1959
Einsatzzeit: 1961–1972
Technische Daten
Länge: CIM-10A: 14,20 m
CIM-10B: 13,70 m
Durchmesser: 890 mm
Gefechtsgewicht: CIM-10A: 7.020 kg
CIM-10B: 7.250 kg
Spannweite: 5.540 mm
Antrieb:
Erste Stufe:
Zweite Stufe:

CIM-10A: Flüssigtreibstoff-Booster Aerojet General LR59-AJ-13
CIM-10B: Feststoffbooster Thiokol M51
CIM-10A: 2 × Ramjet Marquardt RJ43-MA-3
CIM-10B:2 × Ramjet Marquardt RJ43-MA-7
Geschwindigkeit: CIM-10A: Mach 2,8
CIM-10B: Mach 3,0
Reichweite: CIM-10A: 400 km
CIM-10B: 710 km
Dienstgipfelhöhe: CIM-10A: 20.000 m
CIM-10B: 30.000 m
Ausstattung
Lenkung: Inertiales Navigationssystem, Datenlink
Zielortung: Aktive Radarzielsuche
Gefechtskopf: W40-Nukleargefechtskopf mit 7–10 kt oder Splittergefechtskopf
Zünder: Radar-Annäherungzünder
Waffenplattformen: Stationäre Stellung

 

Die Bomarc war eine ferngesteuerte Flugabwehrrakete der Zeit des Kalten Krieges aus US-amerikanischer Produktion. Sie konnte mit einem nuklearen Sprengkopf bestückt werden. Durch Ramjet-Triebwerke und Tragflächen erzielte sie eine Reichweite von zuletzt 700 Kilometern bei einer Geschwindigkeit bis zu Mach 2,8.

Der Name Bomarc setzt sich aus den Herstellern Boeing (BO) und dem Michigan Aeronautic Research Center (MARC) = BOMARC zusammen. Die ursprüngliche Bezeichnung der US Air Force – XF-99 – gliederte die Bomarc in die Reihe der Jagdflugzeuge ein.[1] Schon kurz nach dem Erstflug erfolgte die erste Umbenennung in IM-99A, bevor schließlich 1963 CIM-10 als endgültige Bezeichnung festgelegt wurde.

Entwicklung

Im Kalten Krieg standen den USA und der Sowjetunion vor der Entwicklung von Interkontinentalraketen als Kernwaffenträger nur Langstreckenbomber zur Verfügung. Gegen diese Bedrohung richtete sich die Bomarc, die ab Anfang der 1950er-Jahre entwickelt und ab Juni 1961 in Dienst gestellt wurde. Neben ihrem ursprünglichen Zweck diente die Bomarc auch als Zieldrohne zum Test anderer Waffensysteme.

Es wurden etwa 700 Flugkörper produziert. 14 Bomarc-Stellungen in den USA und zwei in Kanada wurden aufgebaut, die Angriffe sowjetischer Bomber über den Nordpol abfangen sollten.

Das Programm führte in Kanada ab 1960 zu heftigen politischen Kontroversen, als die nukleare Bestückung der Flugkörper bekannt geworden war. Nachdem Pierre Trudeau bereits als Journalist gegen die Bomarc gearbeitet hatte, kündigte er nach seiner Wahl zum kanadischen Premierminister im Jahre 1968 an, die Stellungen 1971 abzubauen.

Ab Mitte der 1960er-Jahre verlagerte sich die Hauptbedrohung von strategischen Bombern zu Interkontinentalraketen. 1972 wurde die letzte Bomarc-Einheit in den USA aufgelöst.

Technik

Bomarc A (CIM-10A)
Bomarc B (CIM-10B)
Eine zur Zieldrohne umgebaute Bomarc B startet in Vandenberg

 

Als bodengestützter Luftabwehrflugkörper großer Reichweite hatte die Bomarc zum Start ein Raketentriebwerk und als Marschtriebwerke zwei Marquardt-RJ43-Staustrahltriebwerke (Ramjets). Zwei Varianten wurden entwickelt – Bomarc A und Bomarc B, ab 1963 als CIM-10A und CIM-10B bezeichnet.

Das erste Modell – die 'Bomarc IM-99A' (IM für Interceptor Missile) – flog mit Mach 2,8 bei einer Reiseflughöhe von 18 km. Es war 14,2 m lang, wog 7.020 kg und hatte eine Reichweite von 320 km. In der Startstufe wurde ein Raketenmotor mit Flüssigtreibstoff verwendet. Die Bomarc B verwendete einen Feststoffantrieb, denn der flüssige Treibstoff hatte den Nachteil, dass erst unmittelbar vor dem Start aufgetankt werden konnte und die Treibstoffe gefährlich in der Handhabung waren. Die Ramjet-Triebwerke beider Varianten unterschieden sich dagegen kaum.

Die Bomarc waren in speziellen Schutzräumen untergebracht, von wo sie automatisch vertikal aufgerichtet und gestartet werden konnten.

Zielermittlung und -verfolgung sowie die Steuerung der Bomarc erfolgte durch SAGE, das Semi-Automatic Ground Environment – ein Netzwerk von Radarstationen und Computersystemen, die aufgrund der damaligen Technologie gewaltige Dimensionen hatten. Bei einer Entfernung von 16 km zum Ziel übernahm das bordeigene AN/DPN-34-Radar die Steuerung bis zum Abfangpunkt, wo der konventionelle Sprengkopf oder auch ein W40-Nuklearsprengkopf mit 10 kT TNT-Äquivalent gezündet wurde.

Redstone (Rakete)

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Start einer Redstone-Mittelstreckenrakete
Start von Redstone Freedom 7
Juno-1-Rakete
Oberstufen der Juno-1-Rakete
Redstone-Sparta-Rakete

 

Die Redstone (militärisch auch als PGM-11A oder SSM-A-14 bezeichnet) war die erste US-amerikanische ballistische Rakete. Sie basierte auf der Technologie der deutschen A4-Rakete und wurde wesentlich mit Beteiligung deutscher Raketentechniker unter Walter Dornberger und Wernher von Braun entwickelt.

 

Geschichte

Die Entwicklung der Redstone begann Ende 1944 als Teil des Hermes-Programmes (Hermes-C1 mit 800 km projektierter Reichweite). Die Arbeiten an der Rakete wurden nach dem Krieg jedoch nur langsam vorangetrieben. Dies änderte sich erst 1950 mit dem Koreakrieg. An die Rakete wurden nun erhöhte Anforderungen gestellt, etwa eine größere Nutzlast. Ab 1951 erfolgte dann die eigentliche Entwicklung der Rakete auf dem Redstone Arsenal in Huntsville (Alabama) unter Leitung von Wernher von Braun. Im April 1952 wurde sie in Redstone umbenannt. Redstone sollte eine Boden-Boden-Rakete für die US Army werden. Ihre grundlegende Konstruktion war Mitte 1952 abgeschlossen. Die Rakete konnte einen nuklearen Fusionssprengkopf von 3.000 kg und einer Sprengkraft bis zu 3,75 Mt TNT-Äquivalent über 320 km tragen und war damit eher eine Kurzstreckenrakete. Die Ausschreibung zum Bau der Rakete gewann im Oktober 1952 die Firma Chrysler, welche umgehend mit der Produktion der ersten Testmuster begann. Am 20. August 1953 hatte die Rakete ihren ersten Testflug. 1955 begann die Produktion der Serienversion, diese startete im Juli 1956 zum ersten Mal. Im Juni 1958 wurde die erste Redstone-Einheit in Westdeutschland stationiert. Bis zum letzten Start am 30. November 1965 gab es 56 Starts der Serienversion, davon 28 Fehlstarts. Insgesamt wurden etwa 120 Raketen gebaut (davon 35 für das Testprogramm). Bei den Tests gab es insgesamt 47 Fehlstarts. Die Zuverlässigkeit des Typs war daher ziemlich gering.[1]

Dennoch konnte aufgrund der erprobten Technologie relativ kurzfristig nach dem Sputnik-Schock eine Trägerrakete abgeleitet werden, mit deren Hilfe eine Reihe von Weltraummissionen gestartet wurden. Dazu gehörten der erste US-amerikanische Satellit Explorer 1 und die ersten bemannten suborbitalen Raumflüge mit Mercury-Raumschiffen.

Stationierungen

In der Bundesrepublik Deutschland standen vier mobile Abschussrampen mit der dazugehörigen Ausrüstung und je einer Rakete zum Nachladen. Redstone waren auch in Italien und der Türkei stationiert, aus der Türkei wurden sie nach der Kubakrise abgezogen.

Atombombentests

Im Rahmen der Operation Hardtack im August 1958 testete man die Redstone mit atomaren Sprengköpfen. Am 1. August startete Redstone #CC50 den Atombombentest 'Teak'. In 77,8 km Höhe erfolgte die Detonation. 'Orange', dessen Sprengsatz von der Redstone #CC51 gestartet wurde, detonierte am 12. August in einer Höhe von 43 km. Beide Sprengsätze hatten eine Sprengkraft von 3,75 Megatonnen. Diese waren die ersten Atombombentests der USA, die mit einer Rakete durchgeführt wurden.

Varianten

  • Die Redstone-Variante für Wiedereintrittstests von Interkontinentalraketen wurde als Jupiter-C bezeichnet. Sie bestand aus der Redstone-Rakete und zwei Feststoffoberstufen. Zwischen 1956 und 1957 starteten drei Raketen.
  • Die Redstone-Variante für den Start des ersten US-amerikanischen Erdsatelliten Explorer 1 wurde als Juno-1 oder ebenfalls als Jupiter-C bezeichnet. Sie bestand aus einer modifizierten Redstone-Rakete mit um 2,4 m verlängertem Tank und drei Feststoffoberstufen mit einer jeweils unterschiedlichen Anzahl von Thiokol Baby-Sergeant-Feststoffraketen,[2] wobei die zweite und dritte Stufe ineinandergeschachtelt wurden. Die Nutzlast lag nur bei etwa 15 kg. Nach dem Start von Explorer 1 wurden weitere Satelliten mit dieser Rakete gestartet, hierbei kam es zu Fehlschlägen. 1958 gab es sechs Raketenstarts, drei davon misslangen. Der erste Start erfolgte am 31. Januar 1958, der letzte am 22. Oktober 1958. Beim letzten Start wurde die Juno 1 mit einer zusätzlichen fünften Stufe ausgestattet. Der Start mit dem Satelliten Beacon 1 misslang jedoch.[3]
  • Die Redstone Mercury für den Start der Mercury-Raumkapseln besaß nur eine Antriebsstufe. Der erste Start erfolgte am 21. November 1960, der letzte am 21. Juli 1961.
  • Daneben gab es noch die Redstone Sparta. Sie wurde für einige suborbitale Testflüge 1966 in Woomera und zum Start von Australiens ersten künstlichen Erdsatelliten Wresat eingesetzt.

Technische Daten

Redstone Jupiter-C/Juno-1 Redstone Mercury
Länge 21,1 m 21,3 m 25,5 m
Spannweite 3,66 m 3,66 m 3,66 m
Durchmesser 1,78 m 1,78 m 1,78 m
Startmasse 29,0 t 31,5 t ~30 t
Stufen 1 4 1
1. Stufe
Triebwerk North American Rocketdyne NAA75-100
(A-6) mit Strahlrudern
Rocketdyne A-7 Rocketdyne A-7
Startschub 347 kN 369 kN 357 kN
Treibstoff Ethanol und LOX Hydyne und LOX Ethanol und LOX
Brenndauer 135 s 155 s 155 s
Start-/Leermasse 28,4 / 3,89 t 30,96 / 6,16 t 30,96 / 6,16 t
2. Stufe
Triebwerk 11 Thiokol Sergeant
Schub 73,4 kN
Treibstoff TPH
Start-/Leermasse 327/90 kg
Brenndauer 6,5 s
Länge 1,3 m
Durchmesser 0,86 m
3. Stufe
Triebwerk 3 Thiokol Sergeant
Schub 24,0 kN
Treibstoff TPH
Start-/Leermasse 94/28 kg
Brenndauer 6,5 s
Länge 1,3 m
Durchmesser 0,41 m
4. Stufe
Triebwerk 1 Thiokol Sergeant
Schub 8,0 kN
Treibstoff TPH
Start-/Leermasse 27/5 kg
Brenndauer 6,5 s
Länge 1,3 m
Durchmesser 0,15 m

AGM-12 Bullpup

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AGM-12 Bullpup

AGM-12C Bullpup (rechts), AGM-12B (links)
AGM-12C Bullpup (rechts), AGM-12B (links)

Allgemeine Angaben
Typ: Luft-Boden-Rakete
Hersteller: Martin Marietta, Maxson Electronics, Kongsberg Våpenfabrikk, de Havilland Aircraft Company
Entwicklung: ab 1953
Indienststellung: 1955
Stückpreis: ca. 4000–5000 US-Dollar (1958)[1]
Technische Daten
Länge: 3200–4140 mm
Durchmesser: 300–460 mm
Gefechtsgewicht: 259–810 kg
Spannweite: 940–1220 mm
Antrieb:
  • Aerojet Mk8 Mod 1 Feststoff-Raketenmotor (AGM-12A)
  • Thiokol LR-58-RM-4 Flüssigstoff-Raketenmotor (AGM-12B/D)
  • Thiokol LR-62-RM-2/-4 Flüssigstoff-Raketenmotor (AGM-12C)[2]
Geschwindigkeit: Mach 1,8
Reichweite: 11 km (AGM-12B)
16 km (AGM-12C)
Ausstattung
Zielortung: Manuell
Gefechtskopf: - 113 kg Hochexplosiv (AGM-12A-B)
- 453 kg Hochexplosiv (AGM-12C)
- 68 kg W-45 Nuklearsprengkopf (AGM-12D)
- 453 kg mit BLU-26/B (AGM-12E)
Waffenplattformen: Hubschrauber, trägergestützte Jäger und Jagdbomber, U-Boot-Jagdflugzeug

 

Die AGM-12 Bullpup ist eine manuell gelenkte Kurzstrecken-Luft-Boden-Rakete (Air Ground Missile – AGM) die vom US-amerikanischen Rüstungsunternehmen Martin Marietta für die US Navy und die US Air Force entwickelt wurde. Sie wurde von 1959 bis 1978 eingesetzt. Sie war die erste in Serie gebaute gelenkte Luft-Boden-Rakete der Welt und wurde auch von einigen anderen NATO-Staaten und weiteren Ländern eingesetzt.

Technik und Funktion

Die AGM-12A und GAM-83A (AGM-12B) haben einen zylindrischen Körper, in dem die Elektronik, der Gefechtskopf (Mittelsektion) und der Treibstofftank untergebracht sind. Zur Front hin verläuft er kegelförmig. An der Spitze befindet sich 4 Canards in X-Form. Mit diesen werden die Steuerkommandos des Bordschützen elektropneumatisch von der Bullpup umgesetzt. Am Heck, beim Triebwerk, wird sie leicht konisch. Kurz davor sind vier große Heckflossen ebenfalls in X-Form angebracht, die einem Deltaflügel ähnlich sind. Diese Flügelflächen dienen nur dazu, dass die Bullpup ihre Richtungsstabilität hält sowie in Zusammenarbeit mit dem Kreiselsystem nicht ins Rollen um die eigene Achse gerät. Die ASM-N-7A (ebenfalls AGM-12B) kann man gegenüber der -12A nur an den Heckflossen unterscheiden, denn diese haben jetzt ein Trapezform. Bei der AGM-12C sieht die Körperform, bedingt durch den größeren Durchmesser, erheblich anders aus, denn hinter der Spitze gibt es eine konische Vergrößerung von 30 auf 46 cm. Auch sind die Heckflossen nun wesentlich größer. Sie haben aber eine Trapezform, wobei sich die Flossenhöhe von vorne nach hinten verringert. Die AGM-12D wiederum baut auf der -12B auf. Da sie aber einen Nuklearsprengkopf trägt, der etwas größer ist, musste die Mittelsektion vom Durchmesser her angepasst werden. Auf Grund dieser minimalen Änderung ist die 12D von der A und B Variante nur schwer zu unterscheiden.

Die erste Version der Bullpup, die AGM-12A, war mit einem Mk 8 Mod 1 Feststoff-Raketenmotor der Firma Aerojet-General ausgerüstet, der 2,5 Sekunden lang, ca. 38 kN Schub lieferte.[3] Spätere Versionen sind mit Flüssigstoff-Raketenmotoren der Firma Thiokol vom Typ LR-58-RM-4 (AGM-12B/D), der 2,04 Sekunden lang ca. 53,9 kN Schub leistet, beziehungsweise LR-62-RM-2/-4 (AGM-12C/E) ausgerüstet. Als Treibstoff verwendet das LR-58 und -62 ein Gemisch aus Aminen, das MAF-l (mixed amine fuel-1) genannt wird sowie als Oxidator rote rauchende Salpetersäure, die, wenn sie zusammen gemischt werden, hypergol (selbstzündend) sind. Das Gewicht aller Raketenmotoren war trotz unterschiedlicher Gesamtmasse der Bullpup annähernd gleich und betrug etwa 91 kg.

Die Bullpup wurde nach Abschuss vom Bordschützen manuell über einen Joystick im Cockpit per Funkfernsteuerung nach Sicht gelenkt. Der Nachteil dieses Systems war, dass der Schütze immer Sichtkontakt mit der Rakete haben musste. In der ersten Version (AGM-12A) musste außerdem das Trägerflugzeug weiter in grader Linie auf das Ziel zu fliegen. Dies wurde erst mit der AGM-12B, die eine überarbeitete Elektronik hatte, leicht verbessert. Jetzt konnte das jeweilige Trägerflugzeug vom Kurs der Bullpup etwas abweichen, ohne dass es zum Verlust der Funkverbindung kam. Das Trägerflugzeug selbst musste mit einem Airborne Flight/Remote Control Radio (kurz AN/ARW) vom Typ -73 und später -77 ausgerüstet sein, damit es die Bullpup verschießen konnte.[4] Mit dem AN/ARW-73 waren nur die A-4 Skyhawk und die F-105 Thunderchief ausgerüstet. Das AN/ARW-77 hingegen nutzten unter anderem die A-7, F-4, F-5, F-8, und P-3B Orion.

Neben der nicht optimalen Zielelektronik hatte die die Bullpup noch andere Schwächen. So betrug ihre Trefferwahrscheinlichkeit nur 66 %[5] und dies bei einem Streukreisradius (CEP) von etwas über neun Meter. Weiter gab es immer wieder Probleme mit den Schweißnähten sowie fehlerhaften Schnittstellen zwischen Elektronik und VHF-Antenne.

Geschichte

Die Entwicklung der AGM-12 Bullpup wurde 1953 von der US Navy initiiert, als während des Koreakrieges festgestellt wurde, dass man keine effektive Waffe zur Verfügung hatte, mit der man schnell und präzise statische Ziele, wie zum Beispiel Brücken, ausschalten konnte. Eine weitere Anforderung war die Möglichkeit des Einsatzes durch trägergestützte Flugzeuge. Es wurde eine Ausschreibung durchgeführt, bei der unter mehreren Angeboten Martin Marietta im April des Jahres 1954 den Zuschlag erhielt. Die Bezeichnung der Rakete lautete ASM-N-7 Bullpup, sie war die erste gelenkte Luft-Boden-Rakete. Während ihrer Entwicklungsphase bekam die Bullpup die Bezeichnung XASM-N-7, wobei das X auf den experimentellen Status hinweist. Viele der damals vorgestellten Daten stimmten schon grob mit der späteren Serien-Bullpup überein. Nur beim Gewicht (245 kg) und der Geschwindigkeit (Mach 2) konnten bei der Serienversion (259 kg, Mach 1,8) nicht eingehalten werden. Auch schlug man drei verschiedene Gefechtsköpfe vor. Man wollte die hochexplosive AN-M57 Bombe, die AN-M81 Splitterbombe oder die Mk81 nutzen[6]. In der Serienversion nutzte die AGM-12A tatsächlich aber nur die AN-M81 und Mk81 Gefechtsköpfe.

Die ASM-N-7 war noch mit einem Feststoff-Raketenmotor ausgerüstet, erst mit der Einführung der Baureihe ASM-N-7a wurde dieser durch einen LR-58 Flüssigstoff-Raketenmotor der Firma Thiokol ersetzt. Offiziell wurde die ASM-N-7 bei der US Navy am 25. April 1959 an Bord der USS Lexington bei den an Bord befindlichen A-4 Skyhawk in Dienst gestellt.[7] Neben den A-4 Skyhawk wurde sie für die AF-1E Fury und den SH-34 zugelassen. Aber schon im Jahr 1954 zeigte die „US Air Force“ ebenfalls Interesse an der Bullpup. Man wollte aber nicht die gleiche Rakete wie die US Navy verwenden, da zu dieser Zeit große Rivalitäten zwischen den Teilstreitkräften bestanden. Daher wurde Martin Marietta beauftragt, ein Derivat mit der Projektbezeichnung White Lance und dem späteren Namen GAM-79 zu entwickeln. Es sollte, anders als bei der Navy, von Beginn an ein Raketenantrieb mit Flüssigtreibstoff verwendet werden. Außerdem sollte diese Version mit einem Nuklearsprengkopf bestückt werden können und die Zielelektronik sollte weiter verbessert werden. Aber die Entwicklung der GAM-79 brauchte ihre Zeit, und während dieser Entwicklungszeit kaufte die USAF die ASM-N-7, führte sie aber unter der Bezeichnung GAM-83 ein und setzte sie auf den Flugzeugtypen North American F-100 und Republic F-105 ein. Die ASM-N-7 und die GAM-83 sollten ab 1963 die Bezeichnung AGM-12A erhalten. Weiter wurde eine Trainingsversion, mit der die Piloten üben konnten, die AGM-12A, gebaut. Sie wurde zuerst als TGAM-83 und später als ATM-12A geführt.[2]

Die US-Navy nahm von der Entwicklung der GAM-79 durch die Air Force Notiz und stattete in der Folgezeit ihre ASM-N-7 mit einem Flüssigstoff-Raketenmotor aus. Diese jetzt unter der Bezeichnung ASM-N-7A geführte Baureihe unterschied sich gegenüber der ASM-N-7 nur durch den Flüssigstoff-Raketenmotor sowie einige kleine Verbesserungen am Gefechtskopf. Es wurde jetzt ein Gefechtskopf vom Typ Mk19 Mod 0[8] verwendet. Sie wurde etwa 1960 bei der US-Navy in Dienst gestellt. Die Air Force wiederum konnte die White Lance alias GAM-79 schon im Jahr 1958 in Dienst stellen, dies geschah unter dem Namen GAM-83A. Da die ASM-N-7A und GAM-83A fast zeitgleich entwickelt wurden, unterscheiden sie sich nur in Details, vor allem aber bei der Zielelektronik (GAM-83A). Beide Raketen sollten ab 1963 die Bezeichnung AGM-12B erhalten wobei es noch eine Trainer-Variante, die ATM-12B gab. Auf welcher der beiden Raketen die ATM-12B basiert ist unbekannt.

Neben dem neuen Gefechtskopf für die ASM-N-7A, ließ die US Navy im Jahr 1961 einen weiteren entwickeln. Dieser sollte 100 Liter eines chemischen Kampfstoffes mit dem Namen GB (Methylfluorphosphonsäureisopropylester) enthalten. Der Kampfstoff sollte nicht in der Luft versprüht werden, sondern nur in einen begrenzten Radius durch den Aufschlag der Bullpup verbreitet werden. Es wurden einige Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben und auch einige Prototypen dieses Gefechtskopfes gebaut. Aber die Navy beendete kurz nach der Fertigstellung der Gefechtsköpfe das Programm, bevor es überhaupt zu einem Test kam.[9]

Die Navy strebte eine verbesserte Version als die ASM-N-7A an. Ab dem Jahr 1959 wurde die ASM-N-7B entwickelt. Sie sollte einen auf 1000 Pfund (453 kg) vergrößerten Gefechtskopf erhalten. Zu der Zeit (1959) wurde die ASM-N-7B auch als Super Bullpup bezeichnet, wobei dies keine offizielle Bezeichnung war.[7] Es wurde weiter ein verbesserter Flüssigstoff-Raketenmotor vom Typ LR-62-RM-2/-4 eingesetzt, um bei dem nun größerem Gesamtgewicht die gleiche beziehungsweise eine etwas größere Reichweite zu erhalten. Die ASM-N-7B wurde für die Flugzeuge North American A-5, Grumman A-6 und Vought F-8E zugelassen. Sie wurde ab 1963 als AGM-12C bezeichnet.

Aus der GAM-83A entwickelte Martin für die US Air Force noch ein Derivat (ab Februar 1960), welches ab 1962 produziert wurde und über die Nuklearoption in Form eines W-45 Nuklearsprengkopfes verfügen sollte. Da der Nuklearsprengkopf etwas größer als der originale konventionelle war, wurde der Durchmesser der GAM-83A etwas vergrößert. Diese nukleare Version der GAM-83A erhielt die Bezeichnung GAM-83B, welche ab 1963 in AGM-12D umgeändert wurde. Von der D-Version wurden nur 100 Stück produziert und schon zwischen 1967 bis 1978 ausgemustert.[10]

Als letzte Version gab es noch die E-Version. Sie bekam von Anfang an die Bezeichnung AGM-12E Bullpup, da sie 1966/67 in Dienst gestellt wurde. Sie baut auf der AGM-12C auf, verwendet aber keinen herkömmlichen Gefechtskopf, stattdessen wurde dieser durch ca. 800-900 BLU-26/B Bomblets ersetzt.

Später gab es noch einige Projekte, die auf der Bullpup basierten und deren Fähigkeiten erheblich verbesserten. Keine dieser experimentellen Raketen wurde je in Serie produziert. Sie hatten die Bezeichnungen AGM-79 Blue Eye (Martin Marietta), AGM-80 Viper (Chrysler) und AGM-83 Bulldog (Texas Instruments).

Die letzten AGM-12 der Navy wurden vom Patrol Squadron VP-1 im Juli des Jahres 1978 von drei P-3B Orion verschossen und wurden anschließend ausgemustert.[11]

Neben den Weiterentwicklung der Bullpup gab es in einigen Ländern eigene Raketen, die manuell über Funk gesteuert werden. Einige dieser Raketen sind der Bullpup so ähnlich, dass man sie als Pendant (Gegenstück) bezeichnet werden kann. So gab es in der Sowjetunion eine Luft-Boden-Rakete namens AS-7 Kerry, in Frankreich wurde von Nord Aviation die AS.20 entwickelt. In Argentinien wurde die Martin Pescador MP-1000 mittlerweile außer Dienst gestellt, aber einige existieren als AS-25K-RC weiter.

Kurzübersicht

aktuell (ab 1963) veraltet (bis 1963)
AGM-12A ASM-N-7
GAM-83
AGM-12B ASM-N-7A
GAM-83A
AGM-12C ASM-N-7B
AGM-12D GAM-83B
AGM-12E

 

Einsatzländer

Eine AGM-12B Bullpup

Die Bullpup wurden von USA in den unterschiedlichen Versionen (A–E) ungefähr 56668-mal gebaut, bevor sie in einem Zeitraum von Beginn der 1970er bis zu den 1980er Jahren bei der US-Armee endgültig ausgemustert wurde.[12] Außerdem wurde die Bullpup (AGM-12B) von einem europäischen Konsortium hergestellt. Zu diesem Konsortium gehörten Norwegen (Kongsberg Våpenfabrikk) als Hauptproduzent, Großbritannien (de Havilland), Dänemark und die Türkei.

DanemarkDänemark Dänemark

Bei der Flyvevåbnet nutzte man die AGM-12B mit der F-104G und Saab 35XD als Trägerflugzeug.

GriechenlandGriechenland Griechenland

AGM-12B genutzt an F-104G

IsraelIsrael Israel

Die Israelischen Luftstreitkräfte nutzten die AGM-12B an der McDonnell F-4E und Douglas A-4 Skyhawk. Es wurden insgesamt 760 Bullpup in 2 Tranchen (à 550/210 Stück) zwischen den Jahren 1969 bis 1976 aus den USA geliefert.[13]

NorwegenNorwegen Norwegen

Die Luftforsvaret nutzte die Bullpup als Seezielflugkörper mit der P-3B, F-5 und F-104G.[14] Außerdem Produzierte die Kongsberg Våpenfabrikk für sie die AGM-12B, zwischen 1963 bis 1969, 1.500 mal in Lizenz.

TurkeiTürkei Türkei

Die Türkische Luftwaffe nutzten AGM-12B an zusammen mit F-100 Super Sabre und F-104G. Alle ca. 2.500 gelieferten Bullpup wurden in Norwegen gefertigt, wobei einzelne Teile in der Türkei produziert wurden.

Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich

Großbritannien zeigte schon 1960 Interesse an der Bullpup aber erst 1962 bekam man die AGM-12B. Als Trägerflugzeuge wurde die Supermarine Scimitar, Blackburn B-103 Buccaneer und die De Havilland D.H.110 der Royal Navy (ab 1962–64) und Royal Air Force benutzt. Die britische Firma de Havilland Aircraft Company unterstützte die Kongsberg Våpenfabrikk beim Bau von insgesamt 2.500 AGM-12B. Wobei 1.000 AGM-12B aus den USA geliefert wurden, um die Zeit bis Produktionsbeginn bei Kongsberg zu überbrücken.[15]

Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten

Ursprünglich von Martin Marietta entwickelt und verbessert, produzierte den größten Teil der AGM-12 die Firma Maxson Electronics. Die diversen Varianten der Bullpup wurden Flugstaffeln der US-Navy, Air Force und des Marine Corps genutzt.

 

Verwendete Trägerplattformen

Eine FJ-4B Fury mit 5 AGM-12A Bullpup
Hubschrauber
  • Sikorsky S-58, an der HUS-1/UH-34D wurde 1961 in Fort Rucker die Bullpup getestet, diese Kombination kam aber nicht in den regulären Truppendienst
Flugzeuge

Martin Mace

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MGM-13 Mace

MGM-13 Mace.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Marschflugkörper
Hersteller: Glenn L. Martin Company
Entwicklung: 1954
Indienststellung: 1959
Technische Daten
Länge: 13,60 m
Durchmesser: 1.400 mm
Gefechtsgewicht: 8.200 kg
Spannweite: 7.000 mm
Antrieb:
Erste Stufe:
Zweite Stufe:

Feststoffbooster
Allison J33-A-41 Turbojetmit 23 kN Schub
Geschwindigkeit: Mach 0,9
Reichweite: 2.400 km
Ausstattung
Zielortung: INS plus ATRAN (Automatic Terrain Recognition And Navigation)
Gefechtskopf: W28 Nukleargefechtskopf 1.100 kt
Waffenplattformen: Verbunkerte Stellung

 

MGM-13 Martin Mace (englisch für Keule) war eine taktische Boden-Boden-Rakete des US-amerikanischen Rüstungsherstellers Herstellers Martin, basierend auf dem Marschflugkörper Matador.

Entwicklung und Produktion

Die Entwicklung begann 1954, der erste Start erfolgte 1956. Die Mace konnte von einer mobilen Abschussrampe oder von einem gehärteten Bunker gestartet werden. Den Startschub lieferte ein Feststoffbooster, im Flug wurde Mace von einem Allison J33-A-41-Turbojet angetrieben. Es wurden zwei Versionen gebaut, die A-Version mit einem ATRAN (Automatic Terrain Recognition And Navigation) Radar-Navigationssystem und die B-Version mit einem Trägheitsnavigationssystem und vergrößerter Reichweite. Die Stationierung begann 1959, und die Rakete blieb bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts im Einsatz. Die Mace konnte mit einem konventionellen oder nuklearen Sprengkopf bestückt werden. Einige Raketen wurden als Zieldrohnen verwendet, da ihr Flugbild dem von Flugzeugen stark ähnelte.

Stationierung in der Bundesrepublik Deutschland

Dem Commando der 38 th TMW auf der Air Base Sembach (Pfalz) unterstanden z.B. 12 Missile MGM-13 A Mace (zuletzt CGM 13 B) in ständiger Abschussbereitschaft. Ab dem 25. September 1966 wurde die Einheit mit 1962 Soldaten in die 603 rd Air Base Wing umgewandelt. Im Oktober 1966 wurden die Mace über Rotterdam in die USA verschifft. Als neue Träger verwendete die Air Force die Flugzeuge F 100 und F 105.

Nike Hercules

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MIM-14 Nike Hercules

MIM-14 Nike-Hercules 03.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Boden-Luft-Lenkwaffensystem
Hersteller: Western Electric, Bell, Douglas
Entwicklung: 1952
Indienststellung: 1955
Technische Daten
Länge: 12,53 m
Durchmesser: 1. Stufe: 80,0 cm
2. Stufe: 53,0 cm
Gefechtsgewicht: 4.850 kg
Spannweite: 1. Stufe: 350,0 cm
2. Stufe: 180,3 cm
Antrieb:
Erste Stufe:
Zweite Stufe:

Hercules M42 Feststoffbooster
Thiokol M30 Feststoff Raketentriebwerk
Geschwindigkeit: Mach 3,65
Reichweite: 6 km bis 140 km, Gipfelhöhe 46 km
Ausstattung
Zielortung: Radar (mit Kommandolenkung des LFK)
Gefechtskopf: 272-kg-Splittergefechtskopf oder Nuklearsprengkopf W31
Zünder: Näherungs- und Aufschlagzünder
Waffenplattformen: ortsfeste Raketenstellung
Drei aufgerichtete Nike Hercules Raketen im Abschussbereich der 1. Batterie des Flugabwehrraketenbataillons 22, 1980

 

Die Nike Hercules war eine Langstrecken-Flugabwehrrakete der Zeit des Kalten Krieges aus US-amerikanischer Produktion. Das System war vorgesehen für die Bekämpfung von Flugzielen in großen Höhen, insbesondere zur Abwehr strategischer Bomber der Sowjetarmee.

Entwicklung

Im Jahr 1952 bekam Western Electric den Auftrag zur Entwicklung eines Nachfolgesystems der Nike Ajax. Am 13. Januar 1955 fand der erste Testflug der Nike Hercules statt. Die ersten Systeme wurden 1958 an die US Army ausgeliefert. Insgesamt wurden 25.500 Lenkflugkörper produziert. Für drei Jahrzehnte stellte die Nike Hercules das Rückgrat der NATO-Luftverteidigung dar. Ab etwa 1960 wurden Nike Hercules in großer Zahl an die Streitkräfte verbündeter Staaten ausgeliefert, darunter die Luftwaffe der deutschen Bundeswehr.

Technik

Die Raketen waren, nachdem sich das Vorgängermodell „Nike Ajax“ mit konventionellen Splittergefechtsköpfen als wenig zielgenau erwiesen hatte, für den Einsatz nuklearer Sprengköpfe vom Typ W31 konzipiert. Das neue Antriebssystem, das eine Vervierfachung der Leistung des Ajax-Antriebes ermöglichte, bestand aus einem Bündel von vier Feststoffraketen (Boostern) als erste Stufe und einem weiteren, deutlich vergrößerten Feststofftriebwerk als zweite Stufe, das den Gefechtskopf zum Ziel transportierte.

Durch den Nuklearsprengkopf sollte die Rakete befähigt werden, feindliche Bomber-Pulks anzugreifen und dabei den sogenannten „dead man effect“ zu verhindern: Beim Angriff mit konventionellen Sprengköpfen, deren Navigation mit den damals zur Verfügung stehenden Steuerungstechniken nicht präzise genug vorgenommen werden konnte, wurde meist nur das Flugzeug selbst zerstört, nicht die Atombomben, die es im Falle einer Ost-West-Konfrontation mit hoher Wahrscheinlichkeit getragen hätte. Die Bomben wären nach der Zerstörung des Flugzeuges durch eine standardmäßige Kopplung des Zündmechanismus an die integrierten Höhenmessgeräte, die beim Überfliegen der Grenze aktiviert wurden, zur Zündung gebracht worden.

Der W31-Sprengkopf der Nike Hercules, der durch die Unterdrückung der „boosted reaction“ wahlweise verschiedene Sprengkraftäquivalente zwischen 2 und 40 Kilotonnen (kT) TNT entfalten konnte, sollte die gegnerischen Flugzeuge im näheren Trefferumkreis vollständig zerstören und Flugzeuge in größerer Entfernung zum Absturz bringen.

Die Nike Hercules verfügte über keine eigene sensorische Ausrüstung, sondern wurde durch analoge Radarfunkbefehle der dazugehörigen Bodeninstrumente in das Ziel gelenkt (Kommandolenkung). Erst seit Beginn der 1980er Jahre wurden die zur Berechnung des Abfangkurses verwendeten Analogrechner durch digitale Prozessoren ersetzt; das System übermittelte seine Steuerungsbefehle weiterhin mit Hilfe analoger Funksignale an die Lenkflugkörper.

Die wichtigste Schwachstelle des Systems war die Tatsache, dass jede Feuereinheit (Batterie, entspricht der Kompanie-Ebene) mit der ihr zu Verfügung stehenden Radarausrüstung nur ein Ziel zur selben Zeit bekämpfen konnte. Daher konnte das ganze System durch einen Angriff mehrerer Flugzeuge schnell „gesättigt“ werden.

Ab 1975 wurde das System für die Bekämpfung ballistischer Raketen ausgerüstet. Im Verbund mit einer vorgelagerten Abwehrlinie aus Flugabwehrraketen vom Typ HAWK wurde die Verteidigung gegen tieffliegende Angreifer erweitert. Eine Modifikation der Zündkreisläufe erlaubte schließlich den Einsatz als taktische Nuklearwaffe gegen Bodenziele.

Stationierung in Taiwan

Während des zweiten Konflikts um die Küsteninseln in der Taiwan-Straße (sogenannte Zweite Quemoy-Krise) verlegten die USA von Oktober 1958 bis August 1959 ein Raketenbataillon des 71. US-Artillerieregiments mit etwa 700 Soldaten und rund 48 Flugabwehrraketensystemen vom Typ Nike Hercules nach Taiwan.

Stationierung in der Bundesrepublik Deutschland und Europa

In der Bundesrepublik Deutschland befanden sich 54 Batterien, von denen acht unter belgischem, vier unter niederländischem, 24 unter deutschem und 16 unter US-amerikanischem Befehl waren.[1] Sie waren in das Luftverteidigungssystem NADGE der NATO integriert. Eine Batterie verfügte typischerweise über 30 Lenkflugkörper und neun Starteinrichtungen (sogenannte „Launcher“).

Die Stellungen hatten einen mittleren Abstand von 30 Kilometern und lagen entlang der beabsichtigten Rückzugslinie der NATO-Truppen entlang des Rheins und des Nordseeküstenbereiches. Die Reichweite der Raketen lag zwischen 30 und 150 Kilometern.[1]

In nördlicher und südlicher Richtung setzte sich dieser Sperrriegel bis Grönland und in die Türkei fort. Etwa ein Viertel der Stellungen erhielt den nuklearen Status. Diese Stellungen wurden seit 1979 im Rahmen des „Long Range Security Program“ mit Erdwällen, Perimeterzaunanlagen, Wachtürmen und zusätzlichen Flugabwehrmitteln ausgestattet. In jeder dieser Stellungen war neben den Kräften der Bündnisstaaten ein amerikanisches Wachkontingent stationiert, das den Zugang zur Umgebung der Hangargebäude mit jeweils vier nuklear bestückten Lenkflugkörpern regelte und alle Arbeiten an diesen beaufsichtigte.

Das Nike-Hercules-System galt in den 1980er Jahren als veraltet, da ihre Stellungen dem Ostblock bekannt waren und damit ein Angriffsziel darstellten und besser geeignete militärische Mittel zur Verfügung standen.[1] Im Frühjahr 1984 waren in der BRD noch rund 40 Stellungen in Betrieb. [1]Das Einsatzprofil der Nike Hercules wird heute von dem Raketensystem PATRIOT wahrgenommen. Einige der Stellungen waren zunächst für die Umrüstung auf das PATRIOT-System vorgesehen. Nach dem Ende des Kalten Krieges jedoch wurden alle Teil der Konversionsmasse. Viele der oftmals auf erhöhten Positionen errichteten und abgelegenen Stellungen sind bis heute keiner neuen Nutzung zugeführt und verwildern.

SSM-N-8A Regulus

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SSM-N-8A Regulus

USS Los Angeles (CA135) Regulus h97391.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Marschflugkörper
Hersteller: Vought
Indienststellung: 1955
Technische Daten
Länge: 9,80 m
Durchmesser: 1.435 mm
Gefechtsgewicht: 4.670 kg + 790 kg Startkrakete
Antrieb:
Erste Stufe:
Strahltriebwerk Allison J33-A-18A (20 kN)
2 Feststoffraketen Aerojet General (je 146 kN)
Geschwindigkeit: 960 km/h
Reichweite: 925 km
Ausstattung
Gefechtskopf: W5-Nuklearsprengkopf mit 40 kt oder W27-Nuklearsprengkopf mit 2,0 Mt
Waffenplattformen: Kriegsschiff

 

Die SSM-N-8A Regulus war ein nuklear bewaffneter Marschflugkörper des US-amerikanischen Herstellers Vought, der von 1955 bis 1964 von der United States Navy eingesetzt wurde.

 

Entwicklung

Der in den späten 1950er- und frühen 1960er-Jahren stationierte Flugkörper war der erste in Dienst gestellte seegestützte Marschflugkörper und basierte auf den Entwürfen der deutschen V1. Das Regulus-Projekt begann bereits 1943, jedoch ohne nennenswerte Fortschritte. Bis 1947 führten die Planungen lediglich zu einer genauen Spezifikation der Leistungsdaten. Parallel dazu gab es das Projekt des Marschflugkörpers SSM-N-6 Rigel, das 1943 begann und 1953 eingestellt wurde. In dieser Zeit standen die Projekte der United States Navy in Konkurrenz zu dem Marschflugkörper Matador der US Army. Schließlich kam es 1951 zum Erstflug eines Regulus-Marschflugkörpers und 1953 zum ersten Start von einem U-Boot aus, vom Deck der aufgetauchten USS Tunny. Ein Flugkörperstart unter Wasser war zu dieser Zeit nicht möglich.

Start einer Regulus I von der USS Tunny

 

Einsatz

Zwei U-Boote der Grayback-Klasse gingen ab 1958 mit Regulus auf Patrouille, ab 1960 auch das Atom-U-Boot USS Halibut (SSGN-587). Ab 1964 gingen U-Boot-gestützte Polaris-Raketen in Dienst und lösten damit die Regulus ab. Neben der Stationierung auf U-Booten wurde auch die Stationierung auf Überwasserschiffen untersucht und in kleinem Rahmen durchgeführt. So fuhren ab 1955/56 vier Kreuzer der Baltimore-Klasse mit Regulus-Flugkörpern.

Bei einem als Missile Mail bezeichneten Start am 8. Juni 1959 wurden durch einen Regulus-Flugkörper Postbehälter mit Briefen transportiert.

Atlas (Rakete)

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Interkontinentalrakete Atlas A
Mercury-Atlas 9 auf der Startrampe
Atlas-Agena B beim Start von Ranger 4
Atlas-Centaur beim Start von Surveyor 1
Atlas I beim Start von CRRES
Atlas II mit dem Wettersatelliten GOES-L
Atlas IIAS auf der Startrampe SLC-2E in Vandenberg mit dem Satellit Terra
Erststart einer Atlas IIIA
Entwicklungsstufen der Atlas von Atlas II bis Atlas V

 

Die Atlas, einstmals entwickelt als ballistische Interkontinentalrakete, ist eine Trägerrakete, die vor allem in den 1960er Jahren beim Mercury- und Gemini-Programm eingesetzt wurde. Weiterentwicklungen der Atlas-Rakete sind auch heute noch als Trägerraketen für Satelliten und Raumsonden im Einsatz.

Geschichte

Interkontinentalrakete

Die Entwicklung der Atlas begann im März 1946, als die Firma Consolidated Vultee Aircraft Corporation mit dem Bau einer Interkontinentalrakete mit einer Reichweite von 8000 km beauftragt wurde (Projekt MX-774 oder Hiroc). Das Projekt wurde aber nach kurzer Zeit aufgrund von Geldmangel beendet, jedoch 1951 angesichts der sowjetischen Aufrüstung wiederbelebt (als Projekt MX-1593 oder Atlas). Der erste Start einer Atlas fand am 11. Juni 1957 statt. Aufgrund eines Fehlers im Treibstoffsystem musste die Rakete aber 51 Sekunden nach dem Start zerstört werden. So blieb der erste erfolgreiche Flug einer Interkontinentalrakete der Sowjetunion vorbehalten.

Die U.S. Air Force zog aber noch im selben Jahr, am 17. Dezember 1957, mit dem ersten geglückten Flug der Atlas A nach. Ein Jahr später absolvierte die Atlas B am 29. November 1958 den ersten Flug über die volle Distanz. Im selben Jahr wurde beschlossen, die Atlas als Trägerrakete für das Mercury-Programm zu benutzen. Im September 1959 nahmen die ersten Atlas D den Truppendienst auf. Im Mai 1960 stellte die Atlas D mit einer Flugstrecke von fast 14.500 km den bis dato gültigen Rekord für den weitesten bekannten Flug einer Interkontinentalrakete auf. Aufgrund ihrer hohen Reaktionszeit wurde die Atlas schon 1965 außer Dienst gestellt. Sie wurde durch die militärisch geeigneteren Interkontinentalraketen Minuteman und Titan II abgelöst. Ausgemusterte Interkontinentalraketen vom Typ Atlas wurden bis in die 1990er als Trägerraketen für kleine Nutzlasten eingesetzt.

Modelle:

  • Atlas A: Entwicklungsmodell mit nur zwei Triebwerken, geringer Treibstoffladung, sehr einfachem Steuerungssystem und Raketenspitzenattrappe
  • Atlas B: Entwicklungsmodell mit Antrieb nahe an der späteren Einsatzkonfiguration und abtrennbarer Spitze; die 10. Rakete dieser Serie brachte den ersten Kommunikationssatelliten Score in den Orbit
  • Atlas C: Entwicklungsmodell nahe an der Einsatzkonfiguration
  • Atlas D (Atlas LV-3B): erstes Einsatzmodell mit Radio-Inertialer-Lenkung; Erstflug April 1959; erster Stationierungsort Vandenberg Air Force Base ab September 1959 horizontal in Bunkern; Sprengkopf W-49 in Mk.2/3 RV (1,44 MT); ausgemustert 1965; Verwendung für Mercury Programm der NASA
  • Atlas E: Einsatzmodell mit inertialer Steuerung, verbessertem Betankungssystem und verbessertem Antrieb; Stationierung ab 1961 horizontal in Bunkern; Sprengkopf W-47 in Mk.4 RV (3,75 MT); ausgemustert 1965, bis 1995 mit einer oder mehreren Feststoffoberstufen als Trägerrakete eingesetzt
  • Atlas F: stark verbessertes Modell, Stationierung in Silos ab 1962; Sprengkopf W-47 in Mk.4 RV (3,75 MT); ausgemustert 1965; bis 1981 mit einer oder mehreren Feststoffoberstufen als Trägerrakete eingesetzt

Raumfahrt-Trägersystem 1. Generation

Nach dem ersten Start einer umgebauten Atlas-B als Satellitenträger versuchte man die Fähigkeit der Atlas Rakete für schwerere Nutzlasten auszunutzen. Dazu stattete man die Atlas-C mit einer Able-Oberstufe und Altair-Drittstufe jeweils aus der Vanguard Rakete aus und versuchte mit dieser Kombination eine 175 kg schwere Sonde in eine Transferbahn zum Mond zu bringen. Von dieser als Atlas-Able bekannten Version wurden nur vier Stück gebaut, von denen drei zwischen dem 15. November 1959 und 15. Dezember 1960 gestartet wurden. Diese drei Raketen versagten, die vierte wurde erst gar nicht gestartet, da sie bereits bei einem Test auf der Startrampe explodierte.

Für das Mercury-Programm wurden ausgemusterte Atlas-D verwendet. Der erste Start einer solchen Mercury-Atlas-Rakete fand am 29. Juli 1960 statt, schlug jedoch fehl. Nach fast eineinhalb Jahren und weiteren Teststarts wurde am 29. November 1961 der Affe Enos erfolgreich mit der Mercury Atlas 5 in einen Orbit gebracht und bestand damit erfolgreich die Generalprobe für den ersten bemannten Flug. Diesen absolvierte John Glenn am 20. Februar 1962 im Rahmen der Mercury 6 Mission und wurde damit zum ersten Amerikaner in einem Orbit. Auch die drei darauf folgenden Mercury-Missionen wurden mit einer Atlas-Rakete durchgeführt.

Die Atlas mit der Agena-Oberstufe startete seit 1960 zahlreiche militärische und NASA-Nutzlasten. Auch beim Gemini-Programm beförderten die Atlas-Agena ihre Agena-Oberstufe in den Orbit, die dort den bemannten Gemini-Raumschiffen als Andockziel diente. Von dieser Version gab es sechs Varianten (Atlas LV-3A Agena A, Atlas LV-3A Agena B, Atlas LV-3 Agena D, Atlas SLV-3 Agena D und Atlas SLV-3A Agena D) die sich in der eingesetzten Basis- und Oberstufe unterschieden.

Zur selben Zeit, als von der USAF die Atlas-Agena A entwickelt wurde, hatte die NASA ein Entwicklungsprogramm für eine Atlas-Vega mit höherer Leistung zum Start von Satelliten und Raumsonden[1]. Die Atlas-Vega hätte drei Stufen für den Start in höhere Umlauf- und Fluchtbahnen gehabt. Bei Starts in erdnahe Umlaufbahnen sollten nur die ersten beiden Stufen verwendet werden. Die zweite Stufe sollte ein modifiziertes General Electric Triebwerk der Vanguard-Erststufe erhalten. Die dritte Stufe, namens Vega, wurde vom JPL entwickelt[2]. Die Entwicklung der Atlas-Vega wurde eingestellt, als die USAF die gleich leistungsfähige Atlas-Agena-B entwickelte [1]. Die Atlas-Vega kam nie zum Einsatz.

Die Atlas-Rakete wurde in Verbindung mit der Centaur-Oberstufe auch zum Start der Surveyor-Mondsonden, Mariner 9, Pioneer-Venus, Pioneer 10 und 11 eingesetzt. Außerdem startete diese als Atlas-Centaur LV-3C genannte Version kommerzielle und militärische Kommunikationssatelliten in den Geotransferorbit. Auch von dieser Rakete gab es mehrere Versionen. Bei der Originalversion LV-3C kam eine Atlas-D mit einer Centaur-C Oberstufe zum Einsatz. Später folgten die Versionen Atlas SLV-3C Centaur D, Atlas SLV-3C Centaur D1A und Atlas SLV-3C Centaur D1AR, wobei Anfangs bei Tests und später bei einigen Starts auch frühere Versionen der Centaur bzw. zusätzliche Kickstufen zum Einsatz kamen.

Vornehmlich vom Militär wurde auch eine Atlas-Rakete mit einer kleineren Festtreibstoff-Oberstufe genutzt. Diese brachte NOAA-Wettersatelliten und militärische Nutzlasten von Vandenberg AFB aus in einen polaren Orbit.

Raumfahrt-Trägersystem 2. Generation

In den 1980er Jahren konnte die Atlas mit den gestiegenen Nutzlastanforderungen nicht mehr mithalten, wobei ihr gleichzeitig die Ariane- und die Delta-Raketen Konkurrenz machten. So entschloss man sich auf Basis der Atlas Centaur D-1AR zu einer Verstärkung der Basisstufe, welche um drei Meter verlängert wurde und so 17 t mehr Treibstoff fassen konnte. Diese als Atlas G Centaur bezeichnete Version startete am 9. Juni 1984 zu ihrem Erstflug, wobei die Nutzlast Intelsat V F-9 aufgrund eines Fehlers in der Centaur-Oberstufe seinen Orbit nicht erreichte und einige Monate später verglühte. Insgesamt wurde diese Version bis 1989 sieben Mal eingesetzt. Auf Basis dieser Rakete entstand auch die fünfmal für den Start von militärischen Funkaufklärungssatelliten genutzte Atlas H, welche aus der Basisstufe der Atlas G ohne die Centaur-Oberstufe bestand.

Als nach der Challenger-Katastrophe klar wurde, dass man ein unbemanntes Trägersystem zum Starten von Kommunikationssatelliten und mittelschweren militärischen Nutzlasten brauchte (Titan IV übernahm die schweren, Delta II die leichteren Nutzlasten), wurde 1990 die größtenteils auf der Atlas G basierte Atlas I eingeführt. Gleichzeitig wurde das Entwicklungsrisiko von der NASA auf den privaten Hersteller übertragen. Von nun an wurde die Entwicklung der Rakete nicht mehr von der NASA finanziert, sondern wurde indirekt durch das Buchen von mehreren Raketen des zu entwickelnden Typs durch die NASA und das Verteidigungsministerium subventioniert. Hauptänderung gegenüber der Atlas G war die Ausstattung mit digitaler statt analoger Steuerungssysteme. Der erste von elf Starts erfolgte am 25. Juli 1990, der letzte am 25. April 1997. An den drei Fehlstarts war zweimal die Turbopumpe der Centaur-Oberstufe und einmal eine Leistungsminderung der Basisstufe schuld.

Ein Jahr später folgte die stark überarbeitete, größere und etwas stärkere Atlas II. Sie verfügte über verbesserte Triebwerke in der ersten Stufe, strukturelle Verstärkungen und einige Vereinfachungen im Aufbau, was die Zuverlässigkeit der Rakete stark verbesserte. Es folgten die kommerzielle Variante Atlas IIA, die eine verbesserte Centaur-Stufe verwendete und die Atlas IIAS, die zudem über vier Castor-IVA-Feststoffbooster als Starthilfe verfügte und so die Nutzlast auf 8,6 t (LEO) bzw. 3,63 t (GTO) steigerte. Die Atlas II flog in den Jahren 1991 bis 2004 63 Einsätze, die sämtlich erfolgreich verliefen.

Die zunächst als eine Weiterentwicklung der Atlas II geplante Atlas III (frühere Bezeichnung Atlas IIAR) wurde nach dem Beschluss, die Atlas V zu entwickeln, als eine Übergangslösung zur Atlas V angesehen. Sie sollte einen Großteil von neuen Technologien testen, die in der späteren Atlas V zum Einsatz kommen sollten. Die Atlas IIIA verwendete als erste US-amerikanische Rakete ein russisches RD-180-Haupttriebwerk, das von dem Triebwerk der Zenit-Rakete abgeleitet wurde. Durch den sehr viel höheren Schub des RD-180 konnte die Rakete schwerer werden, dazu wurden die Tanks erheblich verlängert, um mehr Treibstoff aufzunehmen. Allerdings arbeitete das regelbare Triebwerk beim Start trotz des höheren Gewichtes nur mit 74 % seiner voller Leistung, da sonst die Struktur der Rakete überlastet würde wobei zwischenzeitlich auch Beschleunigungswerte über 5g erreicht werden. Am 24. Mai 2000 startete die erste Atlas IIIA, am 21. Februar 2002 die erste Atlas IIIB. Die Centaur der Atlas III war so ausgelegt, dass sie wahlweise mit einem (IIIA) oder zwei (IIIB) RL-10-Triebwerken und entsprechend kürzerem oder längerem Tank angetrieben werden konnte (SEC = Single Engine Centaur, DEC = Dual Engine Centaur). Diese Technik kommt auch in der Atlas V zum Einsatz. Da die Atlas III nur eine Übergangslösung war, wurde ihre Produktion nach der Einführung der Atlas V wieder eingestellt. Sie absolvierte zwischen Mai 2000 und Februar 2005 lediglich sechs Starts (zwei IIIA und vier IIIB), die alle erfolgreich verliefen.[3]

Alle Atlas-Raketen der zweiten Generationen wurden mit Centaur-Oberstufen ausgestattet. Da die Stufe standardmäßig zur Rakete gehörte, wurde ihr Einsatz nicht mehr wie bei der Atlas-Centaur der ersten Generation besonders gekennzeichnet.

Weiterentwicklung

Als Weiterentwicklung entstand die Atlas V, die 2002 ihren Erstflug absolvierte und aufgrund der großen Unterschiede in einem eigenen Artikel beschrieben wird. Eine Atlas IV gab es nicht, vermutlich wurde diese Ziffer übersprungen, um nicht mit der Titan IV verwechselt zu werden, die ebenfalls vom gleichen Hersteller kommt.

Technik

Die Atlas der ersten Generation wog bei einer Höhe von 29,1 Meter etwa 116 Tonnen und konnte damit eine Nutzlast von 1,4 Tonnen transportieren. Sie wurde in einer 1,5-stufigen Bauweise gefertigt und bestand aus einem Haupt- und zwei zusätzlichen Starttriebwerken, wobei letztere nach ca. 130 s abgeworfen wurden, während das Haupttriebwerk weiterarbeitete. Dieses ungewöhnliche, in den 1950ern entwickelte Stufenkonzept folgte aus der Befürchtung, ein Raketentriebwerk könne im Vakuum des Weltraums eventuell nicht zuverlässig gezündet werden. Deshalb wählte man ein Konzept, bei dem alle drei Triebwerke bereits am Boden zünden. Alle Triebwerke wurden aus denselben Tanks versorgt. Die silbrige Außenhaut bestand aus Edelstahl und musste aufgrund ihrer nur ein Millimeter dicken Wand beim Leertransport auf der Erde durch Innendruck versteift werden. Der Treibstoff wurde im Rumpf, d. h. nicht in zwei separaten Tanks, sondern in einem Tank mit einem isolierten Zwischenboden transportiert. Durch diese Konstruktionsweise zeichnete sich die Atlas durch ein extrem niedriges Leergewicht aus. Das Haupttriebwerk wurde schon beim Start gezündet und brannte insgesamt 402 Sekunden, wobei es am Anfang für 131 Sekunden von den beiden Starttriebwerken unterstützt wurde. Der Treibstoff bestand aus Kerosin, welches unter einem Druck von 4,2 bar stand, und Sauerstoff, der mit 2,1 bar komprimiert wurde. Die Atlas wurde von Convair gefertigt, die drei Triebwerke wurden mit der Zeit in der Leistung gesteigert. Ab der Atlas III wechselte man jedoch auf ein russisches Triebwerk mit zwei Brennkammern und deutlich höherem Spezifischen Impuls und Schubkraft.

Technische Daten

Atlas B Atlas D Atlas E/F Atlas Agena A Atlas Centaur Atlas 1 Atlas 2A Atlas 3B[3]
Länge 26,0 m 25,0 m 29,2 m 30,1 m 35,2 m 43,77 m 47,42 m 53,10 m
Spannweite 4,90 m 4,90 m 4,90 m 4,88 m 4,90 m 4,90 m 4,90 m 4,90 m
Durchmesser 3,05 m 3,05 m 3,05 m 3,05 m 3,05 m 3,05 m 3,05 m 3,05 m
Startmasse 110,7 t 116,1 t 122,0 t 124,0 t 136,1 t 164,3 t 187,7 t 225,5 t
Stufen 1,5 1,5 2,5 2,5 2,5 2,5 2,5 2,5
Nutzlast 70 kg (LEO) 1,36 t (LEO) 2,25 t (LEO) 2,30 t (LEO)
1,00 t (GTO)
0,50 t (ESC)
4,00 t (LEO)
1,80 t (GTO)
1,00 t (ESC)
3,63 t (LEO)
2,26 t (GTO)
7,28 t (LEO)
3,04 t (GTO)
10,7 t (LEO)
4,48 t (GTO)
Booster / 1. Stufe
Triebwerk 2 XLR-89-5 2 XLR-89-5 2 LR-89-5 2 XLR-89-5 2 LR-89-5 2 LR-89-7 2 RS-56-OBA RD-180
Startschub 1517 kN 1517 kN 1645 kN 1517 kN 1645 kN 1645 kN 2094 kN 3827 kN
Treibstoff Kerosin und LOX Kerosin und LOX Kerosin und LOX Kerosin und LOX Kerosin und LOX Kerosin und LOX Kerosin und LOX Kerosin und LOX
Brenndauer 120 s 135 s 120 s 120 s 120 s 174 s 172 s 145 s
Start-/Leermasse  ? / 3,05 t  ? / 3,95 t  ? / 3,175 t  ? / 3,05 t  ? / 3,18 t  ? / 3,65 t  ? / 4,19 t 195,6 / 13,73 t
Sustainer
Triebwerk XLR-105-5 XLR-105-5 LR-105-5 XLR-105-5 LR-105-5 LR-105-7 RS-56-OSA
Schub 363 kN 363 kN 386 kN 363 kN 386 kN 386 kN 386 kN
Treibstoff Kerosin und LOX Kerosin und LOX Kerosin und LOX Kerosin und LOX Kerosin und LOX Kerosin und LOX Kerosin und LOX
Start-/Leermasse 107,5/3,98 t 113,1/2,35 t 117,8/4,93 t 117,2/2,39 t 117,4/3,70 t 142,5/4,24 t 162,5/2,05 t
Brenndauer 240 s 303 s 309 s 250 s 335 s 266 s 283 s
Länge 21,9 m 21,2 m 20,7 m 20,3 m 18,3 m 22,2 m 24,9 m
Durchmesser 3,05 m 3,05 m 3,05 m 3,05 m 3,05 m 3,05 m 3,05 m
2. Stufe
Triebwerk Thiokol TE-M-364-4 Bell XLR81-BA-5 P&W RL-10-A1 P&W RL-10A-3A P&W RL-10A-4 P&W RL-10A-4-2
Schub 66,7 kN 68,9 kN 71,2 kN 146,8 kN 185 kN 198,3 kN
Treibstoff fest (TP-H-3062) UDMH/Salpetersäure H2 und LOX H2 und LOX H2 und LOX H2 und LOX
Start-/Leermasse 1123/83 kg 3790/885 kg 15,6/2,0 t 15,6/1,7 t 15,6/2,1 t 22,96/2,1 t
Brenndauer 43,5 s 120 s 430 s 402 s 392 s 460 s
Länge 4,7 m 9,15 m 9,15 m 10,10 m 13,25 m
Durchmesser 0,93 m 1,52 m 3,05 m 3,05 m 3,05 m 3,05 m

 

ICBM der 1. Generation im Vergleich

Staat UdSSR USA
Rakete R-7 / R-7A[4][5][6] R-16 / R-16U[4][5][6] R-9A[4][5][6] SM-65 Atlas (-D/-E/-F) [7][6] SM-68 Titan I[7][6]
Entwickler OKB-1 (Koroljow) OKB-586 (Jangel) OKB-1 (Koroljow) Convair Glenn L. Martin Company
Entwicklungsbeginn 1954 / 1958 1956 / 1960 1959 1954 1958
erste Einsatzbereitschaft 1959 / 1960 1961 / 1963 1964 / 1964 1959 / 1961 / 1962 1962
Ausmusterung bis 1968 1976 / 1976 1976 1964 / 1965 / 1965 1965
Reichweite (km) 8.000 / 9.500-12.000 11.000 - 13.000 12.500 na 10.000km
Steuerung radio-inertial inertial radio-intertial radio-inertial / inertial radio-inertial / inertial
CEP (km) 10 4.3 8-10 na <1.8
Startmasse (t) 280 / 276 141 / 147 80 118 / 122 / 122 103
Stufen 1.5 2 2 1.5 2
Treibstoffkombination Kerosin / LOX UDMH / Salpetersäure Kerosin / LOX Kerosin / LOX Kerosin / LOX
Stationierungsart Startrampe Startrampe / Silo Startrampe / Silo Startrampe / Bunker / Silo Silo
maximaler Überdruck (psi; Schutz der Startanlage bei naher Explosion) kA kA / 28 kA / 28 kA / 25 / 100 100
Reaktionszeit etwa 24h 10er Minuten - mehrere Stunden 20min / 8-10min 15 - 20min 15 - 20min
Garantiezeit (Jahre bei höchste Alarmbereitschaft) kA 30 Tage (betankt) 1 kA 5
Explosionsstärke des Sprengkopfes (MT) 3-5 3-6 5 1,44 / 3,75 / 3,75 3,75
max. stationierte Anzahl 6 186 23 30 / 27 / 72 54

Thor (Rakete)

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Die erste Thor-IRBM (Nr.101) vor dem Start in Cape Canaveral, Florida (25. Januar 1957)
Thor Able I mit Pioneer 1
Thor Ablestar

 

Die Thor (PGM-17 Thor) war eine in den USA entwickelte und produzierte einstufige ballistische Mittelstreckenrakete (Intermediate Range Ballistic Missile, kurz IRBM). Angetrieben wurde sie durch flüssigen Sauerstoff und RP-1, eine Kerosinart. Sie hatte eine Länge von 19,8 Meter sowie einen Durchmesser von 2,44 Meter. Die Startmasse betrug 49.900 Kilogramm (vor der Zündung).

Entwicklung

Die Entwicklung der Thor begann 1954 mit Studien für eine Rakete mit 2.400 km Reichweite, wobei eine der Vorgaben war, dass diese in einen C-124-Transporter passen sollten. Der Entwicklungsvertrag für die Thor-Rakete wurde mit der Douglas Aircraft Company im Dezember 1955 unterzeichnet. Die Entwicklung endete im Juli 1956, das erste Produktionsmodell der Thor-Rakete wurde an die U.S. Air Force an die Cape Canaveral Air Force Station in Florida geliefert. Die Tests liefen elf Monate. Das Thor-Raketenprogramm hatte damit die kürzeste Testperiode von der Vorstellung bis zur Übergabe an ein US-amerikanisches Raketenprogramm.

Die ersten vier Thor-Teststarts (ab dem 25. Januar 1957) waren Misserfolge. Nach diesen frühen Misserfolgen folgten intensive Studien mit mehreren darauffolgenden erfolgreichen Starts. Die Rakete ging im September 1958 in den aktiven Bestand der USAF ein, womit sie die weltweit erste in Betrieb genommene Mittelstreckenrakete war.

Die Thor wurde 1959 als betriebsbereit erklärt und dem Strategic Air Command zugeteilt. Die Rakete wurde zwischen 1959 und 1963 ebenfalls in Großbritannien aufgestellt, wo sie der Royal Air Force unterstellt war.

Mit der Entwicklung besserer Raketen wurde die Thor 1963 als Waffensystem ausgemustert.

Einsatz als Trägerrakete

Schon im frühen Entwicklungsstadium wurde bemerkt, dass die Thor sich gut als Basis für eine Satelliten-Trägerrakete eignet. Der erste Start der Thor in der Rolle einer Trägerrakete fand am 23. April 1958 (Ortszeit) statt, endete jedoch mit einer Explosion. Danach wurde sie für die Raumfahrt intensiv weiterverwendet, wo sie später die Basis für die Delta-Familie bildete. Die Thor-Rakete als erste Raketenstufe wurde mit verschieden Oberstufen zum Starten von unterschiedlichen Nutzlasten verwendet:

  • Thor Able: Thor mit der Oberstufe der Vanguard-Rakete, startete z. B. frühe Raumsonden vom Typ Pioneer, Erststart 23. April 1958 (Fehlstart), Letzter Start 1. April 1960, Insgesamt 16 Starts
    • Thor Able mit Vanguard-Zweitstufe
    • Thor Able I mit Altair-Feststofftriebwerk als Drittstufe
    • Thor Able II/III/IV mit gegenüber der Able jeweils weiter verbessertem Zweitstufentriebwerken
    • Thor Able II M1 ist eine Able II mit Altair-Feststofftriebwerk als Drittstufe
  • Thor Ablestar: verbesserte Thor Able, vorwiegend für militärische Nutzlasten, Erststart am 13. April 1960, letzter Start 13. August 1965, insgesamt 19 Starts, davon 14 erfolgreich
    • Thor Able-Star: Version mit erheblich vergrößertem Treibstoffvorrat der Oberstufe
    • Thor Able-Star 2: Version mit verbesserter Erststufe (Thor DSV 2A anstelle Thor DM 21)
  • Thor Delta: verbesserte Thor Able, vorwiegend zivile Nutzlasten: z. B. TIROS, Telstar, später einfach Delta genannt
  • Thor Agena: mehrfach zündbare Oberstufe, vorwiegend militärische Nutzlasten: z. B. Discoverer, Keyhole, insgesamt 365 Stück gebaut
    • Thor Agena A: mit Agena Oberstufe der Atlas-Rakete, Erststart 21. Januar 1959, letzter Start 13. September 1960
    • Thor Agena B: Version mit verdoppeltem Treibstoffvorrat und geringfügig verbessertem Triebwerk Bell 8061 oder später Bell 8069, Erststart 26. Oktober 1960, letzter Start 15. Mai 1966, 45-mal gestartet, davon 9 Fehlstarts
    • Thor Agena D: standardisierte Version der Agena B für unterschiedliche Nutzlasten, Erststart 28. Juni 1962, letzter Start 17. Januar 1968
    • Thrust Augmented Thor Agena B/D: mit drei Castor-1-Feststoffraketen am Schubgerüst des Erststufentriebwerkes verstärkte Thor Agena B/D
  • Thor Burner: modifizierte Mittelstreckenrakete mit kleiner Feststoff-Oberstufe, vorwiegend zum Start von militärische Wettersatelliten DMSP eingesetzt, ab 20. Mai 1965 bis 19. Februar 1976 vom Startkomplex SLC-10 in Vandenberg eingesetzt, insgesamt 24 Starts mit zwei Fehlschlägen
    • Thor Burner 1: mit Star-20-Feststoffantrieb
    • Thor Burner 2: mit Star-37-Feststoffantrieb als Zweitstufe und Star-13-Feststoffantrieb als Drittstufe
    • Thor Burner 2A: mit Star-37B-Feststoffantrieb als Zweitstufe und Star-26B-Feststoffantrieb als Drittstufe

Zur Leistungssteigerung wurden die Thor Agena und Thor Delta mit drei zusätzlichen kleinen Hilfsraketen verstärkt. Damit war sie fast zweimal so stark wie die ursprüngliche Thor.

Die Long Tank Thor (Thorad Agena D SLV 2G bzw. 2H) war eine erweiterte Version der Thor-Erststufe, die das erste Mal im Sommer 1966 startete. Sie konnte 20 % mehr Treibstoff fassen und hatte damit eine Länge von 21,5 Metern. Der Durchmesser betrug ebenfalls 2,44 Meter. Sie wurde zwischen dem 9. August 1966 und dem 25. Mai 1972 insgesamt 43 mal (bei zwei Fehlstarts) zum Start von militärischen Keyhole und einigen zivilen Satelliten (z. B. OGO 6) eingesetzt. Die Nutzlast betrug 2 Tonnen in einen niedrigen Orbit.

1960 wurde die erste Thor-Delta, eine verbesserte Thor-Rakete, eingeführt. Der Name wurde offiziell auf Delta verkürzt, um sie von den militärischen Variationen zu unterscheiden, die weiterhin den Namen Thor trugen.

Von Luftwaffenstützpunkt Vandenberg wurde diese Rakete bis 1972 gestartet, wobei sie sowohl militärische als auch zivile Satelliten in die Umlaufbahn brachte.

Technische Daten

Basis aller Thor Raketen ist die Erststufe der Interkontinentalrakete. Dieses ist mit einem hydraulisch um zwei Achsen schwenkbaren Rocketdyne LR79-NA-9 (auch als SD-3 oder MB-3 bezeichnet) mit 760 kN Vakuumschub ausgerüstet, welches auch in der Atlas und der Juno II eingesetzt wurde. Zusätzlich sorgen zwei kleinere Vernier-Triebwerke des Typs LR-102 mit je 4,54 kN Schub und um 6° geneigten Düsen für die Rollsteuerung. Die Treibstofftanks (Sauerstofftank unten, Kerosintank oben) waren jeweils aus zwei Halbschalen zusammengebaut, welche eine Wandstärke von 6,35 mm besaßen. Für die Trägerraketen wurde diese Erststufe mit verschiedenen Oberstufen – beispielsweise der Able, verschiedener Agena-Versionen und später auch der Vanguard – ergänzt. Dadurch entstand eine Vielzahl von Versionen, aus denen die spätere Delta-Rakete entstand.[1]

Thor IRBM Thor Able IV Thor Agena A Thor Able-Star Thor Burner 2A Thor AT Agena D Thorad Agena D SLV2H
Länge 19,8 m 27,0 m 25,8 m 24,6 m 22,9 m 29,3 m 33,4 m
Durchmesser 2,44 m 2,44 m 2,44 m 2,44 m 2,44 m 2,44 m 2,44 m
Startmasse 49,9 t 52,0 t 53,1 t 53,0 t 51,8 t 71,0 t 85,1 t
Nutzlast LEO W-49 120 kg (40 kg ESC) 250 kg 150 kg 770 kg (300 kg SSO) 1500 kg (650 kg SSO) 2.000 kg (750 kg SSO)
Stufen 1 3 2 2 3 3 3
1. Stufe
Triebwerk Rocketdyne LR-79-7 Rocketdyne MB-3-3
Startschub 667 kN 765 kN
Treibstoff RP-1/LOX
Brenndauer 165 s 165 s 165 s 164 s 165 s 165 s 215 s
Start-/Leermasse 49,34 / 3,12 t 49,34 / 3,12 t 49,34 / 3,12 t 48,35 / 2,95 t 49,34 / 3,18 t 49,34 / 3,12 t 71,51 / 3,72 t
Länge 18,4 m 18,4 m 19,2 m 18,4 m 18,4 m 18,4 m 21,4 m
Durchmesser 2,44 m 2,44 m 2,44 m 2,44 m 2,44 m 2,44 m 2,44 m
2. Stufe
Triebwerk Aerojet AJ-10 Bell 8048 Aerojet AJ-10-104 Thiokol TE-M-364-2 Bell 8081 Bell 8086
Schub 34,3 kN 68,95 kN 35,1 kN 44,5 kN 71,2 kN 71,2 kN
Treibstoff UDMH/Salpetersäure HTBP UDMH/Salpetersäure
Start-/Leermasse 2,27 / 0,82 t 3,79 / 0,89 t 4,47 / 0,59 t 0,72 / 0,065 t 6,82 / 0,67 t
Brenndauer 115 s 120 s 296 s 42 s 240 s
Länge 6,57 m 4,73 m 5,88 m 0,84 m 7,09 m 6,23 m
Durchmesser 0,84 m 1,52 m 1,40 m 0,84 m 1,52 m 1,52 m
3. Stufe Booster
Triebwerk Allegheny Ballistics
X-248
Thiokol TE-M-442-1 3 × M-33-20-4 3 × TX-354-5
Schub 12,45 kN 34,63 kN 450,3 kN 474 kN
Treibstoff Fest Fest Fest Fest
Start-/Leermasse 250/39 kg 261/23 kg 3.850/535 kg 4.470/695 kg
Brenndauer 38 s 18 s 37 s 40 s
Länge 1,55 m 0,66 m 5,72 m 7,75 m
Durchmesser 0,46 m 0,66 m 0,79 m 0,79 m

 

Sonstiges

Die erste Stufe der Delta II, eine Thor XLT

Die erste Stufe der heutigen Delta II ist immer noch eine Thor-Version. Sie heißt Thor XLT (Extra Extended Long Tank). Diese ist so stark zur Tankvergrößerung verlängert worden, dass die Delta II in vollgetanktem Zustand ohne die Feststoffbooster nicht abheben kann.

MGM-18 Lacrosse

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MGM-18 Lacrosse

MGM-18 auf Transporter/Raketenwerfer XM398
MGM-18 auf Transporter/Raketenwerfer XM398

Allgemeine Angaben
Typ: Kurzstreckenrakete
NATO-Bezeichnung: MGM-18 Lacrosse
Herkunftsland: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller: Glenn L. Martin Company
Entwicklung: 1953
Indienststellung: 1960
Einsatzzeit: 1960–1964
Technische Daten
Länge: 5,85 m
Durchmesser: 520 mm
Gefechtsgewicht: 1.040 kg
Spannweite: 2.740 mm
Antrieb: Feststoff-Raketentriebwerk Thiokol XM10
Geschwindigkeit: Mach 0,8
Reichweite: 19 km
Ausstattung
Lenkung: INS, Funkkommandolenkung
Gefechtskopf: W40-Nukleargefechtskopf mit 1,7 oder 10 kt oder 245 kg Hohlladung
Zünder: Annäherungzünder oder Aufschlagzünder

 

Die MGM-18 Lacrosse war eine militärische ballistische Kurzstreckenrakete aus amerikanischer Produktion. Der erste Testflug fand 1954 statt, ab 1959 wurde sie an die United States Army ausgeliefert, obwohl sie sich noch in der Entwicklungsphase befand. Da sich die vielen technischen Probleme des Programms als zu gravierend erwiesen, wurde die Rakete bis 1964 aus dem Dienst zurückgezogen.

 

Entwicklung

Das Lacrosse-Projekt entstand durch die Nachfrage des United States Marine Corps nach einer gelenkten Kurzstreckenrakete zur Ergänzung der herkömmlichen Feldartillerie. Vorstudien wurden im September 1947 beim Applied Physics Laboratory an der Johns Hopkins University und dem Cornell Aeronautical Laboratory in Auftrag gegeben. 1949 erhielt das Cornell Aeronautical Laboratory die Aufgabe, ein Lenksystem für die Waffe auszuwählen. Anfang der 1950er-Jahre verschob sich die Zuständigkeit für Boden-Boden-Raketen von der United States Navy zur Armee. Unter dem Eindruck des Koreakrieges startete die Armee die Vorentwicklung der Rakete bei Cornell bereits im Juni 1950, einen Monat bevor ihr das Projekt offiziell übertragen wurde.

Nachdem man die Spezifikationen für das Waffensystem 1951 noch einmal deutlich verändert hatte, waren im Januar 1953 die wichtigsten Bauteile umrissen, so dass klare Entwicklungsaufträge vergeben werden konnten. In dieser Zeit legte man sich auch auf einen Feststoffantrieb fest. 1954 vervollständigte Cornell die Entwürfe und stellte die Machbarkeit des Projekts unter Beweis. Im Januar 1954 wurde dem Redstone Arsenal die Überwachung und technische Aufsicht des Projekts übertragen. Während später im selben Jahr am Testgelände des White Sands Missile Range die ersten 15 Raketen abgefeuert wurden, nahm man die Glenn L. Martin Company als zweiten Hersteller unter Vertrag. Cornell verlegte sich später auf die weitere Entwicklung und Kampfwertsteigerung der Rakete. Im Frühjahr 1956 entwarf man mit dem MOD I ein völlig neues Lenksystem für die Rakete, um sie gegen elektronische Gegenmaßnahmen zu schützen. Im Juni wurde ein erster Prototyp der Rakete ausgeliefert.

Bei Probestarts im Jahr 1958, mit denen die Entwicklung beendet werden sollte, stellte sich heraus, dass die Waffe die geforderte Zuverlässigkeit nicht erreichte. Nach einer Reihe von zeitlichen Verschiebungen und Verlagerungen der Projektverantwortung wurde im Juli 1959 das erste Bataillon in reduzierter Stärke mit der Lacrosse ausgestattet, obwohl man sich darüber im Klaren war, dass die Rakete bestenfalls ein akzeptabler Kompromiss war. Als einen Monat später das MOD-I-Projekt wegen finanzieller Schwierigkeiten gestrichen wurde, stieg das U.S. Marine Corps aus dem Lacrosse-Programm aus. Die U.S. Army Rocket & Guided Missile Agency (ARGMA) übernahm die Aufgaben des Redstone Arsenals. Im März 1960 wurden die ersten Bataillone der U.S.-Armee in Europa mit Lacrosse ausgerüstet, einen Monat später ein Bataillon in Korea. Doch schon im November 1960 stand die ARGMA vor der Wahl, 66 Mio. Dollar für eine Neuentwicklung der Steuerung auszugeben oder das Projekt völlig oder zumindest teilweise zu beenden. Im Januar 1961 stoppte die Armee die weitere Beschaffung der Raketen und stellte sie von 1963 bis 1964 außer Dienst. In der Rolle als nuklearfähige Unterstützungswaffe mit kurzer Reichweite wurde sie von Geschützen auf Selbstfahrlafette wie der Panzerhaubitze M109 abgelöst.

Einsatz

Die erste Einheit, die mit der Lacrosse ausgerüstet wurde, war das 5. Bataillon der 41st Artillery in Fort Sill, Oklahoma. Insgesamt wurden acht Bataillone mit dem Waffensystem ausgestattet, von denen sechs in Europa und jeweils eines in Korea direkt dem Strategic Army Corps unterstanden. Der Nuklearsprengkopf hatte eine Sprengkraft von 1,7 kT oder 10 kT. Alternativ war eine 245 kg schwere Hohlladung vorgesehen.

Funktionsweise

Hatte ein vorgeschobener Beobachter ein Ziel in Sichtreichweite ausgemacht, feuerte er die Lacrosse per Fernsteuerung von ihrem XM398-Transporter ab. Sobald das tragbare Steuergerät des Beobachters den Leitstrahl der Rakete erfasste, konnte der Beobachter die Rakete manuell auf das vorgesehene Ziel ausrichten. Die Lenkung erfolgte über die beweglichen Heckflossen der Rakete. Da Sichtkontakt benötigt wurde, konnte die Lacrosse kaum bei Dunkelheit oder unter schlechten Wetterbedingungen eingesetzt werden. Ohne die MOD-I-Steuerung war die Rakete für einfache Störmaßnahmen anfällig.

Versionen

  • SSM-N-9 – Bezeichnung des ersten Navy-Projekts.
  • SSM-G-12 – Bezeichnung nach Übernahme durch die Armee, später in SSM-A-12 umgeändert.
  • M-4 – Bezeichnung bei der Indienststellung 1959.
  • MGM-18 – Neue Bezeichnung im Juni 1963.

Technische Daten

Kenngröße Daten
Antrieb Feststoffrakete
Lenkung per Funk
Länge 5,85 m
Durchmesser 52 cm
Gesamtgewicht 1040 kg
Gewicht Munition 245 kg (konventionell oder nuklear)
Höchstgeschwindigkeit Mach 0,8
Reichweite 8–30 km
Zünder Aufschlagzünder

PGM-19 Jupiter

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Eine Jupiter der USAF.

Die PGM-19 Jupiter war eine im Auftrag der US Army von Wernher von Braun entwickelte Mittelstreckenrakete (IRBM). Sie basierte auf der PGM-11 Redstone, besaß aber gegenüber dieser eine auf 2410 km vergrößerte Reichweite.

Geschichte

1953 begann Wernher von Braun mit der Planung für eine Nachfolgerin der Redstone mit vergrößerter Reichweite. Er stellte damals seine Planungen den zuständigen Stellen vor und beantragte mit der Entwicklung betraut zu werden. Die Arbeiten an dieser Rakete begann dann im Jahre 1956 als Gemeinschaftsprojekt der Army und der Navy. Ein Jahr zuvor bezeichnete Präsident Eisenhower die Entwicklung einer modernen Mittelstreckenrakete als eines der wichtigsten Rüstungsprojekte des Landes. Die Navy zog sich gegen Ende des Jahres 1956 aus dem Programm zurück, welches von der Army alleine weitergeführt wurde. Infolge des Sputnik-Schocks orderte Eisenhower im Jahre 1957, neben der Thor, große Mengen dieses Flugkörpers. 1958 begann dann die Serienfertigung. 1960 wurden drei Schwadrone (15 Raketen und ca. 500 Personen) der Rakete in Dienst gestellt. Gebaut wurde die Rakete von der Chrysler Corporation.

Ursprünglich wurde geplant, dass die Rakete neben der United States Army auch von der United States Navy eingesetzt werden sollte, weshalb die Rakete zur Unterbringung auf Überwasserschiffen und U-Booten extrem kurz gebaut wurde. Um dennoch genug Treibstoff in den Tanks unterbringen zu können, bekam sie einen deutlich größeren Durchmesser als die Redstone, zu groß für die damals vorhandenen Transportflugzeuge.

Die Rakete wurde wie die Redstone mit der Treibstoffkombination Sauerstoff und RP-1 (einer Kerosinart) angetrieben. Die US-Navy stieg jedoch aus dem Projekt aus und setzte für ihre U-Boote auf die Feststoffrakete Polaris.

Die PGM-19 Jupiter ist nicht zu verwechseln mit der Jupiter-C-Rakete, die eine verlängerte Redstone-Rakete ist und für Wiedereintrittstests und mit Feststoffoberstufen als Trägerrakete Juno I verwendet wurde.

Einsatz

Mit nuklearen Sprengköpfen bestückte Jupiter-Raketen wurden in Italien (Gioia del Colle) und in der Türkei (Izmir) stationiert, aber im Nachgang der Kubakrise von dort abgezogen. Aus der militärischen Jupiter-Rakete entstand mit zwei Feststoffoberstufen (oder drei in einer verlängerten Version) die Trägerrakete Juno II, die gegenüber der Juno I eine leicht erhöhte Nutzlastkapazität hatte.

Technische Daten

Eine Jupiterrakete vor einem Nachtstart
Start einer Jupiter Mittelstreckenrakete
Kenngröße Daten der PGM-19 Jupiter
Länge: 18,3 m
Durchmesser: 2,67 m
Startgewicht: 49.353 kg
Leergewicht: 6.221 kg
Sauerstoff (LOX): 31.189 kg
RP-1 (Kerosinart): 13.796 kg
Schub: 667 kN
Triebwerk: Rocketdyne LR70-NA (Model S-3D)
Spezifischer Impuls: 247,5 s (2.448 N*s/kg)
Brennzeit: 157,8 s
Treibstoffverbrauch: 284,7 kg/s
Flugreichweite: 2.410 km
Flugzeit: 1.016,9 s
Geschwindigkeit beim Brennschluss: Mach 13,04 (14.458 km/h)
Geschwindigkeit beim Wiedereintritt: Mach 15,45 (17.131 km/h)
Beschleunigung: 13,69 g (134 m/s²)
Verzögerung: 44,0 g (431 m/s²)
Maximale Flughöhe: 628 km
Zielgenauigkeit: 50 % in einem Radius von 1.500 m
Sprengkopf: 1.45 Mt Thermonuklear W-49
Zündung: Annäherung und Einschlag
Steuerung: Inertial

McDonnell ADM-20

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McDonnell ADM-20

 

Die McDonnell GAM-72, spätere Bezeichnung ADM-20 Quail, war ein Flugkörper zum Einsatz von einer Boeing B-52 aus. Er wurde von der USAF verwendet und vom US-amerikanischen Hersteller McDonnell Aircraft Corporation gefertigt. Die GAM-72 beschrieb nach dem Absetzen Flugmanöver, die einer echten B-52 entsprachen. Darüber hinaus entsprachen die elektromagnetische Abstrahlung und der Radarquerschnitt ebenfalls der einer B-52. Dies diente dazu, die gegnerische Luftverteidigung zu verwirren, indem mehrere gleichwertige Ziele vorgetäuscht werden sollten. Es handelt sich um ein besatzungsloses, autopilotgesteuertes, einstrahliges Schulterdeckerflugzeug mit einem Turbojetantrieb.

Technik

Die GAM-72 verfügt über einen Rumpf mit senkrechten Seiten, doppeltem Seitenleitwerk sowohl oberhalb des Rumpfes als auch unterhalb und einem Deltaflügel. Zur weiteren Vergrößerung des Radarquerschnittes war im Bugbereich ein Radarreflektor eingebaut. Auch ein Chaff-Werfer und eine Infrarotquelle konnten eingebaut werden. Für den Transport wurde der Flugkörper zusammengefaltet, so dass die äußeren Abmessungen 3,94 × 0,74 × 0,66 m nicht überstiegen. Es konnten so bis zu acht GAM-72 in einer B-52 mitgeführt werden. Im normalen Einsatz wurden vier Flugkörper hinten im Bombenschacht gestaut. Vor dem Abwurf wurden sie abgesenkt und entfaltet. Der Autopilot des Flugkörpers konnte am Boden vorprogrammiert werden. Er ermöglichte es, zwei Kurven zu fliegen und eine Geschwindigkeitsänderung vorzunehmen. Die Triebwerke befanden sich im hinteren Teil des Flugkörpers.

Entwicklung

Die Entwicklung des Flugkörpers begann 1955. Es wurden drei Varianten vorangetrieben, die GAM-71 Buck Duck, ein raketengetriebener Störkörper für die B-36, die SM-73 Bull Goose, ein bodenstartfähiger Langstreckenstörkörper und die GAM-72 Green Quail.

Im Februar 1956 fiel die Entscheidung, das die Fertigung des GAM-72 bei McDonnell durchgeführt werden sollte. Gleichzeitig verkürzte man den Namen von Green Quail auf Quail. Im Juli 1957 begannen die Versuche an Bord einer B-52 und im November 1957 wurde der erste Flugkörper XGAM-72 vom Trägerflugzeug abgeworfen. Er führte einen nicht angetriebenen Gleitflug durch. Der erste Flug mit Antrieb wurde im August 1958 durchgeführt und im Dezember 1958 erfolgte die Fertigungsfreigabe. Insgesamt wurden bis 1960 34 Testabwürfe mit dem Flugkörper durchgeführt. Am 13. September 1960 wurden die ersten Serienflugkörper ausgeliefert, die am 1. Februar 1961 einsatzbereit waren.

Die zunächst verwendeten General Electric J85-GE-3 erwiesen sich als unzuverlässig und wurden Anfang 1960 gegen die J85-GE-7 getauscht. Die Flugkörper, die etwa 90 kg schwerer waren und eine etwas kleinere Flügelfläche besaßen, erhielten die Bezeichnung GAM-72A und absolvierten den Erstflug im März 1960. Bis auf die ersten 24 Serienflugkörper wurden alle als GAM-72A ausgeliefert.

1963 erhielten alle verbliebenen GAM-72A einen Höhenmesser, um so auch im Tiefflug eingesetzt werden zu können. Diese Variante erhielt die Bezeichnung GAM-72B.

Während der Planungs- und Entwicklungsphase im Jahr 1955 wurde der Flugkörper von der USAF als B-72 in der Sequenz der Bomberbezeichnungen geführt.[1] Im Juni 1963 erfolgte eine Umbezeichnung der Flugkörper:

alte Bezeichnung neue Bezeichnung
GAM-72 ADM-20A
GAM-72A ADM-20B
GAM-72B ADM-20C

 

Einsatz

Die GAM-72 war zu Beginn seiner Verwendung ein wirksamer Täuschkörper. Tests zeigten jedoch bereits 1972, dass durch Fortschritte in der Radartechnologie mit einer Sicherheit von über 90 % die echte B-52 vom Täuschkörper unterschieden werden konnte. Daraufhin begann die Ausmusterung. Die letzten Flugkörper wurden zum 30. Juni 1978 aus der Einsatzbereitschaft gezogen und im Dezember 1978 aus den Arsenalen entfernt. Insgesamt wurden 616 dieser Flugkörper hergestellt, davon wurden 561 an die Luftwaffe ausgeliefert.

Technische Daten

Kenngröße Daten der McDonnell ADM-20B/C
Länge 3,94 m
Spannweite 1,65 m
Höhe 1,02 m
Gewicht 540 kg
Geschwindigkeit Mach 0,95
Dienstgipfelhöhe 15.200 m
Reichweite 650 km
Antrieb ein General Electric J85-GE-7 mit 10,9 kN

SS.10

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SS.10

SS.10-Rakete
SS.10-Rakete

Allgemeine Angaben
Typ: Boden-Boden-Rakete (Panzerabwehrrakete)
Heimische Bezeichnung: SS.10
NATO-Bezeichnung: MGM-21A
Herkunftsland: Frankreich
Hersteller: Nord Aviation
Entwicklung: Jean Bastien-Thiry bei Arsenal de l'Aéronautique
Indienststellung: 1955
Einsatzzeit: 1955 bis heute
Stückpreis: 68.000 US-Dollar
Technische Daten
Länge: 86 cm
Durchmesser: 16 cm
Gefechtsgewicht: 15 kg
Spannweite: 75 cm
Antrieb: Feststoffraketentriebwerk
Geschwindigkeit: 80 m/s
Reichweite: 500 m bis 1600 m
Ausstattung
Lenkung: drahtgelenkt (MCLOS)
Zielortung: manuell
Gefechtskopf: 5 kg High Explosive Anti Tank (HEAT)
Zünder: Kontaktzünder
Waffenplattformen: Fahrzeug, individuell

 

SS.10 die Bezeichnung einer von Nord Aviation entwickelten drahtglenkten MCLOS-Panzerabwehrrakete, die in den USA als MGM-21A zum Einsatz kam. Entworfen wurde sie vom französischen Ingenieur Jean Bastien-Thiry, der später für einen Mordversuch an dem französischen Präsidenten Charles de Gaulle hingerichtet wurde. Die Rakete wurde 1955 in den Dienst der französischen Armee gestellt und Anfang der 1960er-Jahre auch kurz von der United States Army verwendet. Im Januar 1962 wurde die Produktion nach etwa 30.000 gebauten Raketen eingestellt.

Entwicklung

Die Entwicklung begann 1948 in Frankreich, als der Militärflugzeughersteller Arsenal de l'Aéronautique aus Châtillon sous Bagneux nach Möglichkeiten suchte, die deutsche Ruhrstahl-X-7-Rakete weiterzuentwickeln. Ein wichtiges Entwicklungsziel war eine kostengünstig herzustellende Rakete: 1955 kostete die Rakete 340 Francs, der Steuerkasten 1750 Francs. Die ersten Schussversuche begannen 1952, drei Jahre später war die Entwicklung abgeschlossen und die Rakete als SS.10 („Sol-Sol“ – französisch für Boden-Boden) in den Dienst der französischen Armee genommen.

In den Jahren 1952/53 erwarb die US-Armee 500 Raketen und drei entsprechende Startvorrichtungen, um diese für einen möglichen eigenen Einsatz zu bewerten. Sie gelangten jedoch zu der Einschätzung, dass die Waffe noch nicht einsatzbereit sei, die weitere Entwicklung jedoch beobachtet werden sollte.[1] Eine erneute Prüfung nach dem Abschluss der Entwicklung Mitte 1958 war erfolgreich und auch die spätere SS.11- (ebenfalls von Bastien-Thiry entworfen) und ENTAC-Rakete wurden für den Armeeeinsatz gekauft.

Geschichte

Die israelischen Streitkräfte setzten die Rakete 1956 in der Suez-Krise gegen ägyptische Panzer ein.

Die US-Armee war an dem Flugkörper von einem frühen Zeitpunkt an interessiert, verfolgte aber die Entwicklung ihrer eigenen Rakete – der SSM-A-23. Nachdem deren Entwicklung im Jahre 1958 jedoch eingestellt worden war, erwogen sie die Beschaffung der SS.10- und SS.11-Raketen. Im Februar 1959 beschlossen sie, die SS.10 als Notlösung kaufen. Die Rakete wurde im Januar 1960 ausgeliefert und im Jahr 1963 zugunsten der MGM-32 Entac ausgemustert. Die Rakete erhielt die Bezeichnung MGM-21A

Beschreibung

Im Flug wird die Rakete durch eine ungewöhnliche Anordnung von elektrisch betriebenen Störklappen gelenkt. Die dafür nötige Energie wird von der Startvorrichtung über den Lenkdraht in die Rakete geleitet. Da sich die Rakete im Flug dreht, wird ein Gyroskop benötigt, um die aktuelle Position der Störklappen zu übermitteln. Die Steuerung der Rakete auf ein Ziel ist sehr anspruchsvoll und erfordert ein hohes Maß an Geschicklichkeit und Konzentration, was typisch für MCLOS-Lenkflugkörper ist.

Modelle

Prototypen

  • Nord-5201 – zweiflügeliger Prototyp
  • Nord-5202 – vierflügeliger Prototyp
  • Nord-5203 – finale Version

Produzierte Varianten

  • SS.10 / MGM-21A

AGM-22

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SS.11/AS.12

SS.11
SS.11

Allgemeine Angaben
Typ: Luft-Boden-Rakete
Herkunftsland: Frankreich
Hersteller: Nord Aviation
Entwicklung: 1953
Technische Daten
Länge: 1190 mm
Durchmesser: 164 mm
Gefechtsgewicht: 30 kg
Antrieb: 2 Stufen, Feststoff
Geschwindigkeit: 190,28 m/s (685 km/h)
Reichweite: 3000 m
Ausstattung
Lenkung: manuell über Draht

 

Die SS.11 wurde 1953 von der französischen Firma Nord Aviation als drahtgelenkte MCLOS-Panzerabwehrlenkwaffe entwickelt und eingeführt.

Sie wurde 1956 bei den französischen Streitkräften eingeführt. Nach dem Start musste der Flugkörper vom Schützen manuell über einen Joystick ins Ziel geleitet werden. Zur Kontrolle der Flugbahn waren am Bodenstück der Rakete zwei Leuchtsätze angebracht.

Ab 1966 wurde die AGM-22 im Vietnamkrieg in größerem Umfang von Hubschraubern Bell UH-1 aus eingesetzt. 1976 wurde das System in den US-Streitkräften durch das ähnliche System TOW ersetzt.

In der Bundeswehr wurde auf Basis des Schützenpanzers HS 30 der Raketenjagdpanzer 1 sowie später auf Basis des Kanonenjagdpanzers der Raketenjagdpanzer 2 mit SS.11-Lenkflugkörpern ausgestattet. Die Ablösung erfolgte hier ebenfalls durch die ähnlichen Systeme TOW und HOT.

Einsatzländer

Verwendete Trägerplattformen

Hubschrauber
Fahrzeuge

MIM-23 HAWK

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MIM-23 HAWK
Technische Daten
HAWK-Ladefahrzeug mit Lenkflugkörpern
Herstellerfirma Raytheon (USA)
Antrieb Feststoff-Raketentriebwerk
Länge 5,08 m
Durchmesser 0,37 m
Spannweite 1,19 m
Einsatzgewicht 584 kg
Einsatzreichweite 25 km
Einsatzgipfelhöhe 13.700 m
Maximalgeschwindigkeit 800 m/s (Mach 2,4+)
Bedienungsmannschaft 2 Offiziere, 49 Unteroffiziere und Mannschaften
Lenkverfahren halbaktives Zielsuch-Lenkverfahren
Gefechtskopf 54 kg Splittergefechtskopf
Einsatzverfahren Bedienergeführt oder halbautomatisch mit Unterstützung durch Waffenrechner
Kampfbeladung bis zu 40 Lenkflugkörper pro Feuereinheit
Feuergeschwindigkeit maximal 1 LFK alle drei Sekunden
Einführung: 1962 (US Army); 1965 deutsche Luftwaffe
HAWK-Lenkflugkörper im White Sands Missile Range Museum.
Der Radarsuchkopf einer HAWK-Lenkwaffe

 

MIM-23 HAWK ist ein mobiles, allwetterfähiges Flugabwehrraketensystem aus US-amerikanischer Produktion. Hersteller war die Firma Raytheon. Das System wurde zur Zeit des Kalten Krieges in den Jahren 1959/1960 bei der US Army in Dienst gestellt. Bis heute wurde HAWK in unterschiedlichen Konfigurationen an 25 Staaten der Welt verkauft.

Das Waffensystem bildete neben dem weiter reichenden System Nike und dessen Nachfolgesystem PATRIOT über mehrere Jahrzehnte das Rückgrat der integrierten Luftverteidigung der NATO und ist in einigen NATO-Staaten immer noch im Einsatz. Es wurde in der Version „Basic-HAWK“ im Jahre 1965 bei der deutschen Luftwaffe eingeführt. Nach mehreren Modernisierungen und Umstrukturierungen wurde es nach 40 Jahren Betrieb im Jahr 2005 außer Dienst gestellt.

Geschichte

Zur Anpassung der deutschen Luftverteidigung an die geänderte Bedrohungslage, welche mit der Einführung von überschallfähigen Strahlflugzeugen entstanden war, wurde zu Anfang der 1960er Jahre die Ausrüstung der Bundeswehr mit Flugabwehrraketensystemen US-amerikanischer Produktion beschlossen. Sie sollten die nunmehr deutlich überforderte Fla-Rohrartillerie ablösen. Für die Bekämpfung von hoch fliegenden Zielen (überwiegend Bomber) fiel die Wahl auf das schwere Flugabwehrraketensystem Nike Ajax (später auf Nike Hercules umgerüstet). Die Bekämpfung von Flugzielen in niedrigen und mittleren Höhen (insbesondere Jagdbomber) sollte das System HAWK übernehmen.

Beschreibung

HAWK ist ein Flugabwehrraketensystem mittlerer Reichweite zum Einsatz gegen Flugziele im tiefen bis mittleren Höhenbereich, das durch Verlastung auf Einachsanhängern sowie auf LKW voll verlegefähig ist. Alle Radargeräte, die Lage- und Auswertezentrale (Information Coordination Centre, ICC), der Feuerleitstand (Platoon Command Post, PCP) sowie die Feuerleitzentrale (Battery Control Central, BCC), Startgeräte (Launcher, LCHR), Raketenpaletten sowie die Führungskabinen und die 56-kVA-Stromerzeugungsaggregate (SEA oder GEN) und alles technische Zubehör waren innerhalb einer halben Stunde abgebaut und auf dem Marsch.

Die Zielsuche erfolgt durch je ein Impuls- (Pulse Acquisition Radar, PAR) und ein Dauerstrich-Erfassungsradar (Continuous Wave Acquisition Radar, CWAR). Zur Bekämpfung wird das Flugziel mit einem weiteren Dauerstrich-Radar (High-Power Illuminator Radar, HPIR) beleuchtet. Die dabei reflektierte Radarenergie dient der Lenkeinheit des Flugkörpers zur Zielsuchlenkung, wobei zusätzlich direkte Steuersignale gesendet werden, die von einer Antenne am Heck des Flugkörpers empfangen werden. Dieses Prinzip wird halbaktives Zielsuch-Lenkverfahren genannt. Der Name des Waffensystems basiert auf diesem Verfahren (HAWK, Homing all-the-way Killer). Die Zündung des Gefechtskopfes erfolgte durch einen Vergleich der Signalstärke der von einer seitlichen und einer Heckantenne empfangenen Radarenergie des HPIR. Befand sich der Flugkörper auf gleicher Höhe mit dem Ziel, wurde das Signal der seitlichen Antenne (die vom Ziel reflektierte Radarenergie) schwächer und die Zündung wurde ausgelöst.

Zur korrekten Entfernungsmessung eines Flugzieles auch unter elektronischen Störmaßnahmen wurde zusätzlich ein Entfernungsmessradar (Range only Radar, ROR) eingesetzt, das sich stufenlos über einen sehr großen Frequenzbereich betreiben ließ und dadurch praktisch nicht störbar war. PCP und ICC waren zudem mit der NATO-weit verbreiteten elektronischen Freund-Feind-Erkennung (Identification Friend/Foe, Selective Identification Feature: IFF/SIF) und dem Zentralrechner (Automatic Data Processor, ADP) ausgestattet. Letzterer hatte einen Arbeitsspeicher von 64 KB auf Ringkern-Technologie basierend, der auch bei Abschaltung bzw. Ausfall der Betriebsspannung die zuletzt gespeicherten Daten behielt.

Der Flugkörper hat eine effektive Kampfentfernung von maximal 25 Kilometern bei einer maximalen Flughöhe von knapp unter 14.000 Metern. Die Beschleunigung des Feststoffantriebs reichte aus, um wenige Meter nach dem Verlassen des Startgerätes einfache Schallgeschwindigkeit (Mach 1) zu erreichen.

In der Vollstaffel-Konfiguration mit zwei Startgruppen konnten zeitgleich zwei Flugziele bekämpft werden, wobei beide HPIR am BCC betrieben wurden und das PCP als Reservegerät zur Verfügung stand.

Bei gleichzeitigem Einsatz von BCC und PCP mit je einer Startgruppe ergab sich ein gewichtiger taktischer Vorteil: Eine Halbstaffel (Battery Minus) konnte den Feuerkampf führen, während die andere Halbstaffel (AFU) unter dem Schutz der aktiven Halbstaffel verlegte. Diese Verfahren nannte man den „überschlagenden Einsatz“.

Die bei der deutschen Luftwaffe ab Ende der 1990er-Jahre übliche Halbstaffel-Konfiguration (Assault Firing Unit, AFU) hatte nur eine Startgruppe und konnte nur jeweils eine Zielbekämpfung durchführen, bevor das nächste Ziel bekämpft werden konnte. Eine letzte, Anfang der 1990er eingeführte Verbesserung war eine elektro-optische Kamera (HEOS) mit extremem Zoom-Objektiv, die auf beiden HPIR installiert wurde und unter guten Sichtbedingungen die rein optische Zielverfolgung auf bis zu 15 km Entfernung zuließ.

Einsatz bei der Bundeswehr

Einführung und Modernisierung

Bundeswehrparade 1969

 

In der Bundeswehr wurde HAWK ab 1963 bei der Luftwaffe eingeführt, zunächst in der Version Basic-HAWK. Mitte der 1970er-Jahre wurde mit der Umrüstung auf Improved HAWK (IHAWK) eine wesentliche Kampfwertsteigerung erzielt, als unter anderem durch die Steigerung der Radar-Leistung die Zielerkennung und -bekämpfung sowie mit die Einführung eines digitalen Waffensystemrechners die Bedienungsabläufe wesentlich verbessert werden konnten. Mit den Versionen PIP (Product Improvement Program) und PIP-II wurde Mitte bis Ende der 1980er-Jahre die Umstellung auf Halbleitertechnik und Digitaltechnik fortgesetzt und dadurch die Zuverlässigkeit im Einsatz erheblich gesteigert.

Der Kalte Krieg

In der Hochphase des Kalten Kriegs waren 36 Systeme (Batterien, später Staffeln) in neun Flugabwehrraketenbataillonen (später Geschwader und Gruppen) der deutschen Luftwaffe eingesetzt. Im NATO-Verbund zusammen mit niederländischen, belgischen und US-amerikanischen Einheiten bildeten diese HAWK-Verbände den sogenannten HAWK-Gürtel, der sich von der dänischen Grenze quer durch Deutschland bis zur Grenze nach Österreich erstreckte. Die einzelnen Stellungen innerhalb des HAWK-Gürtels waren so gewählt, dass sich die Wirkungsbereiche der einzelnen Feuereinheiten, selbst bei Ausfall einzelner Waffensysteme, überlappten und somit eine lückenlose Abdeckung gewährleistet wurde. Neben den Friedensstellungen waren je Batterie / Staffel mehrere Einsatzstellungen (KILO-, LIMA und MIKE Pattern) erkundet worden, in die das Waffensystem im Einsatzfall verlegt hätte. Im NATO-Verbund hatten die HAWK-Verbände die Aufgabe, die Luftverteidigung Mitteleuropas rund um die Uhr sicherzustellen. Hierzu waren alle Flugabwehrraketenverbände bereits im Frieden der NATO unterstellt („assigniert“). Zahlreiche Radarführungsstellungen und Gefechtsstände stellten die Führung der einzelnen FlaRak-Verbände im Frieden und zu Krisenzeiten sicher.

Reduzierung und Außerdienststellung

Startgerät mit geöffnetem Wetterschutz

 

Das System ist während seiner langen Nutzungsdauer fortwährend modernisiert worden, wobei die Bundeswehr die letzte Version PIP-III („Product Improvement Program“) nicht mehr eingeführt hat. Hierdurch blieben die bei der Luftwaffe eingesetzten Systeme technisch im Wesentlichen auf dem Stand der frühen 1980er-Jahre. Lediglich kleinere Weiterentwicklungen wurden noch integriert, wie zum Beispiel die HEADTS genannte Komponente, die die Signale des CWAR weiter aufbereiten konnte und die Zielerfassung von sehr langsam fliegenden Flugzielen wie Hubschraubern deutlich verbesserte.

Im FlaRak-Verbund geriet HAWK mit seiner inzwischen veralteten Technik und seinen langsameren Datenverbindungen gegenüber dem moderneren PATRIOT immer mehr in Rückstand. Dies trat im Übungsbetrieb vor allem beim Einsatz des integrierten HAWK-Simulationsgeräts (Operations Training System; OTS) beim Training im sogenannten „netted scenario“ zu Tage. Insgesamt ergaben sich im weiteren Einsatz nicht nur Einschränkungen im Kampfwert – insbesondere die hohen Betriebskosten, die immer knapper werdenden Ersatzteile (vor allem Röhrentechnik) und der umfangreiche Personal-, Fahrzeug- und Wartungsbedarf führten zur schrittweisen Reduzierung der aktiven Einheiten und in den frühen 2000er-Jahren zur Außerdienststellung. Die letzten beiden HAWK-Einheiten der Bundeswehr wurden Ende 2005 mit der Flugabwehrraketengruppe 15 in Leipheim außer Dienst gestellt.

Ausgemusterte HAWK-Lenkflugkörper sind zum Teil zu Orion-Höhenforschungsraketen umgerüstet worden.

Die letzte PCP-Halbstaffel der Bundeswehr stand bis ca. 2008 in Pirmasens und war dort Teil der Luftkampfübungsanlage Polygone, die sich aus mehreren Stellungen und verschiedensten Flugabwehrraketensystemen aus Deutschland, den USA und der ehemaligen Sowjetunion zusammensetzt. Es werden dort unter anderem die Systeme SA-6 Gainful, SA-8 Gecko sowie die letzten Roland-FRR und -FGR (RAD) betrieben, um Luftwaffenpiloten der NATO und befreundeter Streitkräfte ein Training unter realitätsnahen elektronischen Ernstfallbedingungen zu ermöglichen.

Betrieb des HAWK-Systems

Feuerleitstand (PCP) mit Feuerleitrechner und IFF-Anlage
Range Only Radar AN/MPQ-51 (ROR) Entfernungsmessradar beim Einrichten
Continuous Wave Acquisition Radar AN/MPQ-55 (CWAR), Dopplererfassungsradar
High Powered Illuminator Radar AN/MPQ-57 (HPIR), Beleuchtungs- und Zielverfolgungsradar
AN/TSW-11 Battery Control Central der 1./FlaRakBtl 37, 1986

 

Die HAWK-Verbände der Luftwaffe waren voll verlegefähig und für den Allwetterbetrieb ausgelegt. Die Systeme wurden im Luftverteidigungs-Schichtdienst rund um die Uhr aus ausgebauten Feldstellungen heraus betrieben. Eine Schicht dauerte zwischen 48 und 72 Stunden und wurde durch eine der drei (später vier) Kampfbesatzungen geleistet. Der Luftverteidigungsdienst war in vier unterschiedliche Bereitschaftsstufen eingeteilt, die jeweils für eine Woche zu halten waren.

Bereitschaftsstufen
  • 12 Stunden released: Die Geräte des Systems wurden Fristenwartungen und Überprüfungen unterzogen. Die Feuereinheit konnte innerhalb einer Frist von 12 Stunden den nächsthöheren Status einnehmen.
  • 12 Stunden: Das System war technisch und personell einsatzbereit, wurde jedoch intensiv für die Ausbildung der diensthabenden Kampfbesatzungen genutzt; das System wurde nach Ende der Ausbildungszeiten und nach Abschluss von Wartungsarbeiten (nachtsüber) ausgeschaltet, die Einnahme des nächsthöheren Bereitschaftsstatus war innerhalb von 12 Stunden möglich.
  • 3 bzw. 6 Stunden: Die Geräte wurden kontinuierlich am Stromnetz gehalten, System- und Geräteüberprüfungen gemäß Vorschriften wurden in regelmäßigen Abständen durchgeführt. Einheitsinterne Alarmübungen und Überprüfungen durch Bewerter-Teams des Verbandes (siehe Abschnitt Überprüfungen) wurden unangekündigt durchgeführt. Das System war technisch und personell ohne Verzug zur Übernahme des höchsten Status bereit.
  • 20 Minuten: Zusätzlich zu den für den 3 (bzw. 6) Stunden-Status aufgeführten Bedingungen galten die folgenden Vorgaben:
  • Die Feuerleitzentrale war rund um die Uhr durch mindestens einen Bediener besetzt, der kontinuierliche Verbindung zum übergeordneten Gefechtsstand des Verbandes (Bataillon Operation Centre; BOC) hielt und dessen Aufgaben die Überwachung der Systemanzeigen, die verzugslose Aufnahme von Alarmsprüchen sowie die Alarmierung des Bedienerpersonals war.
  • Alle Sender der Radargeräte waren aktiviert oder in Sendebereitschaft, die Waffensystem-Software des Waffenrechners war geladen und betriebsbereit, die taktische Datenverbindung (Datalink) war mit dem System der übergeordneten Gefechtsstands synchronisiert.
  • Bei Eingang eines Alarmspruches (Battle Stations/Blazing Skies) alarmierte der Bediener die Kampfbesatzung durch Auslösen einer Sirene. Der nachfolgende sogenannte Crew-Drill der Kampfbesatzung, der durch den Feuerleitoffizier (Battery Control Officer; BCO) gesteuert und überwacht wurde, stellte durch festgelegte Verfahrensabläufe sicher, dass die Feuereinheit technisch und personell in der Lage war, unter Beachtung aller relevanten Vorschriften innerhalb von 20 Minuten den Feuerkampf aufzunehmen.
  • 5 Minuten: In den 1960ern wurde statt des Status 20 Minuten der Hot-Battery zuerst ein 5-Minuten-Bereitschaftsstatus gefahren, wobei es für Teile des Bedienerpersonals erforderlich war, am oder in der unmittelbaren Nähe ihres Gerätes zu bleiben, bzw. auch nachts zu ruhen.
  • Battle Stations (oder Blazing Skies): Feuerkampfstellung. Bei Blazing Skies wurden aus Sicherheitsgründen alle Maßnahmen bis auf den tatsächlichen Anschluss der Flugkörper an die Startgeräte (über je ein Anschlusskabel, sogenanntes Umbilical) durchgeführt.

Die jeweils vier Feuereinheiten eines HAWK-Verbandes waren in unterschiedlichen Stufen der Bereitschaft, sodass während des Routinebetriebs durch den Verband alle vier Bereitschaftsstufen abgedeckt waren. Dies stellte sicher, dass durch jeden Verband der Luftverteidigungsauftrag im zugewiesenen Sektor des Flugabwehrraketengürtels durchgeführt werden konnte. Weiterhin gewährleistete dies bei Ausfällen, dass eine der drei weiteren Feuereinheiten den Einsatzauftrag des Verbandes übernehmen konnte. Gleichzeitig stellte dies die schnelle Reaktionsfähigkeit der Verbände bei Erhöhungen der Alarmstufen sicher.

Die Systeme waren teilweise durch Betonunterstände bzw. Splitterschutzwände (Revetments) gegen Luftangriffe geschützt und hätten die Bekämpfung feindlicher Luftfahrzeuge in den ersten Stunden eines Überraschungsangriffs ermöglicht. Im Krisen- und Kriegsfall sollten die Einheiten allerdings ihre festen Stellungen verlassen und vorerkundete Verlegestellungen beziehen. Dies wurde während des Kalten Krieges intensiv in Manövern, Verbands- und Einheitsübungen trainiert und von nationalen und NATO-Prüfteams bewertet (→ Abschnitt Überprüfungen). Auch während Verlegungen, Übungen und Manövern waren die Einheiten weiterhin der NATO unterstellt und konnten somit verzugslos ihre Aufgabe – die Bekämpfung feindlicher Luftfahrzeuge zu jeder Zeit und bei jeder Wetterlage – wahrnehmen. Dies war möglich, da zu den Verlegeübungen stets die Einsatzlenkflugkörper (LFK) mitgeführt sowie die taktischen Fernsprech- und Datenverbindungen aufgebaut und betrieben wurden.

Nach dem Ende des Kalten Kriegs wurden die strikten Alarm- und Schichtbetriebsregeln gelockert und der Betrieb im Tagesdienst weitergeführt. Bei Verlegeübungen, Manövern und taktischen Überprüfungen wurden nur noch Trainings-Lenkflugkörper mitgeführt, die taktischen Einsatz-LFK wurden zunächst im Stellungsbereich gelagert. Später wurden sie an Luftwaffen-Depots abgegeben und dort für den Einsatzfall gelagert.

Überprüfungen

ORE

Die einzelnen FlaRak-Einheiten wurden während ihres Schichtdienstes unregelmäßig von Prüfteams ihrer Verbände (Schießtechnische Prüf- und Auswertegruppe; SPAG) in sogenannten ORE (Operational Readiness Evaluation; auf deutsch: Einsatzbereitschaftsüberprüfungen) auf ihre taktisch/technische Einsatzbereitschaft hin überprüft. Dies geschah unangekündigt zu jeder Tages- und Nachtzeit an willkürlich gewählten Tagen, auch an Wochenenden, an Feiertagen und in Urlaubszeiträumen. Hierbei wurde die technische Verfügbarkeit des Systems und der Ausbildungsstand der Kampfbesatzung nach taktischen Richtlinien und Vorschriften bewertet.[1]

„Scharfer Schuss“ auf dem Schießplatz White Sands

 

TacEval/OpEval

Bei taktischen Überprüfungen durch die NATO, sogenannte TacEvals (Tactical Evaluation) und später OpEvals (Operational Evaluation), wurden folgende Fähigkeiten der Einheiten und Verbände durch multinationale Prüfteams regelmäßig (in Abständen von 12 bis 18 Monaten) bewertet:

  • Alarmierungsphase aus einer Krisenlage heraus und Personalaufwuchs
  • simulierter Feuerkampf bei unterschiedlichen Luftlagen und Befehlslagen
  • technische Einsatzbereitschaft des Materials inklusive Wartungszustand der Waffensystem- und Fahrzeugkomponenten
  • taktische Verlegefähigkeit der Einheit und des Verbands, dabei verzugslose Aufnahme des Einsatzauftrags
  • Überlebensfähigkeit bei bodengestützten Angriffen
  • Überlebensfähigkeit bei Luftangriffen auf die Feuereinheit
  • Überlebensfähigkeit bei Fremdeinsatz von ABC-Waffen
  • Flexibilität und Reaktion bei Teilausfall des FlaRak-Systems (Improvisation)
  • individuelle und teambezogene Reaktion bei Verwundungen, Feuer, Sabotage, Ausspähung, Gefangennahme von gegnerischen Kräften
  • Durchführung der Aufnahme und Befragung von gegnerischen Gefangenen
  • individuelle Grundfertigkeiten des einzelnen Soldaten wie Handwaffenschießen, schriftlicher ABC-Test, infanteristisch korrektes Verhalten

Mit der Alarmierungsphase aus einer Krisensituation heraus startete die taktische Überprüfung regelmäßig an einem Montag der Woche. Das geltende Szenario wurde für drei bis vier aufeinander folgende Einsatztage geschrieben und im Rahmen einer Übung rund um die Uhr abgeprüft.

In den Anfangsjahren wurden die Jahresschießen als Schulschießen durchgeführt, wobei die Einheiten eine Anfangspunktzahl von 2000 Punkten zur Verfügung hatten. Anhand von Drillkarten und Vorschriften wurde die Einheit genauestens bei ihren Tätigkeiten von Prüfteams der NATO beobachtet, wobei Abweichungen und Verstöße durch Punkteabzug geahndet wurden. Höhepunkt war der Verschuss einer einzelnen HAWK gegen eine Drohne. Die Kampfbesatzungen führten das Jahresschießen ohne Handwaffen und ABC-Schutzausstattung durch.

Mit Einführung des sogenannten taktischen Schießens zu Beginn der 1990er Jahre wurden die Einheiten, später die Verbände (als FlaRak-Gruppen und -Geschwader) in einem taktischen Umfeld unter simulierten Gefechtsbedingungen bewertet. Das gesamte eingesetzte Personal war gefechtsmäßig mit Waffe, ABC-Ausstattung und Helm ausgerüstet. Im Verlauf des taktischen Schießens wurde ein an realen Bedingungen angelehntes Szenario abgewickelt, das mit der Übernahme des Waffensystems, einer technischen Überprüfung und einer gefechtsmäßigen Verlegung in einen angenommenen Einsatzraum begann. Nach der Einnahme des befohlenen Einsatzstatus wurde ein Einsatz gegen feindliche Kräfte durchgeführt, bei dem mehrere HAWK-Lenkflugkörper gegen durch Drohnen simulierte Flugziele abgefeuert wurden. Nach Ende des Bekämpfungsablaufs hatten die Einheiten eine geordnete Verlegung in einen Verfügungsraum zu absolvieren. In die Bewertung flossen nunmehr hauptsächlich Elemente aus dem Forderungskatalog der TacEvals und OpEvals ein.

Feuereinheit

Die zuletzt bei der Bundeswehr eingesetzte Feuereinheit der Version HAWK PIP-II bestand aus folgenden Systemkomponenten:

Feuerleitgruppe

  • 1 Feuerleitstand (PCP; Platoon Command Post) mit 1 Freund/Feind-Kenngerät (IFF Siemens 1990/D21 – Identification Friend/Foe) sowie dem Waffenrechner (ADP)
  • 1 Dauerstrich-Erfassungsradar (CWAR; AN/MPQ-55 Continuous Wave Acquisition Radar)

Abschussgruppe

  • 1 Dauerstrich-Beleuchtungsradar (HPIR; AN/MPQ-57 High-Powered Illuminator Radar) mit
    • Infrarot-Erfassungssystem HEOS (Atlas Elektronik HAWK Electro-Optical Sensor)
  • 3 Startgeräte/LCHR (Launcher) für je 3 Lenkflugkörper (LFK) pro Startgerät
  • 6 Palettenanhänger/PAL (Pallet) zum Transport von 18 Lenkflugkörpern (9 LFK als Kampfbeladung und weitere 9 als Reserve)
  • 1 Ladefahrzeug/LDR (Loader), (einziges Kettenfahrzeug der Luftwaffe)
  • 1 Abschussgruppen-Verteilerkasten/LSCB (Launching Section Control Box)

Stromversorgung

  • 4 Stromerzeugungsaggregate (SEA) 56 kVA / 400 Hz

Für die Kampfführung einer HAWK-Flugabwehrraketengruppe (entspricht einem Bataillon) mit bis zu acht angeschlossenen Feuereinheiten (siehe oben) diente die Kampfführungsanlage/GEHOC (German HAWK Operation Center).

Im Zuge der Umstrukturierung ausgemusterte Komponenten

Pulse Acquisition Radar AN/MPQ-50 (PAR), Impuls-Erfassungsradar

 

Gegen Ende der 1990er Jahre wurden die Einheiten der Luftwaffe von der BCC-Vollstaffel-Konfiguration in eine PCP-Halbstaffel (siehe oben) umstrukturiert. Hierdurch entfielen die folgenden Komponenten:

  • Feuerleitanlage/BCC (Battery Control Central)
  • Lage- und Auswertezentrale/ICC (Information Coordination Central)
  • Impuls-Erfassungsradar/PAR (AN/MPQ-50 Pulse Acquisition Radar)
  • Entfernungsmessradar/ROR (AN/MPQ-51 Range Only Radar)

Liste der Nutzerstaaten

Viele westlich orientierte Staaten und Verbündete der USA nutzten HAWK als Luftverteidigungssystem für ihre Streitkräfte.

Die HAWK im Kriegseinsatz

Der erste Abschuss eines Flugzeuges durch eine HAWK geschah am 5. Juni 1967, dem ersten Tag des Sechstagekrieges. Eine israelische Hawk schoss eine beschädigte Dassault Ouragan der eigenen Streitkräfte ab, die auf das Kernkraftwerk des Negev Nuclear Research Centers zu stürzen drohte. Es war auch die erste in einem ,scharfen' Einsatz abgefeuerte HAWK. Während des Abnutzungskrieges schossen israelische HAWK zwischen acht und zwölf arabische Flugzeuge ab, während des Jom-Kippur-Krieges waren es zwischen 12 und 24. [3]. Für den Einsatz in diesem Krieg wurde die Trefferwahrscheinlichkeit der HAWK auf mehr als 50 % geschätzt[4]. Während des iranisch-irakischen Krieges schoss eine kuwaitische HAWK eine iranische F-5 ab[5]. Am 8. September 1987 schossen französische Truppen im Tschad mithilfe einer HAWK einen libyschen Tu-22-Bomber ab, der die Hauptstadt N’Djamena angreifen sollte[6]. Der Hersteller Raytheon nennt die Zahl von 40 unter Kriegsbedingungen von HAWK abgeschossenen Flugzeugen[7]

Im Jahr 1986 unternahmen die iranischen Luftstreitkräfte mit Unterstützung israelischer Techniker Versuche, die HAWK von einer Grumman F-14 abzufeuern. Die Vorräte an Lenkwaffen vom AIM-54 Phoenix, die die Hauptbewaffnung der F-14 darstellte, gingen während des Kriegs gegen den Irak zur Neige, und aufgrund des US-Embargos konnte der Iran keine neuen kaufen. HAWK dagegen waren genügend im Land vorhanden und konnten zudem im Ausland beschafft werden. Bei den Tests stellte sich heraus, dass die Datenübertragung zwischen dem AN/AWG-9-Feuerleitsystem der F-14 und der HAWK-Lenkwaffe nicht stabil funktionierte. Trotzdem wurden ein oder zwei der Sedjil getauften Lenkwaffen im Kampfeinsatz abgefeuert. Nach Kriegsende wurde das Projekt eingestellt. Viele der produzierten Flugkörper wurden zu Luft-Boden-Raketen umgerüstet, in dem der Sprengkopf der HAWK durch den einer M117-Bombe ersetzt wurde. Diese Waffe bekam den Namen Yasser. Fotos von den Versuchen gelangten erst Ende der Neunziger in den Westen und erweckten dort den Eindruck, es handle sich um die aktuelle Einführung luftgestützter HAWK.

 

Sonstiges

Von 1972 bis 1992 waren HAWK-Feuereinheiten der Bundeswehr zum Schutz gegen Tiefflieger und feindliche Bodentruppen mit einem Zug bestehend aus vier 20-mm-Zwillings-Flugabwehrkanonen vom Typ „Maschinenkanone MK 20 RH 202 Zwilling“ der Firma Rheinmetall ausgerüstet.[9][10]

Die Abkürzung HAWK wird mitunter interpretiert als Homing All the Way Killer (englisch etwa: ständig zielender Mörder; siehe Artikel zum Begriff „Homing“). Möglicherweise existierte zuerst die Bezeichnung HAWK (als sogenanntes „Backronym“) und erst später wurde daraus die Erklärung aus der Beschreibung des Flugverhaltens des Habichts oder des Falken, der dem System seinen Namen gab.

HAWK wurde bei der Bundeswehr aufgrund seiner Komplexität, seiner Fehleranfälligkeit, der häufigen Verlegungen sowie des Schichtbetriebs scherzhaft bezeichnet als:

  • Hope Ajax Will Kill („Hoffentlich wird Ajax töten/treffen“)
  • Heute Alles Wieder Kaputt
  • Holiday and Weekend Killer („Feiertags- und Wochenend-Verderber“)
  • Haufen Arbeit Wenig Kohle
  • Hau Ab Wenn's Knallt
  • Hinkelstein Abwurf-Katapult

Das Simulationsgerät OTS wurde auch scherzhaft Offizier-Telespiel genannt.

Eine HAWK wurde als Oberstufe in dem deutschen Raumfahrtprojekt SHEFEX-I verwendet.

RIM-24 Tartar

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RIM-24C Tartar

Tartar missile 1.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Boden-Luft-Lenkwaffe
Hersteller: General Dynamics
Entwicklung: 1955
Technische Daten
Länge: 4,72 m
Durchmesser: 343 mm
Gefechtsgewicht: 601 kg
Spannweite: 610 mm
Antrieb: Feststoffrakete
Geschwindigkeit: Mach 1,8 (603 m/s)
Reichweite: 32 km
Ausstattung
Zielortung: halbaktive Radarzielsuche (SARH)
Gefechtskopf: 60 kg
Zünder: Näherungs- und Aufschlagzünder

 

Die RIM-24 Tartar war eine Luftabwehrrakete für Kurz- und Mittelstrecken der United States Navy aus den 1960er-Jahren. Der Flugkörper wurde von General Dynamics gefertigt. Die Tartar konnte auch gegen Überwasserziele eingesetzt werden.

Geschichte

Die Tartar war im Wesentlichen eine Version der RIM-2 Terrier ohne den zweiten Booster. Der Auftrag für die Tartar wurde 1955 vergeben, drei Jahre später flog die erste Rakete. Die Einführung in die aktive Flotte fand 1962 statt. An die Tartar wurde nie die damals aktuelle SAM-N-xx-Designation vergeben, die Rakete war bekannt als Missile Mk. 15. 1962, mit Einführung der RIM-Designation, wurde die Rakete mit RIM-24 bezeichnet.

Die RIM-24A Tartar konnte gegen Ziele in einer Höhe von 15 bis 15.000 Meter eingesetzt werden. Die effektive Reichweite lag zwischen 1,8 und ca. 15 Kilometer. Die später eingeführte RIM-24B Improved Tartar erhielt ein moderneres Radarsystem und ein stärkeres Triebwerk, das die Höhe auf über 20.000 Meter und die Reichweite auf über 30 Kilometer verbesserte. Viele Raketen wurden im Laufe zu RIM-24C Improved Tartar Retrofit modifiziert. Eine Gewichtsreduktion erhöhte die Reichweite noch einmal um ca. 2 Kilometer.

Ersetzt wurde die Tartar durch die RIM-66 Standard Missile in der Ausführung mittlerer Reichweite.

Technik

Die Tartar besaß einen Festtreibstoff-Raketenantrieb, der die Lenkwaffe auf 1,8 Mach beschleunigte. Die Leitung erfolgte semiaktiv, das Schiff musste ein Ziel also mit seinem Radar anstrahlen und die Tartar „ritt“ auf den zurückgeworfenen Radarwellen in ihr Ziel. Die Tartar besaß einen Continuous-rod-Gefechtskopf von ca. 60 Kilogramm.

Der Start erfolgte entweder aus einem Mk-11-Doppelarm- oder aus den Mk-13- und Mk-22-Einarmstartern.

Einsatz

Die Tartar wurde zuerst verwendet auf den modifizierten Zerstörern der Forrest-Sherman-Klasse und den Kreuzer-Umbauten der Baltimore-Klasse. Von Beginn an wurden die Tartar eingesetzt von Zerstörern der Charles-F.-Adams-Klasse und den Atomkreuzern der California-Klasse.

Ausländische Nutzer waren die Royal Australian Navy, die die RIM-24 an Bord der Fregatten der Adalaide-Klasse und Perth-Klasse einsetzte, sowie die Bundesmarine an Bord der Klasse 103 (Lütjens-Klasse).

Titan (Interkontinentalrakete)

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Die Titan I und Titan II waren Interkontinentalraketen (ICBMs) der USA und dem Strategic Air Command (SAC) unterstellt. Die 1962 bis 1965 stationierte Titan I (SM-68; HGM-25A) war die erste echte zweistufige Großrakete der USA. Die 1963 bis 1987 stationierte Titan II (SM-68B, LGM-25C) war die schwerste je von den USA in Dienst gestellte ICBM und die letzte, die flüssige Treibstoffe verwendete. Ausgemusterte Titan-II-Raketen wurden zwischen 1988 und 2003 als Trägerraketen für Satelliten und Raumsonden genutzt.

Die Titan-Raketenfamilie im Überblick

Beginn der Entwicklung

Eine Titan I startet zu einem Testflug von Cape Canaveral, Florida

 

Im Juli 1954 wurde von einem Beraterkomitee der US Air Force (USAF) vorgeschlagen, ein zweites Interkontinentalraketenprogramm parallel zum Atlas-Programm von Consolidated Vultee Aircraft Corporation zu beginnen. Dieses neue Programm sollte ein alternatives Design zur Atlas-Rakete darstellen und eine echte zweistufige Rakete sein. Durch Fortschritte in der Raketentechnik hielt man zu diesem Zeitpunkt eine echte zweistufige Rakete für technisch machbar und versprach sich von einem solchen Design Vorteile in Hinsicht auf Nutzlast und Reichweite. Weiterhin konnte man eine solche Rakete in ihre beiden Stufen zerlegt transportieren, was Vorteile bei der Stationierung in Hinsicht auf das Straßennetz in den USA hatte. Im April 1955 wurde das Projekt von der USAF genehmigt, mit der Bedingung, dass sich der Produktionsstandort im Binnenland der USA befinden müsse, um eine weitere Konzentration von Rüstungsbetrieben in Küstennähe zu verhindern. Die Ausschreibung der USAF forderte, eine Rakete, welche einen thermonuklearen Sprengkopf mit einem Gewicht von rund 1,5 Tonnen über 9.000 km befördern konnte und einen Streukreisradius von weniger als neun Kilometern hat. Weiterhin sollte die Rakete eine möglichst geringe Reaktionszeit besitzen. Drei Firmen nahmen an der Ausschreibung Teil: Douglas Aircraft, Martin Company und Lockheed Aircraft. Die Martin Company bekam den Zuschlag und am 27. Oktober 1955 wurde der Vertrag zur Entwicklung, Bau und Testen einer als XSM-68 bezeichneten zweistufigen Rakete unterschrieben. Weiterhin sollte die Martin Company ein Programm zur kompletten Entwicklung des Waffensystems WS 107-A2 Titan entwerfen. Am 6. März 1956 wurde der Grundstein für das neue Werk der Martin Company in Littleton (Colorado) gelegt. Die Triebwerke für die Titan I wurden von Aerojet entwickelt. Das radio-inertiale Steuerungssystem, welches zuerst für die Atlas-Rakete vorgesehen war, wurde von Bell Telephone Laboratories entwickelt. Gegen Ende des Jahres 1962 bekam die Rakete allerdings wieder ein inertiales Steuerungssystem von AC Spark Plug, einer Abteilung von General Motors. Der Wiedereintrittskopf wurde von AVCO entwickelt. Die erste Titan-Rakete wurde von der USAF am 8. Juni 1958 übernommen.

Testprogramm der Titan I

Die Titan I wurde in acht Produktionslosen hergestellt, wobei es sich bei den ersten sieben Losen um verschiedene Entwicklungsvarianten handelte und beim achten Los um die operativen Raketen.

  • Los A – nur aktive Erststufe, Zweitstufe ohne Triebwerke und mit Wasserfüllung
  • Los B – Exemplare zum Test der Stufentrennung, nur kurzes Zünden der zweiten Stufe
  • Los C – beide Stufen aktiv, limitierte Reichweite
  • Los G – beide Stufen aktiv, erhöhte Reichweite
  • Los J – Prototypen der operativen Raketen
  • Los M – Modelle zum Testen des inertialen Steuerungssystems der Titan II
  • Los V – Sondermodelle für OSTF/SLTF Tests
  • Los SM – operative Raketen

Insgesamt wurden 163 Raketen produziert, davon 62 für das Testprogramm und 101 als operative Raketen SM-68A Titan I. Die Raketen des ersten Loses verfügten über eine voll funktionsfähige erste Stufe und eine Zweitstufenattrappe. Für das Testflugprogramm auf der Cape Canaveral Air Force Station war die Martin Company und die 6555. Test Wing der USAF verantwortlich. Die Tests von Cape Canaveral an der amerikanischen Ostküste dienten dem ersten Erfahrungsgewinn mit dem neuen Raketensystem, seinen genauen Flugeigenschaften und der Handhabung am Boden. Genutzt wurden die Rampen 15, 16, 19 und 20. Der erste Start fand am 6. Februar 1959 von Rampe 15 statt und verlief erfolgreich, wie auch die nächsten drei Flüge mit passiver Zweitstufe. Am 14. August 1959 schlug der erste Versuch eines Teststarts mit Zündung der zweiten Stufe fehl. Am 2. Februar 1960 gelang der erste Flug mit Zündung der Zweitstufe. Am 10. August 1960 flog eine Titan I zum ersten Mal über eine Distanz von 5.000 nm (9260 km).

Für die operativen Flugtests war die Vandenberg AFB in Kalifornien vorgesehen. Seit 1958 wurde dort an der Operational Suitability Test Facility (OSTF) gearbeitet. Diese Anlage sollte die ersten Erfahrungen mit der Handhabung von Titan-Raketen in ihren Silos und dem Start daraus erbringen. Die OSTF entsprach noch nicht der geplanten Silokonfiguration für die Stationierungsstandorte, war dieser aber sehr ähnlich. Nach dem Betanken der Rakete im Silo sollte ein großer hydraulischer Aufzug die Rakete aus ihrem Silo heben und diese anschließend abgefeuert werden. Bei einem Betankungstest am 3. Dezember 1960 wurde die Rakete aus dem Silo gefahren und sollte anschließend wieder abgesenkt werden, dabei versagte der hydraulische Lift und die Rakete sackte voll betankt unkontrolliert im Silo ab. Bei der anschließenden Explosion wurde die Anlage komplett zerstört. Auf einen Wiederaufbau wurde verzichtet. Am 3. Mai 1961 erfolgte der erste Start einer Titan I von Vandenberg von der Silo Launch Test Facility (SLTF). Eine speziell für diesen Start modifizierte Rakete wurde, anders als die später operativen Titan I im Silo gestartet. Dieser Test bildete die Grundlage für das spätere Stationierungskonzept der Titan II und blieb der einzige Im-Silo-Start einer Titan I. Am 23. September 1961 erfolgte der erste Start einer Titan I von der nun fertiggestellten Titan I Training Facility (TF-1; Startkomplex 395-A1; -A2; A3) in Vandenberg, welche den operativen Silos entsprach. Am 29. Januar 1962 endete das Testflugprogramm der Titan I auf der Cape Canaveral AFS in Florida. Danach wurden nur noch operative Tests von der Vandenberg AFB durchgeführt, welche mit dem Ende des Titan-I-Programms 1965 endeten. Insgesamt gab es 47 Titan-I-Entwicklungsflüge, davon 32 erfolgreich, zehn teilweise erfolgreich und fünf Fehlschläge.

Stationierung der Titan I

Titan-I-Raketen wurden in Raketenkomplexen stationiert, von denen jeweils drei eine Strategic Missile Squadron (SMS) bildeten. Die USAF verlangte zuerst nach elf SMS, zwischenzeitlich war sogar eine Streichung bis auf eine SMS bzw. die komplette Streichung des Programmes wegen dessen hoher Kosten im Gespräch. Schließlich wurden 54 Raketen in sechs SMS stationiert. Die Standorte für Titan-I-Raketen waren die Lowry AFB (2 SMS), Mountain Home AFB, Beale AFB, Larson AFB und Ellsworth AFB. Die Siloanlagen auf der Vandenberg AFB konnten ebenfalls in Alarmzustand versetzt werden, jedoch dienten sie mit Ausnahme eines kurzen Zeitraumes während der Kubakrise nur Trainingszwecken.

Die komplett unterirdisch gelegenen Raketenkomplexe bestanden aus jeweils drei Silos, einem Startkontrollzentrum und einem Maschinenhaus, welche über Tunnel miteinander verbunden waren. Die Anlagen besaßen ihre eigene Energie- und Wasserversorgung. Der Mindestabstand zwischen zwei Silokomplexen lag bei etwa 32 km. Die Silos waren dazu ausgelegt, einem Überdruck durch eine Kernexplosion von bis zu 700 kPa (100 psi) zu widerstehen. Für einen Start musste die Rakete im Silo mit flüssigen Sauerstoff betankt werden. Danach öffneten sich zwei je 125 t schwere Tore über dem Silo und die Rakete wurde an die Oberfläche gehoben. Parallel wurden ebenfalls durch Betondeckel geschützte Radar- und Antennenanlagen ausgefahren, welche für die Radio-inertiale Steuerung der Rakete dienten. Die gesamte Startprozedur von der Erteilung des Startbefehls bis zum Abschuss an der Oberfläche dauerte etwa 15 bis 20 Minuten.

Die ersten Titan I wurden am 18. April 1962 auf der Beale AFB in Alarmzustand versetzt. Im Mai 1963 akzeptierte die USAF die Empfehlung, zwischen 1965 und 1968 alle Titan-I- und Atlas-Raketen außer Dienst zu stellen. Im November 1964 gab US-Verteidigungsminister Robert McNamara die Ausmusterung aller Atlas- und Titan-I-Raketen bis Juni 1965 bekannt. Die letzte Titan I wurde im April 1965 außer Dienst gestellt. Im Gegensatz zu ausgemusterten Titan-II- und Atlas-Raketen wurden keine Titan I zu Satellitenträgern umgerüstet, alle Raketen wurden verschrottet oder Museen übergeben. Die Titan I war zwischenzeitlich für das suborbitale Testprogramm des Dynasoar-Programmes der USAF im Gespräch, jedoch kam es nicht zu dessen Umsetzung.

Entwicklung der Titan II

Eine Titan II startet aus einem Silo der Vandenberg AFB, Kalifornien

 

Im Juli 1958 untersuchte die USAF mögliche Veränderungen im Titan-I-Programm. Sowohl die hohen Kosten als auch die hohe Reaktionszeit stellten ein Problem für die USAF dar, und man gab Empfehlungen für die Vereinfachung und dadurch Kostenreduzierung des Titan-Programms. So sollte die Rakete auf In-Silo-Starts umgerüstet werden, ein inertiales Steuerungssystem bekommen, lagerfähige Treibstoffe verwenden und ein 1x9-Stationierungskonzept eingeführt werden (neun einzelne Silos in einer SMS). Im April 1960 wurde der erste Entwicklungsplan veröffentlicht, der die Titan II enthielt. Die neue Rakete sollte weit weniger komplex zu handhaben sein, mehr Schub entwickeln, eine vergrößerte Zweitstufe sowie eine vergrößerte Nutzlast und Reichweite besitzen. Mit dem Sprengkopf der Titan I sollte die Rakete eine Reichweite von rund 15.000 km besitzen und mit einem eigens zu entwickelnden größeren Sprengkopf eine Reichweite von etwa 10.000 km. Die Entwicklung neuer Triebwerke für die Titan II begann noch parallel zur Triebwerksentwicklung für die Titan I bei Aerojet. Die Entwicklung des In-Silo-Startkonzeptes begann 1959. Die USAF griff hierbei auf Erfahrungen der britischen Royal Air Force zurück, welche dieses Konzept für ihre Mittelstreckenrakete Blue Streak entwickelt hatte. Der Titan-I-Start aus der SLTF im Mai 1961 wies die Tauglichkeit des Konzepts für die in Entwicklung befindliche Titan II nach.

Das Testflugprogramm während der Entwicklung der Titan II wurde von normalen Startrampen von der Cape Canaveral AFB in Florida (23 Starts) und Silos auf der Vandenberg AFB (neun Starts) zwischen 1962 und 1964 durchgeführt. Die Entwicklungsmodelle wurden als N-Serie bezeichnet, die späteren operativen Raketen als B-Serie. Für die Testflüge wurden die Rampen 15 und 16 in Florida von der Titan I auf die Titan II umgerüstet. Am 16. März 1962 startete die erste Titan II von Florida. Im Gegensatz zum Testprogramm der Titan I, waren bei der Titan II von Anfang an beide Stufen funktionsfähig. Während des Testprogramms traten in der ersten Stufe starke Vibrationen auf, diese führten unter anderem zum frühzeitigen Abschalten der ersten Stufe bei einem Testflug am 6. Dezember 1962, dem einzigen Flug einer Titan II mit dem Mk.4-Sprengkopf der Titan I. Martin-Marietta testete verschiedene Lösungen zur Verringerung der Vibrationen. Beim Testflug am 1. November 1963 konnten die Schwingungen schließlich auf ein erträgliches Maß reduziert werden, das auch für die Verwendung als bemannte Trägerrakete für das Gemini-Programm der NASA akzeptabel war. Auf der Vandenberg AFB wurden die Silos 395-B, 395-C und 395-D errichtet. Am 27. April 1963 startete die erste Titan II aus einem Silo auf der Vandenberg AFB. Die Rakete verließ das Silo erfolgreich, allerdings löste sich ein Verbindungskabel nicht richtig von der Rakete, wodurch das Steuerungssystem der Rakete glaubte, diese befinde sich noch im Silo. Die zweite Stufe der Rakete fiel mitsamt dem Sprengkopf (ohne nukleares Material) in den Pazifischen Ozean. Der Sprengkopf wurde in einer aufwendigen Aktion von Tauchern geborgen. Der erste wirklich erfolgreiche Start aus einem Silo erfolgte am 27. April 1963. Insgesamt wurden 33 Raketen für das Entwicklungsprogramm gebaut. Davon wurden 32 für Testflüge eingesetzt, und eine Rakete wurde dauerhaft auf der Sheppard AFB für Trainingszwecke verwendet. Diese Rakete befindet sich heute im Titan Missile Museum in Arizona.

Im ersten Jahr der Stationierung traten an vielen Raketen in ihren Silos vermehrt Oxidator-Lecks auf. Diese wurde durch Mikrofrakturen verursacht, durch die geringe Mengen Oxidator austraten und mit Luftfeuchtigkeit in Silos zu Salpetersäure reagierten, wodurch eine beschleunigte Korrosion einsetzte. Dieses Problem fiel während des Entwicklungsprogramm der Rakete nicht auf, da es währenddessen zu keiner längeren Lagerung der Raketen mit Treibstoff an Bord in ihren Silos kam. Die Raketen wurden wenn möglich im Silo ausgebessert; falls dies nicht möglich war, wurden sie in das Werk nach Colorado transportiert und dort repariert.

Stationierung der Titan II

Eine Titan II mit dem Mk.6/W-53-Sprengkopf an der Spitze in ihrem Silo

 

Die Titan II wurde anders als die Titan I in Raketenkomplexen mit jeweils einer Rakete stationiert. Jeder Komplex bestand aus dem Raketensilo mit der Titan II und einem Startkontrollzentrum. Das Silo wurde von einer 740 t schweren Betonabdeckung geschützt, welche vor einem Start hydraulisch zur Seite gefahren würde und die Rakete freigab. Zwischen Silo und Kontrollzentrum befand sich das Zugangsportal zum Komplex mit Fahrstuhl und einer Explosionsschutzstruktur, welche im Falle einer Explosion (an der Oberfläche oder im Silo) das Startkontrollzentrum schützen sollte. Sie bestand aus zwei Schleusen mit jeweils zwei 3 t schweren hydraulisch bewegten Türen. Die Raketenkomplexe waren bis zu einem Überdruck von 2100 kPa (300psi) geschützt und hatten einen Abstand von etwa 13 bis 18 km zueinander. Ihr Bau dauerte jeweils etwa zwei Jahre.

Auf jeden Komplex hatten Mannschaften von jeweils vier Soldaten für 24 Stunden Bereitschaft. Die Crews bestanden aus zwei Offizieren, einem Raketenkomplextechniker und einem Raketentechniker. Neun dieser Raketenkomplexe bildeten eine SMS, von denen jeweils zwei an den drei operativen Basen zu ein Strategic Missile Wing (SMW) zusammengefasst wurden. Stationiert wurden die SMW an der Little Rock AFB (Arkansas), Davis-Monthan AFB (Arizona) und McConnell AFB (Kansas), was 54 Raketen entspricht. Die erste Titan II wurde am 15. April 1963 in Alarmzustand versetzt. Ende Dezember 1963 waren alle 54 Raketen an den drei operativen Basen im Dienst. Sie repräsentierten zu diesem Zeitpunkt etwa 27 % der Sprengkraft des amerikanischen strategischen Kernwaffenarsenals. Zwischen 1967 und 1969 standen weiterhin zwei Raketen in den Startkomplexen der Vandenberg AFB in Gefechtsbereitschaft, solange die Silos nicht für Trainingsflüge benötigt wurden.

Für Trainingsflüge wurde per Zufallsprinzip eine stationierte Rakete ausgewählt und durch eine eingelagerte Rakete ersetzt. Die ausgewählte Rakete wurde zur Vandenberg AFB transportiert. Dort wurde sie in eines der dortigen Silos installiert. Es wurden die Originalsprengköpfe der stationierten Raketen auf den Trainingsflügen verwendet, allerdings ohne die nuklearen Komponenten. Bei Testflügen mit einer Höhenzündung (Air Burst) des Sprengkopfes enthielt dieser auch den hochexplosiven Sprengstoff, welcher die Kernladung zünden sollte. Für Missionen mit Kontaktzündung (Ground Burst) befand sich eine spezielle Trefferset an Bord, um die genaue Flugbahn vor dem Aufschlag zu bestimmen. Der Start wurde entweder von Mannschaften der 395th SMS der Vandenberg AFB durchgeführt oder durch eine Crew der drei operativen SMWs. Ursprünglich plante das SAC auch den Test einer Rakete mit einem echten Sprengkopf vergleichbar dem Test Frigate Bird mit einer Polaris-A1 durch die US Navy im Jahr 1962. Der zwischen der USA und der UdSSR 1963 geschlossene Vertrag, welcher Kernwaffentests in der Atmosphäre verbietet, verhinderte dies aber. Ebenfalls wurde ein Testflug von der Davis-Monthan AFB 1963 wegen Protesten durch die Regierung des Staates Arizona, der umliegenden Counties sowie Mexikos gestrichen. Die Testflüge nach 1969 wurden bis auf den letzten Flug von der US Army für die Entwicklung der Raketenabwehr der USA finanziert. So wurde die Fähigkeit zur Erfassung anfliegender Sprengköpfe mit Radar überprüft oder die Titan dienten als Ziel für das Nike-Zeus-Raketenabwehrsystem.

Die Lebensdauer des Titan II Programmes war ursprünglich auf 5 Jahre ausgelegt. Letztendlich wurden es 24 Jahre. Am 24. April 1981 gab die Reagan-Regierung bekannt, dass man die Titan II außer Dienst stellen werde. Zu diesem Zeitpunkt standen noch 52 Titan II in Dienst von den insgesamt 1052 landgestützten Interkontinentalraketen der USA zu jenem Zeitpunkt. Die Deaktivierung begann im September 1982 auf der Davis-Monthan AFB und wurde am 5. Mai 1987 auf der Little Rock AFB beendet. Nach der Deaktivierung wurden die Raketenkomplexe entkernt, das Silo gesprengt und die Zugänge versiegelt und abgedeckt.

Titan II Raketenstufen auf der Davis-Monthan AFB im Jahr 2006

 

Es wurden 108 Titan-II-Raketen für das operative Programm zwischen Juni 1963 und Juni 1967 gebaut. Zwischen 1965 und 1976 wurden 49 dieser Raketen von der Vandenberg AFB für Trainings- und Entwicklungszwecke gestartet. Zwei Raketen wurden durch Unfälle zerstört. Nach der Ausmusterung der Titan II wurden 39 Raketen auf der Davis-Monthan AFB eingelagert und 14 Raketen für das Titan II SLV Trägerraketenprogramm ausgewählt. Drei weitere Raketen wurden Museen übergeben.

Technik der Titan-Raketen

Ein Aerojet LR87-AJ3 Triebwerk der Titan I Erststufe

 

Die Titan I und II waren zweistufige Raketen mit flüssigen Treibstoffen. Die Titan I verwendete RP-1 (eine kerosinähnliche Substanz) als Treibstoff und flüssigen Sauerstoff als Oxidator in beiden Stufen. Da der flüssige Sauerstoff auf -183 °C gekühlt werden muss, konnte er nicht dauerhaft in den Raketen gelagert werden. Daher mussten die Raketen vor dem Start betankt werden. Die Struktur der beiden Stufen war im Gegensatz zu den Ballontanks der Atlas-Rakete selbsttragend. Die erste Stufe der Titan I nutzte ein von Aerojet entwickeltes LR87-AJ3-Triebwerk mit zwei Brennkammern. Der Schub dieses Triebwerkes in Meereshöhe lag bei 1.296 kN. Das Aerojet-Triebwerk LR-91-AJ3 mit einer Brennkammer der zweiten Stufe lieferte 356 kN Schub im Vakuum. Das Triebwerk der ersten Stufe wurde vollständig regenerativ gekühlt, während die Düse der Zweitstufentriebwerkes ablativ gekühlt wurde, da die große Düse dieses Triebwerkes eine regenerative Kühlung schwierig gestaltete. Die zweite Stufe war weiterhin mit zwei kleinen Verniertriebwerken für Kurskorrekturen nach dem Abschalten des Haupttriebwerkes ausgestattet. Die Titan I sollte ursprünglich mit einem inertialen Steuerungssystem der Bosch Arma Corporation ausgestattet werden. Dieses System wurde aber im März 1958 zum Atlas Programm transferiert und die Titan I mit dem radio-inertialen System von Bell Telephone Laboratories ausgestattet. Bei einem radio-inertialen Steuerungssystems wird der Aufstieg der Rakete mit Radar verfolgt und mittels Funk Kurskorrekturen an die Rakete gesendet. Bei einem vollständig inertialen System misst die Rakete selbst die Beschleunigung in allen drei Achsen um daraus ihren Kurs zu errechnen und entsprechende Korrekturen vorzunehmen. Anfang 1959 wurde ein neuer Vertrag über die Entwicklung eines inertialen Steuerungssystems mit AC Spark Plug geschlossen. Dieses System stand Ende 1962 zur Verfügung.

Für die Titan II waren verschiedene Treibstoffkombinationen in Diskussion, schließlich wurde sich für Distickstofftetraoxid (NTO) als Oxidator und Aerozin 50 als Treibstoff entschieden. Aerozin 50 ist eine 50:50-Mischung aus unsymmetrischen Dimethylhydrazin (UDMH) und Hydrazin. Für die Struktur der ersten Stufe wurden die Produktionsmethoden von der Titan I weitgehend übernommen, allerdings wurde die Struktur für den geplanten Start im Silo verstärkt. Als Triebwerk in der ersten Stufe kam ein LR-87-AJ5 von Aerojet zum Einsatz, Weiterentwicklungen des Titan-I-Triebwerkes. Das LR-87-AJ5 bestand aus zwei Brennkammern mit jeweils eigenem Turbopumpensatz, welche zusammen in einen Rahmen installiert waren. Das Triebwerke lieferte etwa 50 % mehr Schub als das Triebwerk der Titan I. Für die zweite Stufe der Titan II kam das LR-91-AJ5 zum Einsatz, ebenfalls eine Weiterentwicklung des Titan-I-Zweitstufentriebwerkes. Der Durchmesser der zweiten Stufe wurde auf 3,05 m erhöht, so dass die Titan II nun einen durchgängigen Durchmesser von erster und zweiter Stufe hatte. Die erste Stufe wurde verlängert und konnte nun deutlich mehr Treibstoff aufnehmen, während die zweite Stufe kürzer als die der Titan I war, aber durch den größeren Durchmesser ebenfalls mehr Treibstoff aufnehmen konnte. Die Gesamtmasse der Titan II stieg somit um etwa 50 % gegenüber der Titan I. Die Titan II bekam ein inertiales Steuerungssystem von AC Spark Plug. Da allerdings im Laufe der 1970er Jahre klar wurde, dass es für dieses System bald keine Ersatzteile mehr geben würde, beschloss man die Umrüstung der Titan II auf das Universal Space Guidance System (USGS) von Delco Electronics. Dieses System war schon auf der Trägerrakete Titan-IIIC mehrmals erfolgreich geflogen. Es handelte sich dabei um eine für Trägerraketen modifizierte Variante eines Steuerungssystems, das schon längere Zeit bei der Boeing 707 und Boeing 747 eingesetzt wurde. Am 27. Juni 1976 startete eine Titan II mit dem neuen Steuerungssystem von der Vandenberg AFB, dies war der letzte Flug einer Titan-II-Interkontinentalrakete. Zwischen Januar 1978 und Juni 1979 wurden alle Titan II mit dem neuen System ausgestattet.

Sprengkopf

W53 Sprengkopf ohne Mk6
Atompilz vom Test Oak während der Operation Hardtack I: Test des Prototyps für den W-53-Sprengkopf

 

Jede Titan trug einen einzelnen Sprengkopf. Bei der Titan I war dies ein Mk.4-Wiedereintrittskopf mit einem thermonuklearen W-38-Sprengsatz mit 3,75 MT Sprengkraft. Der Wiedereintrittskopf wurde von AVCO gebaut, und die Kernwaffe ist eine Entwicklung des University of California Radiation Laboratory (UCRL, später Lawrence Livermore National Laboratory). Diese Konfiguration wog etwa 2 t inklusive Täuschkörper und Adapter. Sie kam auch bei den Raketen Atlas-E und -F zum Einsatz.

Die Titan II trug einen Mk.6-Wiedereintrittskopf von General Electric mit einem W-53-Sprengsatz des Los Alamos Special Laboratory (LASL). Die USAF hat die genaue Sprengkraft des W-53 nie bekannt gegeben, sie wurde aber durch veröffentlichte Papiere des US-Kongresses auf 9 MT Sprengkraft geschätzt. Ein Prototyp des Sprengkopfes wurde 1958 bei dem Kernwaffentest Hardtack Oak im Pazifik mit 8,9 MT gezündet. Damit war der Mk.6/W-53 der mit Abstand stärkste Sprengkopf von allen US-amerikanischen Interkontinentalraketen. Die Gesamtmasse inklusive Täuschkörper und Adapter lag bei 4,19 t. Die Titan II hätte mit einer erheblichen Steigerung der Reichweite auch den Mk.4A der Titan I tragen können, diese Option wurde allerdings nicht umgesetzt.

Der Mk.4 der Titan I als auch der Mk.6 der Titan II waren sowohl zur Höhen- als auch Kontaktzündung imstande. Die Titan II mit ihrem extrem starken Sprengkopf war gegen große Flächenziele vorgesehen, bei denen mehrere wichtige Einrichtungen von jeweils einem Sprengkopf zerstört werden könnten. Zum Einsatz gegen gehärtete Ziele wie Raketensilos oder anderen verbunkerten Anlagen war die Titan II durch ihre relativ geringe Treffgenauigkeit im Vergleich zu Bombern, SLBM und Minuteman-ICBM nicht eingeplant. Die Sprengköpfe sowohl der Titan I als auch der Titan II setzten Täuschkörper während ihres Anfluges auf ein Ziel aus, um das Raketenabwehrsystems eines Gegners zu überwinden.

Schon 1960 begann die USAF mit Studien für verbesserte Wiedereintrittsköpfe für die Atlas, Titan I und II sowie Minuteman Raketen. Der vorgeschlagene MK.17-MIRV-Sprengkopf für die Titan II war eine vergrößerte Version des Mk.12 für die spätere Minuteman III und hätte bei einer Sprengkraft von 2 MT eine Masse von etwa 560 kg besessen. Das Konzept sah vor, dass jede Titan II mit sechs Mk.17 ausgestattet würde, jedoch wurde auf eine Umsetzung verzichtet.

Flugprofil

Die Titan I wurde nach einem Startbefehl mit RP-1 und flüssigen Sauerstoff betankt und mittels eines Lifts aus dem Silo gefahren. Diese Prozedur dauerte etwa 15 Minuten. An der Oberfläche zündeten die Triebwerke und die Rakete stieg für einige Sekunden vertikal auf und schwenkte dann in die Richtung ihres Zielpunktes. Nach 134 Sekunden schaltete die erste Stufe ab und wurde abgeworfen. Kleine Feststofftriebwerke sorgten danach kurzzeitig für Schub, da das Triebwerk der zweiten Stufe nicht in Schwerelosigkeit gezündet werden konnte. Die Brenndauer der zweiten Stufe richtete sich nach dem genauen Zielpunkt. Bei einem Flug über die volle Reichweite feuerte das Triebwerk für etwa 100 Sekunden. Nach dem Ausbrennen wurden mittels zwei kleiner Venierttriebwerke letzte Korrekturen am Flugprofil vorgenommen. Der Sprengkopf wurde abgetrennt und befand sich ab diesem Zeitpunkt auf einer freien ballistischen Flugbahn mit einem Gipfelpunkt bei etwa 1000 km Höhe. Der Wiedereintritt des Sprengkopfes erfolgte bei einem Flug über die volle Reichweite nach 32 Minuten und der Aufschlag am Boden etwa 50 Sekunden später.

Die Abfolge der Ereignisse bei einem Titan-II-Flug glich weitgehend dem bei einem Flug der Titan I, auch wenn sich durch den unterschiedlichen Schub, Masse und Treibstoffladung die genaue Dauer der einzelnen Flugabschnitte unterschieden. Die Startsequenz war durch den lagerfähigen Treibstoff jedoch anders. Im Silo stand die bereits vollbetankte Rakete für das Einleiten der Startsequenz bereit. Nach Ausführen der Startsequenz durch die Silocrew bis zum Zünden der Rakete im Silo vergingen 58 Sekunden. Nach weiteren 1,8 Sekunden wurde die Rakete von den Halterungen im Silo gelöst und stieg zunächst für 15 Sekunden vertikal auf, bis der Steuercomputer sie in Richtung Ziel drehen ließ. Das Ausbrennen der ersten Stufe erfolgte nach 148 Sekunden. Im Gegensatz zur Titan I zündete die zweite Stufe der Titan II schon während die erste Stufe noch arbeitete, um die Zündung in der Schwerelosigkeit zu vermeiden. Die zweite Stufe arbeitete je nach Zielpunkt etwa 180 Sekunden, Veniertriebwerke zündeten für letzte Flugkorrekturen und kurz darauf wurde der Sprengkopf abgetrennt. Der Bahngipfelpunkt lag bei einem Flug über die volle Reichweite bei etwa 1250 km. Der Wiedereintritt erfolgte nach etwa 35 Minuten und der Aufschlag des Sprengkopfes etwa 1 Minute später.

Titan I Titan II
Zeitpunkt (s) Flughöhe (km) Flugweite (km) Geschwindigkeit (km/s) Zeitpunkt (s) Flughöhe (km) Flugweite (km) Geschwindigkeit (km/s)
Zündung erste Stufe 0 0 0 0 0 0 0 0
Brennschluss erste Stufe 134 63 70 2,4 148 74 74 2,5
Brennschluss zweite Stufe 240 270 621 6,7 328 340 691 6,6
Abschalten der Veniertriebwerke 340 358 927 6,7 343 373 781 6,6
Gipfelhöhe 1.061 973 kA kA 1.165 1.247 4.861 5,5
Wiedereintritt 1.920 90 9.720 7 2.114 88 9.685 7
Einschlag 1.970 0 9.900 0,3 2.191 0 9.903 0,2

 

Unfälle mit Titan-Interkontinentalraketen

  • 24. Mai 1962 – Beale AFB, Kalifornien
Eine Titan-I-Rakete wurde bei einer Explosion im Silo zerstört.
  • 26. September 1962 – Larson AFB, Washington
Bei Wartungsarbeiten zündete eine Retrorakete am Stufenadapter zwischen 1. und 2. Stufe. Die Rakete und das Silo wurden schwer beschädigt.
  • 9. August 1965 – Komplex 373-4, Little Rock AFB, Arkansas
Im Rahmen des Projektes YARD FENCE wurden 1965 und 1966 massive Verbesserungen an den Titan II Silos vorgenommen. Zivile Firmen führten die Arbeiten in den Silos aus. Die Rakete verblieb betankt im Silo, allerdings ohne Sprengkopf. Am 9. August befanden sich mehr als 50 zivile Arbeiter des beauftragten Unternehmens am Komplex 373-4, um die Arbeiten durchzuführen. Bei Schweißarbeiten im Silo an einer schwer zugänglichen Stelle beschädigte ein Arbeiter eine Hydraulikleitung. Dies führte zu einem schweren Feuer im Silo, welches das Leben von 53 Arbeitern forderte. Nur zwei Arbeiter schafften es, das Silo lebend zu verlassen. Dies war der schwerste Unfall im Rahmen des Titan II Programmes. Die nachfolgende Untersuchungen deckte schwere organisatorische und sicherheitstechnische Mängel bei der Durchführung des Projekt YARD FENCE durch SAC und die zivilen Auftragsnehmer auf. Die Rakete im Silo blieb allerdings unbeschädigt. Am 29. September 1966 wurde das Silo wieder in Alarmzustand versetzt.
  • 24. Januar 1968 – Komplex 373-5, Little Rock AFB, Arkansas
Ein Soldat stürzte bei Wartungsarbeiten in einem Titan II Silo in den Schacht und verstarb daraufhin.
  • 8. Oktober 1976 – Komplex 374-7, Little Rock AFB, Arkansas
Bei Reinigungsarbeiten wurde Freon eingesetzt, um Hydraulikflüssigkeitsrückstände an einer Titan II Rakete im Silo zu entfernen. Leere Freon-Behälter wurden von den Arbeitern in den Flammendeflektor am Boden des Silos fallen gelassen. Daraufhin bildete sich eine sauerstofffreie Schicht im Flammendeflektor aus, da das restliche Freon aus den Behältern den Sauerstoff verdrängte. Als später zwei Soldaten die Behälter einsammeln wollten, begaben sie sich in die sauerstofffreie Freonatmosphäre und verstarben kurze Zeit später.
  • 24. August 1978 – Komplex 533-7, McConnell AFB, Kansas
Nach einer intensiven Überprüfung der Titan II des Silos 533-7 im Rahmen des Reliability and Aging Surveillance Program (RASP – Zuverlässigkeits- und Alterungsüberwachungs Programm) wurde diese wieder mit Treibstoff und dem Oxidator Distickstofftetraoxid (NTO) betankt. Nach dem Befüllen der ersten Stufe mit NTO schloss beim Entfernen des Betankungsschlauches das Ventil am Tank nicht und der Treibstoff floss aus dem vollen Tank ins Silo. Eine Wolke des Oxidators trat aus dem Silo aus und bewegte sich in Richtung der Kleinstadt Rock, welche daraufhin evakuiert wurde. Es wurde beschlossen, Wasser in das Silo einzuleiten und so den Oxidator zu binden. Etwa 400.000 Liter verdünnte Salpetersäure befanden sich nachfolgend im Silo, welche aufwendig entsorgt werden musste. Die beiden Soldaten, welche die Rakete betankten, verstarben trotz des Tragens von Schutzanzügen. SAC beschloss das Silo wieder herzurichten und vergab entsprechende Verträge. Das Silo sollte ab dem 8. Januar 1982 wieder zur Verfügung stehen, allerdings wurde währenddessen die Ausmusterung der Titan II beschlossen und die Instandsetzungsarbeiten am Silo eingestellt.
  • 18. September 1980 – Komplex 374-7, Little Rock AFB, Arkansas
Bei Wartungsarbeiten an der Titan II Rakete im Silo 374-7 ließ ein Soldat die Nuss eines Schraubenschlüssels fallen. Diese stürzte ins Silo und schlug den mit Aerozin-50 gefüllten Treibstofftank der ersten Raketenstufe leck. Nachfolgend wurde das Silo und später das Startkontrollzentrum des Komplexes evakuiert. In den frühen Morgenstunden des 19. September sollten zwei Zweimannteams den Komplex betreten und eine Bestandsaufnahme vornehmen. Um 3 Uhr morgens entzündete sich der Treibstoff und die Rakete explodierte im Silo. Durch die Explosion wurden 22 Personen verletzt, einer der Soldaten erlag später seinen Verletzungen im Krankenhaus. Die 740 t schwere Siloabdeckung landete etwa 200 m vom Silo entfernt. Der Mk.6 Wiedereintrittskörper wurde zerstört, der darin befindliche W53 Sprengkopf wurde jedoch weitgehend intakt in etwa 100m Entfernung vom Silo gefunden. Das Silo 374-7 wurde komplett zerstört, das Startkontrollzentrum blieb jedoch vollkommen intakt. SAC beschloss wegen der hohen Kosten, das Silo nicht wieder herzurichten. Der Unfall offenbarte viele Mängel im Management des Titan II Programmes durch SAC und trug zum Beschluss zur Ausmusterung der Raketen bei.

Titan II Space Launch Vehicle (SLV)

Titan 23 G kurz vor ihrem Erstflug am 5. September 1988

 

Schon 1972 schlug Martin-Marietta vor, ausgemusterte Titan II Interkontinentalraketen als Trägerrakete zu verwenden. Die Firma wollte Startkomplex 395-C auf der Vandenberg AFB umrüsten und veranschlagte dafür 2 Millionen USD. Die US Air Force lehnte dies zum damaligen Zeitpunkt aber ab. In den 1980er Jahren wurde die Verwendung als Trägerrakete nach der Außerdienststellung der Titan II wieder in Betracht gezogen. Im Rahmen der neuen Pläne sollte allerdings kein In-Silo Start durchgeführt werden, sondern die Rakete von normalen Rampen starten. Zum damaligen Zeitpunkt standen noch 55 Raketen zur Verfügung, 52 in den aktiven Silos und 3 als Ersatz auf jeder Betreiberbasis der Titan II. Im Januar 1986 schloss die US Air Force mit Martin-Marietta einen Vertrag zur Umrüstung der Titan II zu Trägerraketen ab und erhöhte im Verlaufe des Jahres 1987 ihren Auftrag auf insgesamt 14 Raketen. Die Raketen wurden als Titan 23G bezeichnet. Es sollten so viele Teile wie möglich von den Originalraketen Verwendung finden und nur wenn nötig auf Komponenten aus der Titan III Familie zurückgegriffen werden. Die Tanks der ausgewählten Raketen wurden im Werk von Martin-Marietta demontiert, geprüft, ausgebessert und wieder zusammengefügt. Veränderungen mussten am oberen Ende der 2. Stufe durchgeführt werden, wo anstatt des Sprengkopfes nun ein Nutzlastadapter angebracht werden sollte. Durch die ständige Überprüfung während der Einsatzzeit der Titan II waren die Triebwerke aller Raketen in sehr guten Zustand und konnten problemlos Verwendung finden. Erst im Jahr 1978 hatte die gesamte Titan II Flotte ein neues inertiales Steuerungssystem bekommen, welches weitgehend mit dem der Titan III Raketen identisch war. Diese Systeme wurden beim Hersteller Delco Electronics getestet und mit leichten Anpassungen für die Titan II Trägerraketen verwendet. Von der Titan III Familie wurde Nutzlastverkleidung, Nutzlastadapter, das Flugkontrollsystem und Verkabelung übernommen. Für den Start der Rakete wurde auf der Vandenberg AFB der Komplex SLC-4W modifiziert. Der erste Start erfolgte am 5. September 1988, der letzte am 18. Oktober 2003. Dreizehn der vierzehn modifizierten Raketen kamen zum Einsatz, alle Starts verliefen in Bezug auf die Titan II erfolgreich.

Technische Daten

Titan I Titan II
USAF Bezeichnung SM-68A / HGM-25A SM-68B / LGM-25C
Entwicklungsbeginn 1956 1960
erster Testflug 6. Februar 1959 16. März 1962
letzter Flug 5. März 1965 27. Juni 1976
erste Rakete aktiviert 18. April 1962 15. April 1963
letzte Rakete deaktiviert April 1965 5. Mai 1987
Produktion 1958–1962 1962–1967
gebaute Entwicklungsmodelle 62 33
gebaute operative Modelle 101 108
Entwicklungsflüge 47 32
Trainings- und Demonstrationsflüge 20 49
stationierte Raketen (ohne Vandenberg AFB) 54 54
Stationierungsart Startkomplexe mit je 3 Silos Startkomplexe mit je einem Silo
Startart Silo-Lift (Zündung an Oberfläche) In-Silo-Zündung
Gesamtlänge mit Sprengkopf 29,7 m 31,3 m
Länge 1. Stufe inklusive Triebwerke und Zweitstufenadapter 17,25 m 21,39 m
Länge 2. Stufe 7,74 m 5,87 m
Länge Sprengkopfadapter 1,41 m 1,15 m
Länge Sprengkopf 3,3 m 3,1 m
Durchmesser 1. Stufe 3,05 m
Durchmesser 2. Stufe 2,26 m 3,05 m
Leermasse erste Stufe mit Stufenadapter 2.034 kg 2.313 kg
Vollmasse erste Stufe mit Stufenadapter 80.490 kg 115.664 kg
Leermasse zweite Stufe 1.725 kg 2.313 kg
Vollmasse zweite Stufe 20.590 kg 28.914 kg
Vollmasse mit Sprengkopf 102.902 kg 148.379 kg
Triebwerk erste Stufe 1 x Aerojet LR87-AJ3 (-AJ1) 1 x Aerojet LR87-AJ5
Triebwerk zweite Stufe 1 x Aerojet LR91AJ3 (-AJ1) 1 x Aerojet LR91-AJ5
Schub erste Stufe (Meereshöhe) 1.295,900 kN 1.893,400 kN
Schub zweite Stufe 355,863 kN 444,819 kN
Treibstoff 1. Stufe Kerosin RP-1 Aerozin 50
Oxidator 1. Stufe flüssiger Sauerstoff Distickstofftetraoxid (NTO)
Treibstoff 2. Stufe Kerosin RP-1 Aerozin 50
Oxidator 2. Stufe flüssiger Sauerstoff Distickstofftetraoxid (NTO)
Wiedereintrittskopf AVCO Mk.4 General Electric Mk.6
Sprengsatz UCRL W-38 LASL W-53
Sprengkraft 3,75 MT 9 MT
Sprengkopfmasse 1,814 kg 3,800 kg
Reichweite ˜ 10.000 km
CEP < 1,8 km 0,7 bis 1,4 km

 

Startanlagen

Titan I

Air Force Base Startkomplex Starts Air Force Einheit strategische Bereitschaft
Cape Canaveral AFS, Florida LC15 10 6555 TW keine
Cape Canaveral AFS, Florida LC16 6 6555 TW keine
Cape Canaveral AFS, Florida LC15 10 6555 TW keine
Cape Canaveral AFS, Florida LC20 16 6555 TW keine
Vandenberg AFB, Kalifornien OSTF 0(1) 395 MTS keine
Vandenberg AFB, Kalifornien SLTF 1 395 MTS keine
Vandenberg AFB, Kalifornien 395-A1 11 395 MTS 1963
Vandenberg AFB, Kalifornien 395-A2 4 395 MTS 1963
Vandenberg AFB, Kalifornien 395-A3 4 395 MTS 1963
Lowry AFB, Colorado 3x3 Silos 0 724 SMS April 1962 – März 1965
Lowry AFB, Colorado 3x3 Silos 0 725 SMS Mai 1962 – April 1965
Mountain Home AFB, Idaho 3x3 Silos 0 569 SMS August 1962 – April 1965
Beale AFB, Kalifornien 3x3 Silos 0 851 SMS September 1962 – Januar 1965
Larson AFB, Washington 3x3 Silos 0 568 SMS September 1962 – Februar 1965
Ellsworth AFB, South Dakota 3x3 Silos 0 850 SMS September 1962 – Februar 1965

 

Titan II

Air Force Base Startkomplex Starts Air Force Einheit strategische Bereitschaft
Cape Canaveral AFS, Florida LC15 10 6555 TW keine
Cape Canaveral AFS, Florida LC16 6 6555 TW keine
Vandenberg AFB, Kalifornien 395-B 16 395 SMS April 1968 – Dezember 1969
Vandenberg AFB, Kalifornien 395-C 29 395 SMS Juni 1967 – März 1968
Vandenberg AFB, Kalifornien 395-D 10 395 SMS Januar 1967 – Dezember 1969
Little Rock AFB, Arkansas 18 Einzelsilos
(373-1 bis -9; 374-1 bis -9)

0 308 SMW Juni 1963 – Juli 1987
McConnell AFB, Kansas 18 Einzelsilos
(532-1 bis -9; 533-1 bis -9)

0 381 SMW Juli 1963 – März 1985
Davis Monthan AFB, Arizona 18 Einzelsilos
 (570-1 bis -9; 571-1 bis -9)

0 390 SMW März 1963 – Mai 1984

Startlisten

Titan I

  • F&E – Forschung und Entwicklungs Mission
  • DASO – Demonstration and Shakedown Operations
  • NTMP – Testprogramm für Nike-Zeus Abfangrakete, Titan als Zielkörper
Datum Startplatz Rakete Mission Anmerkungen
6. Februar 1959 Cape Canaveral AFS LC15 A-3 F&E Erfolgreich; nur erste Stufe aktiv
25. Februar 1959 Cape Canaveral AFS LC15 A-5 F&E Erfolgreich; nur erste Stufe aktiv
4. April 1959 Cape Canaveral AFS LC15 A-4 F&E Erfolg; nur erste Stufe aktiv
4. Mai 1959 Cape Canaveral AFS LC15 A-6 F&E Erfolg; nur erste Stufe aktiv
14. August 1959 Cape Canaveral AFS LC19 B-5 F&E Fehlschlag, erster Test mit echter Zweitstufe
11. Dezember 1959 Cape Canaveral AFS LC16 C-3 F&E Fehlschlag; Fehlfunktion des Selbstzerstörungssystems
2. Februar 1960 Cape Canaveral AFS LC19 B-7A F&E Erfolg; Flug mittlerer Reichweite
5. Februar 1960 Cape Canaveral AFS LC16 C-4 F&E Teilerfolg
24. Februar 1960 Cape Canaveral AFS LC15 G-4 F&E Erfolg; erster Flug mit Abtrennung des Mk.4 Sprengkopfes
8. März 1960 Cape Canaveral AFS LC16 C-1 F&E Erfolg
22. März 1960 Cape Canaveral AFS LC15 G-5 F&E Erfolg
8. April 1960 Cape Canaveral AFS LC16 C-5 F&E Erfolg
21. April 1960 Cape Canaveral AFS LC15 G-6 F&E Erfolg
28. April 1960 Cape Canaveral AFS LC16 C-6 F&E Erfolg
13. Mai 1960 Cape Canaveral AFS LC15 G-7 F&E Erfolg
27. Mai 1960 Cape Canaveral AFS LC16 G-9 F&E Erfolg
24. Juni 1960 Cape Canaveral AFS LC15 G-10 F&E Erfolg
1. Juli 1960 Cape Canaveral AFS LC20 J-2 F&E Fehlschlag
28. Juli 1960 Cape Canaveral AFS LC20 J-4 F&E Teilerfolg
10. August 1960 Cape Canaveral AFS LC19 J-7 F&E Erfolg, erster Flug über 9.000 km
30. August 1960 Cape Canaveral AFS LC20 J-5 F&E Erfolg
28. September 1960 Cape Canaveral AFS LC19 J-8 F&E Erfolg
28. September 1960 Cape Canaveral AFS LC15 G-8 F&E Erfolg, Flug über 10.800 km
7. Oktober 1960 Cape Canaveral AFS LC20 J-3 F&E Erfolg
24. Oktober 1960 Cape Canaveral AFS LC19 J-6 F&E Erfolg, Flug über 11.000 km
3. Dezember 1960 Vandenberg AFB OSTF V-2 F&E Nicht-Test, OSTF und Rakete bei Bodenübung zerstört
20. Dezember 1960 Cape Canaveral AFS LC20 J-9 F&E Teilerfolg
20. Januar 1961 Cape Canaveral AFS LC19 J-10 F&E Teilerfolg
9. Februar 1961 Cape Canaveral AFS LC20 J-11 F&E Erfolg
9. Februar 1961 Cape Canaveral AFS LC19 J-13 F&E Erfolg
2. März 1961 Cape Canaveral AFS LC20 J-12 F&E Teilerfolg
28. März 1961 Cape Canaveral AFS LC19 J-14 F&E Erfolg
31. März 1961 Cape Canaveral AFS LC20 J-11 F&E Teilerfolg
3. Mai 1961 Vandenberg AFB SLTF VS-1 F&E, SILVER SADDLE Erfolg; erster Start eine Rakete aus einem Silo, nur erste Stufe aktiv
23. Mai 1961 Cape Canaveral AFS LC20 J-16 F&E Erfolg
23. Juni 1961 Cape Canaveral AFS LC19 M-1 F&E Teilerfolg
21. Juli 1961 Cape Canaveral AFS LC20 J-18 F&E Erfolg
25. Juli 1961 Cape Canaveral AFS LC19 M-2 F&E Erfolg
4. August 1961 Cape Canaveral AFS LC19 J-19 F&E Erfolg
5. September 1961 Cape Canaveral AFS LC20 J-17 F&E Erfolg
7. August 1961 Cape Canaveral AFS LC19 M-3 F&E Erfolg
23. September 1961 Vandenberg AFB 395-A1 SM-2 DASO Big Sam Erfolg
29. September 1961 Cape Canaveral AFS LC20 J-20 F&E Erfolg
6. Oktober 1961 Cape Canaveral AFS LC19 M-4 F&E Erfolg
24. Oktober 1961 Cape Canaveral AFS LC20 J-21 F&E Erfolg
22. November 1961 Cape Canaveral AFS LC20 J-22 F&E Erfolg
29. November 1961 Cape Canaveral AFS LC20 M-5 F&E Erfolg
13. Dezember 1961 Cape Canaveral AFS LC20 J-23 F&E Erfolg
15. Dezember 1961 Cape Canaveral AFS LC19 M-6 F&E Erfolg
21. Januar 1962 Vandenberg AFB 395-A3 SM-4 Double Martini Erfolg
29. Januar 1961 Cape Canaveral AFS LC19 M-7 F&E Erfolg
23. Februar 1962 Vandenberg AFB 395-A1 SM-18 F&E Blue Gander Teilerfolg
4. Mai 1962 Vandenberg AFB 395-A1 SM-34 F&E Silver Top Erfolg
6. Oktober 1962 Vandenberg AFB 395-A1 SM-35 F&E Tight Bracelet Erfolg
5. Dezember 1962 Vandenberg AFB 395-A1 SM-11 F&E Yellow Jacket Erfolg
29. Januar 1963 Vandenberg AFB 395-A1 SM-8 F&E Ten Men Erfolg
30. März 1963 Vandenberg AFB 395-A2 SM-3 DASO Young Blood; NTMP K-17 Erfolg; Ziel für Raketenabwehr
4. April 1963 Vandenberg AFB 395-A1 V-1 F&E Half Moon Erfolg
13. April 1963 Vandenberg AFB 395-A3 SM-1 DASO Ramp Rooster; NTMP K-21 Erfolg; Ziel für Raketenabwehr
1. Mai 1963 Vandenberg AFB 395-A1 V-4 F&E Mares Tail Fehlschlag
16. Juli 1963 Vandenberg AFB 395-A2 SM-24 DASO Silver Spur Teilerfolg
15. August 1963 Vandenberg AFB 395-A1 SM-7 DASO High River; NTMP K-26 Erfolg; Ziel für Raketenabwehr
30. August 1963 Vandenberg AFB 395-A3 SM-56 DASO Polar Route Teilerfolg
17. September 1963 Vandenberg AFB 395-A2 SM-83 DASO Daily Mail Erfolg
14. November 1963 Vandenberg AFB 395-A1 SM-68 DASO Fast Ride; NTMP K-24 Erfolg; Ziel für Raketenabwehr
8. Dezember 1964 Vandenberg AFB 395-A1 SM-85 ST West Wind I Teilerfolg
14. Januar 1965 Vandenberg AFB 395-A3 SM-33 ST West Wind III Teilerfolg
5. März 1965 Vandenberg AFB 395-A2 SM-80 ST West Wind II Teilerfolg

Titan II

  • F&E – Forschung und Entwicklung
  • DASO – Demonstration and Shakedown Operations Mission
  • OT – Operational Test – operatives Testprogramm
  • FOT – Follow-on Oparational Test; fortgeführtes operatives Testprogramm
  • SSTTP – Army Safeguard System Test Target Program; Armee-Sicherheitssystem-Testziel-Programm (Raketenabwehrprogramm der US Army)
  • BMDTTP – Ballistic Missile Development Test Target Program; ballistisches Raketenentwicklungs-Testziel Programm (weiteres Raketenabwehr Entwicklungs Programm der US Army)
  • SOFT – Signature of Fragmented Tanks; Signal von zerstörten Tanks (Test von Radarsystem zur Unterscheidung zwischen Tankfragmenten und Sprengkopf)
  • ITF – Integrated Test Flight; integrierter Testflug (Testflug mit neuem Navigationssystem)
Datum Startplatz Rakete Mission Anmerkungen
16. Februar 1962 Cape Canaveral AFS LC16 N-2 F&E Erfolg
7. Juni 1962 Cape Canaveral AFS LC15 N-1 F&E Teilerfolg
11. Juli 1962 Cape Canaveral AFS LC15 N-6 F&E Erfolg
25. Juli 1962 Cape Canaveral AFS LC16 N-4 F&E Teilerfolg
12. September 1962 Cape Canaveral AFS LC15 N-5 F&E Erfolg
12. Oktober 1962 Cape Canaveral AFS LC16 N-9 F&E Teilerfolg
26. Oktober 1962 Cape Canaveral AFS LC15 N-12 F&E Erfolg
26. Oktober 1962 Cape Canaveral AFS LC16 N-11 F&E Fehlschlag
19. Dezember 1962 Cape Canaveral AFS LC15 N-13 F&E Erfolg
10. Januar 1963 Cape Canaveral AFS LC16 N-15 F&E Teilerfolg
6. Februar 1963 Cape Canaveral AFS LC15 N-16 F&E Erfolg
16. Februar 1963 Vandenberg AFB 395-C N-7 F&E Teilerfolg, erster Start aus Silo
21. März 1963 Cape Canaveral AFS LC15 N-18 F&E Erfolg
19. April 1963 Cape Canaveral AFS LC15 N-21 F&E Teilerfolg
27. April 1963 Vandenberg AFB 395-C N-8 F&E Erfolg
9. Mai 1963 Cape Canaveral AFS LC16 N-14 F&E Teilerfolg
13. Mai 1963 Vandenberg AFB 395-D N-19 F&E Erfolg
24. Mai 1963 Cape Canaveral AFS LC15 N-17 F&E Erfolg
29. Mai 1963 Cape Canaveral AFS LC16 N-20 F&E Fehlschlag
20. Juni 1963 Vandenberg AFB 395-C N-22 F&E Teilerfolg
21. August 1963 Cape Canaveral AFS LC15 N-24 F&E Erfolg
23. September 1963 Vandenberg AFB 395-D N-23 F&E Erfolg
1. November 1963 Cape Canaveral AFS LC15 N-23 F&E Erfolg
9. November 1963 Vandenberg AFB 395-C N-27 F&E Erfolg
12. Dezember 1963 Cape Canaveral AFS LC15 N-29 F&E Erfolg
16. Dezember 1963 Vandenberg AFB 395-D N-28 F&E Erfolg
15. Januar 1964 Cape Canaveral AFS LC15 N-31 F&E Erfolg
23. Januar 1964 Vandenberg AFB 395-C N-26 F&E Erfolg
17. Februar 1964 Vandenberg AFB 395-B B-15 F&E Erfolg
26. Februar 1964 Cape Canaveral AFS LC15 N-32 F&E Erfolg
13. März 1964 Vandenberg AFB 395-C N-30 F&E Erfolg
23. März 1964 Cape Canaveral AFS LC15 N-33 F&E Erfolg
9. April 1964 Cape Canaveral AFS LC15 N-3A F&E Erfolg
30. Juli 1964 Vandenberg AFB 395-D B-28 DASO Cobra Skin Erfolg
11. August 1964 Vandenberg AFB 395-C B-9 DASO Double Talley Erfolg
13. August 1964 Vandenberg AFB 395-B B-7 DASO Gentle Annie Erfolg
2. Oktober 1964 Vandenberg AFB 395-C B-32 DASO High Rider Erfolg
4. November 1964 Vandenberg AFB 395-D B-28 DASO Cobra Skin Erfolg
24. März 1965 Vandenberg AFB 395-B B-60 OT-1 Arctic Sun Erfolg
16. April 1965 Vandenberg AFB 395-C B-45 OT-2 Bear Hug Erfolg
130. April 1965 Vandenberg AFB 395-D B-54 OT-3 Card Deck Fehlschlag
21. Mai 1965 Vandenberg AFB 395-B B-51 OT-4 Front Sight Erfolg
14. Juni 1965 Vandenberg AFB 395-C B-22 OT-5 Gold Fish Fehlschlag
30. Juni 1965 Vandenberg AFB 395-D B-30(25) OT-6 Busy Bee Erfolg
21. Juli 1965 Vandenberg AFB 395-B B-62 OT-7 Long Ball Erfolg
16. August 1965 Vandenberg AFB 395-C B-45 OT-8 Magic Lamp Erfolg
25. August 1965 Vandenberg AFB 395-D B-19 OT-9 New Role Erfolg
21. September 1965 Vandenberg AFB 395-B B-58 OT-10 Bold Guy Fehlschlag
20. Oktober 1965 Vandenberg AFB 395-C B-33(25) OT-11 Power Box Erfolg
27. November 1965 Vandenberg AFB 395-D B-20(14) OT-12 Red Wagon Erfolg
30. November 1965 Vandenberg AFB 395-B B-4 OT-13 Cross Fire Fehlschlag
22. Dezember 1965 Vandenberg AFB 395-C B-73 OT-14 Sea Rover Fehlschlag
3. Februar 1966 Vandenberg AFB 395-D B-87 OT-15 Winter Ice Erfolg
17. Februar 1966 Vandenberg AFB 395-B B-61 OT-16 Black Hawk Erfolg
25. März 1966 Vandenberg AFB 395-C B-16(11) OT-17 Close Touch Erfolg
5. April 1966 Vandenberg AFB 395-D B-50 OT-18 Gold Ring Erfolg
20. April 1966 Vandenberg AFB 395-B B-55 OT-19 Long Light Erfolg
24. Mai 1966 Vandenberg AFB 395-C B-91 FOT-1 Silver Bullet Fehlschlag
22. Juli 1966 Vandenberg AFB 395-B B-95 ST Giant Train Erfolg
16. September 1966 Vandenberg AFB 395-C B-40 FOT-2 Black River Erfolg
24. November 1966 Vandenberg AFB 395-B B-68 FOT-3 Bubble Girl Erfolg
17. März 1967 Vandenberg AFB 395-C B-76 FOT-4 Gift Horse Erfolg
12. April 1967 Vandenberg AFB 395-B B-81 FOT-5 Glamor Girl Fehlschlag
23. Juni 1967 Vandenberg AFB 395-B B-70 FOT-6 Buggy Wheel Erfolg
11. September 1967 Vandenberg AFB 395-B B-21 FOT-7 Glowing Bright 44 Erfolg
30. November 1967 Vandenberg AFB 395-B B-69 FOT-8 Glowing Bright 49 Abbruch, Nicht-Test
28. Februar 1968 Vandenberg AFB 395-B B-88 FOT-9 Glory Trip 04T Erfolg
2. April 1968 Vandenberg AFB 395-C B-36 FOT-10 Glory Trip 010T Erfolg
12. Juni 1968 Vandenberg AFB 395-C B-82 FOT-11 Glory Trip 08T Erfolg
21. August 1968 Vandenberg AFB 395-C B-53 FOT-12 Glory Trip 018T Erfolg
19. November 1968 Vandenberg AFB 395-C B-3 FOT-13 Glory Trip 026T Erfolg
20. Mai 1969 Vandenberg AFB 395-B B-83 FOT-14 Glory Trip 039T Erfolg
26. Mai 1971 Vandenberg AFB 395-C B-69 SSTTP MI-17 Abbruch
20. Juni 1971 Vandenberg AFB 395-C B-12 SSTTP MI-17 Erfolg
27. August 1971 Vandenberg AFB 395-C B-100 SSTTP M2-1 Erfolg
24. Mai 1972 Vandenberg AFB 395-C B-46 SSTTP M2-10 Erfolg
11. Oktober 1972 Vandenberg AFB 395-C B-78 SSTTP M2-14 Erfolg
5. Oktober 1973 Vandenberg AFB 395-C B-69 SSTTP M2-27 Erfolg
1. März 1974 Vandenberg AFB 395-C B-85 SSTTP M2-31 Erfolg
20. Juni 1974 Vandenberg AFB 395-C B-41 SSTTP M2-36 Abbruch
9. Januar 1975 Vandenberg AFB 395-C B-27(30) SOFT-1 ST Erfolg
7. August 1975 Vandenberg AFB 395-C B-52 BMDTTP DG-2 Erfolg
4. Dezember 1975 Vandenberg AFB 395-C B-41(18) BMDTTP DG-4 Erfolg
27. Juni 1976 Vandenberg AFB 395-C B-17 ITF-1 Rivet Hawk Erfolg

 

Titan 23G SLV

Datum Startplatz Rakete Nutzlast Orbit Anmerkungen
3. September 1988 Vandenberg AFB SLC-4W B-56(98) USA31 polarer Orbit Erfolg
5. September 1989 Vandenberg AFB SLC-4W B-99(75) USA45 polarer Orbit Fehlschlag, Satellit versagte
25. April 1992 Vandenberg AFB SLC-4W B-102 USA81 polarer Orbit Erfolg
5. Oktober 1993 Vandenberg AFB SLC-4W B-65 LandSat-6 polarer Orbit Fehlschlag, Titan funktionierte, Oberstufe versagte
25. Januar 1994 Vandenberg AFB SLC-4W B-67(89) Clementine; ISA Mondbahn Erfolg
4. April 1997 Vandenberg AFB SLC-4W B-106 DMSP F-14 polarer Orbit Erfolg
13. Mai 1998 Vandenberg AFB SLC-4W B-80,72(84) NOAA-15 polarer Orbit Erfolg
19. Juni 1999 Vandenberg AFB SLC-4W B-75(99) QuickScat polarer Orbit Erfolg
12. Dezember 1999 Vandenberg AFB SLC-4W B-44(94) DMSP F-15 polarer Orbit Erfolg
21. September 2000 Vandenberg AFB SLC-4W B-39(96) NOAA-16 polarer Orbit Erfolg
24. Juni 2002 Vandenberg AFB SLC-4W B-72,92(71) NOAA-17 polarer Orbit Erfolg
6. Januar 2003 Vandenberg AFB SLC-4W B-105 Coriolis polarer Orbit Erfolg
18. Oktober 2003 Vandenberg AFB SLC-4W B-107 DMSP-16 polarer Orbit Erfolg

ICBM der 1. Generation im Vergleich

Staat UdSSR USA
Rakete R-7 / R-7A[2][3][4] R-16 / R-16U[2][3][4] R-9A[2][3][4] SM-65 Atlas (-D/-E/-F)[5][4] SM-68 Titan I[5][4]
Entwickler OKB-1 (Koroljow) OKB-586 (Jangel) OKB-1 (Koroljow) Convair Glenn L. Martin Company
Entwicklungsbeginn 1954 / 1958 1956 / 1960 1959 1954 1956
erste Einsatzbereitschaft 1959 / 1960 1961 / 1963 1964 / 1964 1959 / 1961 / 1962 1962
Ausmusterung bis 1968 1976 / 1976 1976 1964 / 1965 / 1965 1965
Reichweite (km) 8.000 / 9.500–12.000 11.000–13.000 12.500 na 10.000
Steuerung radio-inertial inertial radio-intertial radio-inertial / inertial radio-inertial / inertial
CEP (km) 10 4,3 8–10 na < 1.8
Startmasse (t) 280 / 276 141 / 147 80 118 / 122 / 122 103
Stufen 1.5 2 2 1.5 2
Treibstoffkombination Kerosin / LOX UDMH / Salpetersäure Kerosin / LOX Kerosin / LOX Kerosin / LOX
Stationierungsart Startrampe Startrampe / Silo Startrampe / Silo Startrampe / Bunker / Silo Silo
maximaler Überdruck (psi; Schutz der Startanlage bei naher Explosion) kA kA / 28 kA / 28 kA / 25 / 100 100
Reaktionszeit etwa 24h 10er Minuten–mehrere Stunden 20 min / 8–10 min 15–20 min 15–20 min
Garantiezeit (Jahre bei höchster Alarmbereitschaft) kA 30 Tage (betankt) 1 kA 5
Explosionsstärke des Sprengkopfes (MT) 3–5 3–6 5 1,44 / 3,75 / 3,75 3,75
max. stationierte Anzahl 6 186 23 30 / 27 / 72 54

AIM-26 Falcon

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AIM-26

AIM-26A 1.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Luft-Luft-Lenkwaffe
Hersteller: Hughes Aerospace Group
Entwicklung: 1959
Technische Daten
Länge: 2,14 m
Durchmesser: 279 mm
Gefechtsgewicht: 92 kg
Spannweite: 620 mm
Antrieb: Thiokol M60 Feststofftriebwerk
Geschwindigkeit: Über Mach 2,0
Reichweite: 8–16 km
Ausstattung
Zielortung: halbaktive Radarzielsuche oder passiv Infrarot
Gefechtskopf: 18,1-kg-Splittergefechtskopf oder W54-Nuklearsprengkopf mit 0,25 kT
Waffenplattformen: Jagdflugzeuge
 

 

Hughes AIM-26 Falcon ist eine infrarot- oder radargelenkte Luft-Luft-Lenkwaffe der Firma Hughes Aerospace Group. Die Lenkwaffe konnte mit einem Nuklearsprengkopf bestückt werden. Die ursprünglich von der USAF für die Falcon vorgesehene Bezeichnung war XF-98, womit die Rakete formal in die Reihe der US-Jagdflugzeuge eingegliedert wurde.[1]

 

Geschichte

Die Planung einer Version der AIM-4 Falcon mit Nuklearsprengkopf begann bereits 1956, als Hughes Aircraft unter Vertrag genommen wurde, zwei derartige Lenkwaffen zu entwickeln. Die Entwicklung der eigentlichen AIM-26, zu Beginn noch als GAR-11 bezeichnet, begann 1959. Das Einsatzprofil sah das Abfangen hoch- und schnellfliegender Bomber vor. 1961 wurde die erste Version in Dienst gestellt und an der Convair F-102 Delta Dagger eingesetzt.

Für den Einsatz über alliiertem Territorium wurde außerdem die GAR-11A gebaut, die einen konventionellen Splittergefechtskopf besaß.

Seit 1963 wurde die Rakete im Zuge der Designationsreform als AIM-26 geführt, die Nuklearversion wurde die AIM-26A, die konventionelle die AIM-26B.

Bereits 1972 wurde die Waffe in der USAF schließlich außer Dienst gestellt und durch die effektivere AIM-7 Sparrow ersetzt. Allerdings wurde die AIM-26 unter Lizenz in Schweden weitergebaut, wo sie als Rb-27 und Rb-28 bekannt war und bis in die 1990er-Jahre die Saab Draken bewaffnete. Eine weitere Lizenzproduktion erfolgte in der Schweiz unter der lokalen Bezeichnung HM-55 und HM-88; dort wurde sie an der Mirage IIIS eingesetzt.

Technik

Der nukleare Sprengkopf W54, wie er auch in der Davy Crockett eingesetzt wurde, hatte eine Sprengkraft von bis zu 250 Tonnen TNT-Äquivalent. Alternativ wurde ein 18,1 kg schwerer Hochexplosiv-Sprengkopf verwendet. Die Zielführung erfolgte halbaktiv, der Jäger musste das Ziel also mit seinem Radar beleuchten. Dies setzte voraus, dass das Bordradar ununterbrochen Radarsignale in Richtung des Zieles aussendete. Der Suchkopf der AIM-26 nutzte die reflektierte Radarenergie, um das Ziel zu finden. Die Zündung erfolgte mittels Annäherungszünder. Das Raketentriebwerk beschleunigte die AIM-26 auf über Mach 2, die Reichweite lag bei bis zu 16 Kilometern.

Von der Rakete abgeleitet wurden auch die nie gebaute AIM-47 Falcon und die lange Zeit bei der United States Navy eingesetzte AIM-54 Phoenix.

Varianten

AIM-26A
Variante mit einem 1,5-kT-Kernwaffen-Sprengsatz
AIM-26B
Variante mit konventionellem Sprengkopf.
Bofors/Saab HM-55
Diese bei Saab-Bofors in Lizenz hergestellte Variante entspricht der amerikanischen Hughes AIM-26B. Sie wurde auch als Jaktrobotsystem 27, kurz RB-27, bezeichnet und wurde für die Saab J-35 Draken verwendet. Sie ist durch einen Infrarotsuchkopf gelenkt. Es wurden 400 Exemplare gebaut.[2]
Bofors/Saab HM-55S „Falcon“
Diese in der Schweiz endmontierte Variante entspricht der infrarotgelenkten amerikanischen Hughes GAR-11A/AIM-26B bzw. der RB.27. Hiervon wurden für die Schweizer Mirage IIIS 225 Stück produziert. [3]
Bofors/Saab RB-27 (siehe HM-55)

Einsatzflugzeuge

UGM-27 Polaris

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Unterwasserstart einer Polaris A3

 

Die UGM-27 Polaris waren strategische Mittelstreckenraketen, die von Raketen-U-Booten (SSBN) aus abgefeuert werden konnten. Sie waren also „Submarine Launched Ballistic Missiles“ (SLBM). Sie sind nicht mehr im aktiven Flottendienst und wurden durch die UGM-73 Poseidon ersetzt.

Polaris A1 (UGM-27A)

Geschichte

Polaris A1 auf der Startrampe in Cape Canaveral

 

Die Entwicklung der Polaris A1 begann 1956 auf Anregung von Admiral Arleigh Burke, nachdem Edward Teller erklärt hatte, es sei möglich, einen atomaren Sprengkopf zu bauen, der klein genug sei, in eine U-Boot-gestützte Rakete zu passen.

Am 20. Juli 1960 feuerte die USS George Washington (SSBN-598) als erstes getauchtes U-Schiff eine Rakete vom Typ Polaris A1 und drei Stunden später eine zweite Rakete gleichen Typs ab. Dasselbe Schiff lief am 15. November 1960 mit 16 Polaris A1 beladen zur ersten Patrouillenfahrt mit dem neuen Flugkörper aus. Am 6. Mai 1962 wurde eine Polaris A1 von der USS Ethan Allen (SSBN-608) mit scharfem Atomsprengkopf im Rahmen der Übung „Frigate Bird“ erfolgreich auf ein Übungsziel abgefeuert. Dies war der einzige vollständige Test eines strategischen Waffensystems der USA vom Abfeuern bis zur nuklearen Detonation.

Am 14. Oktober 1965 lief die USS Abraham Lincoln (SSBN-602) die USA zur Überholung an. Im Rahmen dieser Überholung wurden die letzten in Dienst befindlichen Polaris A1 durch Polaris A3 ersetzt und außer Dienst gestellt.

Technische Daten

  • Gewicht: 13.000 kg
  • Länge: 28,5 Fuß (8,7 m)
  • Durchmesser: 54 Inch (137 cm)
  • Reichweite: ca. 1000 Nautische Meilen (1850 km)
  • Erste Stufe: 8.350 kg Polyurethan-Treibstoff nebst Aluminiumbeimischungen mit Ammoniumperchlorat als Oxidator
  • Zweite Stufe: 3.300 kg, gleicher Treibstoff wie erste Stufe
  • Steuerungssystem: MK1
  • Wiedereintrittskörper: 1 (W47-Y1/Mk1 mit 600 kT)

Polaris A2 (UGM-27B)

Geschichte

Polaris A2 auf der Startrampe in Cape Canaveral

 

Die Entwicklung für die Polaris A2 begann auf Weisung des System Program Office vom 28. November 1958. Ziel war die Fertigstellung von genug Raketen für die sechs SSBN bis zum Oktober 1961. Die Rakete sollte eine Reichweite von mindestens 1.500 nautischen Meilen haben. Zur Erreichung dieses Ziels wurde die Polaris A1 weiterentwickelt. Um eine Reichweitenerhöhung zu ermöglichen, wurde die zweite Stufe der A1 durch den Einsatz von GFK statt Stahl für das Motorengehäuse leichter gebaut und ein energiereicherer Treibstoff verwendet.

Die erste A2X wurde am 11. November 1960 auf Cape Canaveral gestartet, und am 23. Oktober 1961 wurde die Polaris A2 zum ersten Mal von der getauchten USS Ethan Allen (SSBN-608) abgefeuert. Die Ethan Allen war auch das erste Schiff, welches mit Polaris A2 ausgerüstet wurde. Sie startete am 26. Juni 1962 die erste Patrouillenfahrt der Polaris A2.

Die USS John Marshall (SSBN-611) war das letzte Schiff der US-Marine, welches im Rahmen der Überholung, die am 1. November 1974 begann, auf Polaris A3 umgerüstet wurde. Die Polaris A2 wurde daraufhin außer Dienst gestellt.

Die Polaris A2 wurde in den Jahren 1961 und 1962 mit Durchdringungshilfen gegen vermeintliche sowjetische Raketenabwehrsysteme ausgestattet. Diese PX-1 genannten elektronischen Gegen-Gegenmaßnahmen verringerten allerdings die Reichweite der Polaris A2 und wurden – nachdem klar wurde, dass die Sowjets keine nennenswerte Raketenabwehr gegen Interkontinentalraketen hatten – wieder aus den umgerüsteten Raketen entfernt.

Technische Daten

  • Gewicht: 14.750 kg
  • Länge: 31 Fuß (9,45 m)
  • Durchmesser: 54 Inch (137 cm)
  • Reichweite: ca. 1.500 nautische Meilen (500 mehr als die A1) (2775 km)
  • Erste Stufe: 8.700 kg Treibstoff wie Polaris A1
  • Zweite Stufe: 3.350 kg Pfund mit plastifizierter Nitrozellulose als Treibstoff und Oxidator wie Stufe 1. DDT-70 Motor von ABL.
  • Steuerungssystem: MK1
  • Wiedereintrittskörper: 1 W47-Y2/Mk1 mit 1,2 MT

Polaris A3 (UGM-27C)

Geschichte

Polaris A3 auf der Startrampe in Cape Canaveral

 

Im Gegensatz zur Polaris A2, welche nur eine Weiterentwicklung der A1 war, ist die Polaris A3 nahezu eine komplette Neukonstruktion.

Ziel war die Erhöhung der Reichweite auf 2500 nautische Meilen, um den Pazifik als Operationsgebiet für die SSBN zu erschließen und so der sowjetischen U-Boot-Abwehr im Atlantik aus dem Weg gehen zu können. Auch wurde eine verbesserte Penetration der vermuteten sowjetischen Raketenabwehrmaßnahmen angestrebt. Diese erhöhten Anforderungen benötigten neue Antriebe für die Raketenstufen, eine verbesserte Flugsteuerung und Navigation, neue Durchdringungshilfen (PX-2) und mehr Wiedereintrittskörper (drei Stück). Die einzelnen verbesserten Systeme wurden zunächst in A2X-Testraketen eingebaut und bei vielen Probeflügen getestet. Hierbei ergaben sich insbesondere bei der Flugsteuerung beim Antrieb viele Probleme.

Der erste Teststart einer Polaris A3 fand am 7. August 1962 in Cape Canaveral statt, die USS Andrew Jackson (SSBN-619) feuerte am 26. Oktober 1963 die erste A3 unter Wasser ab und am 28. September 1964 gingen die ersten 16 einsatzbereiten A3 an Bord der USS Daniel Webster (SSBN-626) mit auf Patrouillenfahrt. Die erste Pazifikpatrouille wurde am 25. Dezember 1964 von der USS Daniel Boone (SSBN-629) von Apra Harbor auf Guam aus gestartet. Zu diesem Zeitpunkt war die Polaris A3 zum ersten Mal eine weltweit einsetzbare Waffe.

Abgerüstete und modifizierte Polaris-A3-Raketen werden unter der Bezeichnung STARS als Zielflugkörper im US-amerikanischen Raketenabwehrprogramm verwendet.

Technische Daten

  • Gewicht: 16.200 kg
  • Länge: 31 Fuß (9,85 m)
  • Durchmesser: 54 Inch (137 cm)
  • Reichweite: ca. 2.500 nautische Meilen (1.000 mehr als die A2, 1.500 mehr als die A1) (4625 km)
  • Erste Stufe: 9.900 kg nitroplastilierter Polyurethan-Treibstoff
  • zweite Stufe: 4.100 kg Nitrocellulose
  • Steuerungssystem: ?
  • Wiedereintrittskörper: 3

Polaris B3 (Studien

 

Im Rahmen der strategischen Studien der Jahre 1962-1964 wurde postuliert, dass die Sowjetunion nach 1967 über verbesserte Radarluftraumüberwachung und mit Abfangraketen eine wirksame Abwehr gegen US-Interkontinentalraketen besitzen könnte.

Daher wurden Polaris wie oben beschrieben mit Durchdringungshilfen ausgerüstet. Gleichzeitig wurde aber auch an der Polaris B3 gearbeitet. Sie hatte einen Durchmesser von 66 Zoll, statt der bei der Polaris üblichen 54 Zoll. Es gab Modelle mit einem oder mit drei Wiedereintrittskörpern mit verschiedener Bestückung (ein Sprengkopf, mehrere Sprengköpfe, jeweils mit und ohne Durchdringungshilfen). Die Konfigurationen wurden B3A, B3B und so weiter genannt.

Die von Lockheed vorgeschlagene B3D sollte sogar einen Durchmesser von 74 Zoll (diesen Durchmesser haben die heute gebräuchlichen Trident-SLBMs) haben und erforderte massive Umbauten an den Abschusssystemen der vorhandenen U-Schiffe. Ihre Reichweite sollte 2000 nautische Meilen betragen und umfasste drei Sprengköpfe nebst Durchdringungshilfen. Die Sprengköpfe und Durchdringungshilfen waren auf einer Plattform (Bus) montiert, welche den Wiedereintritt in die Atmosphäre mit Düsen, die flüssigen Stickstoff ausstießen, steuerten. Die Sprengköpfe konnten sowohl gegen harte Ziele, als auch gegen verteidigte Städte und Industrieanlagen verwendet werden.

Mit Einführung neuer Mk12 Wiedereintrittskörper im März 1964 wurde eine neue Polaris B3 entwickelt, welche sechs Mk12 und Durchdringungshilfen tragen konnte. Auch diese Rakete hatte eine Reichweite von nur 2000 nautischen Meilen, da es nach damaliger Doktrin mehr auf eine Nutzlast, denn auf Reichweite der Raketen, ankam. Die Transportplattform zur Mehrfachzielbekämpfung wurde ebenfalls verbessert und nun nicht mehr „Bus“, sondern „Mailman“ genannt.

Im Oktober 1964 wurden B3-Varianten mit vier Mk 12 oder zwölf neuen kleinen Wiedereintrittskörpern von Lockheed vorgeschlagen. Ein Umbau des Mailman sollte eine flexiblere Mehrfachzielbekämpfung ermöglichen (Flexi-flier).

Im selben Jahr wurden auch Pläne vorgestellt, große Interkontinentalraketen auf dem Meeresgrund in einer Tiefe von bis zu 2.600 Metern unter dem Meeresspiegel zu stationieren. Diese Idee wurde aber nicht weiterverfolgt, da sie nicht zur strategischen Rolle der US-Marine (Bekämpfung von Städten und Industriegebieten) passte.

Aus den Polaris-B3-Studien wurde die UGM-73 Poseidon entwickelt.

AGM-28 Hound Dog

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AGM-28 Hound Dog

Agm-28 1.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Luft-Boden-Rakete
Hersteller: North American
Entwicklung: 1957
Technische Daten
Länge: 12,95 m
Durchmesser: 710 mm
Gefechtsgewicht: 4.500 kg
Spannweite: 3.660 mm
Antrieb: 1 J52 Turbojet
Geschwindigkeit: Mach 2,1
Reichweite: 1.100 km
Ausstattung
Zielortung: INS + TERCOM
Gefechtskopf: W-28 Nuklearsprengkopf 1,1 MT
Waffenplattformen: B-52 Stratofortress

 

Die North American AGM-28 Hound Dog (frühere Bezeichnung: GAM-77) war ein Luft-Boden-Lenkflugkörper und ab 1957 der erste Marschflugkörper der US-Luftwaffe, der eine Kernwaffe trug.[1] Der Name Hound Dog stammt von Elvis Presleys Version des Liedes Hound Dog.[2] Sie wurde mit der damals neuen B-52 entwickelt, um ein direktes Überfliegen stark verteidigter Ziele mit dem Bomber zu vermeiden. Der Flugkörper besitzt einen Deltaflügel mit Canards als Steuerflächen. Als Triebwerk diente ein Turbojet des Typs Pratt & Whitney J52 mit 33 kN Schub. Etwa 700 Flugkörper wurden hergestellt.[3]

Die Entwicklung begann 1957 unter der Projektbezeichnung Waffensystem 131B, nachdem North American die Ausschreibung erfolgreich für sich entscheiden konnte. Der Prototyp flog im April 1959 erstmals mit eigener Kraft,[4] im Dezember 1959 wurde die Einsatzbereitschaft hergestellt. Die B-52 konnte zwei dieser Flugkörper tragen.

Die Flugkörper benutzten ein inertiales Navigationssystem und konnten damit einen vorprogammierten Weg von bis zu 1.100 km fliegen. In der Variante GAM-77A wurde die Steuerung verbessert und ein Radarhöhenmesser verwendet, der eine Navigation via Bodenverfolgung ermöglichte (TERCOM). Diese wurde ab September 1961 einsatzbereit gemeldet. Im Juni 1963 erhielten die Flugkörper die offizielle Bezeichnung AGM-28A und AGM-28B.[5]

Ursprünglich sollte die AGM-28 im Jahre 1965 durch die AGM-48 Skybolt abgelöst werden, die jedoch nicht fertig entwickelt wurde. Schließlich wurde sie ab 1972 durch die AGM-69 SRAM abgelöst. Die letzten AGM-28 wurden 1976 von den Einsatzkräften zurückgezogen.

MGM-29 Sergeant

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MGM-29 Sergeant

Sergeant missile.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: ballistische Kurzstreckenrakete
Hersteller: Jet Propulsion Laboratory
Entwicklung: 1953
Indienststellung: 1962
Technische Daten
Länge: 10,52m
Durchmesser: 780 mm
Gefechtsgewicht: 4570 kg
Spannweite: 1550 mm
Antrieb: Feststoff-Raketentriebwerk
Reichweite: 140 km
Ausstattung
Zielortung: Trägheitsnavigationssystem
Gefechtskopf: Nuklear 200 kT oder 500 kg Splittergefechtskopf oder 330 M139 Sarin-Bomblets
Zünder: Aufschlagzünder

 

Die MGM-29 Sergeant war eine ballistische militärische Kurzstreckenrakete der Zeit des Kalten Krieges aus US-amerikanischer Produktion. Auch die Korpsartillerie der Bundeswehr war mit ihr ausgerüstet. Die Rakete hatte einen Startschub von 200 kN (20.400 kg), eine Startmasse von 4.570 kg, einen Durchmesser von 0,78 m, eine Länge von 10,52 m und eine Flossenspannweite von 1,50 m. Der mit einem Atomsprengkopf bestückbare Flugkörper wurde mit Feststofftreibstoff angetrieben und hatte eine Reichweite von bis zu 140 km.

Außer Dienst gestellte Sergeant-Raketen wurden auch in Kombination mit zusätzlichen Oberstufen als zivile und militärische Höhenforschungsraketen eingesetzt. Der Raketenmotor der Sergeant wurde in den zivilen Castor-Raketenmotor weiterentwickelt, der in einer ganzen Reihe von Raumfahrtprojekten verwendet wurde.

Stationierung der Sergeant-Rakete in der Bundesrepublik Deutschland

Sergeant-Rakete mit Werfergestell auf Sattelauflieger

 

In der Bundesrepublik Deutschland waren vier Raketenartilleriebataillone (RakArtBtl) der Bundeswehr zwischen 1965 und 1977 mit Sergeant-Kurzstreckenraketen ausgerüstet. Diese Bataillone, die in das NATO-Konzept der „nuklearen Teilhabe“ direkt eingebunden waren, verteilten sich zwischen Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg folgendermaßen:

Die Verfügungsgewalt über die in speziell befestigten sogenannten Sondermunitionslagern (Special Ammunition Sites) deponierten Nuklearsprengköpfe lag innerhalb der NATO bei den USA, und wurde bei den einzelnen Einheiten durch ein US Army Field Artillery Detachment wahrgenommen.

Im Jahr 1976 wurden an allen vier Standorten die Sergeant-Systeme durch ebenfalls atomar bestückbare Lance-Kurzstreckenraketen abgelöst.

MGM-31 Pershing

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Start einer Pershing I (MGM-31A) im Februar 1966

 

Die MGM-31 Pershing, oder auch einfach Pershingrakete, war eine ballistische militärische Rakete der Zeit des Kalten Krieges aus US-amerikanischer Produktion. Benannt war die Feststoffrakete nach dem US-General des Ersten Weltkrieges John Joseph Pershing. In Deutschland ist von den Pershing-Raketen primär der Typ Pershing II durch den NATO-Doppelbeschluss bekannt geworden. Gegen dessen Stationierung protestierte die westdeutsche Friedensbewegung Anfang der 1980er Jahre.

 

Pershing I

Ein Pershing-Flugkörper der Bundeswehr während einer NATO-Parade im Jahr 1969
Pershing 1a der Bundeswehr im Luftwaffenmuseum Gatow

 

Die Pershing I/IA (MGM-31A) war eine Kurzstreckenrakete mit einer Reichweite von ca. 740 km. Der zweistufige, feststoffgetriebene, eigengelenkte Flugkörper hatte ein Trägheitsnavigationssystem auf Basis eines sogenannten „Stable Table“. Dieses wurde durch Kreiselsysteme während des ganzen Fluges stabilisiert und ermöglichte dem Bordrechner so die laufende Ermittlung der Position sowie die genaue Einhaltung der Flugbahn bis zum sogenannten „Punkt im Raum“. Dort erfolgte die Abtrennung des nuklearen W-50-Sprengkopfes, der in drei Varianten zur Verfügung stand (60 kt, 200 kt, 460 kt – entsprechend rund 5, 15, 35 Hiroshima-Bomben).

Die Flugbahn wurde unmittelbar vor dem Start von einem Programmierstand am Boden in die „Guidance and Control Section“ (G&C) des Flugkörpers eingespielt, und endete wenige Minuten nach dem Start mit Abstoßen des Gefechtskopfes, welcher auf einer ballistischen Bahn – mit Stabilisierung durch Eigenrotation – ins Ziel stürzte.

Der Flugkörper wurde Anfang der 1960er Jahre in den USA von der Martin Marietta Corporation als Ersatz für die SSM-A-14 Redstone Rakete entwickelt. Ab Mitte der 1960er Jahre gingen 79 Stück an die Bundesrepublik Deutschland und weitere 169 an die USA. Pershing I waren auch in Südkorea stationiert.

Stationierungen in der Bundesrepublik Deutschland[Bearbeiten]

Von 1969 bis Juli 1983 befand sich u.a. eine Pershing IA-Flugkörperstellung der 81. Field Artillery der US Army in Inneringen in Baden-Württemberg mit neun einsatzbereiten Flugkörpern, bestückt mit atomaren Gefechtsköpfen.[1]

Die 79 deutschen Pershing IA wurden von der Luftwaffe in zwei Geschwadern betrieben, in den Flugkörpergeschwadern (FKG) 1 in Landsberg und 2 in Geilenkirchen. Jeweils eine Staffel wurde in 'QRA'-Bereitschaft (Quick Reaction Alert) gehalten. Da die Bundeswehr nicht über nukleare Waffen verfügen durfte, waren für die Pershing im Rahmen der nuklearen Teilhabe unter US-Bewachung stehende amerikanische Sprengköpfe vorgesehen.

Im Gegensatz zum Nachfolgemodell Pershing II waren die Pershing I und IA rein ballistische Waffen.

Pershing II

Pershing-II-Teststart
Pershing II mit Zugmaschine MAN gl KAT 2 der Mutlanger Einheit

 

Die Sowjetunion führte ab 1975 mehrere hundert neue ballistische Mittelstreckenraketen vom Typ RSD-10 (NATO-Bezeichnung SS-20) ein. Sie dienten als Ersatz der veralteten SS-4 und SS-5 und konnten einen 1-Megatonnen-Sprengkopf 5000 km weit tragen. Später gab es Varianten mit drei Sprengköpfen geringerer Sprengkraft. Diese Raketen waren auf mobilen Abschussrampen montiert und konnten mit einer minimalen Vorwarnzeit von 5 bis 15 Minuten weite Teile Europas erreichen.

Die USA entwickelten ab 1976 die Mittelstreckenrakete Pershing II (MGM-31B) mit größerer Reichweite von bis zu 1.800 km als Nachfolgemodell für die Pershing-I. Die Pershing II war im Vergleich zu ihrem Vorgängermodell Pershing IA technisch völlig neu konzipiert und konnte von Süddeutschland aus in knapp fünf Minuten Ziele in der westlichen UdSSR (heute Weißrussland und Ukraine) mit hoher Präzision treffen. Durch das Endphasen-Leitsystem (siehe: MARV) ihres Sprengkopfes, bei dem ein beim Zielanflug aufgenommenes Radarbild mit einer digital gespeicherten Radarsignatur auf Abweichungen verglichen und durch ein Steuerungssystem nachkorrigiert wurde, ergab sich eine erheblich verbesserte Treffgenauigkeit (CEP50) in der Größenordnung von etwa 50 Metern. Dadurch war die Verwendung von W-85-Nuklear-Sprengköpfen von wesentlich geringerer Sprengkraft von 5 bis 50 kt möglich, um ein vorgegebenes Ziel zu zerstören.

Im Vergleich zur SS-20 waren zwar sowohl Sprengkraft als auch Reichweite der Pershing-II deutlich kleiner, aber durch Aufstellungsort und Reichweite war das Bedrohungsszenario klarer definiert: Osteuropa bis ca. 400 km vor Moskau. In Verbindung mit der hohen Genauigkeit sah die Sowjetunion in den Pershing-II-Raketen Waffen für einen atomaren Erst- bzw. Enthauptungsschlag, zumal führende Politiker der Reagan-Regierung von der Sowjetunion als einem „Reich des Bösen“ sprachen. In Teilen der deutschen Bevölkerung und bei vielen Politikern löste die bevorstehende Stationierung solcher Waffen erhebliche Befürchtungen aus: Der Atomkrieg sei „präziser und damit führbarer“ geworden und die politisch-militärische Hemmschwelle zum Einsatz dieser Waffen müsse so zwangsläufig sinken. Die westdeutsche Friedensbewegung demonstrierte deshalb 1981–1984 vor allem gegen die Stationierung von Pershing-II-Raketen in Deutschland.[2]

Nachdem die 1981 begonnenen Abrüstungsverhandlungen gemäß dem NATO-Doppelbeschluss vom 12. Dezember 1979 erfolglos geblieben waren, begann auch in Westdeutschland wenige Tage nach der Zustimmung durch den Deutschen Bundestag vom 22. November 1983 die Stationierung der Pershing-II-Mittelstreckenraketen (MRBM), die nur in der Bundesrepublik Deutschland erfolgte und 1985 abgeschlossen war.

1981 leitete der sowjetische Geheimdienst KGB im Zusammenhang mit der geplanten Stationierung von Mittelstreckenraketen der NATO die Operation RJaN ein. Deren Ziel war es, Anzeichen eines möglicherweise unmittelbar bevorstehenden Erstschlags des Westens festzustellen. Der Höhepunkt des Spannungszustandes wurde mit der NATO-Stabsübung Able Archer im November 1983 erreicht. Es wird heute angenommen, dass beide Seiten in dieser Zeit einem Atomkrieg gefährlich nahegekommen sind. Im Gegensatz zur Berlinkrise 1961 und Kubakrise 1962 blieben zwar die meisten Abläufe im Verborgenen, die Gefährlichkeit der Situation war aber vergleichbar mit der rund zwanzig Jahre zuvor.

Gedenkstein für die Opfer des Heilbronner Raketenunfalls

 

Stationierungen in der Bundesrepublik Deutschland

Die Pershing II wurde nur US-Truppen im Rahmen der NATO in Westdeutschland zugeteilt, die Luftwaffe der deutschen Bundeswehr behielt weiterhin die Pershing IA. Die US-Armee unterhielt drei mit Pershing-II ausgerüstete Raketenartilleriebataillone, die dem 56th Field Artillery Command in Schwäbisch Gmünd unterstanden und denen jeweils 36 Raketen zugeteilt waren:

  • Das 1st Battalion, 41st Field Artillery Regiment (ab 1986: 2nd Battalion, 9th Field Artillery) war in der Hardt-und der Bismarck-Kaserne in Schwäbisch Gmünd stationiert. Es verfügte über das Pershing-II-Depot (MSA, Missile Storage Area) auf der Mutlanger Heide am Ortsrand von Mutlangen, das durch die Proteste und Blockaden der Friedensbewegung bekannt wurde.
  • Das 1st Battalion, 81st Field Artillery Regiment (ab 1986: 1st Battalion, 9th Field Artillery) war in der Wiley-Kaserne in Neu-Ulm stationiert. Es verfügte als QRA-Stellung über die Lehmgrube (Spitzname „Von Steuben“) bei Kettershausen, etwa 9 km östlich von Illertissen.
  • Das 3rd Battalion, 84th Field Artillery Regiment (ab 1986: 4th Battalion, 9th Field Artillery) war in der Artillerie-Kaserne in Neckarsulm und in der Badner-Hof-Kaserne in Heilbronn stationiert. Es verfügte über die QRA-Stellung auf der Waldheide (Spitzname „Fort Redleg“) am östlichen Stadtrand von Heilbronn. Dort kamen am 11. Januar 1985 drei US-Soldaten durch die Explosion einer Pershing-II-Raketenstufe ums Leben.

In den QRA-Stellungen befand sich jeweils eine von vier Batterien eines Bataillons in ständiger Einsatzbereitschaft.[3]

Gemäß der Strategie wurden die Raketen nicht nur in den Standorten vorgehalten. Das Einsatzkonzept sah vor, dass die Raketen im Krisenfall zu ihrem Schutz die regulären Stellungen verlassen sollten, um gegebenenfalls in süddeutschen Wäldern versteckt zu werden. Ein bevorzugter Ort für entsprechende Übungen war die ehemalige Heeresmunitionsanstalt Straß bei Nersingen.[4] Häufig waren bei Übungen ganze Batterien auf der Schwäbischen Alb und im Gebiet des Schwäbisch-Fränkischer Walds unterwegs.[4] Dabei kam es sowohl zu Verkehrsunfällen als auch zu Missgeschicken wie Steckenbleiben oder Ausrutschern in den Straßengraben.[5][6][7] Aufgrund der schlechten Erfahrungen mit den amerikanischen LKW wurde für die Pershing II der deutsche MAN gl verwendet, jedoch mit anderer Antriebstechnik.

Abrüstung

Nach dem Ende des Kalten Kriegs wurden, entsprechend den Vereinbarungen des INF-Vertrags vom 8. Dezember 1987, bis 1989 alle US-amerikanischen Pershing I, bis 1991 alle deutschen Pershing-IA und bis Mai 1991 alle Pershing-II-Raketen unter Kontrolle der Vertragspartner (USA und UdSSR) demontiert und zerstört.

Insgesamt befanden sich 120 Pershing-II-Mittelstreckenraketen in der Bundesrepublik Deutschland. Eine der letzten davon steht mittlerweile als Dekoration vor der Offizierschule der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck.

Auch die von 1974 bis 1988 genutzte Startrampe LC-16 auf der Cape Canaveral Air Force Station wurde von der US Army für Entwicklungsflüge der Pershing-Mittelstreckenrakete genutzt. Durch die im Rahmen des INF-Vertrages beschlossene Ausmusterung wurde auch die Startrampe LC-16 im Jahr 1988 stillgelegt.

Übersicht Varianten der MGM-31 Pershing

MARV-Gefechtskopf W85 der MGM-31B Pershing II
NATO-Codename MGM-31A Pershing I MGM-31B Pershing II
Länge 10,55 m 10,61 m
Rumpfdurchmesser 1.020 mm 1.036 mm
Startgewicht 4.600 kg 7.400 kg
Sprengkopf 1 RV vom Typ W50 mit 60, 200 oder 400 kT 1 MARV vom Typ W85 mit 5 bis 80 kT (variabel)
Einsatzreichweite 740 km 1.770 km
Steuerung Trägheitsnavigationsplattform Trägheitsnavigationsplattform plus aktive Radarzielsuche
Treffergenauigkeit (CEP) 150–300 m 50–100 m

ENTAC

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ENTAC-Rakete in der Startbox
Aufschnitt einer ENTAC

 

ENTAC (ENgin Téléguidé Anti-Char) oder MGM-32A war eine französische MCLOS-Panzerabwehrlenkwaffe (PAL). Entwickelt wurde sie in den frühen 1950er-Jahren im deutsch-französischen Forschungsinstitut ISL in Saint-Louis. In der französischen Armee wurde sie ab 1957 eingesetzt. Die Produktion endete 1974 nach etwa 140.000 hergestellten PALs.

ENTAC war Vorläufer bzw. Nachfolger einer ganzen Reihe von französischen Lenkflugkörpern, die schließlich zu bekannten, zum Teil multinational entwickelten und bis heute genutzten Flugkörpern wie MILAN oder Exocet führten.

Neben den französischen Streitkräften wurde die ENTAC-Panzerabwehrrakete auch von Norwegen, Südafrika, den Vereinigten Staaten, Kanada und vom Libanon verwendet.

FIM-43 Redeye

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FIM-43 Redeye

Redeye Surface to Air Missile Launch.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Flugabwehrrakete
Hersteller: General Dynamics
Entwicklung: 1959
Technische Daten
Länge: 1,20 m
Durchmesser: 70 mm
Gefechtsgewicht: 8,2 kg
Spannweite: 140 mm
Antrieb: Feststoff-Raketentriebwerk
Geschwindigkeit: 522 m/s
Reichweite: 0,6–3,3 km
Ausstattung
Zielortung: Passiv, Infrarot
Gefechtskopf: 1,1 kg-Splittergefechtskopf
Zünder: Aufschlagzünder

 

Die FIM-43 Redeye war eine schultergestützte Luftabwehrrakete (MANPADS) von General Dynamics zur Selbstverteidigung von Bodentruppen.

Die Entwicklung begann 1955, die Auslieferung erfolgte 1967, bereits im September 1969 wurde die Produktion jedoch beendet, nachdem ungefähr 85.000 Stück hergestellt worden waren.

Abgelöst wurde das Modell FIM-43 Redeye durch die Redeye II, die später in FIM-92 Stinger umbenannt wurde. Die Redeye wurde zwischen 1982 und 1995 vom Markt genommen, nachdem die Stationierung der Stinger abgeschlossen war.

UUM-44 Subroc

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UUM-44 Subroc

SUBROC nach dem Start
SUBROC nach dem Start

Allgemeine Angaben
Typ: Anti-U-Boot-Rakete
NATO-Bezeichnung: UUM-44 SUBROC
Herkunftsland: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller: Goodyear Tire & Rubber Company
Entwicklung: 1958
Indienststellung: 1965
Einsatzzeit: 1965–1993
Technische Daten
Länge: 6,17 m
Durchmesser: 533 mm
Gefechtsgewicht: 1.814 kg
Antrieb: Feststoff-Raketentriebwerk Thiokol TE-260G
Reichweite: 55 km
Ausstattung
Lenkung: INS
Gefechtskopf: W55-Nukleargefechtskopf mit 1, 5, 250 kt
Waffenplattformen: U-Boote

Die UUM-44 Subroc (kurz für Submarine-Launched Rocket) war eine US-amerikanische von Unterseebooten zu startende Anti-U-Boot-Waffe aus der Zeit des Kalten Krieges.

Geschichte

Die UUM-44 SUBROC der United States Navy wurde in den 1950er-Jahren von der Goodyear Tire & Rubber Company gefertigt und war bis zum Ende des Kalten Krieges in Dienst. Die ersten Tests fanden 1959 statt, der erste Abschuss von einem U-Boot erfolgte am 28. März 1963 von der USS Permit (SSN-594); zur Indienststellung kam es jedoch erst 1965. Bis 1972 produzierte Goodyear 285 Einheiten der Waffe.

Das Nachfolgemodell UUM-125 Sea Lance gelangte nie über den Projektstatus hinaus. Vergleichbar sind die sowjetischen/russischen SS-N-15- und SS-N-16-Raketentorpedos.

Technik

Die SUBROC hatte die Form und Größe eines Torpedos und konnte von U-Booten aus den 533-mm-Standard-Torpedorohren abgefeuert werden. Nach dem Verlassen des Torpedorohres zündete der Raketenmotor und trieb die Lenkwaffe zur Wasseroberfläche. Nach dem Durchstoßen der Wasseroberfläche folgte die Lenkwaffe einer ballistischen Flugbahn. Die Lenkwaffensteuerung erfolgte über ein Trägheitsnavigationssystem. Im vorprogrammierten Zielgebiet wurde der Nuklearsprengkopf abgestoßen. Die nukleare Wasserbombe detonierte in einer vorselektierten Wassertiefe. Der W55-Nuklearsprengkopf hatte eine maximale Sprengleistung von 250 Kilotonnen TNT-Äquivalent. Damit lag der tödliche Radius der Waffe bei etwa 9 Kilometern um den Detonationspunkt. Somit konnte die Waffe auch gegen ganze Überwasser-Flottenverbände eingesetzt werden, obwohl sie primär als Waffe gegen U-Boote konstruiert war.

Einsatz

Die SUBROC wurde auf den U-Booten der Klassen Thresher (Permit), Sturgeon und Los Angeles mitgeführt, aber niemals im Gefecht abgefeuert.

Abwandlungen

Das Triebwerk der SUBROC-Rakete diente als Basis zur Entwicklung der Pilot-(NOTSnik)-Satellitenrakete.

AGM-45 Shrike

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AGM-45 Shrike

AGM-45 Shrike an einer F-4G Wild Weasel Phantom II
AGM-45 Shrike an einer F-4G Wild Weasel Phantom II

Allgemeine Angaben
Typ: Anti-Radar Rakete
Hersteller: Texas Instruments
Stückpreis: 32.000 US-Dollar
Technische Daten
Länge: 3,0 m (10 ft)
Durchmesser: 203 mm (8 in)
Gefechtsgewicht: 177 kg (390 lb)
Spannweite: 914 mm (3 ft)
Antrieb: Feststoffraketentriebwerk
Geschwindigkeit: Mach 2
Reichweite: 11 km – 17 km
Ausstattung
Zielortung: Passive Radarauffassung
Gefechtskopf: 32 kg hochexplosiv
Waffenplattformen: A-4 Skyhawk, A-6 Intruder, F-4 Phantom II, F-105 Thunderchief

 

Die AGM-45 Shrike ist eine US-amerikanische taktische Luft-Boden-Rakete, die der Niederhaltung feindlicher Luftabwehr dient. Zu diesem Zweck ist sie als Antiradarrakete konzipiert. Ihr Suchkopf schaltet auf die Frequenz des gegnerischen Radars auf und nutzt diese, um die Radarstellung zu treffen.

Die Shrike (englisch für Würger – eine Vogelart) wurde 1961 vom Naval Weapons Center in China Lake basierend auf Teilen der AIM-7 Sparrow entwickelt und ab 1963 produziert. Die Shrike wurde in diversen Versionen gebaut, die sich hauptsächlich in den benutzten Frequenzbereichen unterscheiden.

In den frühen 70ern wurde die Rakete zur AGM-45B Shrike weiterentwickelt. Mit einem neuen Triebwerk erzielte sie eine Reichweite von 40 km und konnte schwerere Gefechtsköpfe von bis zu 67 kg tragen.

Sie wurde von den USA unter anderem im Vietnam-Krieg und von den israelischen Verteidigungsstreitkräften im Jom-Kippur-Krieg eingesetzt, bewährte sich aber teilweise nicht. Während des Falklandkriegs wurden Großbritannien einige Shrikes zur Verfügung gestellt, die im Zuge der Operation Black Buck mit einigem Erfolg eingesetzt wurden.

Bis zum Ende der Produktion 1982 wurden insgesamt rund 18.500 Einheiten hergestellt. Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten ersetzten die Shrike ab 1983 durch ihren Nachfolger AGM-88 HARM. Die Shrike gehört seit 1992 nicht mehr zum Bestand.

MIM-46 Mauler

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MIM-46 Mauler

MIM-46 Mauler.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Flugabwehrrakete
NATO-Bezeichnung: MIM-46 Mauler
Herkunftsland: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller: General Dynamics
Entwicklung: 1960
Indienststellung: Entwicklung abgebrochen
Technische Daten
Länge: 1,83 m
Durchmesser: 127 mm
Gefechtsgewicht: 54,5 kg
Spannweite: 330 mm
Antrieb: Feststoff-Raketentriebwerk
Geschwindigkeit: Mach 3,0 (1.000 m/s)
Reichweite: 8 km
Dienstgipfelhöhe: 6.000 m
Ausstattung
Lenkung: INS
Zielortung: halbaktive Radarzielsuche (SARH)
Gefechtskopf: 8,6-kg-Splittergefechtskopf
Zünder: Annäherungszünder oder Aufschlagzünder

 

Das MIM-46 Mauler war ein US-amerikanisches Kurzstrecken-Flugabwehrraketensystem aus den 1960er-Jahren, das nie über das Projektstadium hinaus kam.

Geschichte

In den späten 1950er-Jahren meldete die U.S. Army Bedarf für ein autonomes Kurzstrecken-Flugabwehrraketensystem an. General Dynamics wurde beauftragt, ein solches Flugabwehrsystem mit dem Namen „Mauler“ zu entwickeln. Gleichzeitig bekundete Großbritannien Interesse und wollte die neue Waffe kaufen.
Beim System „Mauler“ befinden sich alle notwendigen Komponenten wie Suchradar, Feuerleitsystem und Raketen auf einem Fahrzeug. Erste Tests ungelenkter Raketen erfolgten im September und Dezember 1961. Testreihen mit gelenkten Raketen wurden im Juni 1963 erfolgreich durchgeführt. Im gleichen Monat wurde die Zusatzbezeichnung XMIM-46A hinzugefügt. Das Präfix „X“ stand hierbei für experimental und wäre erst bei Einführung in die U.S. Army entfallen.

Das gesamte Projekt war von Anfang an mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert. Beispielsweise war die Konstruktion des 3×3-Startbehälters problematisch, weil beim Abfeuern eines Lenkflugkörpers aus einer Behälterkammer benachbarte Kammern und die darin befindlichen Raketen beschädigt wurden. Außerdem wurden Mängel bei der Rakete selbst festgestellt, so ergaben sich Probleme an der Raketenhülle und Schwierigkeiten mit der Aerodynamik des Lenkflugkörpers. Auch traten Fehler bei der Feuerleitanlage auf, so ging des Öfteren der Kontakt zur Rakete kurz nach dem Start verloren.

Diese Probleme führten schließlich im November 1965 zur Einstellung des Projekts. Es wurde noch versucht, weniger kompliziertere Varianten zu entwickeln, was ebenfalls zu keinem Ergebnis führte. Auch war es nicht gelungen, eine seegestützte Boden-Luft-Variante des Systems, das RIM-46A Sea Mauler, für die U.S. Navy zu entwickeln. Man entschied sich stattdessen für das überschallschnelle radargesteuerte RIM-7-Sea-Sparrow-Flugabwehrraketensystem.
Als Ersatz für MIM-46 Mauler wurde das MIM-72-Chaparral-Flugabwehrraketensystem entwickelt, das als Lenkflugkörper die bewährte Luft-Luft-Rakete AIM-9 Sidewinder verwendete. Wegen des Scheiterns des Projekts MIM-46 Mauler wurden auch die Kaufverhandlungen mit Großbritannien beendet. Das MIM-72-Chapparal-System entsprach nicht den britischen Vorstellungen. Die Briten entwickelten ihr eigenes System, die Boden-Luft-Rakete Rapier.

Technik

Abgefeuert wurden die Raketen vom Starterfahrzeug XM546, einem modifizierten M113. Jeder XM546 transportierte neun Lenkflugkörper, die sich in einem rechteckigen Behälter befanden. Das Radar T-I CW (T-I: Tracking and Illumination, CW: continuous wave) befand sich über und neben dem 3×3-Startbehälter. Die abgefeuerte Rakete wurde während der gesamten Flugphase vom T-I-Radar geleitet, bis der Annäherungszünder den Flugkörper zur Explosion brachte.

AIM-47 Falcon

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Rakete AIM-47

Die GAR-9/AIM-47 Falcon von Hughes Aircraft war der Entwurf einer Luft-Luft-Rakete von Hughes Aircraft für die United States Air Force.

Geschichte

Die Entwicklung der Falcon, zu Beginn als GAR-9 bezeichnet, begann 1958 als Langstrecken-Abfangrakete für die North American XF-108 Rapier, die das benötigte Feuerleitsystem AN/ASG-18 tragen sollte. Nachdem das F-108-Programm gestoppt worden war, ging die Entwicklung der Rakete weiter, sie sollte nun als AIM-47B Falcon an der Lockheed F-12 Blackbird verwendet werden. Von der YF-12A wurden insgesamt sieben Teststarts bei Geschwindigkeiten zwischen Mach 2,19 und Mach 3,2 durchgeführt; bei sechs davon passierte die Rakete das Ziel in Abschussentfernung[1]. 1966 wurde auch dieses Programm abgebrochen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Hughes bereits etwa 80 Vorserienmodelle der Waffe gebaut.

Die Technologie, die bereits bei den Vorläufern der AIM-47 angewendet wurde (dies waren die AIM-4 Falcon und die AIM-26 Falcon), kam später in der AIM-54 Phoenix der United States Navy zum Einsatz.

Technik

Die AIM-47 war 3,82 Meter lang und maß 34,3 bzw. 33 cm (AIM-47B) im Durchmesser. Die maximale Spannweite lag bei 83,8 cm, das Gewicht bei 371 bzw. 363 Kilogramm. Für die Serienversion war ein Nukleargefechtskopf mit 0,25 kt Sprengkraft geplant.

Die Rakete wurde von einem Flüssigtreibstoff-Raketentriebwerk angetrieben und erreichte Geschwindigkeiten von bis zu Mach 4 und eine Reichweite von etwa 100 Meilen.

AGM-48 Skybolt

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AGM-48 Skybolt

Xagm-48a.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Luft-Boden-Rakete
Hersteller: Douglas Aircraft Company
Entwicklung: 1959
Indienststellung: 1962
Technische Daten
Länge: 11660 mm
Durchmesser: 890 mm
Gefechtsgewicht: 5000 kg
Spannweite: 1680 mm
Antrieb:
Erste Stufe:
Zweite Stufe:
Feststoff-Raketenmotor
Feststoff-Raketenmotor
Feststoff-Raketenmotor
Geschwindigkeit: 15300 km/h
Reichweite: 1850 km
Ausstattung
Gefechtskopf: W-59-Nukleargefechtskopf 1.200 kt
Waffenplattformen: Boeing B-52, geplant Avro Vulcan

 

Die Douglas AGM-48 Skybolt war eine ballistische aus der Luft gestartete Rakete (air launched ballistic missile- ALBM) aus US-amerikanischer Produktion. Sie wurde während des Kalten Krieges in den späten 1950er-Jahren unter dem Namen XGAM-87 entwickelt. Mit ihrer Entwicklung wollte man eine „sicherere“ mobile Abschussplattform für Interkontinentalraketen der US Air Force schaffen, im Gegensatz zu beispielsweise statischen und „unsicheren“ Raketensilos. Dazu sollte der Start von Flugzeugen aus erfolgen. Die Skybolt sollte ursprünglich von amerikanischen Boeing B-52- und britischen Avro Vulcan-Langstreckenbombern eingesetzt werden. Eine Reihe misslungener Teststarts sowie die fortschreitende Entwicklung von U-Boot gestützten ballistischen Raketen führten schließlich zur Streichung des Programms, was Bestürzung insbesondere bei der britischen Militärführung hervorrief, die an dem Programm beteiligt war.

Geschichte

Die US Air Force stellte im Jahr 1958 als Ergebnis mehrerer Studien fest, dass sie eine ballistische Langstrecken-Luft-Boden-Rakete benötigte. Im Mai 1959 wurde die Firma Douglas ausgewählt, um die AGM-87 Skybolt zu entwickeln. Die Skybolt war eine Zweistufen-Rakete, die einen Feststoff-Antrieb benutzte. Doch als im April 1962 die ersten Starts stattfanden, zeigten sich massive Probleme. Es fanden fünf Teststarts statt, alle waren Fehlschläge. Erst am 19. Dezember 1962 fand der erste erfolgreiche Flug einer Skybolt statt – allerdings zu spät, denn noch am selben Tag wurde das Programm gestoppt. Neben den technischen waren hierfür auch finanzielle Gründe ausschlaggebend. Im Jahr 1963 fanden noch einige wenige Flugtests statt, und die XAGM-87 wurde umbenannt in XAGM-48A (das X steht jeweils für experimental und entfällt nach der Indienststellung des Waffensystems). Insgesamt soll Douglas weniger als 100 AGM-48 Skybolt gebaut haben.

LIM-49 Spartan

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LIM-49 Spartan

 

Die LIM-49 Spartan war ein von McDonnell Douglas entwickelter Flugkörper zur Abwehr von ballistischen Interkontinentalraketen. Die von der US-Army eingesetzte Anti-Ballistic Missile gehörte somit zu den ABM-Systemen. Eine Besonderheit der Nike Zeus/Spartan war, dass sie einen nuklearen Gefechtskopf trug. Der Vorteil des Nuklearsprengkopfes war, dass man aufgrund des großen Wirkungsradius das Ziel nicht wie bei konventionellen Sprengköpfen direkt treffen musste. Allerdings treten bei Kernwaffenexplosionen in großer Höhe starke elektromagnetische Pulse auf, welche zu Störungen bei elektronischen Geräten (wie Computern) führen. Dies schränkte die Einsatzmöglichkeiten der LIM-49 stark ein.

 

Geschichte und Varianten

Nike Zeus A

Bei der Nike Zeus A (ursprünglich als „Improved Nike Hercules“ bezeichnet) handelte es sich um eine direkte Weiterentwicklung der Nike Hercules, wobei sowohl die wesentlichen Komponenten des Flugkörpers als auch die Radar- und Bodeninstallationen übernommen wurden. Die Zeus A verwendete auch weiterhin den nuklearen W-31-Gefechtskopf der Nike Hercules. Durch die Verwendung eines neu entwickelten schubstärkeren Feststoffboosters sowie größeren Flossen am Flugkörper konnten Geschwindigkeit und Reichweite erhöht werden, wobei die Gipfelhöhe jedoch fast unverändert blieb. Dadurch eignete sich das System zwar für die Abwehr schnell- und hochfliegender Bomberverbände, konnte jedoch nur sehr beschränkt gegen ballistische Raketen eingesetzt werden.

Der Erstflug in der endgültigen Konfiguration fand im März 1960 statt. Allerdings wurde das Programm kurz darauf endgültig eingestellt, wobei die gewonnenen Erkenntnisse und Technologien in das Zeus-B-Programm überführt wurden.

Nike Zeus B (XLIM-49A)

Schon mit dem Start von „Sputnik 1“ im Jahr 1957 zeigte sich, dass die Leistungsparameter des Zeus-A-Systems nicht mehr den Erfordernissen entsprachen und dieses kaum noch Wachstumspotential besaß. Da in der Folge des sogenannten „Sputnikschocks“ auch eine Direktive des US-Verteidigungsministeriums aufgehoben wurde, die der US-Army nur den Besitz vom Flugkörpern mit einer Reichweite von maximal 320 km gestattete, konzentrierte sich die Entwicklung schon bald auf einen echten exoatmosphärischen Abfangflugkörper.

Die Nike Zeus B war ein neu entwickelter zweistufiger Flugkörper in Verbindung mit dem bereits in der Zeus A erprobten TX-135-Feststoffbooster. Die Bodeninstallationen und das Steuerungssystem wurden ebenfalls von der Nike Hercules übernommen. Da der Flugkörper im außeratmosphärischen Raum operieren sollte, wurde auf große Flossen verzichtet, dafür kam eine zusätzliche Drittstufe zum Einsatz.

Der Erstflug in der dreistufigen Konfiguration erfolgte im September 1961. Im Juli 1962 gelang es erstmals, mit dem Wiedereintrittskörper einer „Atlas“-ICBM ein ballistisches Ziel abzufangen. Im Mai 1963 folgte dann von Kwajalein aus das Abfangen eines Satelliten in einem 200-km-Orbit. In der Folge standen auf Kwajalein bis zum Juni 1966 Zeus-B-Systeme mit scharfen nuklearen Gefechtsköpfen in Bereitschaft, die im Bedarfsfall gegen sowjetische Satelliten eingesetzt werden sollten.

Nike Zeus EX (LIM-49A Spartan)

Die Nike Zeus B verwendete für Zielerfassung und Steuerung weiterhin die mechanischen Radareinrichtungen der Nike Hercules mit deren Einschränkungen. So konnte weiterhin nur jeweils ein Ziel erfasst und bekämpft werden, was die Effektivität des Systems stark reduzierte. Außerdem waren die oberirdisch liegenden Startanlagen selbst durch Angriffe gefährdet. Daraufhin wurde beschlossen, das ganze System dahingehend zu überarbeiten, dass zukünftig einerseits Phased-Array-Radargeräte mit elektronische Strahlschwenkung zum Einsatz kommen und die Raketen andererseits aus unterirdischen Silos gestartet werden sollten. Dieses Programm lief unter der Bezeichnung „Nike Zeus EX“.

Im Rahmen dieser Überarbeitung wurden auch Erst- und Zweitstufe des Flugkörpers durch schubstärkere Varianten ersetzt. Dadurch konnten Reichweite und Gipfelhöhe fast verdoppelt werden. Der thermonukleare W-51-Gefechtskopf wurde durch einen W-71-Gefechtskopf mit einem TNT-Äquivalent von 5 Mt ersetzt. Damit war es nun möglich, ballistische Raketen weit außerhalb der Atmosphäre abzufangen. Im Jahr 1967 wurde mit Western Electric und McDonnell Douglas als Subauftragnehmer ein Vertrag über die Fertigung der nun LGM-49A Spartan genannten Systeme abgeschlossen.

Technische Daten

Datenübersicht der Varianten
Index Nike Zeus A Nike Zeus B
XLIM-49A
Nike Zeus EX
LIM-49A Spartan
NikeZeusA.jpg


Nike Zeus A

 
Nike family 01.jpg
Nike Zeus B (XLIM-49A)
LIM-49A Spartan missile.png
LIM-49A Spartan

Identifikationsmerkmal:
LIM-49A hat an Erst- und Zweitstufe
den gleichen Durchmesser.
Grunddaten
Funktion Anti-Raketen-Rakete
Hersteller Western Electric Western Electric Western Electric / McDonnell Douglas
Erstflug März 1960 September 1961 März 1968
Entwicklung ab 1955 ab 1957 ab 1967
Weitere Leistungsmerkmale
Triebwerk
1. Stufe Feststoffbooster Thiokol TX-135 Feststoffbooster Thiokol TX-135 Feststoffbooster Thiokol TX-500
2. Stufe Feststofftriebwerk „Zeus A“ (?) Feststofftriebwerk Thiokol TX-238 Feststofftriebwerk Thiokol TX-454
3. Stufe --- Feststofftriebwerk Thiokol TX-239 Feststofftriebwerk Thiokol TX-239
Gefechtsgewicht 4.980 kg 10.350 kg 13.100 kg
Länge 13,50 m 14,73 m 16,80 m
Durchmesser 0,91 m 0,91 m 1,09 m
Flügelspannweite 2,98 m 2,44 m 2,98 m
Geschwindigkeit > Mach 4
Reichweite 320 km 400 km 740 km
Dienstgipfelhöhe 50 km 280 km 560 km
Gefechtskopf W-31 (nuklear, 20 kt) W-50 (thermonuklear, 400 kt) W-71 (thermonuklear, 5 Mt)
Zielerkennung radargeführte Kommandolenkung
Auslöser Funkkommando
Waffenplattformen ortsfeste Raketenstellung

 

Stationierung und Ende des Programmes

Im Rahmen des Safeguard-Programms erfolgte der Aufbau einer „Stanley R. Mickelsen Safeguard Complex“ genannten ABM-Stellung bei Nekoma, North Dakota, welche die Minuteman-Basis nahe der Grand Forks Air Force Base schützen sollte. Dieser Komplex beinhaltete 30 Spartan- und 70 Sprint-Raketen, die dazugehörigen Überwachungsradaranlagen waren bei Cavalier, North Dakota, stationiert. Allerdings wurde das Safeguard-Projekt vom US-amerikanischen Kongress im Zuge der SALT I-Verhandlungen und aus Kostengründen beendet und so die Schließung der ABM-Stellung bereits einen Tag nach ihrer offiziellen Inbetriebnahme am 1. Oktober 1975 beschlossen.

MGM-51 Shillelagh

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MGM-51 Shillelagh

Start einer Shillelagh von einem M551
Start einer Shillelagh von einem M551

Allgemeine Angaben
Typ: Panzerabwehrlenkwaffe
Heimische Bezeichnung: MGM-51 Shillelagh
Herkunftsland: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller: Ford
Entwicklung: 1959
Indienststellung: 1966
Technische Daten
Länge: MGM-51A: 1,11 m
MGM-51B/C: 1,15 m
Durchmesser: 152 mm
Gefechtsgewicht: MGM-51A: 26,8 kg
MGM-51B/C: 27,8 kg
Spannweite: 292 mm
Antrieb: Feststoff-Raketentriebwerk
Geschwindigkeit: 320 m/s
Reichweite: MGM-51A: 2.000 m
MGM-51B/C: 3.000 m
Ausstattung
Lenkung: SACLOS via IR
Gefechtskopf: 6,8 kg HEAT
Zünder: Aufschlagzünder
Waffenplattformen: M551 Sheridan und M60A2-Panzer

 

Die MGM-51 Shillelagh war eine Panzerabwehrlenkwaffe der Zeit des Kalten Krieges aus US-amerikanischer Produktion, benannt nach dem irischen Schlagstock Shillelagh. Die Feststoffrakete für den Abschuss aus der Bordkanone von Panzerfahrzeugen wurde für die United States Army von der Ford Motor Company ab 1959 entwickelt und bis 1971 produziert.

 

Entwicklung und Versionen der Shillelagh

In den 1950er-Jahren suchte die US Army nach einer gegenüber herkömmlichen Panzerabwehrkanonen verbesserten Panzerabwehrwaffe. Gepanzerte Ziele sollten mit unterschiedlichen Waffen auf kurze, mittlere und große Entfernung bekämpft werden können. 1959 setzte sich Aeronutronic, eine Tochterfirma der Ford Motor Company, gegen den Mitbewerber Sperry Corporation durch und erhielt den Auftrag zur Entwicklung eines Prototyps für mittlere Reichweite unter dem Namen XM13 Shillelagh. Der erste Start eines Prototyps erfolgte im November 1960; im November 1961 feuerte man die ersten gelenkten Versionen ab.

  • XMGM-51A – Ab 1963 lief eine eingeschränkte Produktion dieser Version an. Die Trainingsmunition zu diesem Modell trug die Bezeichnung XMTM-51A.
  • MGM-51A – Unter dieser Bezeichnung wurde die Shillelagh im Mai 1966 zur Standardausrüstung der US-Armee. Die dazugehörige Trainingsmunition war die MTM-51A.
  • (X)MGM-51B' – Längeres und schwereres Modell mit auf etwa 3000 m gesteigerter Reichweite; Trainingsmodell MTM-51B.
  • MGM-51C – Um eine Drehung der Lenkwaffe um die Längsachse während des Fluges zu verhindern, verfügten Kanonen für die Shillelagh über eine Führungsrille, in die eine Feder entlang der Rakete passte. 1964 stellte man fest, dass diese Feder für Risse in den Kanonenläufen verantwortlich war, die nach einigen Hundert Schüssen auftraten. Daher flachte man die Feder von 3,3 auf 1,9 mm ab. Der modifizierte Flugkörper wurde ab Januar 1968 unter der Bezeichnung MGM-51C (Trainingsversion MTM-51C) produziert.

Vorteile der Shillelagh waren die theoretisch relativ hohe Treffsicherheit und die Tatsache, dass sie leichten Panzern die Schlagkraft von Kampfpanzern verlieh, ohne dass man sie mit einer schweren Kanone mit hoher Mündungsgeschwindigkeit ausrüsten musste. Tatsächlich aber erwiesen sich sowohl die Rakete als auch die zugehörige Kanone als unzuverlässig; problematisch waren außerdem die recht große Mindestentfernung für den Einsatz, der hohe Beschaffungspreis gegenüber herkömmlichen Panzergranaten und die Tatsache, dass die Rakete im Einsatz gegen modernere Panzer nur unzureichende Durchschlagskraft hatte. Die ersten Shillelagh wurden daher bereits Ende der 1970er-Jahre außer Dienst gestellt und im Laufe der beiden folgenden Jahrzehnte durch die überlegene BGM-71 TOW ersetzt.

Funktionsweise

Der Schütze feuerte die Rakete aus der Bordkanone ab. Sobald der Flugkörper den Lauf verlassen hatte, zündete der Feststoffmotor und die Stabilisierungsflügel klappten aus. Während des Fluges musste der Richtschütze das Fadenkreuz seines Visiers auf das Ziel gerichtet halten. Bahnkorrekturen wurden per Infrarotverbindung an die Rakete weitergeleitet. Das Zielführungssystem funktionierte erst ab 730 m Mindestentfernung zum Ziel; Ziele, die sich näher am Panzer befanden, konnten nur ungelenkt bekämpft werden.

Trägersysteme

US-Soldat mit MGM-51 Shillelagh.

 

Die Shillelagh wurde vor allem zur Verwendung im leichten Panzer M551 Sheridan gebaut, der typischerweise acht Raketen neben 20 konventionellen Granaten für die 152-mm-Kanone M81 mitführte.

Wegen zahlreicher Kinderkrankheiten der passenden Kanone kam es erst spät zur angestrebten Verwendung der Shillelagh im Kampfpanzer M60, von der man jedoch nach kurzer Zeit wieder abging.

MGM-52 Lance

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MGM-52 Lance

Start einer Lance von einem M667
Start einer Lance von einem M667

Allgemeine Angaben
Typ: ballistische Kurzstreckenrakete
Heimische Bezeichnung: MGM-52 Lance
Herkunftsland: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller: Lockheed Martin (LTV)
Entwicklung: 1960er-Jahre
Indienststellung: 1973
Technische Daten
Länge: 6,17–6,41 m (je nach Version)
Durchmesser: 560 mm
Gefechtsgewicht: 1250–1527 kg (je nach Version)
Antrieb: Flüssigtreibstoff
Geschwindigkeit: Mach 3,0
Reichweite: 130 km
Ausstattung
Lenkung: Trägheitsnavigationsplattform
Gefechtskopf: W70 Nukleargefechtskopf mit 1–100 kt
Waffenplattformen: Fahrzeug
Lance-Rakete im White Sands Missile Range Museum

Die Lance ist eine ballistische militärische Kurzstreckenrakete aus US-amerikanischer Produktion. Der Systemindex der US-Streitkräfte lautet MGM-52.

Entwicklung

Die MGM-52 Lance wurde als Nachfolgemodell der Honest John konzipiert. In den späten 1950er-Jahren begann man bei Lockheed Martin (LTV) mit der Systementwicklung. Die MGM-52 Lance wurde im Frühjahr 1973 bei den US-Streitkräften eingeführt. In den darauffolgenden Jahren wurden rund 2100 Raketen hergestellt.

Technik

Die Lance wird mit dem M667 Kettenfahrzeug transportiert und ab diesem gestartet. Angetrieben wird die Rakete von einem Flüssigtreibstoff-Raketentriebwerk. Als Treibstoff wird 499 kg RFNA und 170 kg UDMH verwendet. Zusätzlich besitzt die Rakete Rotationstriebwerke. Diese liegen in der mittleren Rumpfsektion. Die Abgase der Rotationstriebwerke treten aus vier Düsen aus, die senkrecht zu Längsachse und tangential zum Umfang der Rakete angeordnet sind. Dadurch wird die Rakete in eine Umdrehung um ihre Längsachse versetzt, was den Flug stabilisiert. Die Steuerung erfolgt mittels einer Trägheitsnavigationsplattform. Mit diesem System wird eine Treffergenauigkeit (CEP) von 150 bis 460 Meter erreicht (je nach Schussdistanz). Um die maximale Schussdistanz von 130 km zurückzulegen benötigt die Rakete 200 Sekunden. Das Apogäum liegt hierbei bei 40.000 m.

Varianten

  • MGM-52A Lance: 1. Serienversion mit einem W70 Nukleargefechtskopf mit einer wählbaren Sprengleistung von 1-100 kt Reichweite 130 km.
  • MGM-52B Lance: 2. Serienversion mit einem verbessertem Raketenantrieb.
  • MGM-52C Lance: mit einem Gefechtskopf mit 825 Stk. BLU-63B Bomblets.
  • MGM-52C Lance: mit dem M251 Gefechtskopf mit 836 Stk. M40 Bomblets. Reichweite 80 km.
  • MGM-52C Lance: mit einem Gefechtskopf mit 822 Stk. M74 Bomblets. Reichweite 90 km.
  • MGM-52C Lance: mit einem Gefechtskopf mit 300 Stk. M74 Bomblets.
  • MGM-52C Lance: mit dem M118 Splittergefechtskopf mit 463 kg. Reichweite 60 km.
  • MGM-52C Lance: mit einem Splittergefechtskopf mit 227 kg. Reichweite 95 km.
  • MGM-52C Lance: mit E27 Gefechtskopf mit 1137 Stk. E139 Sarin-Bomblets.
  • MGM-52D Lance: mit einem W70-3 Nukleargefechtskopf mit erhöhter Neutronenstrahlung mit einer wählbaren Sprengleistung von 1–10 kt. Reichweite 130 km.

Lance in Deutschland

Neben den USA beschafften verschiedene NATO-Staaten das System, darunter Mitte der 1970er auch die Bundesrepublik Deutschland. Vier Raketenartilleriebataillone (RakArtBtl) der Korpsartillerie der Bundeswehr erhielten Lance als Nachfolger der Sergeant. Diese Bataillone waren zwischen Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg folgendermaßen verteilt:

Bei der Bundeswehr kamen der Lade- und Transportpanzer M668 (Kettenfahrzeug), das Starterfahrzeug M752 bzw. das abnehmbare Startgestell M 782 zum Einsatz. Die Kettenfahrzeuge basierten auf den amerikanischen Typ M667, weiterentwickelt aus dem Transportpanzer M113.

Die Verfügungsgewalt über die in speziell befestigten sogenannten Sondermunitionslagern (Special Ammunition Sites) deponierten Nuklearsprengköpfe lag innerhalb der NATO bei den USA, und wurde bei den einzelnen Einheiten durch ein US Army Field Artillery Detachment wahrgenommen. Die Bewachung erfolgte in Kooperation der US-amerikanischen Detachments und Bewachungseinheiten (Begleitbatterien) der Bundeswehr. Das Waffensystem musste aufgrund des INF-Vertrages von 1987 außer Dienst gestellt werden. Die deutschen Lance-Einheiten wurden bis 1993 aufgelöst.

Verbreitung

Innerhalb der USA und einigen Ländern der NATO wurden die letzten Lance-Systeme Anfangs der 1990er-Jahre durch das ATACMS-System abgelöst. In Südkorea und Taiwan befindet sich die Lance in einer modifizierten Ausführung immer noch im Einsatz.

AGM-62 Walleye

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AGM-62 Walleye


Eine AGM-62 Walleye

Allgemeine Angaben
Bezeichnung: AGM-62 Walleye
Typ: elektro-optisch gelenkte Gleitbombe
Herkunftsland: Vereinigte Staaten
Hersteller: Martin Marietta, Hughes Aircraft
Entwicklung: 1963 (Walleye I), 1968 (Walleye II)
Technische Daten
Gefechtsgewicht: 510 kg (Walleye I), 1060 kg (Walleye II)
Länge: 3450 mm (Walleye I), 4040 mm (Walleye II)
Durchmesser: 318 mm (Walleye I), 457 mm (Walleye II)
Spannweite: 1150 mm (Walleye I), 1300 mm (Walleye II)
Reichweite: 1,8-65 km, je nach Abwurfshöhe
Ausstattung
Gefechtskopf: Hochexplosiv, unterschiedliche Gewichte zwischen 250 Pfund. und 2000 Pfund. (113 und 907 kg), auch ein W72-Fissionssprengkopf möglich.
Lenkung: Elektro-Optisch (TV), ERDL-Versionen mit Datenlink
Waffenplattformen: McDonnell F-4, Grumman A-6, Douglas A-4, McDonnell Douglas F/A-18

 

Bei der von Martin Marietta im Jahr 1963 entwickelten AGM-62 Walleye handelt es sich um ein Familie von elektro-optisch geführten Gleitbomben. Das ursprüngliche Konzept wurde schon im Jahr 1960 am Naval Air Warfare Center in China Lake entwickelt.

Sie wird als Luft-Boden-Rakete bzw. AGM (Air-to-Ground-Missile) bezeichnet, obwohl sie eigentlich die Bezeichnung GBU (Guided Bomb Unit) führen müsste, da sie eine antriebslose Gleitbombe ist. Die AGM-62 war als Ersatz für die AGM-12 Bullpup gedacht. Die Reichweite der AGM-62 hängt aufgrund ihrer Konzeption stark von der Flughöhe und der Geschwindigkeit des Trägersystems ab.

Geschichte

Die AGM-62 Walleye wurde von der United States Navy ab Jahr 1967 und United States Air Force (in kleiner Stückzahl) in Dienst gestellt. Ab dem Jahr 1968 wurde die AGM-62 im Vietnamkrieg eingesetzt. Dort und auch in späteren Einsätzen wurde sie vor allem gegen statische Ziele, wie Gebäude und Brücken eingesetzt. Sie erwies sich als sehr effektiv, so trafen von den 68 abgeworfenen (1968) Walleyes 65 ihr Ziel.[1] Aber die Walleye war nicht ohne Fehler, dies machte sich beim Anvisieren von Zielen bemerkbar. Denn der elektro-optische Sensor brauchte sehr kontrastreiche Bilder um ein Ziel auffassen zu können. War dies nicht der Fall, und ein Ziel lag im Schatten oder es dämmert gerade, konnte ein Ziel gar nicht oder nur sehr schwer erfasst werden.[2] Dieses Problem wurde nicht wirklich behoben, obwohl ein neuer Suchkopf eingebaut wurde.

Während der Operation Desert Storm wurden insgesamt 131 AGM-62 abgeworfen.[3] Diese wurden von McDonnell Douglas F/A-18 eingesetzt. Es war auch der letzte Einsatz der AGM-62. Sie wurde aber anschließend mit den A-7E Corsair im Jahr 1991 (anderen Quellen zufolge erst 1995) ausgemustert und endgültig durch die AGM-65 Maverick ersetzt. Bis dahin wurden ca. 5000 AGM-62 Walleye I und II in ca. 39 Variationen, die sich nur in Details unterschieden, gebaut. Obwohl bereits wesentlich bessere Luft-Boden-Raketen zur Verfügung stehen, befinden sich noch immer AGM-62 in den Depots der US-Streitkräfte als Kriegsreserve.

Walleye

Die Walleye wurde als „Fire and Forget“-Waffe konzipiert, um so die Schwächen der AGM-12 Bullpup zu umgehen, bei der der Pilot die Rakete noch manuell ins Ziel steuern musste. Es wurde eine Mk 83 Bombe genommen, die an der Spitze mit einem TV-Zielsuchsystem ausgestattet wurde. Das Heck wurde mit 4 Deltaflügeln und einem Generator versehen. Der Generator wurde durch eine Staudruckturbine deren äußeres Ende ein kleiner Propeller ist, angetrieben. Er versorgte so die AGM-62 mit elektrischem Strom.

Walleye ER & ER/DL

Die Walleye ER (ER für Extended Range, deutsch: Erweiterte Reichweite), besteht aus denselben Komponenten wie die Walleye. Bei ihr wurden die Flügel der Walleye vergrößert um ihr so eine längere Flugzeit zu ermöglichen. Die Walleye ER/DL ist wie der ER Variante nur wurde sie um einen Data Link (deutsch: Datenverbindung) erweitert. Diese wurde entworfen, um in Verbindung mit der AN/AWW-9 Datengondel verwendet zu werden. Dies ermöglicht den Austausch von Zielinformation für eventuelle Korrekturen, zwischen der Waffe und der Datengondel vor und nach dem Abwurf der Waffe.

Walleye II "Fat Albert"

Eine A-6 Intruder wirft eine Walleye II ERDL ab

 

Die im Jahr 1968 entwickelte Walleye II ist eine Walleye bei der anstatt einer Mk 82, die wesentlich schwerere Mk 84 als Gefechtskopf verwendet. Dadurch wurde die Walleye II nicht nur in der Länge und im Durchmesser größer, es wurden auch die Flügel die sie zum Gleitflug benötigt, angepasst. Sie wurde von Hughes Aircraft als Subunternehmer von Martin Marietta ab 1973 gebaut. Ein Jahr später (1974) wurde sie bei den Marinefliegern der US Navy in Dienst gestellt.

Wie die Walleye wurde die Walleye II auch sehr bald mit dem ER und dem ER/DL Bausatz ausgerüstet um so die Leistungsfähigkeit zu verbessern.

Die Walleye II konnte auch mit einem W-72 Nuklearsprengkopf, der eine Sprengkraft von ca. 600 Tonnen TNT hat, ausgerüstet werden. Diese Variante gab es nur einige Jahre und wurde schon im Jahr 1979 wieder ausgemustert.

Walleye II ER/DL DPSK

Die Walleye II ER/DL DPSK (Digital Phase-Shift Keying, deutsch: Digitale Phasenmodulation) ist die finale Version der AGM-62. Diese Modifikation soll die Datenverbindung zwischen AGM-62 und dem AN/AWW-9 weniger anfällig gegenüber Störversuche machen. Es wurden nicht nur Walleye II umgerüstet sondern auch die Walleye I Varianten.

Ähnliche Modelle

AGM-65 Maverick

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Ein A-10-Pilot inspiziert eine AGM-65G

 

Die AGM-65 Maverick ist eine taktische Luft-Boden-Rakete, die für Luftnahunterstützung, Panzerabwehr und Unterbindung feindlicher Truppenbewegungen entwickelt wurde. Sie kann gegen ein großes Spektrum taktischer Ziele, zum Beispiel Panzerfahrzeuge, Flugabwehr, Schiffe, Transporteinrichtungen und Treibstofflager eingesetzt werden. Hersteller sind die US-amerikanischen Unternehmen Hughes Aircraft und Raytheon. Das Gegenstück zur Maverick aus russischer Produktion ist die AS-10 Karen.

Maverick-Versionen

  • Maverick A – Die AGM-65A war die erste Produktionsversion aus dem Jahr 1972. Sie benutzt ein elektro-optisches Lenksystem, dessen wesentliches Bauteil eine Art schwenkbare TV-Kamera in der Nase der Rakete ist. So lange die Rakete noch im Gestell hängt, überträgt sie ein TV-Bild ins Cockpit, mit dessen Hilfe der Pilot zielen kann. Alternativ kann die Kamera auch automatisch auf ein vom Bordradar anvisiertes Ziel ausgerichtet werden. Nach dem Start fliegt die Rakete dann das Ziel an, indem versucht wird, den Unterschied zwischen dem Schwenkwinkel der Kamera und der Bewegungsrichtung der Rakete auszunullen. Wenn sich das Ziel bewegen sollte, äußert sich das für die Rakete darin, dass sich das Ziel aus dem Sucher der Kamera herausbewegt. Indem das Ziel immer zentriert gehalten wird, lässt sich dies ausgleichen.
Optik einer Maverick B
  • Maverick B – Das Modell B besitzt zusätzlich die Fähigkeit, das ins Cockpit übertragene Bild zu vergrößern, um die Zielerfassung zu erleichtern.
  • Maverick D – Die Version D geht auf die US Navy zurück, inzwischen wird sie aber auch von der Air Force eingesetzt. Die TV-Kamera wurde durch einen bildgebenden Infrarot-Sucher ersetzt, daher kann die Rakete auch bei Nacht oder schlechtem Wetter eingesetzt werden. Es kann zwischen dreifacher und sechsfacher Vergrößerung gewählt werden. Die Erstlieferung erfolgte 1983.
  • Maverick E – Die Maverick E ist eine Version für das US Marine Corps und verwendet eine lasergestützte Lenkung. Außer dem abfeuernden oder anderen Luftfahrzeugen kann dabei auch eine Bodeneinheit das Ziel „beleuchten“. Die Rakete sucht nach dem Start in einem Sektor von 7 × 10 Meilen nach Laser-Reflexionen und fliegt dann darauf zu.
  • Maverick F – Modell F ist wieder eine infrarotgesteuerte Navy-Version, allerdings mit größerem Gefechtskopf (136-kg-Durchschlags-Kopf statt 57-kg-Hohlladung) und einem auf das Anvisieren von Schiffen optimierten Sucher. Dieser verwendet nicht mehr die Infrarotbilder zur Zielverfolgung, sondern steuert direkt auf die Wärmequelle zu.
  • Maverick G – Die Maverick G stammt aus dem Jahr 1989 und wird auch von der Air Force eingesetzt, sie besitzt neben einem größeren Gefechtskopf einen vom Modell D adaptierten IR-Sucher. Sucher und Software sind aber auf die Verfolgung größerer Ziele optimiert.
  • Maverick K – Das Programm Maverick K hat das Ziel, seit langer Zeit gelagerte Waffen mit neuen Suchern auf CCD-Basis (wie bei handelsüblichen Videokameras) auszurüsten, da man einen Alterungsprozess im Lenksystem erwartete. Ursprünglich richtete sich das Programm auf die ersten AGM-65A, aber bei einer Probezerlegung von sechs dieser Raketen wurde überraschend festgestellt, dass die AGM-65A in besserem Zustand waren als die jüngeren B-, D- und G-Versionen. Ursache war, dass die älteren Raketen sowohl innen als auch außen gegen Korrosion geschützt waren, die jüngeren Raketen jedoch aus Kostengründen nur außen geschützt wurden und daher innen korrodiert waren. Die AGM 65 K ist optisch gelenkt, über den Videosensor im Suchkopf wird der Zielbereich auf einem Monitor im Cockpit dreifach vergrößert dargestellt. Der Schütze wählt nun das Ziel aus und schaltet dann den Suchkopf auf.

AGM-65 werden typischerweise von Flugzeugen der Typen A-10 Thunderbolt II, F-15 Strike Eagle und F-16 Fighting Falcon eingesetzt, so beispielsweise in den Irakkriegen 1991 und 2003, wo sie eine große Rolle bei der Bekämpfung der irakischen mechanisierten Einheiten spielten. Ihre Trefferquote liegt laut der US Air Force bei etwa 85 %.

Die Bundeswehr beschaffte für die Luftwaffe von 1982 bis 1996 rund 860 Stück.

Technische Daten

AGM-65 Maverick (Grafik)

Kenngröße Daten der AGM-65
Hauptfunktion: Taktische Luft-Boden-Rakete
Hersteller: Hughes Aircraft; Raytheon Company
Länge: 2,49 m
Durchmesser: 30,5 cm
Spannweite: 0,71 m
Startgewicht: AGM-65A/B: 207,90 kg, D: 218,25 kg, E/F: 287,4 kg, G: 301,50 kg
Antrieb: AGM-65A: zweistufiger Feststoff-Raketenmotor Thiokol TX-481, AGM-65G: TX-633-Raketenmotor
Geschwindigkeit: 1.150 km/h
Reichweite: 27 km (effektiv bis 16 km)
Lenkung: elektro-optisch bei Modell A und B; bildgebendes Infrarot in D- und G-Versionen; Laser-Lenkung beim E-Modell; Infrarot bei Modell F.
Gefechtskopf: 57-kg-Hohlladung mit Kontaktzünder; neuere Modelle (F-K) mit 136-kg-Hohlladung und verzögerter Zündung
Zündung: Annäherungs- und Aufschlagzünder
Stückkosten: 269.000 US-Dollar (AGM-65G), 64.100 US-Dollar (AGM-65B)
Indienststellung: 1972 (AGM-65A) bei der US Air Force

Standard Missile

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Das US-Geschwader bei der Übung VANDALEX startet massenhaft Standard Missile, um eine anfliegende Salve von Seezielflugkörpern abzuwehren.

 

Der Ausdruck Standard Missile bezeichnet eine Familie von schiffgestützten Boden-Luft-Raketen mittlerer bis hoher Reichweite. Der erste Produzent war General Dynamics, die meisten Varianten wurden aber von der Standard Missile Cooperation, einem Joint Venture von Hughes und Raytheon, entwickelt. Nach der Übernahme des Hughes-Konzern ist Raytheon heute der alleinige Produzent. Bis 2001 wurden mehr als 21.000 Standard-Lenkwaffen hergestellt.

 

Entwicklung

Die SM-1 wurde als Ersatz für die Terrier- und Tartar-Rakete entwickelt, die in den 1950er-Jahren auf einer Vielzahl von Schiffen der US-Marine eingesetzt waren. Sie wurde im Vietnamkrieg eingesetzt. Die SM-1 besaß denselben Rumpf wie ihre Vorgängerin, die Tartar, um so einfacher mit den bereits vorhandenen Startvorrichtungen und Magazinen verwendet werden zu können. Die SM-2, auch als Standard Missile 2 bekannt, wurde in den 1970er-Jahren entwickelt und ist Teil des Aegis-Kampfsystems sowie des New Threat Upgrade (NTU). In den frühen 1980er-Jahren war eine wichtige Entscheidung, die Rakete vertikal starten zu können. Sowohl die SM-1 als auch SM-2 wurden kontinuierlich weiterentwickelt. Allerdings sind alle Varianten halbaktiv zielsuchend, weshalb ein Feuerleitradar das Ziel im Endanflug beleuchten muss. Um das Problem zu umgehen, wird ab 2011 mit der SM-6 eine „Fire-and-Forget“-Version angeboten.

Bestimmte Versionen der Standard Missile wurden als Basis für das Terminal High Altitude Area Defense-System (THAAD) verwendet. Ursprünglich wurden zwei Systeme entwickelt, die sogenannte Navy Area und Navy Theater-Wide. Die Entwicklung des Navy-Area-Systems wurde aufgrund von zeitlichen Verzögerungen und einer Kostenexplosion durch das US-Verteidigungsministerium gestoppt. Das System Navy Theater-Wide wird unter einem anderen Namen als Teil der Systemfamilie der Missile Defense Agency weitergeführt. Die dafür vorgesehene Lenkwaffe trägt den Namen SM-3 oder auch Standard Missile 3.

Eine Variante gegen Landziele, die sogenannte Land Attack Standard Missile SM-4, wurde vor der Serienproduktion gestoppt. Damit besteht auch weiterhin eine Lücke zwischen der Feuerkraft und Reichweite von Schiffsartillerie und Marschflugkörpern wie der BGM-109 Tomahawk.

Standard Missile 1 (SM-1)

Eine SM-1 verlässt einen Mk-13-Starter
Start einer SM-1 ER mit Booster

 

Die Standard Missile 1 wurde konstruiert, um die Tartar-Lenkwaffe abzulösen. Daher ist die Rakete auch zum Mk-13-Starter und dem AN/SPG-51-Feuerleitradar des Tartar-Systems kompatibel. Es existieren auch einige Varianten, die durch einen zusätzlichen Booster über eine höhere Reichweite verfügen („Extended Range“, ER). Des Weiteren verfügt die Rakete über einen Modus zur Bekämpfung von Überwasserzielen. Allerdings ist der Sprengkopf im Vergleich zu „vollwertigen“ Seezielflugkörpern erheblich kleiner, sodass dieser Modus hauptsächlich zur Bekämpfung kleinerer Schiffe konzipiert wurde. Die SM-1 wurde von 1967 bis 1983 produziert. Inzwischen wurde sie in den Beständen der US-Marine vollständig durch die SM-2 ersetzt. Trotzdem ist die Rakete noch in vielen Staaten im aktiven Dienst, sodass der jetzige Hersteller Raytheon immer noch Support und Ersatzteile bereitstellt.

Varianten

  • RIM-66A
    • Block I: Die erste Serienvariante. Es wird das Dual-Schub-Raketentriebwerk Mk 27 und der Gefechtskopf Mk 51 (62 kg) der Tartar-Lenkwaffe verwendet.
    • Block II und III: Es wurden kleinere Detailverbesserungen vorgenommen.
    • Block IV: Dies ist die am häufigsten produzierte Variante. Es wurden folgende Verbesserungen erreicht: geringere Mindestreichweite, erhöhte ECCM-Kapazitäten und eine geringere Aufschaltzeit. Die Rakete wurde 1968 in Dienst gestellt, wobei viele Block-III-Lenkwaffen nachträglich auf diesen Standard gebracht wurden.
  • RIM-66B, Block V: Bei dieser Version wurde ein neuer Suchkopf und Autopilot eingeführt. Auch wird nun ein Mk-90-Gefechtskopf und ein Mk-56-Raketentriebwerk verwendet. Durch diese Maßnahmen konnte die Reichweite um etwa 45 % erhöht werden.
  • RIM-66E, Block VI: Diese Variante erhielt einen neuen Mk-45-Näherungszünder sowie einen Monopuls-Radarsuchkopf, was die Leistung gegenüber Zielen mit geringem Radarquerschnitt verbesserte.
  • RIM-67A: Hierbei handelt es sich um die ER-Variante (Extended Range) mit gesteigerter Reichweite. Sie unterscheidet sich mit Ausnahme des Antriebssystems nicht von den anderen RIM-66-Versionen. Neben einem anderen Raketentriebwerk (Mk 30) wurde ein zusätzlicher Booster (Mk 12) installiert, um die Reichweite zu steigern.
  • RGM-66D: Diese Variante ist speziell für die Verwendung als Seezielflugkörper vorgesehen. Sie basiert auf der RIM-66B, wobei ein voll passiver Radarsucher verwendet wurde. Hierdurch kann die Rakete feindliche Schiffsradare gezielt bekämpfen.
  • RGM-66E: Entspricht der D-Version, wurde jedoch von ASROC-Startern aus eingesetzt.
  • RGM-66F: Diese Version sollte einen aktiven Radarsuchkopf zur Schiffsbekämpfung erhalten. Die Entwicklung wurde nach einigen Test im Jahre 1975 eingestellt.

Standard Missile 2 (SM-2)

Eine SM-2 verlässt die Senkrechtstartanlage für Flugkörper
Start einer RIM-156A. Diese Variante hat einen Booster am Ende.

 

Die SM-2 entstand aus der Forderung der US-Marine nach einer neuen Lenkwaffe, die zwar eine erheblich höhere Reichweite und Störfestigkeit als die SM-1 aufweisen, aber gleichzeitig auch mit möglichst vielen Komponenten des alten Systems kompatibel sein sollte. Daher kann die SM-2 unter anderem auch mit dem alten Mk-13-Starter sowie dem AN/SPG-51- und -60-Feuerleitradar verwendet werden. Diese Lenkwaffe ist der zentrale Bestandteil des Aegis-Kampfsystems und war von Anfang an für die Verwendung in Kombination mit dem AN/SPY-1-Suchradar und dem AN/SPG-62-Feuerleitradar vorgesehen. Daher benötigt der neue Suchkopf keine kontinuierliche Radarbeleuchtung des Ziels wie die SM-1. Beim Start erhält das inertiale Navigationssystem die Position des Zielobjektes vom Feuerleitsystem des Schiffes. Nach dem Start kann die SM-2 nun den größten Teil des Weges mit Hilfe ihres Navigationssystems autonom zurücklegen, so dass eine Radarbeleuchtung des Ziels nur in der Endphase des Fluges nötig ist. Die SM-2 besitzt wie die SM-1 ebenfalls einen Anti-Schiffs-Modus, der während der Operation Praying Mantis auch eingesetzt wurde, um das iranische Patrouillenboot Joshan zu versenken. In der Luftabwehrrolle kam die Rakete nur ein einziges Mal zum Einsatz. Tragischerweise wurde sie eingesetzt, um den Iran-Air-Flug 655 abzuschießen, der während der Operation Operation Earnest Will fälschlicherweise als eine iranische F-14 Tomcat identifiziert wurde. Auch bei der SM-2-Familie gibt es Varianten mit erhöhter Reichweite („Extended Range“; ER).

Varianten

  • RIM-66C, Block I: Dies ist die erste Serienvariante mit einem Gefechtskopf Mk 115, einem Monopuls-Radarsucher und einem neuen Autopiloten. Sie wurde 1978 in Dienst gestellt und bis 1983 produziert.
  • RIM-66D, Block I: Gleicht der C-Variante, ist jedoch für die Verwendung auf Schiffen mit Tartar-Feuerleitsystemen angepasst.
  • RIM-66G, Block II: Es wurde ein verbessertes Mk-104-Raketentriebwerk eingebaut um die Leistung gegenüber schnellen und agilen Zielen zu erhöhen. Darüber hinaus wurden neue Signalprozessoren integriert, um die ECCM-Kapazitäten zu steigern. Ein neuer Näherungszünder und ein Gefechtskopf mit gerichteter Sprengwirkung gewährleisten eine höhere Abschusswahrscheinlichkeit. Diese Version ist für den Einsatz auf Aegis-Schiffen konzipiert und wurde 1983 in Dienst gestellt.
  • RIM-66H, Block II: Die G-Variante für den Start aus einem VLS-System Mk 41.
  • RIM-66J, Block II: G-Variante für Schiffe mit Tartar-Feuerleitsystem.
  • RIM-66K, Block IIIA: Bei dieser Version wurde das Zielsystem überarbeitet, um eine bessere Leistung gegenüber tieffliegenden Zielen zu gewährleisten. Außerdem wurde der neue Mk-115-Gefechtskopf verwendet. Diese Rakete stützt sich auf das Tartar-Feuerleitsystem.
  • RIM-66L, Block IIIA: Gleicht der K-Version, ist aber für den Einsatz durch das Aegis-Kampfsystem konzipiert.
  • RIM-66M, Block IIIB: Diese Variante zeichnet sich durch einen zusätzlichen Infrarot-Suchkopf aus. Dieser wurde im Rahmen des Missile Homing Improvement Program (HMIP) entwickelt, um neueste Flugzeuge und Seezielflugkörper auch unter dem Einfluss massiver Radarstörung effektiv bekämpfen zu können. Diese Variante wurde in großen Stückzahlen beschafft und ist auf das VLS-System Mk 41 zugeschnitten. Raytheon stellt seit Anfang 2007 ein sog. „Maneuverability Upgrade“ zur Verfügung, das die Manövrierfähigkeit der Rakete durch neue Software und eine Schubvektorsteuerung deutlich erhöht. Das Upgrade kann problemlos in bereits vorhandene Block-III-B-Lenkwaffen eingebaut werden. Aktuell (Stand: Januar 2009) wird auch ein verbessertes Zielerfassungssystem getestet.
  • RIM-67B, Block I: Hierbei handelt es sich um die „Extended-Range“-Variante (ER) mit gesteigerter Reichweite. Dies wird wie bei der SM-1 ER mittels eines zusätzlichen Boosters erreicht. Diese Version wurde 1980 eingeführt.
  • RIM-67C, Block II: Durch die Verwendung des neuen Mk-70-Boosters konnte die Reichweite nochmals massiv erhöht werden.
  • RIM-67D, Block III: Diese Variante bekam ein neues Raketentriebwerk und ein verbessertes Zielsystem, ähnlich dem der RIM-66K.
  • RIM-67E: Irrtümliche Bezeichnung für die RIM-156A
  • RIM-156A, Block IV: Die Block-IV-Version wurde entwickelt, um eine bessere Verteidigung gegen hoch fliegende Ziele in großer Entfernung, neueste Seezielflugkörper und Ziele mit geringem Radarquerschnitt zu gewährleisten. Des Weiteren verfügt die Rakete über verbesserte ECCM-Kapazitäten. Die Block-IV-Variante wurde auch als Zwischenschritt zur Entwicklung der Block-IVA-Variante geplant, weshalb auch nur relativ geringe Stückzahlen beschafft wurden. Durch einen völlig neu entwickelten Booster (keine Flügel, Schubvektorsteuerung) war nun auch der Einsatz mit dem VLS-System Mk 41 möglich. Die Rakete wurde 1999 in Dienst gestellt und ist aktuell (Februar 2008) die weitreichendste konventionelle Luftabwehrlenkwaffe.
  • RIM-156B, Block IVA: Mit dieser Variante sollte die wirkungsvolle Bekämpfung von ballistischen Raketen im Rahmen des Programms Navy Area TBMD ermöglicht werden. Trotz eines erfolgreichen Tests wurde das Programm und damit auch die Entwicklung dieser Variante im Dezember 2001 eingestellt. Ihre Aufgabe übernimmt nun die SM-3-Rakete.
  • NT-SBT: Als die Entwicklung der Block-IVA-Variante eingestellt wurde, suchte man nach einer anderen Lösung, um ballistische Raketen innerhalb der Erdatmosphäre bekämpfen zu können. Als Basis sollte die Block-IV-Variante dienen. Die daraus entstandene Rakete heißt Near Term Sea-Based Terminal Weapon (NT-SBT), teils auch als „modified SM-2 Block IV“ bezeichnet, und ist primär zur Abwehr von in der Endphase befindlichen ballistischen Kurzstreckenraketen gedacht. Gegenüber der Block-IV-Variante wurden u.a. die Steuerungssoftware, der Booster und die Schubvektorsteuerung modernisiert. Im April 2006 wurde die Rakete erfolgreich gegen ein Unterschall-Testziel eingesetzt, im Mai desselben Jahres wurde eine Kurzstreckenrakete des Typs MGM-52 Lance erfolgreich abgefangen und im Juni 2007 wurde die erste Rakete aus der Serienproduktion an die US Navy übergeben. Am 5. Juni 2008 konnte die Lenkwaffe während eines Tests erfolgreich eine Kurzstreckenrakete beim Wiedereintritt in 19 km Höhe abfangen. Am 26. März 2009 wurde mit einer NT-SBT eine Kurzstreckenrakete abgefangen, während eine RIM-66L parallel einen Marschflugkörper abschoss.

Standard Missile 3 (SM-3)

Aufnahmen des FLIR-Suchkopfes der SM-3 (das letzte Bild zeigt eine Aufnahme durch Bodensensoren)

 

Nach dem Fehlschlag der SM-2 Block IVA begann man im Rahmen des US-Raketen-Abwehrprogramms die Entwicklung der Standard Missile 3, die ebenfalls zum Abfangen von ballistischen Raketen eingesetzt werden soll. Die Zerstörung anfliegender Raketen erfolgt mit Hilfe eines kinetischen Gefechtskopfes (auch „kinetic warhead“ oder „kill vehicle“ genannt), der das Ziel außerhalb der Atmosphäre direkt trifft und durch seine hohe kinetische Energie zerstört. Es ist also keinerlei Sprengstoff wie bei konventionellen Gefechtsköpfen nötig. Der Abfangkurs wird mittels eines FLIR-Sensors ermittelt, der auf das Ziel aufschaltet. Der Gefechtskopf bringt sich anschließend mittels Schubdüsen auf Kollisionskurs mit dem Zielobjekt, um es zu zerstören. Die Kollision mit dem Zielobjekt findet bei einer Geschwindigkeit von über 8 km/s (28.800 km/h) statt. Die SM-3 kann auch ein Multiple Kill Vehicle-System tragen.

Die Entwicklung wird von der Missile Defense Agency geleitet, die im Rahmen dieses Abwehrprogramms gegründet wurde. 18 Schiffe (drei Lenkwaffenkreuzer, 15 Lenkwaffenzerstörer) der Navy sind aktuell damit ausgerüstet, wobei drei weitere Schiffe noch folgen sollen[1]. Bis heute (Januar 2010) konnte die SM-3 in 20 Tests 18 Ziele erfolgreich abfangen, was einer Trefferwahrscheinlichkeit von 90 % entspricht. In einem der letzten Tests wurden zwei ballistische Raketen simultan abgefangen, wobei ein japanischer Zerstörer der Kongō-Klasse das Ziel ebenfalls verfolgte und eine simulierte Bekämpfung durchführte. Am 17. Dezember 2007 konnte das japanische Schiff Kongō eine von der Insel Kauaʻi startende ballistische Mittelstreckenrakete autonom in 160 km Höhe abfangen. Das Manöver wurde von der Lake Erie mitverfolgt, wobei das Schiff mit einem THAAD-System kontinuierlich Zieldaten austauschte. Der kinetische Gefechtskopf selbst hat sich in zusätzlichen Tests weitere sechs Mal bewährt.

Auch Japan plant die Einführung der SM-3-Abfangraketen auf Zerstörern der japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte zum Schutz vor möglichen nordkoreanischen Raketen. Daher beteiligt man sich mit mehreren Milliarden US-Dollar an der Systementwicklung.

Die SM-3-Rakete hat begrenzte Fähigkeiten als Antisatellitenwaffe. Der außer Kontrolle geratene Spionagesatellit USA 193 (NRO-L 21) wurde am 21. Februar 2008 erfolgreich durch eine SM-3-Rakete in einem Abschussgebiet nördlich von Hawaii zerstört. Der Satellit wurde in einer Höhe von 247 km bei einer Geschwindigkeit von 10,5 km/s direkt getroffen. Gestartet wurde die Rakete von der USS Lake Erie, wobei die USS Decatur und die USS Russell mit zur Einsatzgruppe gehörten [2]. Der Start wurde wesentlich durch die Tatsache verzögert, dass der Satellit unkontrolliert taumelte und somit keine genauen Bahndaten vor dem Abschuss ermittelt werden konnten. Folgende Ortungs- und Verfolgungssysteme wurden im Laufe der Operation genutzt: Sea-Based X-Band Radar, PAVE PAWS, BMEWS, AN/SPY-1B/D, THAAD-Radarsysteme, Testradare der Kauai Test Facility und diverse satellitengestützte Systeme.[3]

Im Februar 2008 erhielt Raytheon vom US Verteidigungsministerium den Auftrag, 102 Block-IA-Lenkwaffen SM-3 bis Anfang 2012 auszuliefern. Dabei sollen 75 Stück an die US Navy gehen und 27 Stück an Japan.[4]

Die Missile Defense Agency erwägt nun auch eine landgestützte Version der SM-3, da Israel nach Möglichkeiten sucht, um iranische Mittelstreckenraketen außerhalb der Erdatmosphäre bekämpfen zu können. Momentan arbeitet Raytheon an einem begrenzt mobilen System mit acht VLS-Modulen, die auch auf Aegis-Schiffen eingesetzt werden. Die Rakete selbst muss nur geringfügig modifiziert werden; allerdings sind umfassende Änderungen am C2-System nötig, um es in das israelische Kommunikationsnetzwerk zu integrieren.

Testergebnisse

Start einer SM-3 von Bord des Lenkwaffenkreuzers Lake Erie zur Zerstörung des Satelliten USA 193
Eine SM-3 kurz nach dem Verlassen des Mk-41-VLS

 

Stand: September 2012

Datum Zieltyp Reichweite des Ziels Separierender
Gefechtskopf
Plattform Testergebnis
Januar 2002 SRBM 300–500 km Nein USS Lake Erie Erfolg
Januar 2002 SRBM 300–500 km Nein USS Lake Erie Erfolg
November 2002 SRBM 160–600 km Nein USS Lake Erie Erfolg
Juni 2003 SRBM 160–600 km Nein USS Lake Erie Fehlschlag
Dezember 2003 SRBM 160–600 km Nein USS Lake Erie Erfolg
Februar 2005 SRBM 160–600 km Nein USS Lake Erie Erfolg
November 2005 MRBM 227–925 km Ja USS Lake Erie Erfolg
Juni 2006 MRBM 227–925 km Ja USS Shiloh Erfolg
Dezember 2006 SRBM 400 km Nein USS Lake Erie Fehlschlag
April 2007 SRBM 400 km Nein USS Lake Erie Erfolg
Juni 2007 MRBM 227–900 km Ja USS Decatur Erfolg
August 2007 Geheim Geheim Geheim Geheim Erfolg
November 2007 2 × SRBM 400 km Nein Lake Erie,
Kongō
2 × Erfolg
Dezember 2007 MRBM 227–900 km Ja JDS Kongō Erfolg
Februar 2008 * Satellit
(USA 193)
- - USS Lake Erie Erfolg*
November 2008 2 × SRBM unbk. unbk. USS Hopper,
USS Paul Hamilton
1 × Fehlschlag
1 × Erfolg
Juli 2009 SRBM unbk. unbk. USS Hopper Erfolg
Oktober 2009 MRBM unbk. Ja JDS Myoko Erfolg
Oktober 2010 MRBM 1000 km Ja JDS Kirishima Erfolg
April 2011 IRBM 2.400–5.500 km Ja USS O'Kane Erfolg
September 2012 unbk. unbk. unbk. USS Lake Erie Fehlschlag
Mai 2012 unbk. unbk. unbk. USS Lake Erie Erfolg
Juni 2012 unbk. unbk. Ja USS Lake Erie Erfolg

* Außerplanmäßiger Einsatz

Varianten

Projektplan zur Weiterentwicklung der SM-3

 

Seit 2004 plant das Verteidigungsministerium eine stetige Verbesserung der SM-3. Dies soll in mehreren Schritten (engl. „Blocks“) erfolgen, wobei die Entwicklung im Anfang 2007 begonnen hat. Es folgt ein Überblick der geplanten Varianten.

  • RIM-161A, Block I: Eine Reihe von Prototypen auf Basis der RIM-156A. Es wurden elf Raketen beschafft.
  • RIM-161B, Block IA: Bezeichnet die aktuelle Version, die seit 2004 bei Tests eingesetzt wird und einen Monoband-FLIR-Sensor verwendet. Es sollen 82 Lenkwaffen beschafft werden.
  • RIM-161C, Block IB: Bei dieser Variante wurde der kinetische Gefechtskopf verbessert. Hierzu wurde ein Dualband-FLIR-Sensor integriert, der zwei Frequenzbänder gleichzeitig auswerten kann. Zusammen mit einem neuen Bordcomputer wird so die Abfangleistung erhöht, besonders im Umfeld von Störmaßnahmen und Täuschkörpern. Zusätzlich wurden weitere Verbesserungen an der Optik durchgeführt, um eine höhere Erfassungsreichweite zu gewährleisten. Des Weiteren wurde ein neues Antriebssystem entwickelt, das die Schubdüsen präziser kontrollieren kann und damit eine genauere Kurssteuerung gewährleisten soll. Der erste Testschuss erfolgte von der USS Lake Erie im Mai 2012. Die Einführung fand im April 2014 statt, es sollen insgesamt 52 Raketen beschafft werden.
  • Block II: Neben weiteren kleinen Modifikationen am Gefechtskopf steht bei dieser Variante die Verbesserung der Flugeigenschaften im Vordergrund. Die gesamte Rakete soll im Durchmesser auf 53 cm vergrößert werden, sodass der verfügbare Platz in einem Mk-41-VLS-System voll ausgenutzt werden kann. Hierdurch kann wesentlich mehr Treibstoff mitgeführt werden, was besonders die Bekämpfung von Interkontinentalraketen erleichtert. Auch Japan wird sich an der Entwicklung dieser Variante beteiligen, die zwischen 2010 und 2012 eingeführt werden soll.
  • Block IIA: Diese Weiterentwicklung der SM-3 wird einen größeren kinetischen Gefechtskopf umfassen, der eine nochmals verbesserte Störfestigkeit und Manövrierbarkeit aufweisen wird. Auch die Flugeigenschaften der Rakete sollen weiter optimiert werden. Die Einführung ist für 2015 vorgesehen, wobei sich Japan auch an dieser Version beteiligen wird.
  • Block IIB: Diese geplante SM-3-Ausführung verwendet abgesehen vom Sensorenpaket keine Komponenten der Vorgängermodelle, sondern soll komplett neu entwickelt werden. Die neuen Lenkwaffen sollen ICBM auch während der Startphase (engl. boost phase), in einer Höhe von 20 bis 40 km bekämpfen können.[5] Als Einsatzplattform dienen primär die Aegis-Schiffe. Für den Einsatz in Europa soll eine fahrzeuggebundene Ausführung entwickelt werden.[6]

Standard Missile 4 (LASM)

Die SM-4 war als Landzielflugkörper konzipiert, und wurde als RGM-165 LASM (Land Attack Standard Missile) bezeichnet. Dazu wurde der Radarsucher durch einen GPS/INS-Sucher ausgewechselt, und der Gefechtskopf durch einen Mark 125 der SM-2MR Block III A mit 135 kg ersetzt. Der Rest war mit der SM-2MR identisch, die Reichweite im Schiff-Boden-Einsatz betrug 280 km. Damit sollten Bodentruppen an Land von See aus mit Feuerunterstützung versorgt werden, wenn eine BGM-109 Tomahawk zu viel des Guten wäre. Die LASM hätte das Ziel im Sturzflug angegriffen, und wäre kurz über dem Boden detoniert, um die Wirkung zu erhöhen. Nachdem Ende 1997 der neue Sucher an drei modifizierten RIM-66K SM-2MR Block III getestet wurde, begann die LASM-Entwicklung, und die Bezeichnung RGM-165A wurde vergeben. Ursprünglich sollten 800 SM-2MR Block II/III Flugkörper in RGM-165A konvertiert werden, um ab 2003/2004 bereit zu stehen. Die US Navy beendete das Programm jedoch 2002, mit der lakonischen Begründung, das die Waffe weder bewegte noch gehärtete Ziele erfolgreich angreifen könne.[7]

Standard Missile 5

Sollte eine Flugabwehrlenkwaffe der nächsten Generation hervorbringen. Nach einer Erörterung von Alternativen, bei der mehr Wert auf Kosten gelegt wurden, entschied sich die US Navy für das inkrementelle Vorgehensmodell mit der SM-6. Die Standard Missile 6 soll 80 Prozent der Fähigkeiten einer SM-5 besitzen, bei nur der Hälfte der Kosten.[8]

Standard Missile 6 (SM-6 ERAM)

SM-6 ERAM beim Start

 

Die RIM-174 SM-6 ERAM (Extended Range Active Missile) ist eine Weiterentwicklung der SM-2-Rakete, welche die Bekämpfung neuester Kampfflugzeuge und Marschflugkörper verbessern soll. Zu diesem Zweck wurde der aktive Radarsuchkopf der AIM-120C-7 AMRAAM-Rakete so angepasst, dass er in das Gehäuse der Block-IV-Rakete SM-2 eingebaut werden kann[9]. Durch diesen Schritt ist es möglich, Entwicklungszeit und Kosten erheblich zu reduzieren und die Zuverlässigkeit zu steigern, da die meisten Komponenten bereits ausgereift sind und lediglich geringfügig modifiziert werden müssen. Durch das bordeigene Radar ist es nun möglich, auch Ziele zu bekämpfen, die sich hinter dem Radarhorizont der Startplattform befinden. Ballistische Raketen sollen ebenfalls innerhalb der Atmosphäre bekämpft werden können[10]. Gegenüber dem originalen AMRAAM-Suchkopf wurde die Antenne im Durchmesser von 18 cm auf 34 cm vergrößert, um deren Leistung zu steigern[10]. Die Zieldaten werden in diesem Fall von anderen Sensorplattformen – unter anderem über das Cooperative Engagement Capability-System – zur Verfügung gestellt (z. B. von AWACS-Maschinen oder Kampfflugzeugen). Eine klassische halb-aktive Lenkung mit einem Zielradar ist allerdings auch weiterhin möglich.[11] Die Reichweite soll wie bei der RIM-156A über 370 km (200 NM+) betragen[9].

Nach dem Projektabbruch der SM-2ER Block IVA (RIM-156B) bekam Raytheon 2004 den Entwicklungsauftrag für die RIM-174 SM-6 ERAM. Der Projektstart erfolgte 2005. Die ersten Integrationstests wurden 2007 durchgeführt. Am 24. Juni 2008 konnte die SM-6 eine BQM-74-Zieldrohne erfolgreich abschießen. Hierzu verwendete sie ihren aktiven Radarsucher und erzielte einen direkten Treffer. Am 8. Mai 2009 wurde ein Marschflugkörper über Land erfolgreich abgefangen[12]. Hierbei wurde die Lenkung während des Marschfluges durch ein Vorserienmodell der ebenfalls in der Entwicklung befindlichen E-2D Hawkeye durchgeführt. Die Kommunikation wurde hierbei über den CEC-Datenlink abgewickelt. Am 14. Januar 2010 fand der vierte gelenkte Flugtest statt, so dass die Lenkwaffe danach auch auf See erprobt werden konnte.

Im Jahre 2006 erhielt Raytheon den Auftrag die Produktion der Lenkwaffe bis 2011 für die Vorserienproduktion hochzufahren. Im März 2011 wurde dann die erste SM-6 an die US Navy ausgeliefert.[13] Drei Monate später erhielt der Konzern dann einen Auftrag über 182 Mio. US-Dollar, welcher die Produktion von 59 weiteren Lenkwaffen vorsieht.[14] Im Oktober 2013 erfolgte eine Bestellung mit einem Volumen von 243 Mio. US-Dollar für weitere 89 Lenkwaffen. Mit der Installation der ersten Lenkwaffen auf der Kidd wurde am 27. November 2013 die Initial Operating Capability erreicht

 

Plattformen

SM-1

SM-2

Anmerkung: Alle Schiffe, die SM-2-Raketen einsetzen können, sind zu den SM-1-Raketen kompatibel, sofern sie über einen Mk-13- oder Mk-26-Starter verfügen.

SM-3

SM-6

Technische Daten

System SM-1 Medium Range SM-1 Extended Range SM-2 Medium Range SM-2 Extended Range SM-3 SM-6
Variante RIM-66E RIM-67A RIM-66M RIM-156A RIM-161B RIM-174
Länge 4,41 m 7,90 m 4,72 m 6,55 m 6,60 m 6,55 m
Startgewicht 496 kg 1.341 kg 708 kg 1.466 kg 1.501 kg k.A.
Durchmesser 0,34 m 0,34 m 0,34 m 0,53 m 0,34 m 0,53 m
Spannweite 1,08 m 1,60 m 1,08 m 1,08 m 1,57 m 1,57 m
Antrieb einstufige Feststoffrakete zweistufige Feststoffrakete einstufige Feststoffrakete zweistufige Feststoffrakete dreistufige Feststoffrakete zweistufige Feststoffrakete
Reichweite 45 km 65 km 167 km 185 – 370 km 500 km+ 370 km+
Einsatzhöhe 19 km 24 km 24 km+ 33 km Mindestens 247 km 33 km
Geschwindigkeit Mach 2+ Mach 2+ Mach 3,5 Mach 3,5 9600 km/h Mach 3,5
Lenkung Semi-aktive Radarzielsuche Semi-aktive Radarzielsuche, INS Semi-aktive Radarzielsuche, INS, Datenlink,
IR
Semi-aktive Radarzielsuche, INS, Datenlink Datenlink, GPS, INS, FLIR Aktive Radarzielsuche, INS, Datenlink
Gefechtskopf 62 kg Continuous Rod 62 kg Continuous Rod 113 kg hochexplosiv/Splitter 113 kg hochexplosiv/Splitter Lightweight Exo-Atmospheric Projectile
(kinetischer Gefechtskopf)
113 kg hochexplosiv/Splitter
Zündung Aufschlag-/Näherungszünder Aufschlag-/Näherungszünder Aufschlag-/Näherungszünder Aufschlag-/Näherungszünder keine Zündung vorhanden Aufschlag-/Näherungszünder
Startsysteme Mk 13 Mk 10 Mk 13 / Mk 26 / Mk 41 Mk 41 Mk 41 Mk 41
Einführungsjahr 1970 1981 1981 1998 Erprobung seit 2004 2013
Stückpreis 402.500 USD 409.000 USD 421.400 USD k.A. ca. 990.000 USD[4] k.A.

 

Vergleichbare Systeme

AGM-69 SRAM

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AGM-69A SRAM

AGM-69A SRAM loaded into B-1B.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Luft-Boden-Rakete
Hersteller: Boeing
Entwicklung: 1966
Stückpreis: 592.000 USD
Technische Daten
Länge: 4,27 m
Durchmesser: 450 mm
Gefechtsgewicht: 1.016 kg
Spannweite: 900 mm
Antrieb: Feststoff-Raketentriebwerk
Geschwindigkeit: Mach 3
Reichweite: 160 km
Ausstattung
Zielortung: INS
Gefechtskopf: W-69 Nuklearsprengkopf 170–200 kT
Waffenplattformen: Flugzeuge

Die AGM-69A SRAM (Short Range Attack Missile) war eine Luft-Boden-Rakete der Firma Boeing mit Nuklearsprengkopf.

 

Entwicklung

Im Jahr 1966 bekam Boeing den Auftrag zur Entwicklung eines Nachfolgesystems der AGM-28 Hound Dog. Als Einsatzplattformen waren der strategische Bomber B-52 sowie der Mittelstreckenbomber FB-111 Aardvark vorgesehen. Der erste Teststart einer AGM-69 erfolgt 1969. Die ersten Waffen wurden im September 1972 an das Strategic Air Command ausgeliefert. Nach der Produktion von 1.500 Lenkwaffen wurden 1975 die Produktionslinien geschlossen.

Später kamen als weitere Einsatzplattformen die strategischen Bomber B-1B Lancer und B-2 Spirit dazu.

Technik

Die Steuerung der AGM-69 erfolgte mittels einer Trägheitsnavigationsplattform. Es wurde eine Präzision (CEP) von 430 m erreicht. Die Zielkoordinaten wurden in der Regel am Boden vor dem Flugzeugstart in das Navigationssystem der Lenkwaffe eingegeben. Es war aber auch möglich, neue Zielkoordinaten während des Fluges an Bord des Flugzeuges einzugeben. Die AGM-69 wurde von einem hochenergetischen Dualpuls-Feststoff-Raketentriebwerk SR75-LP-1 der Firma Lockheed angetrieben. Dieser Raketenantrieb konnte zwischen der Zündung des Start- und Marschantriebes pausieren. Zwischen den beiden Zündungen konnten bis zu 80 Sekunden liegen. Diese Verzögerungszeit musste vor dem Lenkwaffenstart in das Navigationssystem der Lenkwaffe eingegeben werden. Der thermonukleare W-69-Sprengkopf konnte mittels Näherungszünder in der Luft detonieren oder mit dem Aufschlagzünder bei Bodenkontakt ausgelöst werden. Die AGM-69 verfügte über vier einprogrammierte Angriffsprofile:

  • Aeroballistischen Flugbahn: Beim Start aus dem Tiefflug lag die Reichweite bei etwa 80 km. Beim Start aus großer Höhe lag bei diesem Angriffsprofil die Reichweite bei 160 km.
  • Lo-Lo: Die Lenkwaffe flog im Konturenflug. Ein Höhenmesser sorgte für den nötigen Sicherheitsabstand zwischen der Lenkwaffe und dem Terrain.
  • Hi-Lo: Die Lenkwaffe flog auf einer hochgezogenen Startphase. Auf diese Flugphase folgte ein kurzer aerodynamisch antriebsloser Flug, der durch den Flugkörperauftrieb andauerte. Dann wurde das Marschtriebwerk gezündet und die Lenkwaffe flog aus großer Höhe das Ziel direkt an.
  • Kombinierter Flug: Einem anfänglichen Marschflug in großer Höhe folgte der abschließende Zielangriff im Tiefflug.

Trägerflugzeuge:

  • B-52: 20 SRAM (acht im Waffenschacht, je sechs unter den Tragflächen)
  • FB-111: 6 SRAM (zwei im Waffenschacht, je zwei unter den Tragflächen)
  • B-1B: 24–32 SRAM (24 im Waffenschacht an drei rotierende Abwurfsystemen – je vier unter den Tragflächen)
  • B-2A: 16 SRAM (im Waffenschacht)

Einsatz

Die AGM-69 war als Unterstützungswaffe für die US-Bomber vorgesehen. Die Bomber hätten sich bei einem Angriff auf die Sowjetunion den Weg zu ihren Zielen mit den nuklearen AGM-69 SRAM freigekämpft. Ziele wie Militärflugplätze, Radarstationen und Flugabwehrstellungen wären mit SRAMs bekämpft worden, während das Hauptziel mit großkalibrigen nuklearen Freifallbomben angegriffen worden wäre.

Status

1990 wurden die SRAMs aus dem aktiven Dienst entfernt und verschrottet. Dies geschah vor allem aus Sicherheitsgründen, da die Gefechtsköpfe nicht ausreichend gegen Feuer und Unfälle geschützt waren. Ebenso begann sich der Feststoff-Raketentreibstoff in den Lenkwaffen zu zersetzen. Das Nachfolgemodell AGM-131 SRAM II wurde 1991 von Präsident George H. W. Bush ersatzlos gestrichen.

BGM-71 TOW

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BGM-71E TOW-2A

Tow atm.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Panzerabwehrlenkwaffe
Hersteller: Hughes
Indienststellung: 1970
Technische Daten
Länge: 1,41 m
Durchmesser: 152 mm
Gefechtsgewicht: 22,6 kg
Spannweite: 460 mm
Antrieb: Feststoff-Raketentriebwerk
Geschwindigkeit: 278–320 m/s
Reichweite: 65–3.750 m
Ausstattung
Zielortung: SACLOS, via Lenkdraht
Gefechtskopf: 5,9-kg-Tandemhohlladung
Waffenplattformen: Fahrzeuge, Hubschrauber und Dreibeinlafette

 

TOW steht für Tube Launched Optically Tracked Wire Guided Missile und bezeichnet einen rohrgestarteten, optisch verfolgten, drahtgelenkten Flugkörper, eine amerikanische Panzerabwehrlenkwaffe. Der Systemindex der US-Streitkräfte lautet BGM-71.

Entwicklung

Anfang der 1960er-Jahre suchten die US-Streitkräfte einen Ersatz für das in die Jahre gekommene rückstoßfreie Geschütz M40 sowie für die Panzerabwehrlenkwaffen MGM-32 ENTAC und AGM-22. Dabei sollte das neue System ebenso mobil und einfach zu bedienen sein wie die Vorgängermodelle. Der Entwicklungsauftrag wurde Hughes zugesprochen, worauf im Jahr 1965 die Entwicklungsarbeiten begannen. Nach einer äußerst kurzen Entwicklungszeit begann bereits 1968 die Serienproduktion. Die ersten Exemplare wurden 1970 an die US-Streitkräfte ausgeliefert. Nachdem Hughes von Boeing übernommen worden war, übernahm Raytheon die Lenkwaffensparte und auch die Produktion der TOW. Außerhalb der USA wurden TOW in verschiedenen Ländern in Lizenz produziert. Bisher sind weit über 620.000 TOW hergestellt worden

 

Technik

Eine TOW kann von verschiedenen Plattformen aus eingesetzt werden: Dreibein-Lafette, Fahrzeuge und Hubschrauber. In der Grundausführung wird die TOW mit dem Startsystem M220 eingesetzt. Dieses umfasst im Wesentlichen eine Dreibein-Spreizlafette, die optische Zielverfolgungseinheit, das Ortungsgerät, sowie die Energieversorgungseinheit. Ab 1976 wurde das Nachtsichtgerät TAS-4 von Texas Instruments eingeführt, welches auf das Zielgerät aufgesetzt werden konnte.[2] Von 1998 bis 2003 beschaffte die U.S. Army 709 Einheiten des von Raytheon weiterentwickelten Steuersystems TOW Improved Target Acquisition System (TOW ITAS). Dieses verfügt über ein integriertes Nachtsichtgerät, einen Laser-Entfernungsmesser sowie über einen verbesserten Feuerleitrechner. Die TOW ITAS kommt auf Fahrzeugen vom Typ HMMWV und für die bodengestützte TOW zum Einsatz.

Das glasfaserverstärkte Start- und Transportrohr mit der Lenkwaffe lässt sich auf die Oberlafette neben die Zielverfolgungseinheit aufsetzen. Hat der Schütze das Ziel anvisiert, betätigt er den Auslöser und zündet damit das Starttriebwerk, welches die Lenkwaffe aus dem Rohr ausstößt. In einer Entfernung von 10 bis 12 m zündet das raucharme Marschtriebwerk und beschleunigt die Lenkwaffe auf 278–320 m/s.[3] Nach einer Brenndauer von 1,6 bis 2,0 Sekunden ist dieses ausgebrannt und die Lenkwaffe fliegt antriebslos weiter. Um die gesamte Reichweite von 3750 m zu durchfliegen, benötigt die Waffe knapp 20 Sekunden. Die Endgeschwindigkeit zu diesem Zeitpunkt beträgt noch etwa 200 m/s. Während des Fluges spult die Lenkwaffe zwei Drähte ab, über die sie Lenkkommandos erhält. Die TOW arbeitet nach dem SACLOS-Lenksystem (halbautomatische Kommandolenkung). Dabei verfolgt das Ortungsgerät die Lenkwaffe über einen am Heck angebrachten Xenon-Infrarot-Strahler. Lenkkommandos werden in der Zielverfolgungseinheit errechnet und mittels der Drahtverbindung an die Lenkwaffe übermittelt. Während des Fluges brauchte der Schütze lediglich das Ziel im Fadenkreuz zu behalten.[2] Die Version TOW-2B ändert in der letzten Flugphase selbstständig ihren Kurs und setzt sich über das Ziel. Die beiden nach unten gerichteten EFP-Sprengköpfe werden mittels Laser- und Magnetsensor gezündet (sogenannte Top attack). Bei diesem Angriffsprofil müssen die Gefechtsköpfe nur die dünne Dachpanzerung des Kampfpanzers durchschlagen. Auch lassen sich so Ziele bekämpfen, welche sich in Deckung befinden.

Varianten

  • BGM-71A TOW: Erste Serienversion ab 1968. Reichweite 3.000 m; mit 3,9 kg schwerer Hohlladung, Panzerdurchschlag 430 mm RHA.
  • BGM-71B TOW: Zweite Serienversion ab 1976. Reichweite 3.750 m. Hauptsächlich für den Einsatz ab Hubschraubern entwickelt; es wurden über 314.000 Lenkwaffen der A- und B-Serie hergestellt.
  • BGM-71C I-TOW: Im Jahr 1981 unter der Bezeichnung Improved TOW eingeführt. Ausgerüstet mit größerem Gefechtskopf mit 126 mm Durchmesser und einem Abstandsdorn, Panzerdurchschlag 630 mm RHA. Über 60.000 Stück hergestellt.
  • BGM-71D TOW-2: Eingeführt 1984. Mit verbesserter Elektronik und neuer 5,9 kg schwerer Hohlladung mit 152 mm Durchmesser, Panzerdurchschlag 800–900 mm RHA. Rund 78.000 Stück hergestellt.
  • BGM-71E TOW-2A: Eingeführt 1986; mit Tandemhohlladung zur Bekämpfung von Reaktivpanzerung, Panzerdurchschlag 900–1.020 mm RHA. Über 51.000 Stück hergestellt.
  • BGM-71F TOW-2B: Komplett neue Version ab 1993; mit neuer Elektronik und störfesterem Steuersystem für den sog. Top attack: Die Lenkwaffe überfliegt das Ziel und zündet mittels Sensoren zwei nach unten gerichtete EFP-Sprengköpfe. Rund 40.000 Stück hergestellt.
  • BGM-71G: Version zur Bekämpfung von Feldbefestigungen; mit sog. BLAAM-Sprengkopf (Bunkers, Light Armour And Masonry), nur in Kleinserie produziert.
  • BGM-71H: Version mit einem Sprengkopf zur Bekämpfung von Betonbunkern; auch als TOW Bunker Buster bezeichnet, seit 2001 im Einsatz.
  • TOW-2B Aero: Version der BGM-71F mit erhöhter Reichweite von 4.500 m, eingeführt 2004.
  • TOW-2B Aero RF: Version der BGM-71F mit Funkkommando-Lenkung; Reichweite 4.500 m, eingeführt 2006.
  • MAPATS: Version von IMI aus Israel; ausgerüstet mit Laser-Zielsuch-Lenksystem.
  • Toophan: Version aus dem Iran; nachgebaut mittels Reverse-Engineering.

Einsatzplattformen

Start der Panzerabwehrlenkwaffe TOW
Hubschrauber
Fahrzeuge

Einsatz

Die BGM-71 TOW wurde erstmals 1972 im Vietnamkrieg vom 1st Combat Aerial TOW Team der US Army eingesetzt, um den neuen Flugkörper unter Einsatzbedingungen zu testen. Dabei wurde die TOW auf einem UH-1B Huey mithilfe der Waffenstation XM-26 montiert und gegen feindliche Panzer der nordvietnamesischen Armee eingesetzt. Innerhalb von zwei Monaten wurden 24 feindliche Panzer (darunter viele PT-76) zerstört. Danach kam sie im Ersten Golfkrieg zum Einsatz. [2] Von den US-Streitkräften wurde die BGM-71 TOW in nahezu jedem Konflikt mit hoher Intensität eingesetzt, unter anderem während der Operation Desert Storm, Operation Enduring Freedom in Afghanistan und dem Irakkrieg 2003. Daneben kam sie auch im Krieg gegen den Terrorismus zum Einsatz.

Nutzerstaaten

Improved Target Acquisition System (ITAS) TOW-System der US-Armee (2007)
Start einer TOW von einem HMMWV

MIM-72 Chaparral

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MIM-72 Chapparal (M730)
MIM-72 Chaparral 07.jpg
Allgemeine Eigenschaften
Besatzung 5 Mann
Länge 6,06 m
Breite 2,69 m
Höhe 2,68 m
Masse 11 t
Panzerung und Bewaffnung
Panzerung max. 44 mm
Hauptbewaffnung 4 × Boden-Luft-Rakete MIM 72C
Sekundärbewaffnung k.A.
Beweglichkeit
Antrieb 6-Zylinder-Dieselmotor, wassergekühlt
160 kW (215 PS)
Federung Torsionsstab
Höchstgeschwindigkeit 68 km/h
Leistung/Gewicht 14,54 kW/t
Reichweite 483 km

 

Das MIM-72 Chaparral war ein US-amerikanisches Kurzstrecken-Flugabwehrraketensystem. Das Fahrzeug wurde auch als M-48 Chaparral bezeichnet.

 

Entstehungsgeschichte

In den 1960er-Jahren verhandelten Großbritannien und die USA ergebnislos über die Einführung eines gemeinsamen Kurzstrecken-Luftabwehrraketensystems mit der Bezeichnung Mauler. In der Folge wurden separate Lösungen verwirklicht. Während die Briten mit dem Rapier-System eine völlige Neukonstruktion entwickelten, versuchten die US-Amerikaner, ein bereits bestehendes System für den Boden-Luft-Einsatz tauglich zu machen – das Ergebnis war das Chaparral-System.

Rakete

Als Basis für die Chapparal-Rakete diente eine für die Boden-Luft-Abwehr modifizierte Luft-Luft-Rakete Sidewinder. Vier Chapparal-Raketen wurden auf das Chassis des Schützenpanzers M113 montiert. Ursprünglich wurde die Rakete auf das anfliegende Ziel gerichtet und abgefeuert, nachdem der IR-Suchkopf das Ziel aufgenommen hatte. In späteren Jahren wurde ein Feuerleitradar hinzugefügt, um Ziele auch bei schlechter Sicht angreifen zu können. Ein zusätzliches Suchradar musste gegebenenfalls separat mitgeführt werden.

Technische Daten der Rakete

  • Länge der Rakete: 2,87 m
  • Durchmesser: 127 mm
  • Sprengkopf: 10,2 kg mit Näherungszünder
  • Startgewicht: 88,5 kg
  • Max. Reichweite: 4000 m

UGM-73 Poseidon

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UGM-73 Poseidon

Eine Poseidon startet von einem getauchten U-Boot
Eine Poseidon startet von einem getauchten U-Boot

Allgemeine Angaben
Typ: Mittelstreckenrakete (SLBM)
Heimische Bezeichnung: UGM-73 Poseidon
Herkunftsland: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller: Lockheed Martin
Entwicklung: 1965
Indienststellung: 1971
Einsatzzeit: 1992
Technische Daten
Länge: 10,36 m
Durchmesser: 1.880 mm
Gefechtsgewicht: 29.500 kg
Antrieb:
Erste Stufe:
Zweite Stufe:
Dritte Stufe:

Feststoffraketentriebwerk
Feststoffraketentriebwerk
PBV (Post Boost Vehicle)
Reichweite: 3.300 km (14 MIRV); 4.630 km (10 MIRV); 5.550 km (8 MIRV)[1]
Ausstattung
Lenkung: Trägheitsnavigationsplattform
Gefechtskopf: 8 bis 14 W-68 MIRV in Mk.3 Wiedereintrittskörpern mit je 40 kt[1]
Waffenplattformen: SSBN
Streukorridor:

0 km (bei 14 MIRV) bis 550 km (bei 8 MIRV)[1]

CEP:

ca. 460 m[1]

 

Die UGM-73 Poseidon war die zweite Generation von seegestützten ballistischen Flugkörpern der USA, Nachfolger der UGM-27 Polaris und Vorgänger der Trident. Sie wurde von strategischen Atom-U-Booten gestartet.

Die zweistufige Feststoffrakete war eine Weiterentwicklung des Polaris-Flugkörpers. Durch Wegfall von Führungsrohren und Dichtungsringen im Startrohr konnte man einen um 51 cm Durchmesser größeren Flugkörper verwenden. Bei gleicher Reichweite wie die Polaris hatte die Poseidon die doppelte Nutzlast bei stark erhöhter Zielgenauigkeit und konnte gegenüber der Polaris SLBM Mehrfachsprengköpfe (MIRV) einsetzen.

Der Erstflug fand 1968, der erste Unterwasserstart im August 1970 von Bord der USS James Madison (SSBN-627) statt. Kurz darauf wurden die U-Boote der Lafayette-Klasse mit Poseidon-Flugkörpern ausgerüstet.

M47 Dragon

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M47 Dragon

Dragon 04.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Panzerabwehrlenkwaffe
Heimische Bezeichnung: M47
NATO-Bezeichnung: FGM-77 Dragon
Herkunftsland: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller: McDonnell Douglas, Raytheon
Entwicklung: 1966
Indienststellung: 1975
Stückpreis: 13.000 $
Technische Daten
Länge: 1,15 m
Durchmesser: 127 mm
Gefechtsgewicht: 16,1 kg
Spannweite: 340 mm
Antrieb: Feststoff-Raketentriebwerk
Geschwindigkeit: 200 m/s
Reichweite: 1.500 m
Ausstattung
Lenkung: SACLOS, via Draht
Gefechtskopf: 2,5 kg Hohlladung
Zünder: Aufschlagzünder

 

Die M47 Dragon ist eine amerikanische Panzerabwehrlenkwaffe (PAL). Sie ist das Vorgängermodell der FGM-148 Javelin und wird noch heute von zahlreichen Streitkräften verwendet.

Geschichte

Die Entwicklung der Dragon wurde vom U.S. Army Ordnance Missile Command (AOMC) im September 1959 in Auftrag gegeben. Ziel war es, eine schwere und doch tragbare Version einer PAL zu entwickeln. Im August 1964 wurde ein Vertrag mit McDonnell Douglas unterschrieben, welcher eine 12-monatige Testentwicklung für eine PAL mit einer Reichweite von 1000 m beinhaltete.

Die Dragon wurde 1975 erstmals von der U. S. Army, dem U. S. Marine Corps, im Feld eingesetzt. Zu Beginn betrug die Reichweite des als FGM-77A bezeichneten Flugkörpers maximal 1000 m, die Fluggeschwindigkeit 100 m/s. 1985 wurde die Dragon aufgerüstet zur Dragon II, welche eine größere Durchschlagskraft aufwies. Das aktuelle Modell heißt Super-Dragon und wurde 1990 vorgestellt. Die Super-Dragon kann eine bis zu 450 mm dicke Panzerung durchschlagen und besitzt eine verbesserte Reichweite von 1500 m.

Das Zielgerät besteht aus einem glatten, glasfaserverstärkten Kunststoffrohr, Zielsucher sowie Trageschleife; ein Nachtsichtgerät ist bei Bedarf nachrüstbar. Im Einsatz weilt der Schütze in stehender, sitzender oder kniender Stellung und lenkt das Geschoss ins Ziel, nachträgliche Korrekturen sind über einen Draht möglich, an welchem das Geschoss mit dem Zielgerät verbunden ist. Größter Nachteil dabei ist, dass der Schütze nach Abschuss seine Deckung verliert und für den Feind ein leichtes Ziel bietet.

Da die Flugkörper der Dragon verhältnismäßig teuer sind, wird für die Ausbildung und das Training an der Waffe im Normalfall eine mobile, batteriebetriebene Simulationseinheit eingesetzt. Dabei wird nicht die normale Waffe verwendet, welche einen Flugkörper abfeuert, sondern eine optisch und in der Haptik sehr ähnliche Simulationwaffe. Beim Abschuss wird eine größere Masse durch eine vorgespannte Feder schlagartig verschoben, wodurch der Rückstoß nachgeahmt wird. Außerdem zündet beim Abfeuern eine Knallpetarde mit starker Rauchentwicklung. Nach dem Abschuss kann auf einem über Kabel angeschlossenen Simulator die fiktive Abweichung des vom Schützen angepeilten und dem effektiven Ziel graphisch dargestellt, protokolliert und bewertet werden. Das Ziel besteht aus einem Tripelspiegel, der über Retroreflexion das von der Simulationswaffe ausgesendete Infrarotsignal wieder an einen Empfänger auf dem Zielgerät zurücksendet. Der Spiegel ist handlich und leicht an stationären oder beweglichen Zielen zu befestigen.

Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten stellten die Dragon offiziell Ende der 1990er Jahre außer Dienst, jedoch befinden sich in den Arsenalen noch Bestände der Dragon.

Schweiz

Die Dragon wurde 1977 in der Schweizer Armee unter dem Namen PAL BB 77 (für Panzerabwehr-Lenkwaffe Boden-Boden 1977) eingeführt. Der PAL-Zug bezieht zur Bekämpfung von gepanzerten Fahrzeugen in der Regel vorbereitete Schützenstellungen, von denen aus er auf die Ziele wirkt. Die Schützengruppen haben jeweils ein Zielgerät dabei, welches sie abwechselnd nutzen bzw. auf ihren Abschussbehälter montieren.

Im Verlauf der Zeit führte die Schweizer Armee vier Generationen von Lenkwaffenmutition für die Dragon ein: PAL BB 77 HPz G (Hohlpanzer-Granate, Armee-Lagernummer 591-3280), PAL BB 77 HPz G 86 (ALN 591-3281), PAL BB 77 HPz G 90 (591-3282) und die PAL BB 77 HPz G 00 (591-3283) im Jahr 2000. Die neuste Generation der kampfwertgesteigerten Dragon vermag auch Reaktivpanzerung zu durchdringen.

Die PAL Dragon wurde am 1. Januar 2008 aufgrund unverhältnismässig hoher Unterhaltskosten außer Dienst gestellt und liquidiert.[1]

Abbildungen

AGM-78 Standard ARM

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AGM-78 Standard ARM

Agm-78.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Luft-Boden-Rakete
Hersteller: General Dynamics
Entwicklung: 1966
Technische Daten
Länge: 4570 mm
Durchmesser: 343 mm
Gefechtsgewicht: 620 kg
Spannweite: 108 mm
Antrieb: Feststoffraketen-Motor
Geschwindigkeit: Mach 2,5
Reichweite: 90 km
Ausstattung
Zielortung: passives Radar
Gefechtskopf: 97 kg
Waffenplattformen: Republic F-105, Grumman A-6, McDonnell F-4

 

Die US Navy stellte 1968 die von General Dynamics entwickelte AGM-78 Standard ARM als Anti-Radar-Luft-Boden-Rakete in Dienst. Die AGM-78 wurde als Erweiterung für die AGM-45 Shrike aus der RIM-66 entwickelt. Die erste Version der Standard ARM in der Navy, dort auch STARM genannt, war nichts weiter als die Luft-Boden-Variante der RIM-66, die nur mit einem Anti-Radar-Suchkopf ausgestattet wurde. Die AGM-78 hatte jedoch einen Nachteil – sie war wesentlich teurer als die Shrike.

1969 wurde die Produktion auf die AGM-78B umgestellt. Bei der B-Variante wurde der ursprüngliche Suchkopf und Teile der Elektronik ausgetauscht. Dadurch hatte die Rakete jetzt die Fähigkeit, auch Radarstellungen zu attackieren, die ausgeschaltet worden waren. Dazu „merkte“ sich die AGM die Position einer eingeschalteten Radaranlage. Da die B-Variante aber immer noch nicht den Erwartungen des Militärs entsprach, wurde im Jahr 1971 die C-Variante entwickelt. Hauptziel eines von der United States Air Force finanzierten Programms war, die Rakete effektiver und auch günstiger zu machen. Bereits 1973 wurde jedoch mit der Entwicklung der D-Variante begonnen. Es wurde wieder die Elektronik verbessert und ein jetzt 100 kg schwerer Gefechtskopf eingesetzt. Die US-Streitkräfte ersetzten Ende der 1980er-Jahre die Standard ARM durch die wesentlich bessere AGM-88 HARM. Wie viele AGM-78 in den Versionen A bis D bis zum Produktionsende 1978 gebaut wurden, ist nicht genau bekannt, da es widersprüchliche Angaben gibt (zwischen 700 und 3000). Die B-Variante wurde jedoch am häufigsten eingesetzt.

Auch wenn die AGM-78 nicht so erfolgreich war, wurden Teile von ihr in anderen Projekten weiterverwendet. Eines dieser Projekte war die RGM-66D, die eine Mischung aus RIM-66 und AGM-78 war. Bei der AIM-97 Seekbat wurde die Rahmenstruktur der Standard ARM verwendet.

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